Ellerbeker Grundschule Kiel. Interview mit Schulleiterin Margot Thies

Online-Redaktion: Frau Thies, was hat das vergangene Schuljahr für Sie geprägt?

Thies: Zu diesem Schuljahr ist die aus zwei Schulen bestehende Ellerbeker Schule - einer Grundschule und einer Schule für Geistigbehinderte - zu einer Schule zusammengelegt worden. Nun sind hier zwei Schularten unter einem Dach unter einer einzigen Leitung vereint. Planungen für die Zusammenlegung, durch die auch die Grundschule zu einer offenen Ganztagsschule geworden ist, standen besonders im Vordergrund.

Online-Redaktion: Wie ist es zu der Vereinigung gekommen?

Thies: Die Schule für Geistigbehinderte befindet sich seit 25 Jahren im selben Gebäude, und im Laufe der Zeit ist hier eine enge Kooperation entstanden. Nach dem Weggang der Schulleiterin der Grundschule habe ich auch die Grundschule zunächst kommissarisch geleitet, bis dann auf Wunsch der Eltern und der Schulkonferenz die beiden Schulen zusammengelegt worden sind. Die verschiedenen Gremien der Stadt und des Landes wie Ratsversammlung, Schulausschuss und Schulamt haben das sehr befürwortet.

Online-Redaktion: Findet der Unterricht jetzt gemeinsam statt?

Thies: Es handelt sich hier weiterhin um zwei Schularten mit ihren eigenen Lehrplänen. Integrationsklassen, in denen Kinder mit Förderbedarf integriert werden, gab es schon seit vielen Jahren. Ebenso gab es schon immer gemeinsame Arbeitsgemeinschaften und Jahreszeitenfeste. Jetzt verfügt man aber natürlich über größere Chancen, zusammen etwas zu machen, und wir haben das gemeinsame Angebot besonders im Nachmittagsbereich ausgeweitet. Die Resonanz ist sehr gut: Die Warteliste der Schule für Geistigbehinderte können wir gar nicht abarbeiten. Für Geistigbehinderte gibt es ja nur wenig Freizeitmöglichkeiten. Aus der Grundschule nehmen etwa 60 Kinder und aus der Schule für Geistigbehinderte etwa 70 Schülerinnen und Schüler am Ganztagsangebot teil.

Online-Redaktion: Was spielte neben der Organisationsplanung noch eine Rolle?

Thies: Die Schulkonferenz hat die Einführung der Ganztagsangebote beschlossen. Außerdem wurden Elternabende durchgeführt und der Ganztagsschulbedarf mittels Fragebögen abgeklärt. Außerdem mussten wir die Finanzierung der Angebote klären und sichern.

Es ist zum Beispiel eine integrative Betreuungsgruppe entstanden, die durch Landeszuschüsse finanziert wird: Hier werden Grundschüler und Kinder, die integrativ an der Grundschule lernen, an fünf Tagen von zwölf bis 15 Uhr betreut: Es gibt Mittagessen, Hausaufgaben- und Freizeitbetreuung. Diese Gruppe ist neu und wurde ebenfalls im vergangenen Schuljahr geplant.

Beim Raumkonzept haben wir gemerkt, dass wir an Grenzen stoßen: Es können noch immer nicht alle Grundschüler am Mittagessen teilnehmen. Dies führte zu unseren Antrag zum Bau einer Mensa, wobei wir auf Bundesmittel hoffen.

Online-Redaktion: Von diesem Antrag abgesehen, hat Ihre Schule aber auch schon Fördermittel aus dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" des Bundes bekommen. Wie haben Sie die Mittel verwendet?

Thies: Wir haben den Schulhof und den Gartenbereich neu gestaltet, Freizeitmaterialen und Computer angeschafft, den Essraum eingerichtet. Schon bewilligt ist auch ein Gerätehaus, in dem zum Beispiel kleine Fahrzeuge aufbewahrt werden können.

Online-Redaktion: Was bringt das gerade begonnene Schuljahr?

Thies: Wir müssen jetzt erst mal sehen, wie sich alles einspielt, denn es ist ja sehr viel Neues dazugekommen. Wir überlegen aber auch, wie wir das ausbauen können. Seit diesem Schuljahr besteht eine Kooperation mit einem Sportverein, und wir erhalten Zuschüsse vom Landessportverband. Unser Wunsch ist es, noch mehr Kooperationspartner für die Nachmittagsangebote zu finden, möglichst Einrichtungen der Jugendhilfe und aus dem Umfeld der Schule. Dies ist deshalb nicht einfach, weil die Landeszuschüsse nicht ausreichen, um die Projekte mit den Kooperationspartnern zu finanzieren. Da wir hier am Ostufer Kiels in einem sozialen Brennpunkt liegen, hat aber auch die finanzielle Beteiligung der Eltern oft enge Grenzen. Und angeworbene Stiftungen, die sich hier bei uns engagieren, tun dies immer nur für einen begrenzten Zeitraum.

Ellerbeker Grundschule
Offene Ganztagsschule
Schule für Geistigbehinderte: 115 Schülerinnen und Schüler
ca. 50 Mitarbeiter/innen(Sonderschullehrer/innen, Fachlehrer/innen, Erzieher/innen, Heilpädagogen/innen, Zivildienstleistende, Kinderpflegerinnen)
Grundschule: 118 Schülerinnen und Schüler, 8 Lehrerinnen und Lehrer
16 Angebote am Nachmittag, u.a.: Freizeitangebote innerhalb der Schule und im Stadtteil, integrative Projekte wie Turnhallenzirkus, Basketball, Tanz in Zusammenarbeit mit einer Tanzschule, Fußball, Computer-AG, Physik-AG

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