Zwischen den Schuljahren: Schule am Bodden

Ferienzeit! In unserer Sommerreihe „Zwischen den Schuljahren“ bilanzieren Schulleiterinnen und Schulleiter das Schuljahr. Heute im dritten Teil: Bernd Leu, Schulleiter der Schule am Bodden in Neuenkirchen (Mecklenburg-Vorpommern).

Online-Redaktion: Herr Leu, was hat die Schule am Bodden im letzten Schuljahr geprägt?

Bernd Leu: In der 7. Jahrgangsstufe sind unsere iPad-Klassen gestartet. Diese Tablets sind von den Eltern finanziert worden. Wir wollten andere Lernprozesse gestalten und haben uns dazu als Partner das Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Greifswald gesucht. Im Mai und im Juni führten beide iPad-Klassen Projektwochen durch, die so genannten „Hansa-Forscherwochen“. Die Schülerinnen und Schüler haben die Hansestadt Greifswald erforscht. Das startete mit einem Informationstag, an dem sich die Jugendlichen ihr eigenes Forscherthema ausgesucht haben. Dann haben sie nicht nur mit den Tablets geforscht, sondern sie bauten auch Modelle und entwickelten Spiele über Greifswald und vieles mehr. Dabei unterstützten uns Studierende der Greifswalder Universität. Die Präsentation der Ergebnisse fand im Konferenzsaal der neuen Universitätsbibliothek statt.

Daneben gibt es bei uns immer viele andere Aktivitäten, die so ein Schuljahr prägen, wie zum Beispiel das von den Sechstklässlern aufgeführte Musical „Kwela, Kwela“. Während der Chor seine Lieder im Unterricht gelernt hatte, übten die Solistinnen und Solisten jeden Dienstag im Rahmen des Ganztagsunterrichtes.

Online-Redaktion: Wie ist die Idee der Tablet-Klassen entstanden?

Leu: Wir haben an dem dreijährigen Audit „Auf dem Weg zur Medienschule!“ teilgenommen. Das Audit bündelte die Erfahrungen, es ist Ergebnis des Schulversuchs „Schulische Medienbildung in M-V“ und ein Instrument zur Selbstevaluation. Am 24. September 2014 wird in Rostock die Abschlusstagung stattfinden. Eines der Treffen der Audit-Schulen fand in unserer Schule statt und gab uns zusammen mit einer Hospitation an der Waldschule Hatten in Niedersachsen den Anschub, das digitale Lernen etwas verändern zu wollen.

Gruppenfoto Schüler
Die erste iPad-Klasse in Mecklenburg-Vorpommern© Schule am Bodden

Zugute kam uns dabei, dass unsere Schule für drei Millionen Euro grundlegend saniert wurde und die technischen Voraussetzungen für das digitale Lernen geschaffen worden sind. Das Schulnetzwerk ist nun auf dem neuesten Stand und jeder Raum vernetzt. Es fehlten uns lediglich noch die Tablets. Leider zerschlugen sich Sponsorenmodelle oder eine Unterstützung durch das Land, sodass wir die Eltern angeschrieben und um finanzielle Hilfe gebeten haben. Wir hofften, auf diese Weise Tablets für eine der 7. Klassen finanziert zu bekommen. Die Resonanz war so groß, dass wir sogar mit zwei Klassen starten konnten. Das hat uns sehr gefreut. Im kommenden Schuljahr können die beiden 7. Klassen mit 29 Schülerinnen und Schülern ebenfalls diese Tablets nutzen.

Online-Redaktion: Medien spielen an Ihrer Schule aber auch darüber hinaus eine große Rolle…

Leu: Wir haben einen sehr engagierten Informatiklehrer, der im Rahmen der Ganztagsschule viel auf die Beine stellt. So haben wir zum Beispiel eine eLearning Plattform, außerdem eine Schülerzeitung, eine Trickfilmwerkstatt, ein Hörspielprojekt in der Klasse 5, in der 8. Jahrgangsstufe werden Videos gedreht. Seit diesem Schuljahr ist das Schulradio „N-School13" fester Bestandteil unserer Ganztagsschule. Inzwischen haben die Schülerinnen und Schüler dort drei Sendungen als Podcast produziert.

Online-Redaktion: Sie nehmen auch am länderübergreifenden Netzwerk „Lernen im digitalen Alltag“ im Programm „Ideen für mehr! Ganztägig lernen“ teil. Was ist das Besondere?

