Apropos "Schulkooperationen"

Begriffe führen zuweilen ihr Eigenleben: alle reden darüber, meinen aber Verschiedenes. Aus diesem Grund beginnt die Online-Redaktion eine Reihe über zentrale Begriffe und Stichworte der Ganztagsschule. Sie lehnt sich dabei an das Buchprojekt "ABC der Ganztagsschulen" an, setzt aber eigene redaktionelle Akzente. Die Reihe "Apropos Ganztagsschule" beginnt mit dem zentralen Begriff des Jahres 2006: "Schulkooperationen".

Das Wort, besser der Begriff "Schulkooperationen" hat das Potential dazu, zum inoffiziellen Wort des Jahres der Ganztagsschulen erklärt zu werden. Denn das Wort "Schulkooperationen" ist nicht nur das Leitthema des dritten Ganztagsschulkongresses des BMBF am 16. und 17. September 2006, es ist zugleich Titel des Jahrbuches 2006 sowie einer Publikation des Deutschen Jugendinstitutes von Jens Lipski und Andrea Behr-Heintze. Beide Bücher erschienen im Wochenschau Verlag.

Doch so ist es nun einmal mit dem Eigenleben von Worten: auch der Begriff "Schulkooperationen" an sich ist schon mehrdeutig, er wird - wie das Wort "Ganztagsschule" - uneinheitlich verwendet. "Hinter dem Begriff Kooperation verbirgt sich eine große Bandbreite an unterschiedlichen Modellen und Ausgestaltungsformen", so Andrea Behr-Heintze vom Deutschen Jugendinstitut (DJI)

Ein Begriff wird durchleuchtet

Im ABC der Ganztagsschule findet sich unter dem Stichwort "Kooperation und Verträge" folgende Definition des Begriffes: "Ganztagsschule wird heute überwiegend als eine Zusammenarbeit zwischen Schule und anderen Akteuren, insbesondere solchen der Jugendhilfe, gedacht. In Frage kommen als Partner der Schule darüber hinaus Träger der Erwachsenenbildung, Musikschulen, Betriebe, die Polizei, Wohlfahrtsverbände, Theater und Museen".

Im Vorwort der Herausgeber zum "Jahrbuch 2006 - Schulkooperationen" ist zu lesen: "Die meisten Bundesländer setzen ausdrücklich auf eine Kooperation und sehen bei der Ausstattung mit Personalzuwendungen eine Professionenmischung vor, die mindestens zu einem guten Teil außerschulische Fachkräfte vorsieht". Die Herausgeber des "Jahrbuches 2006" Stefan Appel, Harald Ludwig und Ulrich Rother betonen einen weiteren wesentlichen Aspekt, der die Kooperationen auszeichnet, nämlich die Schulentwicklung: "Eine Zusammenarbeit z.B. der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit kann also ein wichtiger, wenn nicht der wesentliche Beitrag zur pädagogischen Weiterentwicklung der Ganztagsschule sein. Durch die sozial- und freizeitpädagogischen Kompetenzen der außerschulischen Partner wird die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen in das Leben der Schule und in die schulischen Bildungsprozesse einbezogen".

Eine systematische Interpretation des Begriffes "Schulkooperation" versuchen Andrea Behr-Heintze und Jens Lipski in der gleichnamigen Publikation "Schulkooperationen" (2005): Dort heißt es: "Unter ,Kooperation von Schule mit anderen Partnern' soll hier ein Komplex vielfältiger Verbindungen der Schule mit außerschulischen Partnern (Institutionen, Personen) verstanden werden. Zu diesen außerschulischen Partnern sind auch Personen zu rechnen, die zwar in der Schule arbeiten, aber bei anderen Trägern beschäftigt sind (z.B. Schulsozialarbeiter)". Ausgangspunkt und Fokus der Autoren ist also die Institution Schule und ihr Verhältnis zu den außerschulischen Partnern. Erweiterte Bezüge wie "regionale Netzwerke" und "schulische Knotenpunkte" hätten aus Sicht der Autoren den Untersuchungsansatz zu komplex gemacht: dazu ätte ein eigenes Forschungsprojekt erst auf dem Weg gebracht werden müssen.

