Forscherwerkstatt explorhino: Zeit für Experimente

"Erforsche das Einzelne. Entdecke das Ganze". Unter diesem Motto ermöglicht die explorhino-Werkstatt der Hochschule Aalen Kindern und Jugendlichen den frühen Zugang zur Forschung. Leiterin Dr. Susanne Garreis im Interview.

Online-Redaktion: Frau Dr. Garreis, wer hatte die Idee zu explorhino?

Dr. Susanne Garreis© explorhino

Susanne Garreis: 2004 hat eine Unternehmerfamilie aus der Region das Technorama im schweizerischen Winterthur besucht. Sie war beeindruckt von den begeisterten Kindern dort und fand, dass so etwas hier auf der Ostalb fehlt. Sie konnten dann Klaus Pavel, den Landrat des Ostalbkreises, und den damaligen Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle für die Idee gewinnen. Dazu kam Prof. Gerhard Schneider, der Rektor der Hochschule Aalen. Sie haben überlegt, wie man ein Forschungszentrum für Kinder realisieren könnte und dazu Ende 2008 die Dr.-Albert-Grimminger-Stiftung gegründet.

Online-Redaktion: Das Technorama war ein etabliertes Vorbild. Wie startet man ein Vorhaben wie explorhino bei Null?

Garreis: Bis 2010 flossen erstmal keine Gelder. Es gab kein Gebäude. Zunächst wurde die Forscherwerkstatt in Räumen der Hochschule angesiedelt. Es hatte in den Jahren schon immer Schulklassen gegeben, die unsere Hochschule besuchten, aber das lief eher unter der Hand. Zum Beispiel fehlte der Platz, Exponate auszustellen, wie das im Technorama möglich ist. Doch ergab sich das große Glück, dass die Stadt Aalen zusammen mit der Hochschule eine Ausschreibung für "Mädchen und Technik" gewann. So gab es finanzielle Mittel für einen ersten Anfang.

explorhino
© explorhino

2010 konnten wir das Projekt dann unter dem Namen explorhino starten. Wir haben eine Netzwerkkooperation mit dem Haus der kleinen Forscher in Berlin begonnen und Workshops für Erzieherinnen und Erzieher durchgeführt. Es ging darum, altersgerechte Experimente kennenzulernen, die leicht in den Kita-Alltag zu integrieren sind. Gleichzeitig haben wir unsere Kurs- und Ferienangebote für Grundschulen aufgebaut und ab 2012 auch auf weiterführende Schulen ausgedehnt. Seit 2013 können wir das volle Spektrum von der Kita bis zum Abitur bedienen.

Online-Redaktion: Und inzwischen haben Sie eigene Räume?

Garreis: Im Juni 2015 erfolgte der Spatenstich für ein neues explorhino-Gebäude. Draußen rollen gerade die Bagger. In dem Gebäude soll die Ausstellung untergebracht werden, für die das Technorama ursprünglich mal den Anstoß gegeben hat. Zum Vorbild haben wir uns jetzt allerdings das Extavium, das Mitmachmuseum in Potsdam, genommen. Das steht auf finanziell kleineren Füßen als Winterthur und ist für uns daher besser nachahmbar. Extavium wird auch einen Gutteil unserer Ausstellung bestücken, wenn diese in etwa eineinhalb Jahren öffnet.

Online-Redaktion: Sie bieten aber jetzt schon viele Veranstaltungen an?

Garreis: Wir haben ein breites Spektrum. Pro Jahr organisieren wir bis zu rund 250 Aktionen, die von eineinhalbstündigen bis zu einwöchigen Veranstaltungen reichen. Letztes Jahr waren über 13.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei.

Online-Redaktion: Welche Themen haben die Veranstaltungen?

© explorhino

Garreis: In unserem Lager gibt es kistenweise Experimentiermaterialien. Mit diesen Materialien gehen wir an die Schulen und gestalten dort Experimente zu rund 30 Themen. An Grundschulen sind "Sinne", "Feuer", "Strom" und "Wasser" sehr gefragt. Umgekehrt können die Schulen zu uns kommen. Das ist momentan noch der kleinere Teil, weil die Hochschule aus allen Nähten platzt. Im ersten Halbjahr 2015 waren deshalb nur knapp 20 Schulklassen da. Wir planen dann auch die Besichtigung eines Labors für die Klassen ein.

