Zwischen den Schuljahren: Sekundarschule "Freiherr Spiegel"

Ferienzeit! In unserer Sommerreihe „Zwischen den Schuljahren“ bilanzieren Schulleiterinnen und Schulleiter das Schuljahr. Im ersten Teil heute: Andrea Fellbaum, Schulleiterin der Ganztagssekundarschule "Freiherr Spiegel" in Halberstadt.

Online-Redaktion: Frau Fellbaum, wenn Sie an das letzte Schuljahr denken, was kommt Ihnen als erstes in den Sinn?

© Freiherr Spiegel Ganztagsschule Halberstadt

Andrea Fellbaum: Dass das Lernen an unserer Schule kein Ende nimmt, nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern, sondern auch bei den Lehrkräften. Wir sind eine Team-Schule, arbeiten in Jahrgangsteams und kommunizieren sehr viel. Jede Lehrerin und jeder Lehrer an unserer Schule leitet als Teil eines Tandems eine Klasse, auch die Schulleitungsmitglieder. Die Strukturen versuchen wir kontinuierlich weiter zu professionalisieren. Im vergangenen Jahr haben wir die Fortbildungsreihe „Lions Quest“ abgeschlossen. Dabei haben wir uns Kompetenzen angeeignet, Kinder beim Erwachsenwerden zu begleiten. Stück für Stück bauen die Kolleginnen und Kollegen das nun in ihre Unterrichtstätigkeit ein.

Online-Redaktion: Hat es Tage oder Ereignisse gegeben, an die Sie sich besonders gerne erinnern?

Fellbaum: Bereits im vorletzten Schuljahr sind wir als UNESCO-Projektschule aufgenommen worden. Für uns ist das eine große Anerkennung und Bestätigung unserer Arbeit gewesen. Daneben laufen viele Projekte, wobei ich besonders stolz bin, dass meine Kolleginnen und Kollegen dies eigenständig planen und durchführen. Insbesondere möchte ich die Woche vor Weihnachten hervorheben, in der alle Klassen unter dem Motto „Anderen eine Freude bereiten“ im Einsatz sind und anderen Menschen in der Region helfen.

Schülerinnen beim Verpacken
UNESCO-Weihnachtsprojekt 2013 - Geschenke packen für Mitbürger© Freiherr Spiegel Ganztagsschule Halberstadt

Analog fand am vorletzten Schultag vor den Sommerferien unser Bilanztag in allen Räumen der Schule statt. Sämtliche Klassen bereiteten hier optisch und schriftlich auf, was sie das Schuljahr über gelernt haben. Dazu dekorierten sie ihren Klassenraum zu einem Ausstellungsraum um. Darüber hinaus wurden alle Ausstellungsobjekte, die mit Wettbewerben oder mit dem UNESCO-Engagement zusammenhängen, im ganzen Schulhaus präsentiert. Theaterstücke wurden aufgeführt. Nebenbei fanden sportliche Veranstaltungen und zwei Auszeichnungsveranstaltungen für diejenigen statt, die Einsatz für die Schule gezeigt haben. Und die Eltern waren auch dabei, sie sorgten unter anderem für das Catering an diesem Tag.

Online-Redaktion: Was zeichnet Ihre Ganztagsschule aus?

Fellbaum: Mir ist die Schulsozialarbeit sehr wichtig. Nicht nur das Gespräch mit den Kindern und Jugendlichen, sondern alle Aktivitäten, die wir gemeinsam planen. Wenn Probleme auftreten, reagieren wir darauf stets mit Informationsveranstaltungen. So hat es im letzten Schuljahr Veranstaltungen zur Ernährung, zur Konfliktbewältigung und zum Thema Medien gegeben. In diesem Jahr haben wir auch mit Themenabenden für Eltern begonnen. Wir sind unzufrieden mit der Resonanz gewesen, werden die Reihe aber fortsetzen.

Dazu haben wir inzwischen auch ein Schulradio. Im Keller ist im letzten Schuljahr ein vom Förderverein finanzierter Raum für die Freizeitgestaltung der älteren Schülerinnen und Schüler eingerichtet worden. Hier können sie nun mit Mischpult, CD-Player und Boxen arbeiten und ihre Gedanken und ihre Musik über den Schulfunk verbreiten.

Online-Redaktion: Welche Rolle spielen Medien und Medienbildung an Ihrer Schule?

Fellbaum: Wir bemühen uns, das Thema grundlegend zu reflektieren. Achtklässler haben beispielsweise ein Projekt mit Moderatorinnen und Moderatoren eines Radiosenders durchgeführt. Eine Woche lang produzierten sie zusammen eine Radiosendung. Für die Jugendlichen war das eine wichtige Erfahrung, weil sie erfahren haben, dass Radio nicht nur Musik ist. Es ließen sich auch viele Verknüpfungen zum Deutschunterricht herstellen.

Beim Thema Cybermobbing arbeiten wir im Unterricht mit dem Anti-Mobbing-Koffer, der allen Schulen in Sachsen-Anhalt zur Verfügung gestellt worden ist. Im September wird es einen Informationsabend für die Eltern zu diesem Thema geben, zu dem wir auch Experten eingeladen haben.