Leu: Um neue Impulse für die Arbeit mit digitalen Medien zu erhalten, haben wir uns entschlossen, auch hier mitzumachen. Das Ganze ist im Juni 2014 mit einer Auftaktveranstaltung im Max-Liebermann-Haus in Berlin gestartet. Der Medienforscher Prof. Stefan Aufenanger von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz gab mit einem ausgezeichneten Vortrag zum Thema „Lernen im digitalen Alltag – was wird aus schulischer Lernkultur?“ den Impuls. In einer Vorstellungsrunde präsentierten die anwesenden Schulen ihre Besonderheiten, Stärken und Dinge, die sie von anderen lernen wollen. Dieser Erfahrungsaustausch mit Schulen verschiedener Schularten aus fünf Bundesländern, die uns teilweise in der digitalen Bildung voraus sind, ist uns besonders wichtig gewesen. Anschließend wurde in kleinen Workshops ein gemeinsamer Fahrplan für das weitere Vorgehen erarbeitet und abgestimmt. Wir freuen uns hier auf die vielen neuen Ideen, die wir auf den kommenden drei Veranstaltungen weiter aufnehmen wollen.

Online-Redaktion: Wie organisieren Sie den Nachmittag in der offenen Ganztagsschule –mit Lehrkräften oder eher mit außerschulischen Partnern?

Das Musical "Kwela, Kwela"© Schule am Bodden

Leu: Es sind hauptsächlich Lehrerinnen und Lehrer, die hier etwas anbieten, und die Schulsozialarbeiterin. Wir geben 14 Lehrerwochenstunden in den Ganztagsbereich. Unsere Lehrkräfte studieren mit den Schülerinnen und Schüler das jährliche Musical ein, bieten Multimedia, Kunst und Sport an. Wir verfügen darüber hinaus über eine top Hauswirtschaftsküche. Die Hausaufgabenbetreuung wird ebenfalls von Lehrerinnen und Lehrern begleitet. In der Grundschule, die ja auch bei uns im Haus ist, gibt es die Angebote Schach und Tanzen, die von außerschulischen Partnern gestaltet werden und für die die Eltern einen Beitrag entrichten müssen.

In der Spitze nehmen 90 Prozent unserer Schülerinnen und Schüler an den Angeboten und der Hausaufgabenbetreuung teil. Es deutet sich an, dass es den Ganztagsschulen demnächst möglich sein wird, die Lehrerwochenstunden zu kapitalisieren und Partner einzukaufen. Wir werden das auf uns zukommen lassen. Ich denke, da sollte die Mischung zwischen Lehrereinsatz und Partnern ausgewogen sein.

Online-Redaktion: Was wird das Schuljahr 2014/15 bringen?

Leu: Unsere iPad-Klassen sind nicht mehr länger nur ein Projekt, sondern sie entwickeln sich auch zu einem Profilschwerpunkt für unsere Schule. Das neues Gebäude und unsere gute inhaltliche Arbeit sorgen zusätzlich für einen Schüleraufwuchs. Im kommenden Schuljahr starten wir mit 60 Schülerinnen und Schülern zusätzlich, was auch eine Herausforderung darstellt. Da ist es gut, dass der Lehrertourismus zurückgegangen ist und wir unsere Lehrkräfte permanent an Bord haben. Das erleichtert es, sich der inhaltlichen Arbeit zu widmen.

Neben den drei Netzwerktreffen wird es die Audit-Abschlussveranstaltung geben. Außerdem wurden wir um einen Beitrag für den Landes-Ganztagsschulkongress gebeten. Daneben steht im September der Schüleraustausch mit unserer Partnerschule im polnischen Człopa an. Der Terminkalender ist schon wieder gut gefüllt.

Die Schule am Bodden ist eine Regionale Schule mit Grundschule in der Nähe des Greifswalder Boddens. Sie ist seit dem Schuljahr 2006/2007 offene Ganztagsschule. Die Teilnahme an den Kursen der offenen Ganztagsschule ist freiwillig, soll nach erfolgter Anmeldung jedoch regelmäßig erfolgen. Alle Schüler können die Hausaufgabebetreuung von Montag bis Donnerstag nutzen.

Weitere Teile unserer Sommerreihe finden Sie hier.

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