Ganztagsgrundschule Trierweiler: „Wir sind HAPPY!“

An dieser Ganztagsgrundschule sind die Kinder, aber auch das Kollegium „happy“. Alle Beteiligten erhalten den Freiraum, der nötig ist, um die eigenen Kompetenzen weiterzuentwickeln.

Ein beschwingter Video-Clip macht neugierig: „Wir sind HAPPY!“. Schülerinnen und Schüler tanzen, hüpfen, turnen, winken aus dem Unterricht, aus dem PC-Raum und vom Schulhof, alles unterlegt mit Musik. Das macht Lust auf einen Schulbesuch in der Ganztagsgrundschule Trierweiler...

Bibliothek Grundschule
© Grundschule Trierweiler

„Wir sind eine Schule, an der die Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler Bewegungsfreiheit und Luft zum Atmen haben“, beschreibt Schulleiter Jan-Henning Syrbe die Atmosphäre an seiner Ganztagsgrundschule. „Es ist wichtig, dass ich die KMK-Kompetenzziele umsetze und die Kompetenzen meiner Schülerinnen und Schüler fördere. Das erreiche ich am besten, indem ich mich nicht auf bestimmte Schwerpunkte festlege, was die Art des Unterrichtens oder die Inhalte betrifft, sondern aus dem pädagogischen Spektrum das herausgreife, was am besten zu den Schülerinnen und Schülern passt. Jeder Mensch ist anders. Ich kann nicht die bewegte Grundschule oder den offenen Unterricht als Heil für jeden einzelnen Schüler vorschreiben. An unserer Schule erhalten auch jede Kollegin und jeder Kollege die Möglichkeit, sich mit ihren Neigungen und Interessen zu entwickeln, wodurch eine Vielzahl an Möglichkeiten eröffnet wird.“

Seit dem Schuljahr 2005/2006 arbeitet die Grundschule Trierweiler an vier Wochentagen als Ganztagsschule in Angebotsform. Diese nutzen derzeit rund 80 der etwa 180 Schülerinnen und Schüler der Ortsgemeinde Trierweiler, aber auch Kinder aus anderen Gemeinden, die an ihren Orten keine Ganztagsangebote vorfinden. „Wir haben inzwischen 30 Kinder, die nicht aus Trierweiler kommen, an unserer Schule aufgenommen“, berichtet Jan-Henning Syrbe, der seit Anfang 2013 die Ganztagsschule leitet. Diese Zahl steige weiter, denn immer mehr Eltern von Schülerinnen und Schülern sprechen sich für den Ganztag aus.

Die Schülerinnen und Schüler gehen jeweils nach dem Vormittagsunterricht mit ihren – meist langjährigen – Betreuungskräften zum Mittagessen ins benachbarte Seniorenheim Niederweiler Hof. Zwar bedauert Schulleiter Syrbe, dass seine Schule noch keine eigene Mensa hat. Aber immerhin werde das Essen im Niederweiler Hof frisch zubereitet: „Dort wird ein Schnitzel noch selbst geklopft, und ein Rosenkohl schmeckt noch wie ein Rosenkohl.“ Er selbst nimmt am Essen teil, daher ist er so gut informiert.

„Wir holen die Vereine zu uns in die Schule“

Eine Besonderheit sind die auch am Vormittag stattfindenden Arbeitsgemeinschaften: An jedem Mittwoch treffen sich die Schülerinnen und Schüler der Klassen 3 und 4 für die letzte Lernphase in ihren AGs, die Lehrerinnen und Lehrer durchführen: Die heißen „Forschen an den Naturgesetzen“ oder „Nadel und Faden“ oder auch „Foto AG“. Die Schulbibliothek ist mit rund 1.500 Medien ausgestattet und bietet so einen hervorragenden Rahmen für die Leseförderung, die mit Lesenächten, verschiedenen Leseprojekten, manchmal mit Leseeltern, mit der Schülerzeitung und mit Autorenlesungen ein wichtiger Bestandteil des Schullebens ist.

© Grundschule Trierweiler

„Unsere Schule zeichnet zwei Dinge aus: Zum Einen möchten wir den Kindern Angebote machen, für die die Eltern sie in einer ländlichen Region wie der unseren sonst den ganzen Nachmittag von A nach B nach C fahren müssten, um einen Verein oder eine Musikschule zu erreichen“, berichtet Syrbe. „Wir haben gesagt: Wir holen die Vereine zu uns in die Schule. So gibt es das Deutsche Rote Kreuz bei uns, einen Handballverein, einen Fußballverein, die ihre Angebote bei uns unterbreiten können. Den Eltern können wir mitteilen: Was Sie mit Ihrem Privatauto abfahren müssten, können Sie in unserer Schule einfacher haben – und mit einem Mittagessen und einer Lernzeit für die Kinder noch obendrauf.“

Zweitens habe die Schule hoch qualifizierte, gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, „die von sich aus Spaß am Lehren und Lernen mitbringen. Ich habe meine Kolleginnen und Kollegen gefragt, wozu sie noch Lust haben und wo ihr pädagogischer Wohlfühlpunkt liegt“, erinnert sich der Schulleiter. So kann die Grundschule von der Aquaristik über Schach bis zum Reiten den Kindern einen bunten Nachmittag anzubieten, „wobei wir darauf achten, dass das Angebot ausgewogen ist: Ist jeden Tag etwas Sportliches da, etwas für den Kopf und etwas, das den Horizont erweitert?“ Die Grundschule Trierweiler zeichnet sich nicht durch einen Schwerpunkt aus, sondern laut Syrbe kann sich hier „ein Kind in alle möglichen Richtungen entfalten und entwickeln“. Er selbst ist im Nachmittagsbereich tätig.

