Wettbewerb MIXED UP: Kultureinrichtungen und Ganztagsschulen kooperieren preisverdächtig!

Am 26. Oktober 2006 zeichnet die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) in Berlin im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs "MIXED UP" vier Ganztagsschulen und ihre Partner für deren hervorragende kulturelle und künstlerische Zusammenarbeit aus. Viola Kelb von der BKJ stellt in einem Gastbeitrag die Preisträger und deren Projekte vor.

Wie mag es sich anfühlen, in einem eisgekühlten Erdbeermilchshake herumzuschwimmen? Die Schülerinnen und Schüler der Hunsrück-Grundschule in Berlin haben sich mit dieser Vorstellung intensiv auseinandergesetzt, dies jedoch nicht im Schwimmunterricht, sondern innerhalb eines integrativen Video-Tanz-Projektes gemeinsam mit dem JugendKunst- und Kulturzentrum Schlesische 27. Dabei sammelten sie reichhaltige Erfahrungen, denn schließlich beinhaltete der Shake weit mehr als Milch und Obst: Ein Mix aus Tanz und Film, aus Bewegung und Multimedia sowie aus Improvisation und Präzision machte den Kopfsprung in das Erfrischungsgetränk für die heterogen zusammengesetzte Schülergruppe zu einem vielseitigen Kulturprojekt.

Mimik, Gestik und Tanzschrittkombinationen wurden mit der Kamera dokumentiert und zu einer Gesamtperformance aus Tanz und Film verflochten. Dabei konnten die Kinder den gesamten Spannungsbogen von der ersten Tanzprobe bis hin zur öffentlichen Präsentation gemeinsam entwickeln und unmittelbar erfahren. Assoziation und Interpretation waren genauso von den Kindern gefordert wie intensives Tanztraining. Zu beidem zeigten die Kinder eine große Bereitschaft, schließlich hatten sie sich auf freiwilliger Basis zur Video-Tanz AG im Ganztag angemeldet.

Das Projekt des JugendKunst- und Kulturzentrums Schlesische 27 ist eines unter vier Kooperationen zwischen kulturpädagogischen Einrichtungen und Ganztagsschulen, die im Rahmen des Wettbewerbs MIXED UP von der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) mit einem Anerkennungspreis im Wert von 2.500 Euro ausgezeichnet werden. Der im Rahmen des BKJ-Netzwerkes "Kultur macht Schule" ausgelobte Wettbewerb MIXED UP steht unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Dr. Ursula von der Leyen.

Odyssee und Fußballgötter

Zu den Preisträgern 2006 gehört auch das Trio aus der Jugendkunstschule der Freien Kunstakademie Mannheim, der Musikschule und der Ganztagshauptschule in Mannheim. Dass dieses Dreiergespann im Rahmen ihrer "Musical Factory" etwas ganz Besonderes auf die Beine gestellt hat, lässt schon der Musicaltitel "Odyssee in den Quadraten" vermuten. In fünf Akten reflektiert das Stück, angelehnt an den antiken Stoff der Odyssee von Homer, die Suche nach Heimat in der eigenen, vertrauten Stadt Mannheim.

Die Story handelt von Odi und seiner Gang, die in ein ungeahntes "Paralleluniversum" geraten, in dem sie sich völlig neu orientieren müssen. Gemeinsam mit 40 Schülerinnen und Schülern erarbeiteten Fachkräfte der drei Institutionen das Bühnenwerk von der Story bis zur Aufführung. Dazu bildeten sie Neigungsgruppen, die sich dem Bühnenbild, den Kostümen, der Musik und der schauspielerischen Umsetzung des Stücks widmeten. Songtexte wie "Döner macht schöner" oder "Va bene, hast du Probleme" wurden eigens von den jungen Sängerinnen und Sängern getextet und musikalisch umgesetzt. Das Motto der Kooperationspartner: "Kreativität lässt sich nicht erzwingen - man kann nur Rahmenbedingungen schaffen, in denen sie entsteht", hat sich in diesem Projekt mehr als bewährt. Das Musical wurde im Rahmen von fünf Aufführungen mit großem Erfolg der Öffentlichkeit präsentiert.

