Ganztags gut gebildet in Nuthe-Urstromtal

Eine Grundschule im Grünen und ein Ganztag „wie im Paradies“. „Ackerpiraten“, „Müllpolizei“, „Kong Fu Kids“, „Kleine Feuerlöscher“ und „Stülper Schatzverstecker“ locken im Hort der Grundschule Stülpe.

In der Gemeinde Nuthe-Urstromtal fest verankert© Grundschule Stülpe

Hinter jeder Tür eine neue Welt. Beziehungsweise in jedem der acht Räume und der Küche, denn die Türen stehen bei den „Stülper Schlossgeistern“ alle offen. Beim Rundgang durch das Hortgebäude mit Birgit Hochmuth, der Schulleiterin der Grundschule Stülpe, wird das breite Ganztagsangebot für die Schülerinnen und Schüler augenfällig. Vier Erzieherinnen und drei Erzieher engagieren sich hier unter Leitung von Sabine Heise tagtäglich für die Erst- bis Sechstklässler.

In einem Raum haben die Kinder eine große Hütte aus Decken und Kissen gebaut. „Ah, da ist ja jemand drin“, sieht Birgit Hochmuth ein durch den Deckeneingang linsendes Gesicht. „Seid ihr Mädchen da drunter?“, fragt sie. „Und ein Junge!“, piept es zurück. Ein Zimmer weiter malt ein Mädchen, ein Junge löst Rechenaufgaben. Wieder einen Raum weiter spielt eine Gruppe „Klinik am Kastanienweg“. Und noch einen Raum weiter wird gebastelt, während in der Hortküche gebacken wird.

Raus, so oft es geht

Es ist Mittagszeit in der Grundschule Stülpe in der Gemeinde Nuthe-Urstromtal. Für freie Beschäftigung ist nun nicht nur Zeit, sondern vor allem genügend Platz vorhanden. „Man muss doch wirklich sagen, dass das hier ein Paradies für die Kinder ist“, freut sich Birgit Hochmuth. Zehn Jahre haben der Neubau des Hortgebäudes und die Neugestaltung des Schulhofs, „Tummelplatz“ getauft, gedauert – und das Warten hat sich gelohnt.

Klettergerüst
Neuer Schulhof, „Tummelplatz“© Grundschule Stülpe
 

„Gerade neulich erst hat eine Schülerin mir gesagt, wie schön sie unseren Schulhof jetzt findet und wie sie sich darüber freut“, erinnert sich die Schulleiterin. „Das sind so Momente, wo man weiß, dass sich die ganzen Mühen gelohnt haben.“

Auf dem weitläufigen Gelände der selbsternannten „Schule in Grünen“ kurven Jungen auf kleinen Go-Karts herum, die sie sich aus der Ausleihhütte besorgt haben. Sitzbänke zum Verweilen, ein Klettergerüst zum Austoben, ein Kleinfußballfeld zum Kicken, eine Tischtennisplatte und ein Schachfeld – für jeden Bewegungsdrang ist etwas dabei. „Die wenigsten Kinder sind jetzt noch aktiv draußen oder in der Natur“, weiß Birgit Hochmuth. „Bei uns sollen sie, so oft es geht, nach draußen.“

Ganztag an fünf Wochentagen

Überall dabei, manchmal auch dezent in Hintergrund als Aufsicht, sind die Horterzieherinnen und  erzieher. Der Hort und die Grundschule haben eine Kooperationsvereinbarung und arbeiten eng in allen Bereichen als offene Ganztagsgrundschule zusammen. Die Hortleitung ist bei allen Schulkonferenzen dabei und auch Mitglied des Fördervereins der Grundschule. Die Erzieherinnen und Erzieher sind den einzelnen Klassen zugeordnet und arbeiten mit den 14 Lehrerinnen in den Betreuungs- und Hausaufgabenzeiten zusammen, aber auch bei den Aufsichten auf dem Hof, beim Mittagessen oder bei der Busaufsicht. 

