Georg-August-Zinn-Schule: Berufspraktika in Corona-Zeiten

Bei abgesagten Praktikumszusagen für Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen müssen sich Schulen etwas einfallen lassen – wie zum Beispiel die Georg-August-Zinn-Schule in Kassel.

„Just do it“ – der Slogan, der breit auf Abdullahs Brust prangt und schwungvoll eigentlich für einen Sportartikelhersteller wirbt, steht gewissermaßen auch für das aktuelle Alternativprogramm an der Georg-August-Zinn-Schule (GAZ) in Kassel-Oberzwehren. Eigentlich wären direkt nach den Herbstferien alle Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 9 in ihr zweites Berufspraktikum gestartet. Einige Stellen nahmen allerdings sehr kurzfristig ihre Zusagen wegen der Ausbreitung von Corona zurück, so dass etliche Jugendliche plötzlich unversorgt übrig blieben. Die Europaschule musste rasch reagieren und aus ihren Bordmitteln einen Alternativplan für die Gestrandeten stricken.

Nicht Unterricht oder vorübergehende Querversetzungen sind hier die Antwort auf eine Situation, in der sich viele weiterführende Schulen auf Wochen hin befinden, sondern – wie der Begriff Praktikum es nahelegt – praktische Übungen beziehungsweise echte Arbeit, zum Beispiel mit Werkzeug in der Hand und einfach „großer Lust am Machen“, wie ein Schüler kommentiert, gemeinsam aus Bauholz eine brauchbare Hütte zum Unterstellen für Gartengeräte zu bauen. Oder ein großes, marodes Hochbeet robust zu sanieren. Den überwucherten „Sinnesgarten“ im Schulgelände frei zu schneiden. Den eigentlich so idyllischen Heisebach zwischen Sportplätzen und der Tram-Haltestelle von Müll zu befreien.

Aufgeteilt in Gruppen räumen, schneiden, mähen, bauen, planen und üben die Jugendlichen gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern ihres Jahrgangs, die zum Teil die Jugendlichen ansonsten gerade durch ihre Praktikumszeit begleiten beziehungsweise an ihren Arbeitsplätzen besuchen würden. „Dass die Lage in vielen Geschäften, bei sozialen Dienstleistern sowie Institutionen wie Krankenhäusern, Kitas und sogar der Polizei durch Covid-19 oder Hygienemaßnahmen sehr belastet ist, haben die Schülerinnen und Schüler schon sehr deutlich in der Bewerbungsphase zu spüren bekommen“, sagt der Schulleiter Dominik Becker.

Gemeinsam mit dem Team des Jahrgangs 9, der Unterstützung des Übergangsmanagements und Materialien, die unter anderem das Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit sowie Lehrerkollegen zur Verfügung gestellt haben, gestaltete die Stufenleiterin Katja Schmoock einen Alternativplan für die während der in den Ferien ins Ungewisse anwachsende Zahl von Jugendlichen, deren Praktikumsplätze abgesagt wurden. „Wir mussten vorübergehend mit sehr dynamischen Gruppengrößen für unser Alternativprogramm rechnen“, berichtet Katja Schmoock. Mit dem Ergebnis zeigen sich Schul- und Stufenleitung sehr zufrieden: Etwa 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler hätten am ersten „Praktikumstag“ nach den Ferien zwar ohne Platz dagestanden – aber dank des Alternativplans seien an der GAZ nun alle beschäftigt. Die Schulämter fordern in diesen schwierigen Zeiten dem Vernehmen nach kreative Lösungen. Wie gesagt: Die Antwort der GAZ tragen Schüler auf der Brust. Nicht ohne Stolz, wenn sie zum Beispiel beim Hüttenbau sind: „Just do it“.

Quelle: Marcus Angebauer, Georg-August-Zinn-Schule
 

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