4. OGS-Akademie der „Qualitätsoffensive Ganztag“

Die 4. OGS-Akademie der „Qualitätsoffensive Ganztag“ in Bonn und Köln fragte nach den derzeitigen Bedingungen und Erfahrungen, den Ganztag zu gestalten. Ein produktiver Austausch mit vielen guten Ideen.

Kinder auf Schulhof
© Britta Hüning

In der Krise liegt eine Chance. Dass sich dies auch derzeit bewahrheitet, dafür sorgen Schulen wie die Gottfried-Kinkel-Grundschule in Bonn. „Wir haben die Zeit der Schulschließungen als Chance für die Ganztagsschulentwicklung und zur weiteren Vernetzung von Schule und Jugendhilfe genutzt“, meint Schulleiter Christian Eberhard. Manche Umstellungen wie die digitalen Elternabende haben sich so bewährt, dass sie nun beibehalten werden: „Die Teilnahme war höher als früher bei den Einladungen in die Schule. Manche Eltern haben sich sogar von Dienstreisen aus eingewählt, um teilzunehmen.“

Gute Beispiele wie das der Gottfried-Kinkel-Grundschule und der Austausch von Teilnehmenden aus Schule, Verwaltung und Jugendhilfe standen im Mittelpunkt der 4. OGS-Akademie der „Qualitätsoffensive Ganztag“  am 23. November 2020. Das Thema: „Corona und Bildungsgerechtigkeit: Wie können wir als Gesamtteam diese Aufgabe im Rahmen der Offenen Ganztagsgrundschule gestalten?“.

© Online-Redaktion

Miriam Remy, in der Montag-Stiftung Jugend und Gesellschaft zuständig für „Inklusive ganztägige Bildung“, moderierte die Online-Akademie. Die Offene Ganztagsgrundschule (OGS) ermögliche hochwertige Bildungs- und Unterstützungsangebote für die Schülerinnen und Schüler, leitete sie die Veranstaltung ein. „Wir wollen jetzt erfahren, was sich in Corona-Zeiten im Ganztag bewährt hat, was Hürden und Stolpersteine waren und was wir vielleicht anders machen würden.“

Gottfried-Kinkel-Grundschule: Multiprofessionelle Teamarbeit

An der Gottfried-Kinkel-Grundschule hatten die Schülerinnen und Schüler, so berichtete Schulleiter Christian Eberhard, „jeden Tag Kontakt zu ihren Bezugspersonen aus Kollegium und unserem Ganztagsträger, dem Kinderwerk Baronsky“. Von 9 bis 12 Uhr stehen die Lehrerinnen und Lehrer und Erzieherinnen und Erzieher online für „die individuelle Lernberatung in Kinderteams zur Verfügung“. Petra Baronsky vom Ganztagsträger erläuterte, dass – wie in vielen Schulen – eine digitale Pinnwand mit Aufgaben für die Schülerinnen und Schüler genutzt wird. Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher luden die in multiprofessioneller Kooperation erarbeiteten Aufgaben, Erklärvideos, Bilder und Texte hoch. „Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten, die Kinder haben die Aufgaben sehr gerne gelöst.“ Dabei war für Christian Eberhard „spannend zu sehen, wie die Schülerinnen und Schüler das Medium kennengelernt haben und ihre Medienkompetenz gewachsen ist“.

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Er hob „unser gemeinsames Bildungsverständnis und die multiprofessionelle Teamarbeit“ hervor. Beides habe „geholfen, die Corona-Zeit zu bewältigen und als Chance für die Ganztagsschulentwicklung zu sehen“. Der Schwerpunkt habe für das Kollegium im März und April zunächst einmal auf der Beziehungsarbeit gelegen, also darauf, den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern zu halten. „Für die digitale Bildung haben wir uns auf einen Schlag durch die Fortbildung einer Medienpädagogin fit gemacht.“ Anschließend stellten die Lehrkräfte die Arbeit mit den iPads der Schule den pädagogischen Fachkräften des Kinderwerks vor. Dass beide Professionen in Teams ihren Beitrag leisteten, sieht der Schulleiter als besonders wichtig an.

Im Sommer entwickelten die Ganztagsgrundschule und das Kinderwerk gemeinsam ein Curriculum, das sich an den 17 UN-Zielen der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung orientiert. „Das setzen wir in fächerübergreifenden Projekten auf dem Schulgelände und an außerschulischen Lernorten um. Wir beziehen den Sozialraum der Schülerinnen und Schüler ein und lassen Raum für Ideen der Kinder“, erläuterte der Schulleiter. „Es geht um vernetztes Denken.“ Die Schülerinnen und Schüler der Gottfried-Kinkel-Grundschule unterstützen die Bonner Tafel, pflanzen Obstbäume, leisten Nachbarschaftshilfe, unternehmen Spendenläufe, säubern die Rheinufer, erkunden Wald und Blumenwiesen.

