Ganztagsschulen beteiligen sich bei „denkmal aktiv“

48 Schulen aus 12 Bundesländern beteiligen sich in diesem Schuljahr am Programm „denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule“. Wie immer sind wieder zahlreiche Ganztagsschulen dabei.

48 Schulen aus 12 Bundesländern werden mit ihren Projekten im Schuljahr 2020/2021 im Schulprogramm „denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule“ gefördert. Eingereicht wurde eine Fülle an Themen, die beispielhaft für die Vielfalt des kulturellen Erbes stehen – vom Garten-oder Industriedenkmal über historische Dachstühle bis zur Plattenbausiedlung.

„Mit solch großer Resonanz auf die diesjährige Ausschreibung hatten wir in Corona-Zeiten gar nicht gerechnet!“, hatte sich Dr. Susanne Braun, Leiterin des Schulprogramms denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Eine Jury aus Vertretern der Partner von „denkmal aktiv“ und der DSD hat die Projekte zu Förderung ausgewählt.

Unter dem Motto „denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule“ fördern die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und ihre Partner seit 2002 bundesweit schulische Projekte zu den Themen Kulturelles Erbe und Denkmalschutz. Die Projekte beschäftigen sich ein Schuljahr lang mit historisch bedeutenden Einzelbauten oder Denkmalensembles, Gärten und Parks, historischen Kulturlandschaften oder auch mit UNESCO-Welterbe-Stätten in ihrer Region. Dabei gehen sie Fragen nach wie: Was sind Kulturdenkmale und worin besteht ihr Wert? Welche baulichen Zeugnisse der Vergangenheit sollten erhalten werden und warum? Wer ist für ihren Erhalt zuständig? Was können wir selbst dazu beitragen, dass das kulturelle Erbe in der Öffentlichkeit stärker beachtet wird?

Partner von „denkmal aktiv“ im Schuljahr 2020/21 sind das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Museumsakademie, die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin, das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, die Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen im Land Brandenburg, das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, die Arbeitsgemeinschaft Historische Stadt-und Ortskerne in NRW, das Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz, das Ministerium für Bildung Sachsen-Anhalt, das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und die Deutsche UNESCO-Kommission, die auch Schirmherrin von „denkmal aktiv“ ist.

Wie in den Vorjahren beteiligen sich 2020/2021 erneut zahlreiche Ganztagsschulen. Einige der durchweg interessanten Themen seien hier herausgegriffen.

„Wo komm ich her, wo geh ich hin?“ – Mit diesem Titel des Projekts der Gustav-Leutelt-Mittelschule Kaufbeuren ist das gesamte Programm treffend beschrieben: sich um der Zukunft willen mit der Vergangenheit beschäftigen. Hier widmen sich Schülerinnen und Schüler dem Stadtteil Neugablonz, benannt nach der Glaskunst-Stadt Gablonz – heute Jablonec im tschechischen Isergebirge in der Euroregion Neisse-Nisa-Nysa. Nach 1945 gründeten Vertriebene in Kaufbeuren den Stadtteil Neugablonz und setzten die Tradition der Glaskunst fort. Die böhmisch geprägte Geschichte des Stadtteils eröffnet Anknüpfungspunkte zur heutigen Lebenswelt im Stadtteil, in dem sogenannte Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion die größte Bewohnergruppe bilden.

Auf den Spuren jüdischer Geschichte ist die Gesamtschule Brakel in Kooperation mit dem Stadtmuseum, dem Stadtarchiv und dem Heimat- und Museumsverein. Die Schülerinnen und Schüler wollen Denkmale und Erinnerungsstätten in das Bewusstsein der eigenen Generation rücken. In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv bereiten sie historische Quellen medial auf und präsentieren sie in einer Ausstellung. Schülerinnen und Schüler der Realschule Frechen untersuchen mit Unterstützung durch den Geschichtsverein und des Stadtmuseums den Jüdischen Friedhof Frechen, der einst größten jüdischen Gemeinde zwischen Köln und Aachen. Es sollen Unterrichtsmaterialien für nachfolgenden Schülergenerationen zur Weiternutzung und Weiterentwicklung entstehen.