Meines Wissens ist das ein einmaliges Konzept, dass zunächst die Schülerinnen und Schüler handgreiflich selbst für drei Stunden mit unseren explorhino-Materialien arbeiten und sie dann einen Rundgang durch ein oder mehrere Labore machen. Das ist eine gute Kombination: Die Schülerinnen und Schüler lernen durch die Experimente erst grundlegende Dinge und verinnerlichen sie, und dann bekommen sie etwas von der Hochschulatmosphäre mit.

Online-Redaktion: Welche Rolle spielen die Lehrkräfte?

Garreis: Wir legen großen Wert darauf, dass die Lehrerinnen und Lehrer immer dabei sind und dann irgendwann die Experimente ohne unsere Begleitung selbstständig mit ihren Klassen durchführen können. Bei Schulen, die einige Jahre dabei sind, leihen sich die Lehrkräfte das Material inzwischen aus und arbeiten damit selbst in ihrer Schule.

Das ist auch das Interessante für die Ganztagsschulen. Es gibt momentan eine weiterführende Schule, das St. Jacobus-Gymnasium in Abtsgmünd, das in seinem Ganztagsschulkonzept extra Zeitfenster für explorhino-Experimente eingebaut hat und ganz regelmäßig Material bei uns leiht. Eine unserer fünf Mitarbeiterinnen kommt zu Anfang noch in die Schule, um Impulse zu geben, sodass sich die Lehrerinnen und Lehrer mit den Materialien vertraut machen können. Dann verbleiben die Materialien für mehrere Wochen an der Schule, wo die Lehrkräfte ohne unsere Unterstützung damit weiterarbeiten.

Online-Redaktion: Läuft Ihr Angebot überall reibungslos, oder müssen Sie auch manchmal nachsteuern?

Garreis: An der Deutschorden-Schule in Lauchheim kooperieren wir beispielsweise mit dem Grundschulbereich. Dort haben wir gemerkt, dass unser Konzept noch überarbeitet werden muss. explorinho ist da in das AG-Angebot ganz am Ende des Schultages eingebettet. Die Grundschüler wollen aber am Nachmittag lieber kicken und toben, als sich nochmal sitzend in etwas Angeleitetes vertiefen. Da ist ganz klar, dass wir da einen neuen Vorschlag machen müssen.

Wir könnten zum Beispiel, wie in der Hermann-Hesse-Schule in Aalen, das ist nun wiederum eine Förderschule, einen Raum mit Materialien einrichten. Die jüngeren Schülerinnen und Schüler können dort selbstständig etwas erforschen und nur so weit gehen, wie sie das wollen. Wenn erforderlich, werden sie von Mitschülern aus der Sekundarstufe beaufsichtigt und unterstützt.

Online-Redaktion: Bieten Sie auch etwas außerhalb der Schulzeiten an?

Garreis: Es gibt Wochenendkurse, AGs unter der Woche am Nachmittag und Eltern-Kind-Kurse, die ich für ein sehr gutes und wichtiges Modell halte, das auch sehr gut angenommen wird. Dann bieten wir noch die Feriencamps an. Da übernachten Gruppen von 15 Schülerinnen und Schüler im Alter von 13 bis 16 Jahren bei uns in der 100 Meter von der Hochschule entfernten Jugendherberge, kommen für eine Woche zu uns in die Hochschule und arbeiten jeden Tag an einem anderen Thema, wie beispielsweise der Optoelektronik.

Für unsere Professoren ist das viel Arbeit: Die Angebote dürfen nicht zu studentisch sein, sollen aber trotzdem den Eindruck vermitteln, wie es einmal sein wird, wenn man studiert. Begleitet werden die Schülergruppen durch Abiturienten und Studenten.

Online-Redaktion: Was steht im diesjährigen Feriencamp auf dem Programm?

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Eine Laborbesichtigung gehört zum explorhino-Angebot dazu.© explorhino

Garreis: Das Jungen-Camp läuft vom 31. August bis zum 4. September und das Mädchen-Camp vom 7. bis 11. September. Die Schülerinnen und Schüler werden Kurzfilme drehen und schneiden. Es gibt viele Chemie-Angebote, weil uns diesmal das Chemielabor voll zur Verfügung steht. Im Maschinenbau wird unter anderem ein Motor auseinandergenommen.

In der Materialographie forschen die Jugendlichen mit Elektronenmikroskopen zu neuen Materialien für Batterien. Außerdem ist eine Theaterpädagogin da, die an einem Tag mit den Jugendlichen Theater spielen wird, damit auch etwas Abwechslung in die Woche kommt. Ein Ausflug zur Firma Carl Zeiss in Oberkochen, die explorhino auch finanziell unterstützt, ist ebenfalls geplant.

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