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Werte des Sports in den Ganztag tragen

Seit knapp sieben Monaten koordiniert Petra Henn für den Sportkreis Böblingen die Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Schulen. Sie ist überzeugt: Im Miteinander liegt viel Potenzial.

Online-Redaktion: Was reizt Sie an der Aufgabe, die Zusammenarbeit zwischen Sportvereinen und Ganztagsschulen zu koordinieren?

© Petra Henn

Petra Henn: Es ist interessant, vor Ort mit den Vereinen und Schulen zusammenzuarbeiten und diese bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Es ist spannend, wenn man sieht, wie sowohl die Vereine als auch die Schulen von der Zusammenarbeit profitieren können. Ich möchte meinen Beitrag leisten, diese Kooperation auszubauen.

Der Sportkreis Böblingen hat für die Jahre 2014/2015 den Themenkomplex "Vereine-Ganztagsschule" zu seinem Schwerpunktthema erklärt. Deshalb hat sich der Sportkreis beim Württembergischen Landessportbund für eine der 15 Koordinierungsstellen beworben und erfreulicherweise den Zuschlag erhalten.

Online-Redaktion: Wie viele Vereine gehören dem Sportkreis Böblingen an? Und wie viele Ganztagsschulen stehen dem gegenüber?

Henn: Der Sportkreis Böblingen betreut insgesamt 269 Vereine. Derzeit haben wir im Bereich unseres Sportkreises 26 Ganztagsschulen, davon zwei Ganztagsgrundschulen nach dem neuen Schulgesetz.

Online-Redaktion: Werden Sie nur für Vereine tätig, die Mitglied im Sportkreis sind?

Henn: Der Sportkreis Böblingen betreut alle 269 Vereine, die beim WLSB registriert sind. Das ist eine ganze Menge. Vor allem aber repräsentieren sie auch eine Vielzahl von unterschiedlichen Sportarten. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es noch einen Verein oder eine Sportart gibt, die nicht vertreten sind.

Online-Redaktion: Was erwarten die Vereine von Ihnen?

Henn: In erster Linie geht es um die Beratung und Unterstützung zum Thema Kooperation mit Ganztagsschulen. Die Vereine wollen beispielsweise erfahren, wie sie die für diese Tätigkeit erforderlichen Übungsleiter und Übungsleiterinnen finden, wie sie als Verein die Kooperationen mit Ganztagsschulen finanzieren oder wie sie am besten auf die Schulen zugehen.

Online-Redaktion: Wie gehen Sie selbst auf Vereine und Ganztagsschulen zu?

Judotraining
© Britta Hüning

Henn: In Kooperation mit dem WLSB, dem Staatlichen Schulamt Böblingen und mit den Fachverbänden Handball und Fußball haben wir im Sportkreis Böblingen im vergangenen Jahr zwei Informationsveranstaltungen durchgeführt. Dazu haben wir die Vereine, Schulen und Kommunen gleichermaßen eingeladen. Die Veranstaltungen waren beide sehr gut, und so ergaben sich die ersten Kontakte. Mittlerweile bin ich als Koordinatorin bekannt, und die Vereine und Schulen kommen nun auch auf mich zu.

Online-Redaktion: Wo sehen Sie für sich als Koordinatorin die größten Herausforderungen?

Henn: Meine Hauptaufgabe sehe ich derzeit darin, den Vereinen tatkräftig zur Seite zu stehen und ihnen Mut zu machen, sich an den Schulen einzubringen. Da ist manchmal die Hemmschwelle noch etwas groß.

Online-Redaktion: Der Sportkreis Böblingen ist Mitglied der Deutschen Olympischen Gesellschaft, die Werte wie Fair Play, Leistungsbereitschaft, Teamgeist, Toleranz und Völkerverständigung vertritt. Können die Vereine solche Werte in die Ganztagsschulen tragen?

Henn: Die genannten hohen Werte des Sports werden durch Trainer und Trainerinnen, Übungsleiter und Übungsleiterinnen in unseren Vereinen vermittelt. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies dann auch Bestandteil der Unterrichtseinheiten sein wird, die unsere Vereine im Rahmen des schulischen Ganztagsangebots einbringen werden. Der Schulbetrieb wird hiervon sicher auch profitieren.

