"Vernetzung auf Landesebene ist wünschenswert"

Die Serviceagentur "Ganztägig lernen" Hessen hat im Dezember 2013 eine Veranstaltungsreihe speziell für Schulträger gestartet. Michael Schmitt, Mitarbeiter der Serviceagentur in Frankfurt am Main, erläutert im Interview die Idee und die Arbeitsweise und spricht auch über die allgemeinen Herausforderungen für die Schulträger.

Online-Redaktion: Herr Schmitt, was sind Aufgaben des Schulträgers, wenn es um Ganztagsschulen geht?

Michael Schmitt: Nach der Richtlinie für ganztägig arbeitende Schulen in Hessen nach § 15 Hessisches Schulgesetz gilt: "Das Hessische Kultusministerium und die Schulträger in Hessen gestalten gemeinsam ein Kooperationsmodell...  Beide tragen nach Maßgabe ihres Auftrages zur personellen wie auch zur räumlichen und sächlichen Ausstattung dieser Schulen bei."

Konkret heißt das, dass die Verwaltung des Ganztags in der Hand des Schulträgers liegt. Er bestimmt mit, welche Schulen Mittel aus dem Landesprogramm erhalten und welche Schulen daraus Aufstockungen bekommen sollen. Die Vorschläge legt er dem Ministerium vor, das die Anträge nach seinen Maßgaben prüft und genehmigt.

Online-Redaktion: Welche Möglichkeiten haben die Ganztagsschulen, sich finanzielle Unterstützung zu sichern?

Schulhof
© Britta Hüning

Schmitt: Die Schulen wählen zwischen Lehrerstunden oder der Kapitalisierung, das heißt "Mittel statt Stelle". Bei der ersten Möglichkeit erhalten die Schulen zusätzliche Deputatstunden zur Nutzung im Ganztag. Das regelt dann die Schulleitung intern. Komplexer ist die Lösung "Mittel statt Stelle": Hier erhält der Schulträger vom Ministerium eine festgelegte Summe, die den Deputatstunden adäquat ist, und muss diese verwalten, verteilen und nachweisen. Dies wird in der Praxis von den Schulträgern unterschiedlich gelöst. Einige übernehmen die komplette Umsetzung selbst, wickeln die Verträge ab und stellen das Personal ein. Andere suchen sich einen Träger für das Angebot und zahlen für ein Komplettpaket, weisen das dann nur noch nach. Wieder andere überlassen den Schulen oder Fördervereinen auf Wunsch die Abwicklung und zeichnen diese ab.

Zudem finanzieren die Schulträger die baulichen Veränderungen. Hauptsächlich der Mensaneubau war in den letzten Jahren wichtig. Denn Mensen gab es an den Schulen vorher nicht, sie sind aber eine grundlegende Voraussetzung für den Ganztag. Der Schulträger finanziert auch das Personal der Mensa oder der Mediathek. Einige Schulträger unterstützen darüber hinaus freiwillig die Schulsozialarbeit.

Online-Redaktion: Was leisten aus Ihrer Sicht die Schulträger?

© Michael Schmitt

Schmitt: Wie eben schon beschrieben, leisten die Schulträger viel für die Schulen. Tatsächlich sehen Art und Weise sowie der Umfang der Unterstützung in den verschiedenen Landkreisen sehr unterschiedlich aus. Einige leisten das, was sie müssen, andere Vieles darüber hinaus. Im Idealfall gibt es Kooperationen in Steuergruppen oder Netzwerken, wo gemeinsam mit Schulamt, Schulträger, Jugendamt und Serviceagentur an den Ganztagskonzepten gearbeitet wird. Je besser und enger die Zusammenarbeit, desto lebendiger ist natürlich auch die Schullandschaft und die Entwicklung guter Ganztagsmodelle. Das geht bis zu Fortbildungsangeboten und Arbeitskreisen.

Online-Redaktion: Wie arbeiten Schulträger einerseits mit dem Land, andererseits mit Trägern der Kinder- und Jugendhilfe oder der kulturellen Bildung zusammen?

Schmitt: Die Kooperation der Schulträger mit dem Land ist durch die Richtlinie geregelt. Die Schulträger sind wesentlich mit dem Verwendungsnachweis befasst und mit der Vertragsabwicklung. In vielen Landkreisen gibt es zudem enge Kooperationen im Rahmen der Schulsozialarbeit. Manche Schulträger übertragen ihre Aufgaben auch an Kooperationspartner. Teilweise ist das auch je nach Schule unterschiedlich.

Online-Redaktion: Vor welchen konkreten Schwierigkeiten stehen derzeit die Schulträger?

Schmitt: Eine der größten Schwierigkeiten ist die Verwaltung der Mittel und die Vertragsabwicklung mit dem externen Personal. Dies wird sehr unterschiedlich gehandhabt. Inzwischen finden sich bei vielen Schulträgern gute Lösungen. Einige sind noch dabei, Lösungen zu finden.

Sehr wichtig ist zurzeit die Verbindung des Landesprogramms mit den bereits bestehenden Betreuungsangeboten an den Grundschulen. Kostenfreiheit statt Gebührenmodell ist das Stichwort. Hier suchen die Schulen wie auch die Schulträger gute Konzepte.

Online-Redaktion: Schulträger sind für das außerunterrichtliche Personal zuständig, das Land dagegen für die Lehrkräfte. Wie sieht das vor Ort aus? Gibt es Absprachen?