Andere gehen weiter zurück in die Geschichte: Schülerinnen und Schüler einer AG der Johann-Gottfried-Borlach-Gemeinschaftsschule Bad Dürrenberg untersuchen historische Bauten der Solestadt wie den Borlach-Turm aus dem 18. Jahrhundert oder die über der Saale gelegene Gradieranlage. In der ab 1927 entstandenen Großsiedlung nördlich der Stadt widmen sie sich auch einem Denkmal der Moderne. Die Domschule St. Marien in Hamburg liegt nicht nur in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dom St. Marien, sondern auch zur Hamburger Speicherstadt. Die Schülerinnen und Schüler nähern sich dem als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichneten Ensemble und der neu entstandenen Hafen-City im Projekt „Hamburgs Tor zur Welt: Die Speicherstadt“, um eine Bilddokumentation des historischen Quartiers zu erstellen.

Im Projekt der Bertolt-Brecht-Gesamtschule Bonn „Die Vogelsiedlung in Tannenbusch“ geht es um den eigenen Stadtteil, eine Siedlung im Heimatstil, die Mitte der 1920er Jahre von der Stadt Bonn geplant und von Handwerkerfamilien vorwiegend in Eigenleistung errichtet wurde. Was ist Heimat? Welche Architekturmotive wurden in den 1920er Jahren als heimatlich verstanden? Wie wirken sie heute auf uns? Diesen Fragen gehen die Schülerinnen und Schüler in Interviews mit Bewohnern der Vogelsiedlung auf den Grund.

„Industriekultur aktiv“ heißt das Projekt der Sophie-Scholl-Gemeinschaftsschule Dillingen, in dem eine Vielzahl Technischer Denkmale, z. B. auf dem Areal der Dillinger Hütte und der nahe gelegenen Halde Duhamel des ehemaligen Bergwerks Saar erkundet werden und damit Zeugnisse der Montanindustrie in der Region. Geplant sind eine Ausstellung zum Denkmalkomplex Duhamel und Schülerführungen.

Unter der Überschrift „Aufgedeckt: Historische Dachformen“ will die Klasse 6a der Pestalozzi-Mittelschule Regensburg historischen Dachformen in der Regensburger Altstadt untersuchen und dabei Baugeschichte ablesen. Um historische Dachwerke geht es auch im Projekt „Dachentdecker“ des Holbein-Gymnasiums Augsburg.

Das Motto „Mit Volldampf unterwegs“ der Gesamtschule Uerdingen in Krefeld und der Helene-Lange-Realschule Essen gilt historischen Eisenbahnen, die für die Entwicklung der Region im 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle spielten, darunter die Hespertalbahn, die 1877 ihren Betrieb aufnahm. Es entstehen Erklärvideos, Modelle der Strecke oder der Eisenbahn. „Da steht ein Bahnhof in der Landschaft“ heißt das Projekt der Sekundarschule An der Weinstraße Salzatal. Hier entstehen im Kunstunterricht Comicgeschichten, die ein Buch mit technischen Beschreibungen und historischen Hintergründen illustrieren werden. Und um die „Bahnhöfe von Alfred Grenander“, der seit der Eröffnung der Berliner U-Bahn von 1902 bis 1930 zahlreiche U-Bahnhöfe gestaltet hat, geht es im Projekt der Otto-Hahn-Schule Berlin.
 
Auch Plattenbauten sind inzwischen als „Bauerbe der DDR-Nachkriegsmoderne“ ein Untersuchungsgegenstand. Die Freiherr-von-Rochow-Schule Pritzwalk untersucht in ihrem Projekt „Platte als Denkmal? Lebenskultur im Wandel“ die Schnittstellen von Denkmalpflege und Stadtentwicklung in ihrer Stadt. Die Bibliothek der Stadt etwa steht unter Denkmalschutz, denn sie ist bis in die Ausstattung im Originalzustand erhalten und eines der wenigen verbliebenen Beispiele eines DDR-Kulturbaus der 1970er Jahre in der Region.

Interessierte allgemeinbildende und berufsbildende Schulen der Sekundarstufe I und II, Grundschulen mit den Klassen 5 und 6 sowie Einrichtungen der Lehreraus- und -fortbildung können sich zwischen März und Mai 2021 wieder um Teilnahme an „denkmal aktiv“ bewerben. Die Teilnahme ist möglich als einzelne Schule (Erstbewerbung) oder als Verbund aus mehreren Schulen.

Quelle: denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule

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