Regionale Schule Osteeschule Ückeritz. Interview mit Schulleiter Peter Biedenweg

Online-Redaktion: Herr Biedenweg, was hat das vergangene Schuljahr für Sie geprägt?

Biedenweg: Mit Sicherheit der Abschluss der Bauarbeiten an unserer Schule. Am 18. Dezember 2004 haben wir zusammen mit dem mecklenburg-vorpommernschen Bildungsminister Hans-Robert Metelmann unsere Schule unter dem neuen Namen Ostsee-Schule eröffnet. Seitdem besitzen wir ein saniertes und ein neues Unterrichtsgebäude, die beide zusammengeschlossen hervorragende Unterrichtsbedingungen bieten.

Diese wollen wir nun auch dazu nutzen, den Ostsee-Raum zu entdecken. Wir pflegen bereits intensive Beziehungen mit einem Gymnasium in Miedzyzdroje, einem großen polnischen Seebad, das man von unserem Strand aus auf der Nachbarinsel Wollin sehen kann. Wenn unsere Partnerschaft noch enger geworden ist, wollen wir uns gemeinsam eine Partnerschule in Schweden suchen und so nach und nach rund um die Ostsee gehen.

Online-Redaktion: Ihre Schule hat Fördermittel aus dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" des Bundes bekommen. Wie haben Sie die Mittel verwendet?

Biedenweg: Die gesamte Bausumme teilt sich in zwei Hälften: Einmal die IZBB-Mittel und zum zweiten ein vom Kommunalen Aufbaufond des Schweriner Innenministeriums geförderter Kredit. Insgesamt handelte es sich um drei Millionen Euro. Davon haben wir einen Neubau errichten und Sanierungsarbeiten leisten lassen. Es sind eine Aula, eine Lehrküche, ein Schülerclub, ein Schülerbistro, eine Schülerbibliothek mit Hausaufgabenzimmer, ein Schülerfunk und ein als Markt genutztes Schülerfoyer entstanden. Momentan laufen noch einige kleine Nacharbeiten, aber insgesamt hat sich schon alles gut eingespielt, und wir fühlen uns wohl. Wenn man die Schule betritt, geht man über eine Landungsbrücke - unser Schulkonzept heißt "Gemeinsam an Bord gehen."

Ich fühle mich inzwischen fast wie ein Museumsführer, so viele Leute habe ich schon durch unsere Schule geführt. Und draußen stehen Urlauber, die reinschauen und sagen: "Das kann doch keine Schule sein." Ich bin richtig stolz. Wenn Sie in unsere hellen, freundlichen und lichtdurchfluteten Räume kommen, vermuten Sie tatsächlich nicht, in einer Schule zu sein - und das sollte auch so sein.

Online-Redaktion: Haben Sie und das Kollegium die Schule planen können?

Biedenweg: Wir haben die Planung keinem Architekten überlassen, sondern gemeinsam ein pädagogisches Konzept erarbeitet. Wir haben richtig gesponnen, wie wir uns eine gute Schule vorstellen, und sind erst dann mit unseren Plänen zu einem Architekten gegangen. Mit dem haben wir über eineinhalb Jahre nächtelang debattiert und gestritten. Wichtig war uns dabei, dass Kunst und Funktionalität gleichberechtigt nebeneinander stehen. Es hat sich wirklich gelohnt. Hier hat jeder Raum seine Funktion, und die Realschulprüfungen als kleiner Meilenstein der Logistik haben gezeigt, wie gut alles gelungen ist. Ich bin richtig begeistert. Dass hier so etwas Tolles entstehen konnte, ist wirklich nicht selbstverständlich, denn dieser Landstrich bekommt normalerweise wenig an Fördermitteln ab.

Online-Redaktion: Was bringt das gerade begonnene Schuljahr?

Biedenweg: Eigentlich dachte ich, der Aufbau dieser Schule sei Lebensaufgabe genug. Dass das nicht stimmt, habe ich schon während der Bauarbeiten gemerkt. Schule beschränkt sich ja nicht allein auf das Gebäude. Nach der groben konzeptionellen Arbeit mit dem pädagogischen Programm und den Leitlinien müssen wir diese jetzt verfeinern. Wir sehen jetzt, was noch zusätzlich machbar ist. Ganz groß geschrieben wird in diesem Schuljahr also die Fortschreibung unseres Schulprogramms, zu der sich die Lehrerinnen und Lehrer wieder für ein paar Tage während der Ferien zurückziehen werden. Eine Überlegung wird dabei auch sein, ob wir von der offenen zur gebundenen Ganztagsschule wachsen wollen.

Sehr wichtig ist uns, dass sich die Schülerinnen und Schüler mit ihrer Schule identifizieren und mit Optimismus in die Zukunft sehen. Damit verbunden ist unser Plan, unsere Schüler für den gesamten Ostsee-Raum zu begeistern, damit sie die Angst vor dem Fremden verlieren und später vielleicht auch mal im Ausland arbeiten. Da bestehen Chancen, die man heute noch gar nicht so recht ergründen kann.

Zum Dritten möchten wir unser Schulprofil als Schmiede des Mittelstandes schärfen. Wir wollen nicht als Schule für Schülerinnen und Schüler gelten, die das Gymnasium nicht schaffen, sondern als Schule, deren Schüler für den Mittelstand ausgebildet werden. Deshalb knüpfen wir enge Beziehungen zur Wirtschaft, die uns auch deutlich sagt, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sie von unserer Schülerschaft erwarten. Darauf stimmen wir unsere schulinternen Lehrpläne ab.

Ostsee-Schule Ückeritz:
Regionale Schule Klasse 5 - 10
Offene Ganztagsschule
255 Schülerinnen und Schüler
80 Prozent der Schülerschaft nutzen den Ganztagsbereich
Angebote sind u.a. Aerobic, Handball, Chor, Badminton, Basketball, Homepagebau, Computer, Berufsfrühorientierung, Schach, Golf, Kochen, Standardtänze, Hausaufgaben, Förderstunden

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