Ganztagsschule als Stadtteilzentrum

Die gerade eröffnete „Community School“ im Erdgeschoss macht aus der Hamburger Stadtteilschule Lurup, einer vollgebundenen Ganztagsschule, kurzerhand ein Stadtteilzentrum. Das kommt den Schülerinnen und Schülern zugute.

Schulleiter Joachim Hinz© Claudia Pittelkow

„Als wir im vergangenen Jahr hier eingezogen sind, wollte ein Schüler am liebsten gleich hier wohnen, so schön fand er die Schule“, erinnert sich Schulleiter Joachim Hinz schmunzelnd. In der letzten Anmelderunde im Februar zählte die Stadtteilschule Lurup mit 191 Anmeldungen hamburgweit zu den fünf Schulen mit den höchsten Anmeldezahlen. Das liegt auch am neuen Schulgebäude, aber nicht nur. Die Schule ist beliebt – und deutlich überangewählt. „Schon im letzten Jahr mussten wir 40 Schülerinnen und Schüler ablehnen“, berichtet Hinz.

In der Umgebung wirkt der prächtige Schulneubau fast wie ein Vier-Sterne-Hotel. Denn im jährlichen Sozialmonitoring-Bericht der Behörde für Stadtentwicklung ist der Stadtteil Lurup im Hamburger Westen eher als Gebiet mit niedrigem Status verzeichnet. Zu den Indikatoren für den sozialräumlichen Status gehören etwa die Anteile der Familien mit SGB-II-Empfang, der Kinder mit Mindestsicherung oder der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. 

Mit der „Community School“ im Stadtteil verankert

Foyer
Innen und außen hochmodern: Schulgebäude in der Flurstraße© Claudia Pittelkow

Die heutige Stadtteilschule Lurup mit rund 1.000 Schülerinnen und Schülern entstand 2010 durch die Fusion zweier Schulen. Zehn Jahre lang war sie auf drei Standorte verteilt, erst im vergangenen Jahr wurden diese an einem Standort zusammengeführt. Stolze 38 Millionen Euro hat die Stadt in den 12.600 Quadratmeter großen Neubau investiert. Zentraler Punkt ist das riesige Foyer, an das Mehrzweckraum, Speisebereich, Mediathek und die im Untergeschoss liegenden Sporthallen angrenzen. 

Ebenfalls im Neubau untergebracht ist die erst vor wenigen Wochen eröffnete „Community School“ mit zusätzlichen Angeboten der Jugendarbeit und der Erwachsenenbildung. „Community Schools“ sind nach US-amerikanischem Vorbild Zentren des sozialen und kulturellen Lebens eines Quartiers. Die Community School Lurup, genannt LURUM, im Erdgeschoss des neuen Schulgebäudes macht aus der Stadtteilschule kurzerhand ein Stadtteilzentrum, das schulische und außerschulische Angebote der Stadtteilschule, der benachbarten Grundschule, der Jugendarbeit, der Erwachsenenbildung und der Gemeinwesensarbeit für alle Generationen kombiniert. 

© Stadtteilschule Lurup

Schulleiter Hinz betont: „Neben der Vermittlung des Lehrstoffes legen wir großen Wert darauf, dass unsere Schülerinnen und Schülern eigenverantwortliches Handeln lernen und hohe soziale Kompetenz erwerben.“ Dabei arbeiten Lehrerinnen und Lehrer eng mit engagierten Eltern und Förderern sowie mit Sportvereinen und kulturellen Einrichtungen des Stadtteils zusammen. Zu Letzteren gehören auch Jugendhilfeträger wie JUCA Lurup, Luur-up e.V. und Boxschool e.V. „Die Kooperation mit dem Stadtteil ist für uns sehr wichtig“, so der Schulleiter. 

Gebundener Ganztag bis in die Oberstufe

Martina Lesnakova
Neu im Team: Ganztagskoordinatorin Martina Lesnakova© Claudia Pittelkow

Seit dem Schuljahr 2011/2012 ist die Stadtteilschule Lurup eine vollgebundene Ganztagsschule. „Unsere Schülerinnen und Schüler werden montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr verlässlich beschult“, erklärt Ganztagskoordinatorin Martina Lesnakova. Am Freitag endet der Unterricht jeweils um 13.30 Uhr. Der Tag ist für die Jahrgänge 5 bis 7 unterteilt in den Vormittag mit fünf Stunden Unterricht, eine einstündige Mittagspause mit verschiedenen Angeboten sowie weitere drei Stunden Unterricht am Nachmittag.

Martina Lesnakova: „Unsere Fünft- und Sechstklässler essen zuerst gemeinsam, danach gibt es Entspannungsangebote in den Ruheräumen, zum Beispiel Traumreisen in der Chill-Area. Und für alle, die es lebhafter mögen, gibt es jede Menge Angebote kreativer und künstlerischer Art.“ Schülerinnen und Schüler, die in der Mittagspause lieber Basketball, Fußball, Tischtennis oder Federball spielen, können sich gegen Pfand Schläger und Bälle ausleihen oder sich auf dem Fußballminispielfeld und dem neuen Multifunktionsfeld austoben. 

