Neue Chancen für den Schulsport in Deutschland

Die Förderung des Sports ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und spielt eine zentrale Rolle bei der Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen. Die Kooperation zwischen den Sportvereinen und den Ganztagsschulen in Rahmenvereinbarungen schafft die Grundlage für die Verbesserung des Sportangebotes an den Schulen: Das Beispiel der GTS Kerschensteiner Hauptschule in Worms.

Jeder Straßenvierer im Radsport, der aus dem Stand anfährt, braucht eine gewisse Zeit, bis er volle Fahrt aufnimmt. Ein Radvierer besteht aus vier annähernd gleich starken bzw. motivierten Fahrern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Deutsche Sportbund, die Länder und die Schulen haben beim bundesweiten Sportangebot an den Ganztagsschulen Tempo aufgenommen. Es tut sich eine große Chance auf, den Sport an den Schulen zu verbessern und auszubauen.

So macht sich der Deutsche Sportbund dafür stark, die Förderung des Ausbaus der Ganztagsschulen voranzubringen: "Für uns und den deutschen Sport stellt die flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen eine große Chance dar", sagt Ute Markl, Referentin der Sportjugend beim Deutschen Sportbund.

Rahmenvereinbarungen in den Ländern

Die Sportvereine können sich als kompetente Dienstleister eines wertvollen Sportangebotes für die Ganztagsschulen vor Ort profilieren. Allerdings sind die Voraussetzungen von Land zu Land unterschiedlich.

"Spitzenreiter unter den Ländern beim Ausbau der Sportförderung ist Rheinland-Pfalz, gefolgt von Nordrhein-Westfalen." In beiden Ländern gibt es laut Markl bereits Rahmenvereinbarungen zwischen Land und Kommunen als Schulträger, "die eine gesetzliche Grundlage für die Kooperation schaffen".

Nordrhein-Westfalen hat am 18. Juli 2003 eine Rahmenvereinbarung für die Kooperation mit dem LandesSportBund abgeschlossen: "Wir begrüßen ausdrücklich das Investitionsprogramm der Bundesregierung 'Zukunft Bildung und Betreuung' mit dem der Ausbau der Ganztagsschulen in Nordrhein-Westfalen unterstützt wird", so Matthias Kohl vom LandesSportBund.

Von 234 offenen Ganztagsgrundschulen haben dem Sportfunktionär zufolge nahezu 90 Prozent (also 202 Ganztagsschulen) bereits das Angebot an Bewegung, Sport und Spiel aufgenommen: "Wir sehen darin auch die Chance für eine Unterstützung der Kommunen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, wovon indirekt ja auch die Sportvereine profitieren werden", ergänzt Matthias Kohl.

Hohe Akzeptanz in Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz gibt es eine Rahmenvereinbarung zwischen der Landesregierung und dem Landessportbund seit April 2002. Sie schafft die vertraglichen Voraussetzungen für die Kooperation der Schulen mit den Sportvereinen. In dieser Vereinbarung ist die Einbindung von Trainern, Übungsleitern und den Vereinsangeboten geregelt.

"Es gibt landesweit schon 43 Kooperationen mit Sportvereinen. Der Landessportbund möchte den Sport zu einem zentralen Inhalt im Angebot der Ganztagschulen machen", so Monika Sauer vom LSB Rheinland-Pfalz und Präsidiumsbeauftragte für Schulsport bei der Startkonferenz zum Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung am 8. und 9 September 2003 in Berlin.

Mannschaft der Kerschensteiner Hauptschule, Worms

Wie sehr der Ausbau der Ganztagsschulen die Sportvereine und damit den Sport generell fördert, zeigt die GTS Kerschensteiner Hauptschule, Worms. Dort sind laut Rektor Ralf-Torsten Böttche "die vielen Nachmittags AGs geradezu "überlaufen". Nicht weniger als sechs Sportvereine bieten Kurse wie Kletterwandsteigen, Inline-Skaten, Tennis, Fußball für Mädchen oder Kanu und Schwimmen an.

Sport vermittelt einem Positionspapier des Deutschen Sportbundes vom 25. April 2003 zufolge emotionale und soziale Schlüsselkompetenzen, die auch für den Lernerfolg in anderen Schulfächern mitentscheidend sind. Zudem haben jüngste Studien über den Bewegungsmangel und die falsche Ernährung bei Kindern und Jugendlichen die Öffentlichkeit alarmiert. Demnach sind 18 Prozent aller Kinder und Jugendlichen übergewichtig, und 7 Prozent leiden unter Fettsucht. Die Gründe sind ebenfalls bekannt: Kinder bewegen sich zu wenig und essen zu fette oder zu süße Nahrung.

Die Verbesserung der Sportförderung an den Ganztagsschulen vor allem durch den Ausbau der Infrastruktur von Sportanlagen und die Erweiterung des Sportangebotes kann diesen Mangel ausgleichen und Kindern und Jugendlichen ein anregendes Angebot zur Freizeitgestaltung machen.

Auf Bundesmittel angewiesen

Alle Sportangebote haben für Böttche eine sehr integrative und gesundheitsfördernde Wirkung auf die Schülerschaft, denn das breite Sportangebot richtet sich auch an eine Zielgruppe, die sich nicht viel bewegt und nur über Funsportarten begeistert werden kann. Man verspricht sich davon, diese Kinder dauerhaft an den Sport zu binden.

Die Mittelzuweisung von 75 000 Euro in diesem Jahr aus dem Bundesinvestitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" hat den zusätzlichen Ausbau des Sportangebots erst möglich gemacht. Bei stark steigenden Schülerzahlen von 40 Prozent - 189 (2002) auf 268 (2003) - ist die GTS Kerschensteiner Hauptschule laut Rektor Böttche auf weitere Mittel aus dem Förderprogramm der Bundesregierung angewiesen: "Diese Schule hat nur eine Chance weiterzumachen, wenn sie nicht von den Bundesmitteln abgenabelt wird."

Fahrt aufgenommen

Nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung liegen bereits jetzt viele Investitionsanträge für Bewegung, Spiel und Sport vor. Das reicht von A wie Anschaffung von Sport- und Spielgeräten, über B wie Bau einer Kurzstreckenbahn bis zu T wie Turn- und Hallenbau etc. Bereits fünf Länder zählt die sportliche Riege: Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Thüringen.

Vieles steckt noch in den Anfängen, aber der Ganztagsschulzug, oder besser gesagt der Radvierer mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, dem Deutschen Sportbund, den Ländern und den Schulen vor Ort hat bereits Fahrt aufgenommen.

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