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Modellschulen für Partizipation

Partizipation ist ein Qualitätsmerkmal guter Ganztagsschulen. Die Serviceagentur "Ganztägig lernen" Rheinland-Pfalz unterstützt Schulen, die sich für mehr Partizipation engagieren, und hat deshalb ein Netzwerk von Ganztagsschulen aufgebaut, das sich durch besonders erfolgreiche Beteiligungsmöglichkeiten für Schüler und Eltern auszeichnet. Am 26. Juni 2007 trafen sich diese Modellschulen in Speyer zum Erfahrungsaustausch.

Als das BLK-Projekt "Demokratie lernen und leben" im März 2007 auslief, waren sich alle Beteiligten aus Forschung und Bildung einig, dass die innerhalb dieses Projektes entwickelten guten Ideen nicht mit dem Ende des Programms in Vergessenheit geraten dürften.

Dieser Meinung waren auch Sonja Student und Jürgen Tramm von der Serviceagentur "Ganztägig lernen" Rheinland-Pfalz. Die demokratische Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an Entscheidungen in der Schule ist für beide ein Qualitätsmerkmal guter Ganztagsschule, denn "Ganztagsschulen sind nicht nur Lern-, sondern auch Lebensorte". Um so wichtiger sei es, dass die Kinder und Jugendlichen über das eigene Lernen, das Zusammenleben in der Klasse und in der Schulgemeinschaft und Gemeinde beteiligt werden. Wer sich beteiligt, sei eher bereit, auch Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, findet Tramm.

Da sich die Serviceagentur das Wort Partizipation groß auf ihre Fahnen geschrieben hat, gaben sich Sonja Student, die beim BLK-Programm als Koordinatorin tätig war, und Jürgen Tramm mit dem absehbaren Ende des BLK-Programms nicht zufrieden. Im Dezember 2006 bauten sie ein Netzwerk von neun Ganztagsschulen aus Rheinland-Pfalz auf, die besonders erfolgreiche Partizipationsprojekte aufweisen. Diese Modellschulen sollen sich zukünftig nicht nur untereinander gute Tipps und Anregungen geben, sondern sich auch anderen Schulen als Ideengeber öffnen, wie partizipative Elemente in den Schultag eingebaut werden können.

Am 26. Juni 2007 lud die Serviceagentur rund 30 Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler, Eltern und außerschulische Partner der neun Modellschulen zur Auftaktveranstaltung des Netzwerks Partizipation in das Institut für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung (IFB) in Speyer, damit diese sich über die vielfältigen Partizipationsansätze austauschen und über Unterstützungssysteme informieren konnten.

Engagement sichtbar machen

"Ihre Rolle wird darin bestehen, Partizipation weiterzutragen", begrüßte Gernot Stiwitz vom Referat Ganztagsbetreuung des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur die Anwesenden. "Es wäre schön, wenn Sie pro Jahr vier bis acht Ganztagsschulen mit ihren Partizipationsideen infizieren würden - Sie können das besser als wir vom Schreibtisch aus." Nun gelte es, Strategien zu entwickeln, wie bestehende erfolgreiche Projekte weitergetragen werden könnten.

Jürgen Tramm (l.) und Dorothea Werner-Tokarski

Die Strategie könnte sich Jürgen Tramm zufolge aus folgenden Elementen zusammensetzen: "Die Modellschulen schärfen ihr Profil und entwickeln es weiter, sie leisten Konsultations-, Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit." Mit einem Schild, das sie als "Modellschule für Partizipation" ausweist, könnte das Engagement der einzelnen Ganztagsschulen schon beim Betreten des Gebäudes sichtbar gemacht werden.

Im Punkt Öffentlichkeitsarbeit haben die Schulen und die Serviceagentur bereits ganze Arbeit geleistet: Jede der neun Ganztagsschulen war in Speyer mit einem eigenen, aber stets gleich aufgemachtem Flyer unter dem Titel "Partizipation und Ganztag machen Schule" vertreten. Darin stellen die Schulen ihre Schwerpunkte und Projekte vor und laden andere Schulen zu sich ein: "Wollen Sie an unserer Schule hospitieren?"

Andere Atmosphäre durch Wahl zum "Schüler des Monats"

Die neun Modellschulen verteilen sich nicht nur in ganz Rheinland-Pfalz, sie umfassen auch alle Schulformen und decken thematisch bezogen eine breite Palette ab: Die Schule am Ellerbach in Bad Kreuznach, eine Schule mit Förderschwerpunkt Lernen, präsentiert ihr Projekt "Schüler des Monats", mit dem vorbildliches soziales Verhalten honoriert wird. Nominiert werden die Kandidaten von ihren Mitschülern. Eine sechsköpfige Jury aus Schülern und Lehrern wählt dann die Preisträgerin oder den Preisträger aus, der einmal im Quartal in einer öffentlichen Feierstunde ausgezeichnet wird. "Seit der Einführung dieser Wahl herrscht bei uns eine ganz andere Atmosphäre", berichtete der Diplompädagoge Rainer Engelmann. "Es ist ruhiger und gewaltfreier."