Ganztagsschule aus einem Guss

Im vergangenen Jahr war die Agentur für Qualitätssicherung im Haus, deren gute Rückmeldung zu den vielen Stärken der Schule den Rektor im eingeschlagenen Weg bestätigt hat. „Bei uns hat man nicht das Gefühl, dass es hier zwei Schulen unter einem Dach gibt, sondern durch die enge personelle Verzahnung des Kollegiums auch mit dem Nachmittagsbereich bieten wir eine Ganztagsschule aus einem Guss an“, findet Jan-Henning Syrbe. Alle zwei Jahre erhebt die Schule selbst die Zufriedenheit aller Beteiligten per Rückmeldebogen.

Tanzchoreographie der Schülerinnen und Schüler auf dem Schulhof
© Grundschule Trierweiler

Den Kontakt zu den externen Kräften und den im Ganztag eingesetzten Lehrerinnen und Lehrern wird in Zukunft eine Kollegin an der Schule halten, die in der erweiterten Schulleitung als Ansprechpartnerin für Fragen und bei Problemen zur Verfügung steht. Denn auch externe Partner sind in die Ganztagsschule eingebunden. Einer davon ist das DRK-Bildungswerk Eifel-Mosel-Hunsrück. Durch das DRK werden nachmittags auch zwei Erste Hilfe-Arbeitsgemeinschaft für Erst- bis Viertklässler angeboten.Zwei junge Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) vermitteln den Schülerinnen und Schülern kindgerecht wichtige Bausteine für die Erste Hilfe. Den Höhepunkt der Ausbildung bildet eine große Abschlussübung. An fünf verschiedenen Stationen demonstrieren die Schülerinnen und Schüler ihr Können, setzen Notrufe ab, legen Verbände an oder kümmerten sich um bewusstlose Personen.

Zwischen 14 und 15 Uhr findet die Lernzeit statt. Dort erledigen die Schülerinnen und Schüler ihre ganz klassischen Hausaufgaben oder lösen Aufgaben, die von den Lehrkräften zur gezielten Förderung gestellt werden. Die Gruppen bestehen aus etwa zwölf Kindern. In einer Sechsergruppe lernen Jungen und Mädchen, denen es schwerfällt, sich in größeren Gruppen zu konzentrieren. Die Lernzeiten werden durch Lehrerinnen und Lehrer begleitet. „Diejenigen, die morgens die Aufgaben stellen, sehen dann am Nachmittag, ob es auch funktioniert“, meint der Rektor.

„Es wäre doch mal schön, einen Computer zu haben...“

Die Rückmeldung über die Erledigung der Hausaufgaben an die Eltern, denen es teilweise schwerfällt, die Verantwortung für die Hausaufgaben ihren Kindern in der Schule zu überlassen, erfolgt durch ein Punktesystem mit Unterschrift der Lehrkraft: Hat das Kind intensiv gearbeitet und sich bemüht, ist aber nicht mit der Aufgabe fertig geworden, erhält die Aufgabe einen grünen Punkt. „Das sieht die Klassenlehrerin am nächsten Tag – eine ganz wichtige Information, der die Kolleginnen und Kollegen dann nachgehen. Das ist viel effektiver, als wenn zu Hause die Eltern für ihre Kinder die Hausaufgaben erledigen, damit auch ja alles fehlerfrei und schön ist. Denn dann weiß ich nicht, ob das Kind die Aufgabe verstanden hat oder nicht“, erläutert Syrbe.

Wenn ein Kind „keine Lust hatte oder unkonzentriert gewesen ist“, gibt es einen roten Punkt. Dann sehen auch die Eltern, was los war, und können mit ihrem Kind darüber sprechen. Das Prinzip wird am Anfang des ersten Schuljahres in einem Elternbrief erläutert, aber „es dauert dann gut ein dreiviertel Jahr, bis sich alle damit arrangiert haben“, erklärt der Pädagoge. „Wir haben gute Erfahrungen mit dem System gemacht, und die Hausaufgaben sind so zu echten Lernaufgaben geworden.“

Eine Entwicklung, die der aus Niedersachsen kommende Schulleiter vorangetrieben hat, ist besonders augenfällig: „Als ich vor zwei Jahren an die Schule kam, gab es einen Computer an der Schule. Es gab kein Internet, keine Smartboards, keine Tablets. Die Kolleginnen und Kollegen traten an mich heran, es wäre doch mal schön, einen Computer zu haben...“ In den vergangenen beiden Jahren wurden für circa 30.000 Euro 15 Tablets, vier Smartboards, Hörspielmikrofone, digitale Kameras, ein Computerraum mit 16 Rechnern und ein WLAN-Netz mit Drucker angeschafft. Dann nahm die Schule am Medienkompass-Projekt des Landes Rheinland-Pfalz teil. Seit letztem Jahr ist sie „Regionale Medienkompetenzschule“: Von der ersten bis zur 4. Klasse ist der Medienkompass in den Unterricht integriert.

Die steigende Nachfrage nach der Ganztagsschule machte es notwendig, sich räumlich zu erweitern. So hat die Grundschule Trierweiler nun einen Anbau mit zwei Klassenzimmern erhalten – doch auch das reicht wohl nicht aus. „Da wünschen wir uns für die Zukunft noch mehr Platz, um unsere Stärken noch besser zeigen zu können“, meint Jan-Henning Syrbe. „Aber bei allen Wünschen, die man immer hat – im Moment sind wir eigentlich glücklich.“ Eben happy.

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