Kooperationen auf einen Klick

Der 3. Ganztagsschulkongress des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) am 22. und 23. September 2006 in Berlin steht unter dem Motto "Partner machen Schule. Bildung gemeinsam gestalten". Dass die Kooperation mit außerschulischen Partnern ein unverzichtbares Muss für Ganztagsschulen ist, findet Christine Preiß. Die Diplom-Soziologin betreut beim Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München die Datenbank "Schule & Partner" und stellt diese im Interview vor.

Online-Redaktion: Frau Preiß, wenn am 22. September 2006 in Berlin der 3. Ganztagsschulkongress mit dem Motto "Partner machen Schule. Bildung gemeinsam gestalten" startet, werden Sie doch sicherlich dabei sein - denn ist das nicht genau Ihr Thema?

Porträtfoto: Christine Preiß

Christine Preiß: Wir haben auf dem letzten Ganztagsschulkongress 2005 unsere Datenbank "Schule & Partner - schulische Kooperationspraxis auf einen Klick" erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt und werden sie auch im Rahmenprogramm des kommenden Kongresses den Besucherinnen und Besuchern vorführen. Daneben sind wir in einem Forum vertreten, in dem wir mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgewählte Ergebnisse zu den Gelingensbedingungen der Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern diskutieren werden.

Online-Redaktion: Seit wann existiert Ihre Datenbank?

Preiß: Vorgestellt wurde sie - wie gesagt - im Herbst 2005, hatte aber einen langen Vorlauf. Die Datenbank entstand innerhalb des Projektes "Kooperation von Schule mit außerschulischen Akteuren", das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Begleitung des Investitionsprogramms "Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) ins Leben gerufen wurde.

Innerhalb des Projektes, das im März 2004 startete und noch bis Ende dieses Jahres läuft, gibt es zwei eigenständige Arbeitsstränge: Den Aufbau einer Datenbank, um Kooperationen von Schulen mit außerschulischen Partnern in Form guter Praxisbeispiele zu identifizieren, zu beschreiben und zu dokumentieren. Sowie parallel dazu eine qualitative Studie, um die Angebotsstrukturen sowie die Handlungs- und Lernmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler näher zu ermitteln. Hierzu werden die Schulleitungen, die Kooperationspartner, die Lehrer und die Schüler befragt.

Online-Redaktion: Warum wurde gerade dieses Thema zum Aufbau einer Datenbank gewählt?

Preiß: Das Thema Öffnung von Schule durch Kooperation mit außerschulischen Akteuren ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Dies liegt an den gewachsenen gesellschaftlichen Anforderungen an die Institution Schule generell und am forcierten Ausbau der Schulen zu Ganztagsschulen. Eine Besonderheit unseres Schulsystems ist ja, dass wir kein einheitliches Ganztagsschulsystem besitzen, sondern der Ganztag oft gerade erst in Kooperation mit außerschulischen Partnern entstehen kann.

Online-Redaktion: Wie haben Sie Ihre Datenbank aufgebaut?

Preiß: Das Besondere unserer Datenbank ist, dass sie auf einer eigenen Erhebung basiert. Es gibt keine Form des Selbsteintrags mit Hilfe von Bildschirmmasken, die die Schulen ausfüllen könnten. Wir haben zunächst ein bundesweites Netzwerk an Experten bei den Schulbehörden der Länder, Verbänden, Trägern, Kommunen und in der Wissenschaft aufgebaut. Diese versorgten uns mit Hinweisen auf interessante Kooperationsbeispiele, denen wir nachgingen. Dies geschah durch eine schriftliche Befragung von rund 1.000 Schulen, in der wir uns nach den Gestaltungsfeldern, der Dauer und den an der Kooperation beteiligten Partnern erkundigten und die Rahmendaten der Schulen erfragten.

Aus dem Rücklauf von rund 50 Prozent der angeschriebenen Schulen wählten wir etwa 200 für eine mündliche Befragung der Schulleitungen aus. In den Befragungen vor Ort erhielten die Schulleiterinnen und Schulleiter die Gelegenheit, jene Beispiele auszuwählen, die für die Kooperationspraxis der jeweiligen Schule bedeutsam sind, aber auch für andere Schulen von Interesse sein könnten. Denn ein Ziel der Datenbank ist es, Schulen ein breites Informationsangebot zur Verfügung zu stellen und eine Plattform für den Austausch von Schulen zu schaffen, die künftig ihre Praxis ähnlich gestalten wollen. Dieser methodische Zugang basiert auch auf den Erfahrungen, die wir aus vorausgegangenen Forschungsprojekten zu dem Thema gewonnen hatten.

Online-Redaktion: Woran orientierte sich die Auswahl der 200 Schulen?

Preiß: Für Interessierte sollten Halb-und Ganztagsschulen aus unterschiedlichen regionalen Kontexten vorhanden sein. Daher wollten wir schulische Kooperationsbeispiele aus möglichst jedem Bundesland einstellen, was uns auch gelungen ist. Es sollte nicht bei den so genannten Leuchttürmen und bereits bekannten Beispielen bleiben. Durch dieses breite Spektrum sind nun engagierte Grundschulen ebenso vertreten wie ambitionierte Gymnasien, die teilweise seit Jahren interessante Kooperationen gestalten.

Online-Redaktion: Welche Bereiche thematisierten Sie in den Schulleiterbefragungen?

