Schulzentrum Mellendorf: Vier Schulen unterm Ganztagsdach

Ein gemeinsames Ganztagsangebot für gleich vier Schulformen – Hauptschule, Realschule, Integrierte Gesamtschule und Gymnasium – bietet das Schulzentrum Mellendorf im Kreis Hannover. In diesem Jahr feierte man das fünfjährige Bestehen.

In der Wirtschaft ist Kundenbindung eine entscheidende Größe. Unternehmen, die es schaffen, für ihr Produkt eine Stammkundenschaft zu gewinnen, haben die Gewissheit, dass dieses Produkt angenommen wird, dass es für diesen Zeitpunkt das richtige ist.

Schülerinnen und Schüler beim Fußball
Über das gesamte Halbjahr treten die Schüler in einer Pausenliga gegeneinander an© Ganztagsschulen Schulzentrum Mellendorf

Überträgt man dieses Bild ins Schulzentrum Mellendorf in Wedemark im Kreis Hannover, dann müssen Gabriel Braun und sein Team bisher eine Menge richtig gemacht haben. Der Leiter des Ganztagsangebots konnte sich im August 2013 auf der großen Feier zum fünfjährigen Jubiläum freuen, dass auch ehemalige Schülerinnen und Schüler vorbeischauten, die er Jahre nicht gesehen hatte. Desgleichen beim „Juleica“-Beteiligungsprojekt: „Es kommen welche wieder, die jahrelang nicht da waren und mich immer noch mit Namen kennen.“

Jugendliche äußerten ihr Bedauern, weil nach der 8. Jahrgangsstufe die Ganztagsschule nicht mehr angeboten wird. Und kommen dann ebenfalls wieder zurück aus der Oberstufe, um die Hausaufgabenbetreuung zu leiten oder Arbeitsgemeinschaften anzubieten.

Die Pausenliga-Clubs wie "Die Gummibärchen" können auf eine rege Fanbasis vertrauen© Ganztagsschulen Schulzentrum Mellendorf

Die imposanten Neubauten des Schulzentrums direkt neben dem Rathaus der Gemeinde sind Ausdruck der Kommune, speziell des noch amtierenden Bürgermeisters Tjark Bartels, die der Bildung Vorrang einräumt. Die dreieinhalb Stellen von Braun und seinem Team werden von der Kommune finanziert, die zusätzlich einen Zuschuss ins Ganztagsbudget gibt. Über die fest angemeldeten Schülerinnen und Schüler – das Land Niedersachsen finanziert deren Teilnahme mit einer Pauschale pro Kopf – hinaus sollen alle Kinder und Jugendlichen, die Lust haben, das offene Mittagsangebot wahrnehmen können.

Vier Schulformen bunt gemischt

Es war auch der politische Wille, der – den Elternwunsch nach Ganztagsschulen aufgreifend – entschied, dass am Schulzentrum die Konrad-Adenauer-Hauptschule, die Realschule Wedemark, die Integrierte Gesamtschule Wedemark, die vor drei Jahren gegründet worden ist und nun hochwächst, und das Gymnasium Mellendorf ein gemeinsames Ganztagsschulangebot organisieren sollten. Ein geradezu weitsichtiger inklusiver Gedanke, denn jetzt lernen und begegnen sich an vier Tagen in der Woche wirklich alle Schülerinnen und Schüler bunt gemischt durcheinander, es gibt auch keine Abtrennung der Pausenhöfe.

Außenansicht Schulzentrum
Schulzentrum: Das 2008 errichtete Schulzentrum Mellendorf© Ralf Augsburg

Zum Aufbau der Ganztagsschule holte man Gabriel Braun. Der Diplom-Pädagoge hatte im baden-württembergischen Esslingen bereits eine Ganztagsschule verantwortet. Mit dieser Erfahrung ging er in die Gespräche mit den vier Schulleitungen und scharte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um sich. Momentan sind das die Sozialarbeiterin Anna Heinze und der Sozialarbeiter Martin Schröter. Man wurde sich schnell einig, dass die Ganztagsschule als Hauptpfeiler neben der Hausaufgabenbetreuung den Jugendlichen kreative, musische und sportliche Angebote machen sollte. Inzwischen haben die Schulen ein Organisationsteam gebildet, mit dem Braun viele Gespräche für eine bessere Verzahnung und Vernetzung führt und Alltagsprobleme bespricht.