Eine Datenbank wird angelegt

"Wir bauen eine Datenbank auf, in der wir Praxisbeispiele dokumentieren, um Anregungen und Hinweise für die Gestaltung neuer Kooperationsformen zwischen Schule und außerschulischen Partnern zu gewinnen. Ziel ist es, einem interessierten Nutzerkreis eine breite Informationsgrundlage als Anregungspotential für die Gestaltung ähnlicher Vorhaben zu bieten" so die Referentin am DJI. Hierfür wurden ca. 200 Schulen in einem mehrstufigen Verfahren ausgewählt und über ihre Kooperationserfahrungen befragt. Bei der Auswahl der Schulen spielten neben einem breiten Spektrum der Kooperationsangebote und Kooperationspartner auch sozialräumliche Merkmale eine wichtige Rolle. Die Datenbank "Schule & Partner - schulische Kooperationspraxis auf einen Klick" ist zu finden unter: www.dji.de/schule-und-partner

Auf der Website "Ideen für mehr! Ganztägig lernen" sind ferner Indikatoren für das Gelingen von Kooperationen aufbereitet worden. Dazu gehören:

  • Nachhaltigkeit der Projekte
  • Erweiterung der Zusammenarbeit
  • Erweiterung der Kompetenzen
  • Delegation: weniger Last auf einzelnen Schultern
  • Erweiterung von Handlungsspielräumen
  • Steigender Bekanntheitsgrad der Schule
  • Öffnung in das Gemeinwesen.

Ergänzende Bedingungen für den Erfolg von außerschulischen Kooperationen sind: persönlicher Einsatz der Beteiligten, gegenseitiger Respekt und gegenseitiges Vertrauen in die Fachkompetenz, Konsens- und Win-Win-Orientierung der Kooperationspartner, viel persönlicher Kontakt, guter Informationsfluss, Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit, Wissen um die Ziele und Arbeitsbedingungen des Partners, Positive gemeinsame Erfahrungen, Moderation durch neutrale Dritte, Flexibilität bei der Gestaltung der Projekte/ Prozesse.

Wie Kooperationsverträge in den Ländern gemacht werden

Auf regionaler Ebene haben sich Kooperationsverträge zwischen den Kultusministerium und außerschulischen Partnern wie beispielsweise den Landessportverbänden sehr bewährt. Hermann Rademacker schreibt dazu im ABC der Ganztagsschulen:

"Für die Gestaltung solcher Kooperationsverträge gibt es in den Ländern eine Reihe von Beispielen. Wichtig für die Verträge ist neben konkreten Vereinbarungen über die Modalitäten der Zusammenarbeit (Hausrecht, Vertretung im Krankheitsfall, Datenschutz, Mitwirkung in Gremien, Fragen der Dienst- und Fachaufsicht) vor allem auch, Ziele und Bewertungsmaßstäbe für den Erfolg der Zusammenarbeit zu vereinbaren. Für die Kooperation mit der Jugendhilfe könnten solche Ziele etwa in der Verbesserung des regelmäßigen Schulbesuchs sowie in der Senkung der Quoten von Schullaufbahnwechseln und Abgängen ohne Abschluss liegen. Sinnvoll ist auch, eine Steigerung des Anteils derjenigen anzustreben, die im Anschluss an die Schule in eine betriebliche Ausbildung übergehen. Aber auch die Sicherung einer gesunden Verpflegung kann Ziel der Zusammenarbeit mit geeigneten Partnern sein."

Zieht man ein vorläufiges Fazit, dann ist kann man festhalten, dass dem Begriff "Schulkooperationen" noch einige Wandlungen bevorstehen, sowohl inhaltlicher wie formaler Art. So ist der Begriff ein Ausdruck dafür, dass die Ganztagsschulen bundesweit Aufbruch und Bewegung verkörpern.

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