Grundschule an der Wuhlheide: „Das ist doch ein Traumjob hier“

"Wir-Gefühl entwickeln und Wissbegierde wecken", so beginnt das Leitbild der Schule an der Wuhlheide, einer gebundenen Ganztagsgrundschule in Berlin-Köpenick. Das gelingt nur mit einem multiprofessionellen Kollegium.

Außenansicht der Schule an der Wuhlheide
Die drei Schulgebäude stammen aus den Jahren 1898, 1900 und 1908© Schule an der Wuhlheide

Manchmal braucht es einfach den richtigen Mann am richtigen Platz. Der alte Schulgarten der Schule an der Wuhlheide in Berlin-Köpenick lag im „Dornröschenschlaf“, wie es Erzieher Peter Teller ausdrückt, als er sich zum Schuljahr 2013/2014 an der Ganztagsgrundschule um eine Stelle bewarb. Nachdem er ins Feld führen konnte, dass er sich zuvor an der Cecilien-Grundschule in Berlin-Wilmersdorf auch um den Kräutergarten gekümmert hatte, war das ein Grund mehr, Teller in die Schulfamilie der gebundenen Ganztagsschule aufzunehmen.

Und der ehemalige Koch legte los: Mit den Pächtern des Interkulturellen Gartens, die inzwischen einen Teil bewirtschafteten, einigte er sich auf das Aufteilen des umliegenden Geländes. Zusammen mit den Schülerinnen und Schülern der Schulgarten-AG tauschte er die Erde aus und befreite den Garten vom Unkraut. Daneben suchte er erfolgreich Sponsoren. So konnte die Schulgarten-AG einen Garten mit Kräutern, Obst und Gemüse anlegen. Teller pflanzte Obstbäume, und zuletzt entstand mit Fördermitteln aus dem Programm „Grün macht Schule“ der Berliner Senatsverwaltung ein kleines Gewächshaus. „Hier ziehen wir demnächst Pflanzen vor“, freut sich Peter Teller.

Jetzt können die Schülerinnen und Schüler bereits ernten, aber vor allem riechen, schmecken und tasten, Kräuter und Früchte aufwachsen sehen, die sie mitunter nur vom Hörensagen kannten. Zweimal pro Woche gibt es die Schulgarten-AG. Der Garten benötigt natürlich ständige Pflege. Auch andere Klassen kommen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern vorbei, um hier zu lernen und sich in der schönen Umgebung im Freien aufzuhalten. Und Peter Teller ist sowieso jeden Tag hier, um den Schulgarten in Schuss zu halten.

„Ach, dafür kann ich das gebrauchen!“

Dieses Engagement zeichnet die Schule an der Wuhlheide insgesamt aus, wie Teller und sein Erzieherkollege Oliver Prutz meinen. „Man merkt, dass hier alle mit Herzblut bei der Sache sind, in ihrer Arbeit aufgehen und weit mehr machen als Dienst nach Vorschrift“, erzählt Prutz, der an der Schule die Holzwerkstatt und die Theaterwerkstatt der Schule Woche leitet. „Das ist doch ein Traumjob hier. Was gibt’s denn Schöneres, als das zu machen, was einem Spaß macht?“

Klassenraum der Schule an der Wuhlheide
Die Klassenzimmer sind jahreszeitlich geschmückt© Schule an der Wuhlheide

Der Traumjob von Oliver Prutz, der einst als Kulissenbauer am Theater tätig war, besteht darin, den Kindern sein Wissen über die Arbeit mit Holz zu vermitteln. Er baut mit ihnen Kulissen und Requisiten für Theateraufführungen in der großen Aula oder auf den traditionsreichen Schulfesten im Sommer und im Advent. Wenn in der Holzwerkstatt die Pläne für die Kulissen entstehen, probiert sie der Kurs erst – wie Bühnenbildner im „richtigen Theaterleben“ – mit dem Bau eines Modells im Maßstab 1:10 aus. „Da lernen die Kinder, wie man Maßstäbe berechnet“, berichtet Prutz. „Letztens rief ein Mädchen: 'Ach, dafür kann ich das gebrauchen!' Das ist richtiges begreifendes Lernen, bei dem Mathematik erlebbar wird.“