Das Kursangebot am Nachmittag umfasst die Kernbereiche Sport und Spiel, bildende Kunst, Musik, Ernährung sowie Technik und Soziales. Außerdem gibt es Angebote speziell für Mädchen und speziell für Jungen. „Mittwochs werden für die Klassen 5 bis 8 über 30 Nachmittagskurse angeboten, in der Schule, im LURUM und in anderen Räumen“, so die Ganztagskoordinatorin. Der Ganztag zieht sich in der Stadtteilschule durch bis in die oberen Stufen. So gibt es in der Oberstufe ein pädagogisches Profil.

Schick: die gigantische Wendeltreppe im Foyer© Claudia Pittelkow

Astrid Eustergerling, die stellvertretende Schulleiterin: „Elftklässlerinnen und Elftklässler können sich hier ausprobieren, indem sie zu zweit Nachmittagskurse für die fünften Klassen anbieten. Die Themen sind breit gefächert und richten sich nach dem, was die Kursleiterinnen oder Kursleiter besonders gut können.“ Die Tätigkeit werde natürlich honoriert, versichert sie. Viele würden sogar nach Beendigung der Schule, als Studierende, noch Kurse geben. Eustergerling: „Auf diese Weise ziehen wir uns unsere eigenen Nachwuchs-Honorarkräfte heran!“

Lernen mit Zielen

Eine Besonderheit des Ganztags in der Luruper Stadtteilschule sind die Klassenstunden. Sie geben jeder Klasse die Möglichkeit, eigenverantwortlich Themen und Probleme zu besprechen und gemeinsam Lösungen zu finden. Schulleiter Joachim Hinz: „Damit für das Angebot kein Unterricht ausfällt, geben wir dafür zwei Stunden aus dem Ganztagskontingent an die Lehrkräfte.“ So gebe es montags und freitags je eine Klassenstunde. 

Astrid Eustergerling
Astrid Eustergerling ist die stellvertretende Schulleiterin© Claudia Pittelkow

„Am Montag bespreche ich mit den Schülerinnen und Schülern, welche Ziele sie für die Woche haben – beispielsweise mehr Vokabeln zu lernen oder auch einmal, nicht mehr im Unterricht zu stören. Am Freitag schauen wir dann gemeinsam, was davon umgesetzt werden konnte“, erläutert Martina Lesnakova. Wichtig sei die Reflexion darüber, wie alle am besten lernen können. Lesnakova: „Zum Schuljahresanfang bekommen außerdem alle Schülerinnen und Schüler ein Dialogheft, in dem alle Ziele notiert werden. Im Heft äußern sie sich nicht nur selbst, sondern auch Lehrkräfte machen positive und negative Einträge.“ 


 

„Etwas ganz Besonderes“ 

Die Beliebtheit der Stadtteilschule Lurup hat viele Gründe – einer ist im letzten Jahr dazugekommen: der Neubau in der Flurstraße. Allein das Foyer mit der überdimensionierten Wendeltreppe ist ein Aha-Erlebnis. Alles ist lichtdurchflutet, großzügig, offen und farbenfroh gestaltet. Die Unterrichtsräume für die Klassenstufen 5 bis 7 befinden sich im ersten Obergeschoss, wo auch die Teambüros für die Lehrkräfte und eine „Lehrerlounge“, die Büros der Schulleitung und der Fachleitungen sowie Räume für die Schulsozialarbeit, ein Elternsprechzimmer, ein Erste-Hilfe-Raum und eine Bibliothek angeordnet sind. Die Unterrichtsräume für die Klassen 8 und 9 und die Studienstufe 12 und 13 befinden sich im zweiten Obergeschoss. 

Bildungssenator Ties Rabe schaut sich den neuen Musikraum an© Joana Loidl/BSB

„Natürlich spielt auch die Architektur eine große Rolle“, bestätigt Joachim Hinz. „Schließlich ist der Raum bekanntermaßen der dritte Pädagoge!“ Die moderne Gebäudearchitektur findet sich in der Innengestaltung wieder. So gibt es beispielsweise integrierte, mit besonderen Sitzmöbeln gestaltete Wandflächen, die gleich mehreren Funktionen gerecht werden können. Die Schule verfügt über WLAN in allen Räumen und über eine gläserne Bibliothek, gut ausgestattet mit digitalen Medien. Smartboards befinden sich in den Klassen- und Fachräumen. 

Hinz: „Alles hier ist liebevoll gestaltet, mit viel Glas und freiem Blick auf die Bäume draußen.“ Kein Raum sei wie der andere. Überall liegt Teppichboden, was zu einer sehr wohnlichen Atmosphäre beitrage. Als eine der schönsten Schulen Hamburgs hatte er seine Schule beim Einzug bezeichnet – ein Urteil, das auch ein halbes Jahr später noch zutreffe: „Das Gebäude ist etwas ganz Besonderes, nicht nur für unsere Schülerinnen und Schüler, sondern für den ganzen Stadtteil. Hier lässt es sich mit Kopf, Herz und Hand lernen!“

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