Das Hortteam um Leiterin Sabine Heise (2.v.r.)© Grundschule Stülpe

Ist die Personalsituation angespannt, halten sich die Lehrerinnen mit dem Aufgeben der Hausaufgaben auch mal zurück. Regelmäßig tauschen sich alle Beteiligten aus. Feste, Traditionstermine wie den „Steinzeitag“, Projekte und Ausflüge planen alle gemeinsam. „Durch die Kooperation möchten wir das schulische Angebot im Ganztag verbessern. Wir sind besonders daran interessiert, die Leistungsbereitschaft unserer Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. Mit den Angeboten haben sie aber genauso Möglichkeiten zu mehr Bewegungsfreude und zu einer körperlich gesunden Lebensweise“, so die Schulleiterin.

Das kommt offenbar an. Seit Jahren liegt die Teilnahme an den Ganztagsangeboten, die nach einer Schnupperphase für ein Schuljahr verbindlich angewählt werden, konstant bei etwa 60 Prozent – an fünf Wochentagen. Was Birgit Hochmuth besonders freut, ist die Tatsache, dass in der sechsjährigen Grundschule, wie sie im Land Brandenburg die Regel ist, auch viele Fünft- und Sechstklässler dabei sind. Auch eine Ferienbetreuung bietet der Hort an.

Ackerpiraten und Schatzverstecker

Bibliothek
Zeit fürs Spielen, Lesen und Hausaufgaben© Grundschule Stülpe

Den Schülerinnen und Schülern stehen jede Menge AGs zur Auswahl: der Schulgarten, Künstlerisches Gestalten, Fremdsprachen, „Musiker von Morgen“, Computer, Schach, Yoga, Kochen und Backen, Ringen und Tanzen oder Sportspiele. Arbeitsgemeinschaften können dabei auch vor der Hausaufgabenbetreuung liegen. Wer im Hort angemeldet ist oder auf den späteren Bus wartet, kann bei den „Ackerpiraten“, „Kleinen Feuerlöschern“, der „Müllpolizei“, den „Stülper Schatzversteckern“, den „Kong Fu Kids“, den „Kleinen Baumeistern“, den „Bücherwürmern“ oder im „Nähstübchen“ mitmachen. 

Oder die Zeit in der Bibliothek oder im Computerraum mit Spielen, Lesen oder Hausaufgaben nutzen. Die sogenannte verlässliche Halbtagsschule dauert in Brandenburg bis 14.30 Uhr. Ihr schließt sich das Bildungsangebot des Horts bis 17 Uhr an. Zwischenlösungen sind zum Bedauern der Schulleiterin wegen der Busfahrtzeiten im Landkreis Teltow-Fläming nicht möglich.

Neue Unterrichts- und Aufenthaltsräume© Grundschule Stülpe

Über die Jahre hat die Ganztagsgrundschule ein beachtliches Netz von Kooperationspartnern aufgebaut. „Wir haben anfangs die Kinder gefragt, was sie sich wünschen, und sind dann entsprechend auf diese Partner zugegangen“, erinnert sich Birgit Hochmuth. „Jetzt schwören wir auf bestimmte Partner und lassen die nicht mehr los. Ab und zu brauchen wir natürlich auch mal was Neues.“ 

Verstärkung auf vier Pfoten

Ein wichtiger Kooperationspartner ist das Oberstufenzentrum Teltow-Flämig aus Luckenwalde mit Bildungsgängen wie Ernährung-Hauswirtschaft, Lagerlogistik, Gestaltungs-und Medientechnik und vor allem einer Erzieherausbildung. Berufsschüler und Auszubildende backen, tanzen, filmen und spielen Theater mit den Schülerinnen und Schülern. „Der liebe Lars“, der laut Birgit Hochmuth „von den Kindern vergöttert wird‟ – genauer Lars Geigenmüller vom Verein „Mit Sicherheit gegen Gewalt“ – bringt beispielsweise sein Präventionstraining in die Schule. 