Online-Redaktion: In der Satzung des Sportkreises heißt es, der Sportkreis solle allen die Möglichkeit geben, unter zeitgemäßen Bedingungen Sport zu treiben. Erfordert das angesichts der kleiner werdenden Freizeit von Kindern und Jugendlichen nicht automatisch die Zusammenarbeit mit Ganztagsschulen?

© Britta Hüning

Henn: Ganz richtig! Bedingt durch den demografischen Wandel werden wir zukünftig nicht nur weniger Kinder und Jugendliche haben. Auch die durch den Trend in Richtung Ganztagsschule geringer werdende außerschulische Freizeit wird es den Jugendabteilungen unserer Vereine immer schwerer machen, Kinder und Jugendliche außerhalb der Schule für die Vereine zu gewinnen. Daher ist es das Gebot der Stunde, dass sich die Vereine darum bemühen, im Schulbetrieb Fuß zu fassen. Dies waren unter anderem auch beim Landessportbund die Gründe dafür, die Koordinierungsstellen „Vereine-Ganztagsschule“ mit hauptamtlichen Koordinatorinnen und Koordinatoren zu schaffen.

Online-Redaktion: Zum Sport gehören die Talentsuche- und -förderung. Nun äußern nicht nur in Baden-Württemberg viele Vereine die Sorge, die Ganztagsschule verringere ihren Spielraum für solche Aufgaben. Wie kann Talentsuche und -förderung in Ganztagsschulen gelingen?

Henn: Auch hier sehe ich für unsere Vereine natürlich große Chancen. Jeder Übungsleiter und jede Übungsleiterin, der oder die sportliche Talente entdeckt, wird bestrebt sein, diese zu fördern. Ich bin der Überzeugung, dass entdeckte Talente nicht untergehen, sondern vielmehr gezielt für den Verein gewonnen werden. Was dann daraus wird, kann man im Vorhinein nicht sagen, denn um das erkannte sportliche Talent weiter zu fördern, bedarf es einerseits Zeit und andererseits der Bereitschaft, auch zu wollen.

Online-Redaktion: Bei der Kooperation steht stets die Forderung nach Zusammenarbeit auf Augenhöhe im Raum. Heißt das nicht auch, dass die Ganztagsschulen in den Gremien des Sportkreises vertreten sein müssten?

Fußballtraining
© Britta Hüning

Henn: Die Befürchtung, dass man den Schulen im Sportkreis Böblingen nicht auf Augenhöhe begegnen könnte, muss man meines Erachtens nicht haben, denn die Zusammenarbeit zwischen dem Sportkreis und dem Staatlichen Schulamt ist sehr gut. Insbesondere sitzt der Leiter des Regionalteams Sport beim Staatlichen Schulamt in unserem Sportkreis bereits seit Jahren in der Kommission „Kooperation Schule-Verein“ fest mit im Boot.

Online-Redaktion: Wie wird Ihrer Einschätzung nach die Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Ganztagsschulen 2020 aussehen?

Henn: Nachdem die Ganztagsschule mittlerweile im Schulgesetz verankert wurde, gehe ich davon aus, dass sich immer mehr Schulen auf den Weg zur Ganztagsschule machen werden. Je nach konzeptioneller Ausrichtung der Schule kann sich die Zusammenarbeit zwischen den Schulen und den Vereinen durchaus fruchtbar für beide Seiten entwickeln.

Ich gehe davon aus, dass sich bis zum Jahr 2020 noch etliche Schulen aus unserem Landkreis zur Ganztagsschule hin entwickeln werden und hoffe natürlich, dass ich als Koordinatorin in diesen Fällen unterstützend beim Aufbau von Kooperationen mit unseren Vereinen zur Seite stehen kann.

Zur Person:
Petra Henn (47) wurde in Stuttgart geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie ist ausgebildete Groß- und Außenhandelskauffrau. Von 2009 bis 2014 leitete sie die Geschäftsstelle der SVGG Hirschlanden-Schöckingen. Seit September 2014 ist sie Koordinatorin „Vereine-Ganztagsschule“ des Sportkreises Böblingen.

Veranstaltungshinweis:
Am 24. April 2015 richtet der Württembergische Landessportbund (WLSB) die „Fachtagung 2015: Sportvereine und Ganztagsschulen“ aus. Näheres unter Termine.

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