Deutscher Schulsportpreis 2014: Ganztagsschulen vorn

Am 23. Juni 2014 sind in Berlin die Preisträger des Deutschen Schulsportpreises bekannt gegeben worden. Mit dem Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium aus Osnabrück belegt ein Ganztagsgymnasium den 1. Platz. Zwei der weiteren drei Auszeichnungen gingen an Ganztagsschulen aus Berlin und aus Lemgo.

Immer mal wieder ergeht an diesem 23. Juni 2014 im Saal der Hessischen Landesvertretung in Berlin die Bitte an die in der 1. Reihe Sitzenden, doch vorsichtshalber ein wenig nach hinten zu rücken, um den Darbietenden genügend Platz einzuräumen und Kollisionen zu vermeiden. Denn an diesem Tag hält der Sport Einzug in den für diese Zwecke nicht gerade prädestinierten Raum. Kinder und Jugendliche zeigen ihr Können beim Seilspringen, beim Waveboard-Fahren oder bei der rhythmischen Sportgymnastik. Alle eint, dass sie zu Schulen gehören, die soeben mit dem Deutschen Schulsportpreis ausgezeichnet werden.

Die vier Siegerschulen
Die vier Siegerschulen präsentieren ihre Urkunden und symbolischen Schecks im Portal der Hessischen Landesvertretung in Berlin© Ralf Augsburg

Seit 2003 verleihen der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend (dsj) den Schulsportpreis – seit 2007 in einem zweijährigen Rhythmus. Ziel dieses Wettbewerbs ist es, innovative, beispielhafte bewegungs-, spiel- und sportbezogene Konzepte und Projekte im schulischen Kontext auszuzeichnen, die sich in der Praxis bewährt haben und anderen Schulen und Sportvereinen Anregungen für eigene Vorhaben bieten können. Für den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Preis können sich Schulen aus der ganzen Bundesrepublik bewerben, was in der aktuellen Runde über 60 Schulen aus zwölf Bundesländern getan hatten. Eine Jury aus sieben Expertinnen und Experten des DOSB und der dsj, der Kommission „Sport“ der Kultusministerkonferenz sowie der Wissenschaft sichtete die Bewerbungen.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Schulsportwettbewerbs 2013/2014 stand die Auszeichnung von Sportprojekten, die als „Feste des Schulsports“ einen Beitrag zu einem positiven Schulleben leisten. Nun wurden die drei Hauptpreisträger sowie ein Sonderpreisträger in der Hessischen Landesvertretung bekannt gegeben und ausgezeichnet. Die dabei ausgelobten Geldpreise sind zweckgebunden für Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote der jeweiligen Schule zu verwenden.

„Nicht nur die Besten fördern, sondern alle mitnehmen!“

Ingo Weiss, der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend, erklärte: „Bei der Sichtung und Bewertung der einzelnen Bewerbungseingaben wurde eines besonders deutlich: Es existieren verschiedenste Formen von Schulsportfesten und Festen des Schulsports, die sich durch eine große Vielfalt auszeichnen und in denen Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern und Familienangehörige interessante Angebote selbstständig entwerfen und durchführen können. Sportvereine können dabei mit ihrem Know-how große Unterstützung leisten.“

Gewinner des Deutschen Schulsportpreises vom Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium
Die Gewinner des Deutschen Schulsportpreises vom Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium aus Osnabrück© Ralf Augsburg

Drei der vier Preisträger sind Ganztagsschulen, darunter auch das mit 5.000 Euro als Hauptpreisträgerin ausgezeichnete Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium aus dem niedersächsischen Osnabrück. Das Gymnasium, das seit 2003 ganztägig arbeitet, hatte die Jury mit dem Sportfest „Emma bewegt – uns alle“ überzeugt. Ingo Weiss führte in seiner Laudatio aus: „Ich habe den Eindruck, an der Schule sprüht es nur so von Ideen rund um den Sport und für eine sportliche Entwicklung der Schüler. All das geschieht mit einer großen Leichtigkeit vor großartigen Konzepten, die kontinuierlich ausgebaut und weiter verbessert werden. Alles nur mit dem einen Ziel, dass Schülerinnen und Schüler Spaß am Sport haben und ihre Zusammengehörigkeit feiern.“

Beim jährlichen Schulsportfest kombinieren die Initiatoren Sport mit Denksportaufgaben. Daneben gibt es ein breitgefächertes Sportangebot, eine Fußballtalentförderung, Projekte und Angebote im Rahmen der „Bewegten Schule“. Nicht ganz zufällig ist Schulleiter Hartmut Bruns auch Sportlehrer. „Es geht uns nicht nur darum, die Besten beim Sport zu fördern, sondern alle mitzunehmen“, sagte er bei der Entgegennahme der Plakette unter Applaus. „Unsere Schule steht für Integration – und der Sport bietet die beste Möglichkeit zur Integration. Für das kommende Schuljahr planen wir die Weiterentwicklung unseres Konzepts in Richtung Inklusion.“

Preis für ein fünftägiges Schulsportfest

An dem Ganztagsgymnasium haben alle Schülerinnen und Schüler zweimal in der Woche verbindlich auch nachmittags Unterricht. An den anderen Wochentagen können die Jugendlichen freiwillig an Arbeitsgemeinschaften und Freizeitangeboten, an der Hausaufgabenhilfe oder am Förderunterricht teilnehmen. Von der 5. bis zur 9. Klasse findet zusätzlich eine Klassenleiterstunde statt.

