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FSJ Ganztagsschule: Bestnoten von beiden Seiten

1.500 FSJler unterstützen Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz. Lukas Nübling vom Kulturbüro Rheinland-Pfalz spricht im Interview über die Erfahrungen mit dem FSJ Ganztagsschule, zum Beispiel den „positiven Nebeneffekt“ der Berufsorientierung.

Porträtfoto Lukas Nübling
Lukas Nübling© Kulturbüro RLP

Online-Redaktion: Herr Nübling, seit 2006 ist Ihr Kulturbüro anerkannter Träger des FSJ Kultur und seit 2007 auch des FSJ Ganztagsschule. Wie erfolgreich vermitteln Sie zwischen Ganztagsschulen und jungen Leuten, die sich für das Freiwillige Soziale Jahr entscheiden?

Lukas Nübling: Wir sind 2006 mit zehn Einsatzstellen gestartet und haben das FSJ Kultur inzwischen auf 130 Freiwilligenplätze ausgebaut. Bei den Ganztagsschulen waren es zu Beginn 30 Freiwillige. Mittlerweile sind es dort über 300.

Online-Redaktion: Das sind sicherlich Herausforderungen für das Kulturbüro?

Nübling: Ja, natürlich. 2006 waren wir noch zu zweit, jetzt sind wir 18 Leute. Der Personalschlüssel gibt eine Koordinatorenstelle für 40 Freiwillige vor. Die Koordinatoren verfügen in der Regel über ein pädagogisches Studium.

Online-Redaktion: Und der Zuspruch reißt nicht ab?

Nübling: Ich kann jetzt natürlich nur für uns reden, die wir ein Träger unter vielen in Rheinland-Pfalz sind. Im Land gibt es meines Wissens derzeit rund 1.500 FSJler in Ganztagsschulen. Die Zahlen sind in den letzten Jahren konstant hoch, so auch bei uns.

Online-Redaktion: Wenn eine Ganztagsschule einen FSJler oder eine FSJlerin haben möchte, was muss sie dann tun?

Nübling: Das Land finanziert ein bis zwei FSJler pro Ganztagsschule, die sich dann an einen der FSJ-Träger wendet. Wir arbeiten mit einem zentralen Online-Bewerbungsverfahren. Dort melden sich die Interessenten, und wir leiten die Bewerbungen an die Schulen weiter. Die Ganztagsschule entscheidet dann, wen sie nimmt. Es gibt Träger, die die FSJler auch noch zu Vorstellungsgesprächen bitten. Wenn sich eine Schule und der Bewerber beziehungsweise die Bewerberin einig sind, sprechen sie miteinander darüber, was sie zusammen in dem Jahr erreichen möchten. Dann schließen beide eine Zielvereinbarung ab.

Online-Redaktion: Bekommt jede Schule, die das möchte, Unterstützung durch FSJler?

Nübling: Bis zu 95 Prozent der Schulen können wir diesen Wunsch erfüllen. Problematisch ist es zuweilen mit Schulen auf dem Land, aber das ist die Ausnahme. Manchmal muss man ein bisschen Geduld haben. Wir besetzen derzeit die Stellen ab August, und da kommen bis kurz vor Schluss noch Bewerbungen rein. Ganztagsgrundschulen sind bei den FSJlern sehr beliebt und können häufig unter acht bis zehn Bewerbern auswählen. Gymnasien haben es am schwersten, vermutlich weil der Altersunterschied zu den Schülerinnen und Schülern dort sehr gering ist.

FSJ-ler und Schüler vor einem Notebook
© Kulturbüro RLP

Manche Schulen wiederum tun sich schwer, unter 18-jährige Bewerberinnen und Bewerber zu nehmen. Das hängt hauptsächlich mit der Aufsichtspflicht zusammen. Während Volljährige schon mal ohne Lehrkraft eine Gruppe übernehmen können, dürfen das die unter 18-Jährigen noch nicht. Da versuchen wir Ganztagsschulen zu überzeugen, dass sie auch diesen Jugendlichen eine Chance geben.

Online-Redaktion: Welche Aufgaben übernehmen FSJler in den Ganztagsschulen?

Nübling: Am Vormittag werden sie oft im Unterricht eingesetzt, wo sie Lehrer unterstützen und oftmals Kleingruppen betreuen. Vielen ist das sehr recht, weil sie überlegen, ob sie nicht mal Lehramt studieren wollen. Ein anderer Teil ist mehr mit Organisationsaufgaben für den Nachmittagsbereich oder auch im Sekretariat beschäftigt. Die FSJler begleiten das Mittagessen und die Hausaufgabenbetreuung. Rund drei Viertel der FSJler bieten ihre eigene Arbeitsgemeinschaft an. Ansonsten sind sie unterstützend dabei.

Online-Redaktion: Mitunter sind Schulleitungen unsicher, was FSJler dürfen und was sie nicht dürfen.

