Auf die Ganztagsschule gut vorbereitet: Grundschule Idar

Immer mehr Schulen werden Ganztagsschulen. Viele haben sich schon länger darauf vorbereitet. Heute im Interview: Ludwig Mühlhan, Schulleiter der Grundschule Idar in Idar-Oberstein.

Mit dem Schuljahr 2014/2015 ist es für viele Schulen endlich soweit: Sie können sich auf den Weg zur Ganztagsschule machen. Wir möchten wissen, wie so ein Umgestaltungsprozess in der Praxis verläuft. Was ist zu bedenken? Womit beginnen sie? Und wie überwinden sie die Anfangsschwierigkeiten? In unserer neuen Reihe „Auf die Ganztagsschule gut vorbereitet“ fragen wir Schulleitungen und Ganztagsverantwortliche nach dem Weg zur Ganztagsschule.

Online-Redaktion: Herr Mühlhan, wann haben Sie in Ihrer Schule zum ersten Mal das Thema Ganztagsschule diskutiert?

Schulleiter Ludwig Mühlhan (Mitte) mit dem Fördervereins-Vorsitzenden Gerd Pälzer, Konrektorin Annegrete Schuch, Elternvertreterin Sarah Sellaro und Bürgermeister Frank Frühauf (v. l.).© Stadt Idar-Oberstein

Ludwig Mühlhan: Erstmals haben wir den Plan vor zehn Jahren auf den Tisch gebracht. Der Bedarf für Nachmittagsbetreuung wurde bei den Eltern immer offensichtlicher. Es gab zu der Zeit einen Hort in unserem Gebäude, der pädagogisch wertvolle Arbeit leistete und unsere Schülerinnen und Schüler gut betreute. Dann zog der Hort in einen anderen Stadtteil um, und wir stellten seitdem jedes Jahr zum Oktober den Antrag auf Einrichtung des Ganztags. Damals gab es in Idar-Oberstein zehn Grundschulen. Inzwischen sind es noch sechs, von denen vier als Ganztagsschulen arbeiten. Vor einem Jahr haben wir dann endlich im neunten Anlauf auch den Zuschlag als fünfte Grundschule ein und desselben Schulträgers erhalten.

Online-Redaktion: Was hat diesmal den Ausschlag für den positiven Bescheid gegeben?

Mühlhan: Nachdem wir in den Jahren zuvor immer die geforderte Zahl von 36 Schülerinnen und Schülern nicht erreicht oder knapp verfehlt hatten, sind nun 75 Ganztagsschülerinnen und -schüler angemeldet. Das zeigt, dass der Bedarf bei den Eltern insgesamt in den letzten zehn Jahren gestiegen ist.

Online-Redaktion: Haben Sie das vergangene Jahrzehnt in irgendeiner Form überbrückt, um die Eltern, die ein Angebot benötigten, nicht an andere Schulen zu verlieren?

Mühlhan: Es gab seit sieben Jahren ein Angebot, für das die Eltern bezahlen mussten. Da waren immer etwa 30 bis 35 Kinder angemeldet. Aber es sind uns auch regelmäßig rund 40 Schülerinnen und Schüler an Ganztagsschulen verloren gegangen, weil die Eltern sich die Kosten für das Angebot nicht leisten konnten.

Online-Redaktion: Woran haben Sie sich in der Planung für Ihren Ganztag orientiert?

© Britta Hüning

Mühlhan: Da wir nun in Rheinland-Pfalz spät eingestiegen sind, konnten wir auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz anderer Ganztagsschulen zurückgreifen. Mittlerweile gibt es im Land ein ausgeklügeltes Unterstützungssystem. Wir haben einen Studientag mit einem Kollegen aus Bingen abgehalten, der vom Pädagogischen Landesinstitut für die Beratung abgestellt ist. Das war sehr hilfreich, vor allem weil er unseren Blick für die pädagogischen und nicht nur für die organisatorischen Aspekte der Ganztagsschule geschärft hat. Wir haben dann auf unserem vorhandenen Bezahlangebot aufgebaut. Es kamen Lehrkräfte für die Lernzeit und für die Arbeitsgemeinschaften dazu, und der Vorteil gegenüber dem früheren Bezahlangebot liegt eindeutig darin, dass wir nun mehrfach in den Angeboten besetzt sind. Insbesondere in der Lernzeit sind das Lehrerinnen und Lehrer.