Schulband Ostinato von der Gesamtschule Gießen-West
Für musikalische Intermezzi sorgte die Schulband Ostinato von der Gesamtschule Gießen-West© Ralf Augsburg

Ebenfalls als Ganztagsschule ist die Arno-Fuchs-Schule in Berlin organisiert, die auf dem 2. Platz des Schulsportpreises landete. Die Grundschule und Schule der Sekundarstufe I und II mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ bietet Unterricht von 8.00 bis 15.00 Uhr an fünf Wochentagen und ein Angebot der Spät- und Ferienbetreuung für alle Schülerinnen und Schüler. Der Unterricht ist nicht im 45-Minuten-Rhythmus festgeschrieben, sondern jede Klasse kann die Lernphasen und Pausen nach den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler regeln. Der Stundenplan jeder einzelnen Klasse bietet dabei einen Wechsel von Anspannung und Entspannung, von musischen Aktivitäten und den Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen, vom Erlernen der lebenspraktischen Tätigkeiten und dem Üben motorischer Fertigkeiten. Morgenkreis, gemeinsames Frühstück und Mittagessen gehören ebenso zum Schulleben wie Jahresfeste, Ausflüge und Klassenfahrten.

Den Schulsportpreis erhielt die Arno-Fuchs-Schule für ihre einmal im Schuljahr durchgeführte Sportwoche. Laudator Ekkard Drewicke, Vertreter der KMK-Kommission „Sport“, erklärte: „Das Konzept des fünftägigen Festes passt, darin war sich die Jury einig, sehr gut zu der Schule und zu den Schülerinnen und Schülern. Es ist auf sie abgestimmt und gibt ihnen ausreichend Zeit, sich mit dem Medium Sport auseinanderzusetzen. Sie können vieles ausprobieren und sich selbst während dieser fünf Tage intensiv erfahren.“ Bei der Vorbereitung sei das gesamte Kollegium involviert, ebenso wie die Schülerinnen und Schüler, die unter anderem auch einen Rollstuhlparcours selbst gestalten.

Motto „Dabei sein ist alles“ mit Leben erfüllt

Die Sportwoche besteht aus einem Fußballturnier, einem Schwimm- und einem Laufwettbewerb. Jeder Schultag beginnt für alle Schülerinnen und Schüler mit einer Gymnastik auf dem Schulhof. Orientierungswandern und verschiedene senso- und psycho-motorische Angebote sowie die Veranstaltung „Alles was rollt!“ gehören ebenso dazu. Hierbei können die Schülerinnen und Schüler den Umgang mit verschiedenen Fortbewegungsmitteln wie Kettcar, Fahrrad und Rollstuhl üben. Die Arno-Fuchs-Schule freut sich nun über 3.000 Euro für Bewegungs-, Spiel und Sportangebote.

Clemens Lörke und Michael Vesper
Zum Auftakt interviewte Moderator Clemens Lörke (l.) den Generaldirektors des Deutschen Olympischen Sportbundes, Michael Vesper© Ralf Augsburg

Die Grundschule Kirchheide im westfälischen Lemgo erfülle das Motto „Dabei sein ist alles“ mit Leben, betonte der Vizepräsident des DOSB und Präsident des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen, Walter Schneeloch. 170 Schülerinnen und Schüler wurden an der Offenen Ganztagsschule im Rahmen von fünf Unterrichtsstunden in jeweils fünf Disziplinen für das Deutsche Sportabzeichen geprüft. Dafür erhielt die Ganztagsgrundschule den Sonderpreis „100 Jahre Deutsches Sportabzeichen“. Schulleiterin Sabine Tewes-Wittig freute sich über die 2.000 Euro Preisgeld: „Wir werden das Geld nutzen, um einen Niedrigseilgarten zu kaufen.“

Laudator Schneeloch lobte die Grundschule Kirchheide: „Sie hat mit einer sehr guten Konzeption die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich alle – Schüler, Eltern, Lehrer und Vereinsmitglieder – mit großem Engagement beteiligen konnten. Die Kooperation mit den Eltern, den Sportvereinen und dem Freibadverein ist vorbildlich verlaufen. Das Kollegium hat sich im Rahmen einer Fachkonferenz zum Thema Sportabzeichen fortgebildet, die Eltern wurden regelmäßig informiert – diese gute Vernetzung war eine Voraussetzung dafür, dass sich an diesem Tag alle mit großem Engagement beteiligt haben.“ 25 Eltern halfen am so getauften „Olympia-Tag“ mit. Von der Schule selbst entwickelte grundschulspezifische Gruppenprüfkarten sorgten für einen reibungslosen Ablauf, und die Schülerinnen und Schüler erhielten mit dem Überreichen von Olympia-Urkunden eine sofortige Rückmeldung.

Den dritten Platz belegte eine zweite Berliner Schule, das Emmy-Noether-Gymnasium aus Köpenick, das sich mit dem Schulsportfest „Emmy sucht Köpenicks pfiffigste Klasse – Ein Wettbewerb für 6. Klassen und nur für Pfiffikusse“ jährlich den Grundschulen als weiterführende Schule vorstellt. Das Gymnasium entschloss sich bereits vor mehr als fünf Jahren dazu, einen Wettbewerb rund um das Fach Sport als ersten Kontakt mit der „Welt des Gymnasiums“ für Grundschüler zu kreieren. Denn für die Gymnasiasten spielen im Sport die Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Wissen, Vernetzung und Freude am Lernen eine wichtige Rolle – und das Fach Sport erfreut sich einer besonders hohen Akzeptanz. Laudator Tom Stryck von der Berliner Senatsverwaltung lobte die Idee, ganzen Schulklassen so einen spielerisch-sportlichen Einblick in das Gymnasium zu ermöglichen und dies durch fächerübergreifende Angebote zu erreichen.

 

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