Nicht nur die Schülerinnen und Schüler haben in der „Gebundenen Freizeit“ – wie die Arbeitsgemeinschaften hier heißen – Spaß an der Arbeit und „wählen den Kurs immer wieder an“, freut sich Oliver Prutz, sondern auch diejenigen, die dann mit den Kulissen und Requisiten auf der Bühne stehen: „Es ist viel schöner, mit richtig fassbaren Gegenständen zu spielen, als nur vor einem bemalten Hintergrund zu stehen.“ Neben großen Aufführungen wie „Hänsel und Gretel“ oder „Dornröschen“ greifen auch immer mehr Klassen für ihre eigenen kleinen Projekte im Klassenraum auf die Theaterwerkstatt zurück.

Rhythmisierung mit 45 Minuten-Takt

Die an zwei Tagen stattfindende „Gebundene Freizeit“ für die Klassen 3 bis 6 liegt auch am Vormittag, womit die Ganztagsschule den Schultag rhythmisiert, während sie die Unterrichtsdauer beim 45 Minuten-Takt belassen hat. „Wir haben uns viele Beispiele an anderen Schulen im Berliner Ganztagsschulnetzwerk angesehen“, berichtet Konrektorin Silke Artner, „aber nichts hat uns so überzeugt, dass wir unseren Stundenrhythmus ändern wollten. Über das Netzwerk hinaus stehen wir weiter im Kontakt mit der Sonnenblumen-Grundschule und der Schule in der Köllnischen Heide. Beide sind auch gebundene Ganztagsschulen.“

 Peter Teller und Oliver Prutz vor dem Gewächshaus der Schule an der Wuhlheide
Die beiden Erzieher Peter Teller und Oliver Prutz vor dem Gewächshaus© Archiv www.ganztagsschulen.org

Seit elf Jahren lernen die Schülerinnen und Schüler ganztägig. An der Ganztagsgrundschule sind zurzeit 470 Schülerinnen und Schüler – mit steigender Tendenz, wie Silke Artner sagt. 33 Lehrerinnen und Lehrer und fast ebenso viele weitere Pädagoginnen und Pädagogen – Erzieherinnen und Erzieher, Integrationshelfer, Sozialpädagogin Franziska Krämer – sind hier tätig. Ein wahrhaft multiprofessionelles Kollegium.

Die Schule öffnet ihre Türen morgens für den offenen Beginn um 7.30 Uhr. Der Unterricht startet um 8.00 Uhr und dauert bis 16.00 Uhr. Im Speisesaal gibt es das von einem Caterer angelieferte Mittagessen. Die Zeit für das Mittagessen berücksichtigt die unterschiedlichen Stundenpläne der Jahrgangsstufen und auch die Platzsituation, denn hier nehmen viele Kinder am Schulessen teil. Sie erstreckt sich von 11.35 bis 13.45 Uhr.

Kräutergarten und Gewächshaus im Schulgarten
Der Kräutergarten und das Gewächshaus im Schulgarten © Archiv www.ganztagsschulen.org

Differenzierte Lernzeiten haben in der Schule an der Wuhlheide die Hausaufgaben abgelöst. Die Erzieherinnen und Erziehern gestalten die Lernzeit und sind Ansprechpartner für die Kinder. Ob ein Kind in Stillarbeit, Paararbeit oder Gruppenarbeit lernt, ist jeweils individuell geregelt. „Wenn Schülerinnen und Schüler schneller mit ihren Aufgaben fertig sind, dann können sie Zusatzaufgaben erledigen, zum Beispiel mit dem Antolin-Leseprogramm am Computer, der in jedem Klassenzimmer steht“, so Konrektorin Silke Artner. „Die Kinder können sich dann auch gegenseitig per Helfersystem unterstützen.“

Kooperation macht Schule

An der Grundschule arbeiten alle Professionen eng verzahnt. Die Erzieherinnen und Erzieher sind daher immer bestens im Bilde, welche Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler gestellt sind. Bis zur 4. Jahrgangsstufe gibt es feste Teams aus je einer Lehrerin und einer Erzieherin beziehungsweise einem Erzieher. Ab der 5. Klasse ist das System offener, aber immer noch gibt es enge Absprachen. Die Schule hat extra Begleitungsstunden für den Austausch untereinander geschaffen. Darüber hinaus treffen sich regelmäßig die Jahrgangsteams.