Die Regionale Schule Fritz-Strassmann-Schule in Boppard stärkt das Verantwortungs- und Selbstbewusstsein ihrer Kinder und Jugendlichen durch eine Schaf- und Ziegenhaltung. Auch an Wochenenden und in den Ferien kümmern sich die Schülerinnen und Schüler um die Tiere. Am Gymnasium Herxheim legt man großen Wert auf einen guten Draht zu den Eltern, mit denen man eine "Erziehungspartnerschaft" eingeht. Bei Planung, Organisation und Evaluation der Ganztagsschule sind die Eltern fest involviert. Sie stellen den Schülerinnen und Schülern ihre Berufe vor, informieren über Suchtprävention und Medienerziehung.

Dem Partizipationsgedanken nähern sich die Kinder an der Grundschule Hillesheim als "Videofuzzies" mit Kamera und Mikrofon, beispielsweise wenn es darum geht, die Suche nach einem neuen Namen für die Schule zu dokumentieren. An der Diesterweg-Schule in Koblenz, einer Förderschule mit Schwerpunkt Lernen, widmen sich viele Projekte wie Klassenräte, Schülerparlament und Klassenpatenschaften der Stärkung der Sozialkompetenz zur Konfliktvermeidung.

Schulparlament als Stimmungsbarometer

Schülerversammlung beziehungsweise Kinderkonferenz und Klassenräte sind auch zentrale Elemente der Partizipation an der Freien Montessori-Schule in Landau und der Grundschule Trier-Biewer. An der Integrierten Gesamtschule Ernst Bloch in Ludwigshafen hat das Schulparlament ein gewichtiges Mitspracherecht. Zwar verbürgt das rheinland-pfälzische Schulgesetz keine Entscheidungskompetenz für dieses Gremium, aber die Meinungsbilder und Beschlüsse, die das aus Schülern, Lehrkräften und Eltern zusammengesetzte Parlament fällt, gehen als "Stimmungsbarometer" in die Gesamtlehrerkonferenz ein. Laut Lehrer Heinrich Schlosser haben sie schon so manche Entscheidung beeinflusst - auch was die Gesamtstruktur der Schule oder die Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf angeht.

Schüler vor einer Schautafel

Die Grundschule Freie Reformschule Speyer punktet mit der Einbeziehung der Eltern in die Gestaltung der Schule, beispielsweise durch regelmäßig stattfindenden Elternunterricht. Die Schule versteht sich als Teil ihres Gemeinwesens und beteiligt sich daher regelmäßig an städtischen Festen und Aktionen. Die Beschlüsse der Klassenräte sind hier bindend.

Viele dieser Schulen etablierten ihre Partizipationselemente während des BLK-Programms "Demokratie lernen und leben" und hoffen nun, diese Bausteine anderen interessierten Ganztagsschulen zu vermitteln. Insofern wird sich der Wunsch nach einer Quasi-Fortsetzung dieses Programms erfüllen. Doch wie soll es nun konkret weitergehen?

Regelmäßige Netzwerktreffen und Fortbildungen

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen überein, zweimal jährlich regionale Treffen mit Erfahrungsaustauschen zu organisieren - und zwar jeweils an einer der Netzwerkschulen, die sich bei dieser Gelegenheit ausführlich vorstellen können. Alle Gruppen - Lehrer, Eltern, Schüler - sollen daran teilnehmen können. Parallel wird sich ein Schülernetzwerk bilden, das ebenfalls den schulübergreifenden Kontakt sucht. Der gegenseitige Austausch soll auch durch Experten von außen befruchtet werden. Diese würden Fortbildungen für die Kollegien, die Schülerschaft und die Eltern zu Partizipationsformen und übergreifenden Themen wie Kommunikation, Streitschlichtung und Kooperation leiten. Bei Bedarf wollen sich die Schulen auch individuell beraten lassen können und auf ihrem Prozess begleitet werden.

Jürgen Tramm und Sonja Student versprachen, als Serviceagentur diese Wünschen aufzugreifen. Dabei sind sie nicht allein: Die Berater für Demokratiepädagogik, die innerhalb des BLK-Programms in einem dreijährigen Qualifizierungsprogramm von 2004 bis 2006 ausgebildet worden sind, stehen den Ganztagsschulen ebenfalls zur Seite. Sie bieten auf Nachfrage Unterstützung bei der Entwicklung einer demokratischen Schulkultur und bei der Förderung der demokratischen Handlungskompetenzen von Schülern an. Gemeinsam mit den Schulen wollen die Vertreter des SV Bildungswerks Konzepte für eine demokratische Schulentwicklung ausarbeiten. Zugleich bieten sie Weiterbildung für die Schülervertretungen an.

Schließlich stehen noch 20 Ganztagsschulmoderatorinnen und -moderatoren zur Verfügung, die für alle Ganztagsschulen in ihren Schulnetzwerken zuständig sind. Sie begleiten die Ganztagsschulen in deren Schulentwicklungsprozessen und sind verantwortlich für die Vernetzung der Schulen.

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