Hund
Der „Lesehund“ der Johanniter© Grundschule Stülpe

Ein Polizeihauptwachtmeister kommt auch nach seiner Pensionierung vor zwei Jahren weiterhin zur Verkehrserziehung in die Klassen. Eine zusätzliche Fachkraft ist für Instrumentenunterricht da und organisiert Auftritte des Schulchors, ebenso wie Musiklehrkräfte der Musikschule Fröhlich. Förster des Landesbetriebs Forstamtes Baruth sind regelmäßig in der Schule. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Barmer Krankenkasse führen Angebote der Gesundheitserziehung für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für Lehrkräfte und Eltern durch. Selbst Verstärkung auf vier Pfoten gibt es. Einmal in der Woche ist ein „Lesehund“ der Johanniter zu Gast, dem einzelne Kinder für jeweils eine Leseeinheit von 20 Minuten vorlesen. Eine andere Art der Leseförderung. 

„Es ist gut und wichtig, dass auch schulfremde Personen mit den Kindern lernen“, meint die Schulleiterin. Für das kommende Schuljahr freut sich die Grundschule Stülpe auf eine Schulsozialarbeiterin oder Schulsozialarbeiter. Jetzt fehlt der Schule nur noch eine Fachkraft für Sonderpädagogik für Kinder mit Förderbedarf zum Glück. „Wir sind für spezielle Förderungen zu wenig ausgebildet, da fehlt uns manchmal etwas.“

Traditionen und Neuentwicklungen

Über die Jahre hat das Kollegium einiges ausprobiert, und viel ist inzwischen zu Traditionen gewachsen, wie die Lesennächte oder Theaterbesuche. Eine gute Entscheidung war die Umstellung vom 45- auf den 90-Minuten-Takt, mit dem sich die Zeit besser einteilen lässt. 

Eine Schule im ländlichen Bereich© Grundschule Stülpe

„Eine tolle Idee war auch die Einführung unserer 'Postmappe', in der wir alle Informationen sammeln und die von der Schule zu den Eltern und zurückwandert“, berichtet Birgit Hochhuth. Am Anfang des Schuljahres steht immer eine „Lernen lernen“-Woche, in der die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel lernen, ihre Schultaschen zu packen und mit Materialien umzugehen.

Frontalunterricht, Wochenplan, Werkstattarbeit und fächerübergreifende Projektarbeit – die Grundschule Stülpe hat den richtigen Unterrichtsmix gefunden. „Unsere Ergebnisse aus den Vergleichsarbeiten zeigen, wie gut die Kolleginnen arbeiten, wie sie die Inhalte kindgerecht und verständlich rüberbringen“, freut sich die Schulleiterin, die selbst noch mit 18 Wochenstunden in den Klassen im Einsatz ist.

Die Kreidetafeln bleiben

Die Digitalisierung macht keinen Bogen um die beschauliche Grundschule. „Wir waren vor zwei Jahren in Berlin, um uns digitale Tafeln anzusehen“, erzählt die Schulleiterin. „Wir waren alle begeistert. Aber wir sind uns einig, dass wir gerade auch für die Kleinen noch Kreidetafeln benötigen. Zum Beispiel, damit sie sehen, wie geschrieben wird.“ 25 Tablets hat die Schule inzwischen vom Schulträger, der Gemeinde Nuthe Urstromtal, erhalten. Die Schul-Cloud Brandenburg wird für Distanzunterricht genutzt. Sie dient auch als schulinterne Informationsplattform.

Naturwissenschafts-Raum
Gearbeitet wird im „Unterrichtsmix“© Grundschule Stülpe

In ihrer Zeit hat Birgit Hochmuth bisher drei Bürgermeister in der Gemeinde Nuthe-Urstromtal erlebt. „Sie haben sich immer alle für die Grundschulen eingesetzt. Auch unser aktueller Bürgermeister unterstützt uns sehr. Wenn irgendwas ist, macht er sich sofort ans Telefon. Das ist eine tolle Zusammenarbeit im Sinne der Kinder. Und es gibt uns Halt.“

Die kleine Gemeinde hält zusammen, und die Grundschule ist in ihr fest verankert. „Wir fahren auch mal herum zu den Eltern, wenn etwas zu besprechen oder ein Brief vorbeizubringen ist. Wir halten immer den direkten Draht“, erzählt die Schulleiterin. Alle eint das Engagement für die Kinder und ein menschliches Miteinander. „Natürlich fetzen wir uns auch mal, aber wir werden uns immer einig.“

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