Schmitt: Der Schulträger ist nicht mit den Lehrerstellen befasst. Das macht die Schulleitung. An manchen Schulen gibt es tatsächlich eine Mischform aus beidem. Die meisten aber sehen so aus, dass die Lehrkräfte zum Beispiel für Hausaufgabenbetreuung oder Lernzeiten zuständig sind, und Honorarkräfte für AG-Angebote. Wünschenswert ist natürlich eine Kooperation auch vor Ort, welche die Expertise beider Professionen zusammenführt.

Online-Redaktion: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine solche Veranstaltungsreihe für Schulträger zu organisieren?

Schmitt: Unsere Serviceagentur steht schon seit längerem mit zahlreichen Schulträgern in Kontakt. Ich sitze zum Beispiel in einer Steuergruppe im Kreis Bergstraße im Regierungsbezirk Darmstadt, wo der Schulträger sehr aktiv ist. Dort sind wir und auch das Schulamt mit ins Boot geholt worden. Der Austausch zwischen allen Beteiligten läuft dort sehr gut.

Schulhof
© Britta Hüning

Es entstand dann die Idee, dieses dort so erfolgreiche Modell ins Land zu tragen. Zugleich erhielten wir die Rückmeldung des Schulträgers, dass bei der Entwicklung des Ganztags Fragen und Herausforderungen entstehen und sich die Schulträger gerne einmal in einem eigenen Rahmen darüber austauschen würden. Es finden zwar in den kommunalen Verbänden immer wieder Treffen statt, die aber nie ganztagsschulspezifisch sind.

Online-Redaktion: Haben Sie dann auf Ihrer Veranstaltung im Dezember 2013 Themen vorgegeben?

Schmitt: Wir kannten die Hauptbaustellen und haben auch mit der Einladung die Möglichkeit gegeben, Themenwünsche zu benennen. So haben wir den Tag dann stärker strukturieren können. Es gab einen Vortrag mit Präsentationen von zwei hessischen Schulträgern, in denen jeweils ihre Ganztagskonzepte vorgestellt wurden. Über den Tellerrand des eigenen Landkreises hinauszublicken und zu erfahren, wie in anderen Kreisen gearbeitet wird, ist ein wichtiges Thema.

Darauf folgte eine Runde mit Expertentischen, an denen Vertreter des Referats Ganztagsschule im Hessischen Kultusministerium vertreten waren. Es hatte der große Wunsch bestanden, mit dem Ministerium konkrete Fragen zu klären. Die Stadbild gGmbH aus Kassel hat ihr Modell der Vertragsabwicklung vorgestellt. Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung war da, die das für die Schulträger sehr relevante Thema Mittagessen und Mensa behandelt hat. Und auch die Vertreter der Schulkreise informierten über ihre Arbeit. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen konnten dann an den Tischen rotieren.

Online-Redaktion: Und wie war die Resonanz?

Schmitt: Es waren etwa 40 Personen da, womit ich sehr zufrieden bin. Die nordhessischen Kreise waren weniger vertreten, was sicher auch an der langen Anreise nach Frankfurt am Main lag. Wir hatten auch die Fachberater Ganztagsschule eingeladen, die an den Schulämtern angesiedelt sind und von uns qualifiziert werden. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden sind so positiv gewesen, dass wir uns entschlossen haben, die Veranstaltung fortzuführen. Wir haben bereits Themen für das nächste Mal gesammelt.

Online-Redaktion: Wie müsste aus Ihrer Sicht künftig die Arbeit der Schulträger aussehen?

Schmitt: Eine stärkere Vernetzung auf Landesebene zum Thema Ganztag ist wünschenswert. So können die einzelnen Schulabteilungen von den Erfahrungen der Anderen profitieren. Austausch und Information zu Entwicklungsvorhaben sind wichtig. Eine Einbindung in ein regionales Netzwerk halte ich für eine gute langfristige Planung für unerlässlich. Über Steuergruppen können kurze Informationswege ermöglicht und auf der Arbeitsebene viele Absprachen getroffen werden. Bindet man die Schulen regelmäßig durch gemeinsamen Austausch ein, findet eine gelebte Kultur der Kooperation statt. Das wäre in der Breite sehr wünschenswert.

Der im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung festgelegte Pakt für den Nachmittag, also eine Bildungs- und Betreuungsgarantie, wird, sobald sich die Rahmenbedingungen konkretisieren, sicher auch eine große Rolle spielen. Der Ausbau der Zusammenarbeit ist daher unerlässlich.

Online-Redaktion: Wissen Sie schon, wann die nächste Schulträgerrunde stattfinden wird?

Schmitt: Wir befinden uns derzeit in der Planung und würden den Termin gerne noch im ersten Halbjahr unterbringen.

Online-Redaktion: Welche wichtigen Veranstaltungen bietet die Serviceagentur Hessen darüber hinaus in näherer Zukunft noch an?

Schmitt: Gerade befindet sich die Broschüre im Druck, die unsere Hospitationsreihe bewerben soll. Im letzten Jahr wurden an sieben Schulen Hospitationstage angeboten, die sehr gut angenommen wurden. Wir haben das deshalb auf 20 Ganztagsschulen ausgeweitet und zu einem Schwerpunkt unserer diesjährigen Arbeit gemacht. Auch auf unserem Landeskongress im September werden wir Hospitationen anschließen.

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