Etwa 230 Schülerinnen und Schüler sind fest für die Ganztagsschule angemeldet. Sie nehmen die Hausaufgabenbetreuung wahr und verpflichten sich für ein halbes Jahr zum Besuch der AGs. Die Anmeldung ist flexibel für einzelne Tage möglich, die Teilnahme kostenlos. Ab 12.00 Uhr besteht die Möglichkeit, in der Mensa aus drei Menüs des Cook-and-Chill-Caterers zu wählen, sich im Freizeitbereich aufzuhalten und viele Angebote der Mittagsfreizeit zu nutzen – dies können auch die nicht angemeldeten Jugendliche wahrnehmen. In der Zeit von 14.15 bis 15.00 Uhr findet die Hausaufgabenbetreuung statt, gefolgt von den AGs bis 15.50 Uhr. Alternativ zum AG-Besuch können die Schülerinnen und Schüler auch die erweiterte Hausaufgabenbetreuung besuchen. Nach dem Ende der AGs startet dann im Freizeitbereich eine Nachbetreuung bis 16.30 Uhr. Diese Zeit nutzen viele Jugendliche auch noch einmal für ein Gespräch mit Braun oder den Sozialarbeitern

„Offen“ als Einstieg in „Verbindlich“

Das Team der Ganztagsschule Mellendorf: Sozialarbeiter Martin Schröter, Sozialarbeiterin Anne Heinze und Diplom-Pädagoge Gabriel Braun.© Ralf Augsburg

„Beim offenen Angebot können die Jugendlichen kommen und gehen, wie sie wollen. Dieses Offene ist spannend und ergänzt sich gut mit dem Verbindlichen. Für viele ist es auch eine gute Gelegenheit, mal reinzuschnuppern. Die Verbindlichkeit entsteht dann durch das regelmäßige Kommen und das Binden an eine der Betreuerinnen und Betreuer. Diese Schülerinnen und Schüler entscheiden sich dann nach einer Zeit, sich auch fest anzumelden“, berichtet Gabriel Braun.

Das offene Angebot ist nicht ungeplant: Das Ganztagsschulteam stellt nicht einfach nur einen Kicker-Tisch hin, sondern für alle vier Tage ist ein festes Programmangebot organisiert. Von Montag bis Donnerstag findet in der Cafeteria der Wedemarksporthalle das Mittagsatelier statt. Hier können die Schülerinnen und Schüler unter Anleitung einer Künstlerin der Kinder- und Jugendkunstschule Wedemark verschiedene unterschiedliche künstlerische Techniken kennenlernen, Leinwände bemalen oder mit Spachtel und Pasten arbeiten. „Das Mittagsatelier geht auf die Idee des Leiters der Kinder- und Jugendkunstschule zurück, die von Anfang an dabei und einer unserer großen, verlässlichen Partner ist“, erinnert sich Braun. „Wir haben bereits viele unterschiedliche Projekte mit ihr organisiert, zum Beispiel die Beteiligung an Kunstprojekten wie ‚Unicef Kinderrechte mal 16’ im Ortsteil. Das Mittagsatelier ist inzwischen unser Vorzeigeprojekt.“

Große Partner wie Sportvereine zu finden, ist schwierig

Outdoortraining-AG
Werkeln im Wald in der Outdoortraining-AG© Ganztagsschulen Schulzentrum Mellendorf

Dazu kommen im Offenen Angebot montags der Zirkustag in der Gymnastikhalle, mittwochs die Töpferwerkstatt in der Keramikwerkstatt und donnerstags der Sporttag auf dem Sportplatz. Regelmäßig finden die Pausenspiele statt, in denen verschiedene Mannschaften wie die „Pissnelken“ oder „Deine Mudda“ ein Halbjahr lang regulär in einer Meisterschaft im Fußball und anderen Sportarten um Punkte spielen.