Im Rahmen des Stadtteiltheaterprojekts "HEIMAT - Aus der Tiefe des Viertels" des Vereins KÖLIBRI/GWA St. Pauli-Süd mit der Ganztagsschule St. Pauli standen Ganztagsschülern und Stadtteilbewohnern des Viertels gemeinsam auf der Bühne. "Das Spiel beginnt!", tönte es zur Premiere des Theaterstücks, und schon fingen bezeichnende Charaktere wie der "Fußballgott", der "Ernst des Lebens" und die "dicke Wade" auf ihre Weise an, sich mit dem Volksthema Fußball auseinander zu setzen. Nachbarschaftliche Beziehungen und die Identifikation mit dem Stadtteil wurden in diesem gemeinwesenorientierten Theaterprojekt durch den inhaltlichen Bezug des Theaterstücks zu Ereignissen und Lebenssituationen im Stadtteil geprägt.

Künstlerische Mitgestaltung des eigenen Lebensraums

75 Schülerinnen und Schüler von der 1. bis zur 8. Klasse der Ganztagsschule St. Pauli waren in die generationsübergreifend zusammengesetzte Theatergruppe integriert. Seit August 2005 fanden in der Schule Kurse und Workshops in den Bereichen Theater/Tanz (Cheerleader, Erarbeitung einzelner Szenen), Musik (Song zum Fußball, rhythmische Fangesänge) sowie Sport und Werken (Herstellen von Requisiten, Kulissen, Trikots) statt. Passend zum WM-Auftakt konnten die Erträge der vielseitigen Kurse dem begeisterten Publikum präsentiert werden.

Als ebenso preiswürdig befand die MIXED UP-Fachjury das Partizipationsprojekt "Sound of Work - Eine Baustelle wird zur Bühne" des Kulturhaus Pusdorf, das den Schülerinnen und Schülern einer Bremer Ganztagsschule die kreative Gestaltung einer Freizeitanlage ermöglichte. Denn dass das ehemalige Industriegebiet im Bremer Stadtteil Woltmershausen einer attraktiven Freizeitlandschaft gewichen ist, haben die Kinder und Jugendlichen des Kulturhauses Pusdorf im Rahmen verschiedener Beteiligungsprojekte maßgeblich beeinflusst. Nun leistet eine Schülergruppe des Schulzentrums an der Butjadinger Straße mit einem selbst inszenierten Theaterstück und einem Klanglabor zum Mitmachen einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen des Eröffnungsfestes.

Im Zuge der Umbaumaßnahmen erkundeten die Schülerinnen und Schüler über Wochen die Entwicklungen der Baustelle und zeichneten dessen Klänge auf. Parallel schrieben sie eine Geschichte mit den Grundmotiven "Wasser" und "Baustelle" und setzten diese zu den digital bearbeiteten Baustellentönen gemeinsam mit einer Tänzerin in Szene. Die ehemalige Baustelle verwandelten die Kinder und Jugendlichen schließlich in eine Bühne, auf der sie die Ergebnisse präsentieren konnten. Die Aneignung des öffentlichen Raums mündete damit in eine aktive künstlerische Mitgestaltung des eigenen Lebensraums.

Preisverleihung und Workshop

Diese vier preisgekrönten Kooperationen sind beispielhaft dafür, wie Träger der kulturellen Kinder- und Jugendbildung erfolgreich mit Ganztagsschulen zusammen arbeiten können. Gemeinsam erweitern sie den Lernort Schule und tragen zu einem umfassenden Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche bei. Insgesamt erweist sich MIXED UP - der Titel des BKJ-Wettbewerbs für Kooperationen - als unverkennbares Motto für die zahlreichen Beiträge zur Wettbewerbsrunde 2006. Spartenübergreifende Kunst- und Kulturprojekte haben offensichtlich Hochkonjunktur in Ganztagsschulen, vielfältige Vernetzungen mit unterschiedlichsten Kooperationspartnern gewinnen an Bedeutung, und ein konsequenter Stadtteilbezug der kulturpädagogischen Arbeit gilt vielerorts als konzeptionelle Voraussetzung.

Die Vergabe der vier Anerkennungspreise wird am 26.Oktober 2006 im Berliner MACHmit!-Museum für Kinder in Verbindung mit einem "Kultur macht Schule"-Workshop stattfinden. Vertreterinnen und Vertreter aus Theorie und Praxis werden unter dem Titel "Neue Anforderungen an Fachkräfte der kulturellen Kinder- und Jugendbildung durch Kooperationen" über mögliche Qualifizierungsmaßnahmen und Angebote für im Ganztag tätige Fachkräfte der Jugendkulturarbeit miteinander ins Gespräch kommen.

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