Von der Theaterwerkstatt gebastelter Schallplattenspieler
© Archiv www.ganztagsschulen.org

Auch von außen kommen Impulse: Ein Kooperationspartner ist der 1. FC Union Berlin, in diesem Teil der Stadt der Berliner Fußballklub schlechthin, mit dem schon die Eltern der Schülerinnen und Schüler aufgewachsen sind. Die Alte Försterei, das Stadion, liegt ganz in der Nähe. Mit dem Projekt „Union macht Schule“ gestaltet der Klub auch den Ganztag in Grundschulen mit, ein Trainer kommt regelmäßig in die Schule an der Wuhlheide.

Die Schule an der Wuhlheide legt einen Schwerpunkt auf die musische Erziehung und hat drei Bläserklassen. Diese traten im Dezember 2014 an zwei Abenden mit den Berliner Philharmonikern in der Philharmonie auf. Sie kooperiert mit TUSCH Berlin, dem Theater-Schulen-Partnerschaftsprogramm. Auch die Jugendkunstschule Treptow-Köpenick, die eine Keramik-AG anbietet, und eine Musikschule sind dabei. Und seit 2008 nimmt die Ganztagsschule am Comenius-Austauschprojekt teil: „Gerade sind Schülerinnen und Schüler von unserer spanischen und unserer türkischen Austauschklasse hier gewesen“, berichtet Silke Artner.

„Die Zusammenarbeit läuft hier systemisch“

Aber es gibt nicht nur organisierte und verpflichtende Angebote. In den Hofpausen können die Kinder auch offene Freizeitangebote wahrnehmen. Erzieherinnen und Erzieher bieten zum Beispiel das erlebnispädagogische „Balancieren auf der Slackline“ an. „Die Kinder fühlen sich wohl, sie entdecken hier Fähigkeiten und Leidenschaften und entwickeln dadurch Selbstbewusstsein“, meint Oliver Prutz. Ein Indikator dafür sei, wie viele ehemalige Schülerinnen und Schüler immer mal wieder vorbeischauten. Und nicht selbstverständlich: Die Konzeption des Freizeitbereiches ist integrierter Bestandteil der Schulkonzeption.

Hoffest der Schule an der Wuhlheide
Im Terminkalender fest verankert ist das Hoffest, das immer vor den Sommerferien stattfindet© Schule an der Wuhlheide

Für die beiden Erzieher Peter Teller und Oliver Prutz ist klar, dass die gute Stimmung an der Schule durch das Miteinander entsteht: „Die Zusammenarbeit läuft hier systemisch, alles greift ineinander. Jeder sieht den Blickwinkel des Anderen und läuft nicht mit Scheuklappen herum“, erklärt Prutz. „Und diese gute Zusammenarbeit spüren auch die Kinder.“

Nachdem die Volkshochschule aus einem der drei Gebäude der Schule ausgezogen ist, verfügt die Grundschule an der Wuhlheide über den Luxus von viel Platz. "Eine Ganztagsschule ohne entsprechendes Raumangebot ist auf Dauer nicht erfolgreich", meint Peter Teller. Er hofft daher auch, dass es ihm gelingt, eine Schulküche einzurichten, in der die Schulgarten-AG demnächst die Ernte selbst verarbeitet. „Einen idealen Raum habe ich bereits und auch das grüne Licht der Schulleitung. Nun muss ich noch das Geld auftreiben“, erzählt der Erzieher. Wer will zweifeln, dass das gelingen wird!

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