Online-Redaktion: Wie sieht die Schulentwicklung im Ganztag aus?

Fellbaum: Wir rhythmisieren unseren Unterrichtstag Stück für Stück immer ein bisschen mehr. Dazu gehören der Blockunterricht und diverse Angebote, die bereits am Vormittag liegen. Es finden keine Förderkurse mehr statt, sondern Lernbüros oder Lernwerkstätten, in denen individuell gelernt wird. Hier arbeiten die Schülerinnen und Schüler eigenständig in Kleingruppen an ihren Stärken und Defiziten. Im Rahmen der zweimal jährlich stattfindenden Beratungs- und Entwicklungsgespräche mit den Lehrkräften und den Eltern ist der individuelle Unterricht wählbar, der dann verbindlich besucht werden muss. Wir sind zwar eine offene Ganztagsschule, aber es gibt einige Formate,  die wir teilgebunden ausprobieren.

Schülerinnen in Aktion beim Wasserprojekt© Freiherr Spiegel Ganztagsschule Halberstadt

Es gibt eine Schülerfirma, die für das Catering zuständig ist, und eine andere, die Fahrräder repariert und zur Ausleihe anbietet. Die Bibliothek, die offenen Freizeitangebote und auch die Hausaufgabenbetreuung werden sehr rege genutzt. Für die jüngeren Schülerinnen und Schüler gibt es 14-tägig organisierte Veranstaltungen wie beispielweise Bastelnachmittage oder Besuche im Tiergarten, wo unser Patenesel steht. Für die älteren Jugendlichen ab Klasse 8 haben wir einen Schulclub, der selbst Veranstaltungen organisiert. Alles das läuft quasi automatisch, worauf ich auch stolz bin.

Online-Redaktion: Wo treten noch Schwierigkeiten auf?

Fellbaum: Bei den Arbeitsgemeinschaften, die von Lehrkräften oder Kooperationspartnern durchgeführt werden, haben wir noch eine Menge zu tun. Die Schülerinnen und Schüler nehmen hier zwei-, dreimal teil und kommen dann einfach nicht mehr, weil sie die Lust verlieren oder das Wetter draußen gerade so schön ist. Das finde ich sehr schade, weil es sehr schöne Angebote sind. Aus dem Nachbarort kommt zum Beispiel der Spielmannszug, um mit den Jugendlichen Rhythmusprojekte durchzuführen. Oder die Theater-AG, die Stücke einstudiert. Wir müssen die Jugendlichen immer wieder neu motivieren.

Online-Redaktion: Was hat es mit der AG „Herr Grönhold hört dir zu“ auf sich?

Fellbaum: Herr Grönhold ist seit zwei Jahren der Pfarrer und Seelsorger an unserer Schule. Beim Zugunglück in Hordorf 2011 haben wir eine Mitschülerin und ihre ganze Familie verloren. Wir organisierten damals eine große Feierstunde für sie und versuchten, Trauerarbeit zu leisten. Als Herr Grönhold dann 2012 zu uns kam, sind wir uns einig gewesen, dass wir eigentlich immer für die Kinder und Jugendlichen da sein wollen, nicht nur in solchen extremen Situationen. So sind wir darauf gekommen, Schulseelsorge im Rahmen des Ganztags anzubieten. Herr Grönhold hat Projekte wie Theaterarbeit angeboten und dann begonnen, Einzelgespräche zu führen. Im Schul-Flyer wurde die Schulseelsorge erklärt, und die Schülerinnen und Schüler können sich einmal in der Woche beim ihm für ein Gespräch anmelden.

Online-Redaktion: Was wird das nächste Schuljahr an Herausforderungen bringen?

Fellbaum: Wir müssen mit nur 97 Prozent Lehrerversorgung zurechtkommen. Wir möchten nichts von unserem Angebot kürzen. Ich habe ein wenig Sorge, dass das auf Kosten der Gesundheit meiner engagierten Kolleginnen und Kollegen gehen kann.

Ansonsten freue ich mich auf die wieder zahlreichen Aktivitäten und Projekte an unserer Schule. Wenn ich unser monatlich erscheinendes Info-Blatt erstelle, habe ich noch nie Probleme gehabt, die Veranstaltungsliste voll zu bekommen. Wenn man dann noch bedenkt, dass daneben der ganz normale Unterricht läuft, ist das eine tolle Sache.

Die Sekundarschule „Freiherr Spiegel“ ist seit 1990 offene Ganztagsschule mit UNESCO-Profil. Von Montag bis Donnerstag können die Schülerinnen und Schüler bis 15.45 Uhr die Ganztagsangebote/Arbeitsgemeinschaften nutzen. Hausaufgaben können (außer freitags) täglich im Freizeitbereich angefertigt werden. 2007 wurde das Schülercafé eröffnet und 2012 der Schulclub gegründet. Außerdem gibt es ein Angebot der Schulsozialarbeit.

Weitere Teile unserer Sommerreihe finden Sie hier.
 

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