Im ländlichen Raum rund um Wedemark ist es schwierig, große Partner wie Sportvereine zu finden, die verlässlich ein regelmäßiges Angebot machen. Deshalb wird die Mehrzahl der Angebote von häufig wechselnden Privatpersonen angeboten. „Diesen Wechsel empfinden wir und auch die Kinder nicht als Nachteil, denn so gibt es sehr häufig neue spannende AG-Angebote“, meint der Diplom-Pädagoge. Dabei berücksichtige das Ganztagsschulteam die Wünsche der Schülerinnen und Schüler, die Fragebögen zu den AGs ausfüllen.

„Wir sammeln Ideen, gehen nach den Schülerwünschen und machen dann eine Jahresplanung. Es hat keinen Sinn, selbst irgendein Motto durchzusetzen. Stattdessen versuchen wir, mit einzelnen Projekten wie einem Schwarzlicht-Kickerturnier die Jugendlichen immer mal wieder mit etwas Anderem zu überraschen.“

Schulung für die Hausaufgabenbetreuung

Bandprobe in der 1st Class Rock-AG© Ganztagsschulen Schulzentrum Mellendorf

In der Hausaufgabenbetreuung hat das Ganztagsschulteam beste Erfahrungen mit älteren Schülerinnen und Schülern als Betreuern gesammelt, wobei diese schulartenhomogen arbeiten: Ältere Gymnasiasten betreuen junge Gymnasiasten und so weiter. Die Jugendlichen müssen sich für den Posten des Betreuers bewerben und werden dann in Rücksprache mit den Lehrkräften vom Team ausgewählt. Bevor sie einsteigen, absolvieren sie eine Schulung mit der Ganztagsleitung, in der sie über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt werden. Sie lernen, wie man mit Konfliktsituationen umgeht und wie sie Unterstützung leisten können.

Die Hausaufgabenbetreuung findet dann in festen Gruppen von fünf bis acht Schülerinnen und Schülern in Klassenräumen statt. „Wie sich die Gruppen organisieren, wie sie genau arbeiten, entscheidet die Betreuerin oder Betreuer mit den Schülerinnen und Schülern“, erklärt Gabriel Braun. „Aus unserem Leitungsteam ist immer einer präsent, der gegebenenfalls unterstützen kann.“

Schülerinnen im Designstudio
Konzentrierte Arbeit im Designstudio© Ganztagsschulen Schulzentrum Mellendorf

Zu Beginn der Ganztagsschule waren die Hausaufgabengruppen bis zu dreimal so groß. Das brachte laut Braun zu viel Unruhe, die Schülerinnen und Schüler wurden mit den Aufgaben nicht fertig, brachten diese nach den langen Tagen noch mit nach Hause – was, wenig überraschend, wiederum für Unruhe in den Elternhäusern sorgte. So entschloss man sich, die Gruppen zu verkleinern.

Die „Ganztagsschulreporter“ berichten über das Geschehen im Haus

Bei den Arbeitsgemeinschaften stechen besonders die „Trendsportarten“ hervor, in denen die Schülerinnen und Schüler das Beherrschen eines Kites, das Fahren eines ATB-Boards oder das Strandsegeln mit einem Blowkart erlernen. Im Offenen Angebot können sich schreibbegeisterte Jugendliche zu den „Ganztagsschulreportern“ zusammenschließen, die über die Aktivitäten der Ganztagsschule berichten. Zu den hausinternen Ganztagsschulmessen bringen sie ihre Texte auch in gedruckter Form heraus, die ansonsten auf der Schulhomepage veröffentlicht werden.

Die Acrylwerkstatt-AG© Ganztagsschulen Schulzentrum Mellendorf

„Kundenbindung“ ist nicht mehr das Problem des Ganztagsschulteams – im Gegenteil: Die Schülerinnen und Schüler stimmen mit den Füßen ab, rennen Gabriel Braun und seinem Team „die Bude ein“. Trotz der Maßnahmen, Aktivitäten der Mittagsfreizeit in die Turnhalle und an andere Orte zu verlegen und so räumlich zu entzerren, stößt das an räumliche Grenzen.

„Eine Idee ist, etwas ganz Neues zu versuchen: auf dem Gelände einen Abenteuerspielplatz zu bauen, der fast ganzjährig nutzbar wäre“, verrät der Ganztagsschulleiter einen Plan. „Hier könnten Buden gebaut oder eine Mofa-Werkstatt eingerichtet werden, wir könnten auch Eltern und Großeltern einbeziehen.“

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