Online-Redaktion: Sind Sie mit der ersten Jahrgangsstufe gestartet und lassen den Ganztag hochwachsen?

© Britta Hüning

Mühlhan: Nein, wir haben das Ganztagsangebot für alle Kinder, die es brauchen, geöffnet. Wir arbeiten teilweise jahrgangsgemischt. Bei den Klassen 1 und 4 ist unserer Meinung nach die Spreizung zu groß, besonders im sportlichen Bereich. Aber die Jahrgangsmischung 1 und 2 kommt vor.

Online-Redaktion: Gibt es an Ihrer Schule noch klassische Hausaufgaben?

Mühlhan: Wir befinden uns da in der Entwicklung. Es gibt die klassischen Hausaufgaben, wir sind aber auch dabei auszuloten, ob sich die Schülerinnen und Schüler in der Lernzeit für 30 beziehungsweise 60 Minuten selbst organisieren und lernen können. Wir arbeiten derzeit versuchsweise mit individualisierten Wochenplänen am Nachmittag. Mit so einem Plan hat ein Kind immer etwas zu tun. Wir haben den Lehrkräften auch freigestellt, dass sie drei bis vier Kinder zusammenholen, wenn sie den Bedarf für eine zusätzliche Förderung sehen. Wenn sich das bewährt, könnten die Hausaufgaben eventuell irgendwann ganz wegfallen.

Online-Redaktion: Wie organisieren Sie das Mittagessen?

Mühlhan: Einen Essraum besitzen wir schon seit längerem, der nun aber neu gestaltet wurde und für den neue Sitzmöbel angeschafft worden sind. Jetzt hat die Stadt Idar-Oberstein als Schulträger die Organisation des Mittagessens übernommen, vorher organisierte das der Förderverein. Zwei Personen geben das Essen aus. Sie übernehmen anschließend auch die Reinigungsaufgaben.

Online-Redaktion: Beschäftigen Sie auch außerschulische Partner?

© Britta Hüning

Mühlhan: Wir haben uns bemüht, aus den Zeiten des Bezahlangebots möglichst viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die uns damals den Karren gezogen haben, in die Ganztagsschule zu übernehmen. Es gibt also eine ganze Reihe von Honorarkräften, deren Arbeit das Fundament bildet. Das Angebotsspektrum reicht von Schwimmen über Yoga und Fußball bis zum Trommeln, das jemand von der Kreismusikschule anbietet. Das ist recht bunt. Wir überlegen aber, die Zahl zu verringern, da es doch eine gewisse Unruhe in die Schule trägt, wenn man es mit sehr vielen unterschiedlichen Leuten zu tun hat. Der Aufwand für die Kommunikation ist recht hoch, und weniger wäre an der Stelle möglicherweise mehr.

Online-Redaktion: Läuft die Koordination des Ganztags beziehungsweise die Kommunikation mit dem Ganztagspersonal über Sie als Schulleitung?

Mühlhan: Es war ein Glücksfall, dass wir rechtzeitig erkannt haben, dass einer allein davon überfordert wäre. Obwohl unsere Schule derzeit über keine Konrektorenstelle verfügt, weil wir unter der dafür notwendigen Zahl von 180 Schülerinnen und Schülern liegen, teilen wir uns zu dritt diese Arbeit. Insbesondere ein Kollege macht da einen guten Job.

Online-Redaktion: Wie fällt Ihre Bilanz des ersten Halbjahrs als Ganztagsschule aus?

Mühlhan: Die Zeit war durch ein ständiges Nachjustieren geprägt. Wann immer es an einer Stelle hakte, ist es uns bislang stets gelungen, die Sache abzurunden. Wir haben beispielsweise gemerkt, dass eine völlig freie AG-Wahl durch die Kinder nicht funktioniert. Dann haben Sie eine Arbeitsgemeinschaft mit vier Schülerinnen und Schüler, und an einer anderen wollen 25 teilnehmen. Wir haben uns damit beholfen, die Kinder zu Gruppen einzuteilen.

Für das zweite Halbjahr wollen wir nun dennoch „kundenorientierter“ werden und die Kinder wieder mitentscheiden lassen. Also wollen wir die Zufriedenheit der Schülerinnen und Schüler mit ihrer AG und außerdem eine Erst-, Zweit- und Drittwahl von ihnen erfragen. Uns ist klar: Nur wenn das Kind zufrieden ist, sind auch die Eltern zufrieden.

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