Wenn der Funke Landesgrenzen überspringt

Das Fazit fällt begeistert aus: Die Länder übergreifende Kooperation zwischen der Grundschule Hollerbusch (Berlin) und der Pestalozzischule (Rheinland-Pfalz) ist nicht nur innovativ - sie steigert die Qualität der beiden Ganztagsschulen erheblich.

Die Berliner Schulleiterin Karin Ronneberger und ihr rheinland-pfälzischer Kollege Markus Fichter blicken mit Dankbarkeit auf jenen "schicksalhaften" Tag im September 2009 zurück. Da lernten sie sich bei der Präsentation des vom Bundesbildungsministerium geförderten Forschungsprojektes "LUGS - Lernkultur und Unterrichtsentwicklung in Ganztagschulen" kennen und schätzen.

"Wir spürten, da ist eine Schule von der wir profitieren können", erinnern sich die beiden. Schon da galten sie als äußerst innovativ. Die Zahl neugieriger Pädagoginnen und Pädagogen anderer Schulen stieg stetig. Wie gelingen euch die Inklusion und die Arbeit mit Portfolios? Wie arbeitet ihr mit Kindertagesstätten zusammen, um den Kindern den Übergang zur Grundschule zu erleichtern? Oder: Wie integriert ihr Gesundheitsförderung in den Schulalltag? Fragen über Fragen wurden den austauschfreudigen Ganztagsschulen gestellt.

"Uns wurde bewusst, dass wir nicht nur anderen Interessierten unsere Pädagogik und Methodik vermitteln dürfen, sondern, dass wir selbst uns auch weiterentwickeln müssen", sagt Markus Fichter. Der Startschuss für eine außergewöhnliche Kooperation war gefallen. Außergewöhnlich auch, weil sie Länder übergreifend gelingt. Da gilt es dann auch auszuloten, welche schulischen Konzepte und in welcher Form trotz unterschiedlicher gesetzlicher Bestimmungen in den beiden Bundesländern realisierbar sind.

Drei Damen vor einer Tafel mit Schaubildern

Der Austausch befruchtet die Gedanken. Da steigt die Pestalozzischule, angeregt durch die Erfahrungen der Berliner Partnerschule, ins Comenius-Projekt ein und bilanziert ehrlich: "Ohne die Anregung aus Berlin wären wir diesen Schritt nicht gegangen." Die Grundschule am Hollerbusch greift die Idee der Kolleginnen und Kollegen der im Ländlichen gelegenen Pestalozzischule auf, die Förderung und Entwicklung ihrer Schülerinnen und Schüler in Portfolios zu dokumentieren.

Dies sind nur zwei der zahlreichen Impulse, von denen beide Seiten profitieren. Man sieht sich regelmäßig, trifft sich zu Arbeitsgruppen (Gesundheitsförderung, Individualisierung und Differenzierung zum Schuleintritt, Inklusion, Schulmanagement und Veränderungskultur) und Studientagen. Ermöglicht wird dies auch durch die Unterstützung des Bundesbildungsministeriums. Es fördert den Austausch der Kollegien und finanziert die Begleitforschung, von der Erkenntnisse über das so genannte Peer Learning von Schulen gewonnen werden sollen.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Arbeitsgruppen

Die Bereitschaft, sich immer weiter zu entwickeln, werten Karin Ronneberger und Markus Fichter als Basis des gemeinsamen Erfolgskonzeptes. "Sie trägt uns als Team in der Schule schon seit vielen Jahrzehnten", berichtet beispielsweise der Schulleiter aus Eisenberg zufrieden. Er führt die Motivation seines Kollegiums nicht zuletzt auf den Wandel zur Ganztagsschule zurück. "Wir haben sie in den vergangenen 35 Jahren immer weiter ausgebaut. Damit das gelingen konnte, war und ist die Bereitschaft des Kollegiums, mehr und anders als in gewohnten Bahnen zu arbeiten, erforderlich. Das Rollenverständnis hat sich gewandelt. Man interessiert sich für andere Schulen, tauscht sich mit anderen Professionen aus.

Karin Ronneberger, die erst kürzlich das 20-jährige Bestehen ihrer Schule feiern durfte, kennt einen weiteren Grund für den Mut zur Offenheit. "Inklusive Arbeit, wie unsere beiden Schulen sie betreiben, setzt Teamgeist, Selbstkontrolle und Interesse an gelingenden Konzepten anderer geradezu voraus."

In der innerdeutschen Kooperation ist der "Funke so stark und so schnell wie noch nie übergesprungen", berichten Ronneberger und Fichter. Sie wissen um die freundschaftliche Bande, die zwischen einzelnen Mitgliedern der Kollegien geknüpft wurden, und deren regelmäßige "Austauschtelefonate". Diese Form des Kontaktes soll, so wünscht es sich Markus Fichter, noch deutlich und in größeren Kreisen ausgebaut werden. Er ist überzeugt: "Wir können die digitalen Medien für gemeinsame Konferenzen noch viel stärker nutzen", Das würde den Wissenstransfer erleichtern und beschleunigen. Von Angesicht zu Angesicht wird es ihn schon beim 8. Ganztagsschulkongress in Berlin (4. und 5. November 2011) in Berlin geben. Karin Ronneberger jedenfalls ist überzeugt: "Für uns und unsere Teams ist der persönliche Gedankenaustausch mit Kollegen besser als eine klassische Fortbildung. Man sieht und hört Dinge aus der Praxis, die bereits erprobt und evaluiert wurden."

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