"Wir achten selbstverständlich auf die Qualität des Ganztags"

Bremen setzt auf den flächendeckenden Ausbau des Ganztags sowie auf die qualitative Stabilisierung der Schulen. Das betonte die Bremer Senatorin für Bildung und Wissenschaft, Prof. Dr. Eva Quante-Brandt, anlässlich des 4. Bremer Ganztagsschulkongresses gegenüber www.ganztagsschulen.org

Online-Redaktion: Das Land Bremen hat seit 2003 erheblich in den Ganztagsausbau investiert. Wie zufrieden sind Sie gut zehn Jahre später mit dem Erreichten?

Eva Quante-Brandt: Wir haben schon sehr viel erreicht. Inzwischen sind 28 der 43 Oberschulen und Gymnasien, also zwei Drittel der Schulen, sowie 31 der 74 Grundschulen in Bremen Ganztagsschulen. Den Ausbau weiterer sechs Grundschulen haben wir bereits auf den Weg gebracht, sodass auch im Grundschulbereich bald jede zweite Schule ganztägiges Lernen anbieten wird.

© Britta Hüning

Der Aufbau ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote ist heute bei den Eltern breit akzeptiert. Vor allem die spezifischen und erweiterten Fördermöglichkeiten, vielfältige Sport- und Freizeitaktivitäten, neue Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen in der Gemeinschaft sowie eine verlässliche Betreuung einschließlich eines Mittagessens sind hier ausschlaggebend.

Online-Redaktion: In der Vergangenheit hat sich Bremen bundesweit auch damit hervorgetan, dass gebundene Ganztagsschulen angestrebt wurden. Gelingt dies auch künftig, oder muss aus finanziellen Gründen insbesondere bei den Grundschulen doch auf den Offenen Ganztag als ersten Schritt gesetzt werden?

Quante-Brandt: Offene Ganztagsschulen können hervorragende pädagogische Arbeit leisten. Wichtig ist doch: Unsere Schülerinnen und Schüler sollen in guten Schulen lernen. Wir bieten offene und gebundene Schulen an. Die Wahlmöglichkeit entspricht den derzeitigen Elternwünschen. Weniger aufgrund der Finanzen als aufgrund der Elternwünsche haben sich in den letzten Jahren viele Grundschulen als Offene Ganztagsschulen beworben.

Prof. Dr. Eva Quante-Brandt© Prof. Dr. Eva Quante-Brandt

Dabei hat sich gezeigt, dass die offene Ganztagsschule auch ein erster Schritt auf dem Weg zur gebundenen Ganztagsschule sein kann. Unter den sechs neuen Ganztagsschulen, die bereits auf den Weg gebracht wurden, ist auch eine gebundene Ganztagsschule. Außerdem wird zusätzlich eine offene in eine gebundene Ganztagsschule umgewandelt.

Online-Redaktion: Beim Bremer Ganztagsschulkongress äußerten Sie Ihr Bedauern, dass weiterführende Ganztagsschulen "nur" Zuschüsse bis zur Klasse 7 erhalten. Halten Sie am Ziel fest, daran in finanziell besseren Zeiten etwas zu ändern?

Quante-Brandt: Ein Ausbau des Ganztagsangebotes an den teilgebundenen Oberschulen und Gymnasien ist wünschenswert, zumindest sollte die 8. Jahrgangsstufe mit einbezogen werden. Dafür, dass wir das künftig tun können, werde ich mich einsetzen. Bereits heute sind übrigens drei stadtbremische Oberschulen gebundene Ganztagsschulen – von Klasse 5 bis Klasse 10.

Online-Redaktion: StEG, die Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen, zeigt, dass die Qualität der Ganztagsangebote entscheidend ist. Wie sichern Sie diese Qualität?

Quante-Brandt: Alle Ganztagsschulen, ganz gleich, ob wir von offenen oder gebundenen sprechen, streben eine hohe Qualität an. Sie entwickeln ihre Schule konzeptionell weiter. Alle haben dafür ein schulindividuelles Ganztagsschulkonzept, das Teil des Schulprogramms ist, um kompetenzorientierte Ziele klar festzuschreiben.

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In der Ganztagsschulverordnung haben wir wesentliche Qualitätsmerkmale der Ganztagsschulen verbindlich geregelt. Dazu zählen unter anderem eine lern- und schülerorientierte Rhythmisierung,  die multiprofessionelle Zusammenarbeit der Verantwortlichen,  ein Kooperationskonzept sowie die Partizipation der Eltern und Schülerschaft.  Wenn Kinder nachmittags gemeinsam ihre Hausaufgaben machen und sie dabei unterstützt werden, dann ist das aus meiner Sicht ein weiterer sehr  wichtiger Aspekt, wenn wir über Qualität sprechen. Selbstverständlich müssen wir kontinuierlich an der Weiterentwicklung des Angebotes und der Qualität arbeiten. Und das tun wir.

Online-Redaktion: Hochaktuell ist das Thema Inklusion. Braucht Inklusion die Ganztagsschule?

Quante-Brandt: Ich formuliere es anders: Die Ganztagsschule stärkt die Inklusion.  Wichtig ist dabei: Alle Schülerinnen und Schüler, ob mit oder ohne besonderen Förderbedarf, nehmen an ihren Schulen am Ganztag teil. Inklusion lässt sich aber auch im Halbtagsbereich erfolgreich realisieren.

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Online-Redaktion: Welche Ziele hat Bremen in Sachen Ganztagsschule für die kommenden Jahre?

Quante-Brandt: Wir wollen einen flächendeckenden Ausbau und eine qualitative Stabilisierung von Ganztagsschulen. Der Bremer Senat ist sich darin einig, dass diese Schulform aus mehreren Gründen sinnvoll und erstrebenswert ist: Durch längere gemeinsame Lernzeiten erhalten Kinder möglichst früh eine individuelle Förderung, was herkunftsbedingte Bildungsnachteile abbaut und die Bildungschancen erhöht. Außerdem bietet die Ganztagschule für Eltern die Möglichkeit der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Angesichts der Haushaltssituation können wir das allerdings nur schrittweise realisieren. Wir sind jedoch fest entschlossen, die Dynamik des Entwicklungsprozesses im Ganztagsbereich fortzuführen.

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