Preiß: Im Mittelpunkt standen die Abfrage von Informationen über die inhaltlich-konzeptionelle Ausrichtung der Kooperation, die beteiligten Partner - also auch deren Berufsgruppen und Qualifikationen -, die Zielgruppen, die Finanzierungsmodelle, die Erfahrungen bei der praktischen Umsetzung, die Gelingensbedingungen und die erzielten Effekte. Es ging uns in diesen Expertengesprächen um die systematische Aufbereitung eines Beispiels, aber unabhängig davon auch um die Erfahrungen, die Schulen generell mit der Öffnung ihrer Institution gewonnen haben. Da ist ein sehr interessantes Spektrum an kurz- bis langfristigen Kooperationen mit unterschiedlichsten Partnern und Institutionen zusammen gekommen. Diese geben auch wichtige Hinweise für Schulen und Träger, die solche Angebote entwickeln wollen. Die beiden Informationsbereiche sind in den Datenbankeinträgen zusammen gefasst.

Online-Redaktion: Wie können die Nutzer in Ihrer Datenbank das finden, was sie interessiert?

Preiß: Die Benutzer unserer Datenbank können sowohl nach Bundesland, nach Schultyp wie auch mit Hilfe eines Schlagwortregisters nach entsprechenden Kooperationsangeboten und -formen suchen: Zum Beispiel aus den Bereichen Schulsozialarbeit, Berufsorientierung, Elternarbeit, Umwelterziehung oder Gesundheitsförderung. In den Rahmendaten, die natürlich auch die Adressen der Schulen beinhalten, findet man darüber hinaus Hinweise zur Schülerzahl, zum Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, zur sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler sowie zur Ansiedlung der Schule auf dem Land oder in der Großstadt - denn bei der Ausgestaltung von Angeboten sind diese Gesichtspunkte ja auch wichtig. Der Nutzer kann hier Schulen finden, die in den Rahmendaten seiner eigenen möglichst nahe sind. Wenn ich also eine kleine Grundschule im ländlichen Raum leite und eine Kooperation zum Thema Umwelterziehung organisieren möchte, kann ich hier Schulen finden, die ähnliche Rahmenbedingungen aufweisen und mir deren Erfahrungen und Ideen vor Augen führen.

Online-Redaktion: Aktualisieren Sie Ihre Datenbank fortwährend?

Preiß: Der Schwerpunkt unserer Datenerhebung lag im vergangenen Jahr. Die Schulleitungen mussten jeden Datenbankeintrag autorisieren, wodurch es zu vielen Rückkopplungen und somit bis kurz vor Freischaltung der Einträge noch zu Korrekturen kam. Auch die Feinarbeiten an der Suchmaske halten noch an. Dadurch, dass der Bereich der Schulkooperationen meist bedingt durch die Finanzierungsmodalitäten sehr schnelllebig ist, hat die Datenbank aber auch den Charakter eines Archivs. Ein ausgelaufenes Projekt muss ja nicht minder interessant für eine andere Schule sein. Auf Grund unserer Arbeitskapazitäten beschränken wir uns vorerst auf diese 200 Schulen. Angesichts der Aktualität dieses Themas erscheint es jedoch wünschenswert, dieses Feld weiter zu beobachten und diese Datenbank für die Präsentation neuer Beispiele zu nutzen.

Online-Redaktion: Haben Sie Resonanz auf Ihre Datenbank erfahren?

Preiß: Wir erhalten laufend Hinweise von Schulträgern, Schulen und Verbänden auf weitere interessante und innovative Beispiele für Schulkooperationen und sammeln diese.

Online-Redaktion: Konnten Sie beim Sammeln all dieser Daten ein Rezept für das Gelingen von Kooperationen ausmachen?

Preiß: Um die Kompetenzen außerschulischer Partner für die Schule zu gewinnen, bedarf es zunächst vielfältiger Anregungen durch Austausch und Kommunikation. Als unerlässliche Bedingung für das Gelingen hat sich neben einer immer wieder thematisierten dauerhaften finanziellen Absicherung das Engagement der Schulleitungen und Lehrkräfte herauskristallisiert. Ebenso wichtig ist das Engagement von zuverlässig und professionell arbeitenden Kooperationspartnern. Wichtig ist dabei auch die Offenheit der außerschulischen Partner für die Ziele und Belange der Schule. Ebenso spielt die räumliche Nähe eine Rolle beim Gelingen einer Kooperation. Vor allem braucht es Zeit, um durch gemeinsame Erfahrungen des Gelingens oder Misslingens die Praxis kritisch zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Dies erfordert stabile Rahmenbedingungen für die langfristige Erprobung mit ausreichenden personellen, räumlichen und materiellen Ressourcen.

Online-Redaktion: In welcher Weise verändert die Öffnung die Schulen?

Preiß: Mit Blick auf die Realisierung eines umfassenden Bildungs-und Betreuungsangebots wird die Öffnung der Schule für die Zusammenarbeit mit externen Partnern immer bedeutsamer, insbesondere wenn es darum geht, sozial gefährdete sowie bildungsferne Kinder und Jugendliche zu fördern. Keine Institution kann Bildung, Erziehung und Betreuung mehr alleine bewerkstelligen - dazu benötigt man Kooperationen. Das hat ja auch der 12. Kinder- und Jugendbericht bestätigt. Dort empfiehlt die Kommission, schulische und nichtschulische Angebote besser aufeinander abzustimmen und unterschiedliche Bildungswelten und -orte miteinander zu verknüpfen.

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