© Kulturbüro RLP

Nübling: In der Klasse können FSJler zur Unterstützung eingesetzt werden. Sie dürfen nicht alleine vor der Klasse stehen oder gar unterrichten. Ab 18 Jahren dürfen sie schon alleine Aufsicht führen, zum Beispiel in der Pause oder bei der Aufsicht an der Bushaltestelle. Und sie können eben eine Arbeitsgemeinschaft alleinverantwortlich leiten. Allerdings muss immer eine gute Einführung in mögliche Gefahrensituationen und eine Rückversicherung gegeben sein: Sie müssen wissen, an wen sie sich jederzeit in der Schule wenden können. Für die Leitung von Sport-AGs benötigen sie einen Übungsleiterschein. Diesen bietet jedoch nur die Sportjugend als FSJ-Träger im Rahmen ihrer Bildungstage an.

Online-Redaktion: Welche Rückmeldungen erhalten Sie, zum einen aus den Schulen und zum anderen von den Freiwilligen?

FSJ-lerin mit einer Schafherde
© Kulturbüro RLP

Nübling: Die sind sehr positiv, von beiden Seiten. Wir haben zwei Jahre lang trägerübergreifend in Ganztagsschulen evaluiert und haben da Bestnoten verzeichnet. Zum Beispiel in der Frage, ob man das FSJ weiterempfehlen würde. Bei der Befragung kam interessanterweise auch heraus, dass viele FSJlerinnen und FSJler das Jahr als Berufsorientierung nutzen, um zu sehen, ob das Lehramt oder die Schulsozialarbeit das Richtige für sie ist.

50 Prozent haben gesagt, dass sie nach dem Jahr weiter bei ihrem Berufswunsch blieben. 15 Prozent meinten, die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern sei nicht das Richtige für sie. Das ist natürlich eine wertvolle Erfahrung, die es vielen erspart, einen falschen Beruf zu ergreifen, zu studieren und dann festzustellen, dass ein pädagogischer Beruf gar nichts für sie ist. Langfristig sind beide Entscheidungen ein sehr positiver Nebeneffekt.

Online-Redaktion: An welchen Stellen drohen Stolpersteine?

© Kulturbüro RLP

Nübling: Die Schulen müssen aufpassen, dass sie die jungen Menschen nicht verheizen, um es mal salopp zu sagen. Manchmal erleben wir, dass FSJler sehr rangenommen werden, vor allem im Nachmittagsbereich, wo viel organisiert werden muss. Da muss das Maß gewahrt bleiben.

Online-Redaktion: Sind Sie dann als Schlichtungsstelle gefragt?

Nübling: Zunächst sollten sich die beiden Parteien bemühen, das unter sich zu klären. Aber wenn das nicht funktioniert, stehen wir als Mediator zur Verfügung und reden mit beiden. Probleme haben, wenn sie auftreten, in der Regel mit den Freiwilligen zu tun. Wenn wir allerdings mehrfach über einen längeren Zeitraum feststellen, dass eine Schule das gleiche Problem mit unterschiedlichen FSJlern hat, dann gehen wir auch so weit, den Schulen keine FSJler mehr zu vermitteln, denn dann liegt es offenbar an der mangelnden Betreuung. Strukturell ist das Freiwillige Soziale Jahr gut. Schwierigkeiten entstehen individuell. Wir haben es hier halt mit Menschen zu tun.

Lukas Nübling ist Geschäftsführer des Kulturbüros Rheinland-Pfalz und der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Soziokultur & Kulturpädagogik e.V. Rheinland-Pfalz.

Das Kulturbüro, das 1993 von der LAG Soziokultur & Kulturpädagogik Rheinland-Pfalz gegründet wurde, ist anerkannter Träger des FSJ Kultur und des FSJ Politik. Als Träger des FSJ Ganztagsschule betreut das Kulturbüro seit dem Schuljahr 2007/08 im Dachverband der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. über 190 Ganztagsschulen aller Schularten im nördlichen Rheinland-Pfalz.

Das Kulturbüro versteht sich als Anlaufstelle und Dienstleistungseinrichtung für die gesamte freie Kulturszene in Rheinland-Pfalz und kommunale Veranstalter wie Kultur- und Jugendämter. Es ist außerdem Servicestelle des Kompetenznachweises Kultur. Derzeit baut das Kulturbüro auch einen Deutsch-französischen Freiwilligendienst Kultur im Rahmen des Internationalen Jugendfreiwilligendienstes (IJFD) mit Unterstützung des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) auf.

Das Video haben wir für dieses Interview mit freundlicher Genehmigung des Kulturbüros Rheinland-Pfalz der LAG Soziokultur & Kulturpädagogik e.V. von der Homepage www.fsj-ganztagsschule.de übernommen. Alle Rechte liegen beim  Kulturbüro Rheinland-Pfalz, www.fsj-ganztagsschule.de.

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