© Britta Hüning

Die größte Herausforderung sieht Christian Eberhard darin, während einer Schulschließung die Schulgemeinschaft aufrechtzuerhalten: „Wie kriegen wir voneinander etwas mit?“ Für Dezember hat die Schule einen digitalen Adventskalender und einen digitalen „Talentschuppen“ vorbereitet. Die Schülerinnen und Schüler können eigene Filme, Bilder und Texte für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler einstellen und so in Kontakt bleiben. Auch ein Pädagogischer Tag zum Thema Digitale Bildung mit dem gesamten Team ist geplant.

Echte und digitale Briefkästen

Für die einer Bonner Grundschule war „die Situation mit der Digitalisierung“ zunächst einmal „schwierig“, wie eine Lehrerin berichtete, „sowohl auf Schul- als auch auf Elternseite. Es fehlte an Endgeräten. Wir haben Materialien auf dem Schulhof ausgegeben oder bei den Eltern in den Briefkasten geworfen.“

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Doch die Lehrkräfte haben „engmaschig mit den pädagogischen Fachkräften am Nachmittag zusammengearbeitet“. Die OGS-Mitarbeiterinnen haben Lunchpakete für die Kinder verteilt. Die Schulsozialarbeiterin vom Kinderschutzbund, die an der Ganztagsgrundschule als Sozialpädagogin arbeitet, beriet die Eltern. „Die Absprachen haben gut funktioniert, und wir haben vereinbart, dass die Vorgaben für den Vormittag auch für den Nachmittag gelten.“ Letzteres hält Kerry Griffith, die Fachberaterin Offene Ganztagsschule der Stadt Bonn, für sehr wichtig: „Da darf es kein Hü und kein Hott geben.“

André Marques dos Santos stellte als stellvertretender OGS-Leiter an der Kölner Gemeinschaftsgrundschule Balthasarstraße einen Vergleich an: „An weiterführenden Schulen halten die Jugendlichen Zoom-Konferenzen ab, als wäre es das Normalste auf der Welt. An Grundschulen sieht das ein bisschen anders aus. Wir schauen gerade, dass wir unser Schülerparlament und unsere Klassenräte wieder ans Laufen kriegen.“

Eine Kölner Schulleiterin bewegte besonders, „wie wir das hinbekommen, dass die Schülerinnen und Schüler präsentieren können, was sie gemacht haben“ und auch Rückmeldung erhalten, sei doch die „Wochenfeier“ immer das Herzstück der Schule gewesen. 

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Ein Hilfsmittel war die im Frühjahr gestartete Schul-Cloud. Sie fungiert unter anderem als digitaler Briefkasten, in den die Schülerinnen und Schüler kleine Beiträge „einwerfen“ können. Außerdem entwickelten ihre Kolleginnen und Kollegen einen virtuellen Morgenkreis in Form einer Grußbotschaft, in dem sie den Tagesplan vorstellten. „So blieb der Stundenplan ein bisschen erhalten“, bilanziert die Schulleiterin. Christina Gehre von Rapunzel Kinderhaus e.V. in Kerpen pflichtete bei: „Verlässlichkeit ist für die Kinder ganz wichtig, und die schafft man zum Beispiel mit Ritualen und einer festen Tagesrhythmisierung. Wichtig ist auch, dass Unterrichtsthemen am Nachmittag spielerisch wieder aufgegriffen werden.“

Außerschulische Lernorte und frische Luft

Die Heliosschule, eine erst kürzlich entstandene neue inklusive Universitätsschule der Stadt Köln mit Primar- und Sekundarstufe, löste viele organisatorische Fragen damit, dass sie ein neues Team aus Schulleitung, Lehrkräften, Ganztagskoordinatorin und OGS-Fachkräften bildete. Das Team traf sich jeden Freitag, um alle Schritte – von der „Notbetreuung“ bis zum Präsenzunterricht – zu beraten und immer wieder zu bilanzieren.

© Gottfried-Kinkel-Schule Bonn

Auch das Thema „Lüften im Klassenzimmer“ war natürlich Gesprächsgegenstand. Dazu berichtete Karin Kleinen, Fachberaterin für OGS beim LVR-Landesjugendamt Rheinland, von einer Ganztagsschule in Euskirchen, die sich mit dem Thema nicht lange aufgehalten und sich für ganztägige Ausflüge mit den Schülerinnen und Schülern, zweimal pro Woche, entschieden habe. Die alte reformpädagogische Tradition aus den 1920er Jahren, in Exkursionen außerschulische Lernorte, frische Luft und Curriculum miteinander zu verbinden, die viele Schulen aufrechterhalten haben, ersetzt zwar das Lüften nicht – lohnt aber unabhängig von der derzeitigen Dringlichkeit wiederbelebt zu werden.

Der produktive Austausch brachte jedenfalls viele Ideen, welche die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im abschließenden Chat noch einmal zusammentrugen: „Die Arbeit in Gremien wie Qualitätszirkel effektiv nutzen, um gute Ideen in die Fläche zu tragen“, „Elternbriefe auf der Homepage – in verschiedenen Sprachen – als Audiodatei zur Verfügung stellen“. Auch eine „digitale Form des Klassenrates / Kinderrates / Kinderparlamentes zur Förderung des Austausches der Kinder untereinander“ gehörten dazu.

Ein Teilnehmer brachte es knapp auf den Punkt: „Nicht zu viel zögern und fragen.“

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