Kooperative Ganztagsbildung: Grundschule Bauhausplatz

Die Grundschule Bauhausplatz in München ist eine Modellschule für die „Kooperative Ganztagsbildung“ und im dritten Jahr ihres Bestehens auf Kurs. Als „Lernhaus“ konzipiert, ist sie ein Anziehungspunkt.

© Grundschule Bauhausplatz

Diese Schule ist ein echter „Frischling“: Erst seit dem Schuljahr 2017/2018 existiert die Grundschule Bauhausplatz in München-Schwabing. Schulleiterin Michaela Fellner kennt den Ganztag allerdings schon viel länger. Sie war zuvor Schulleiterin der Grundschule Paulckestraße, die 2006 als eine der ersten Münchner Grundschulen den gebundenen Ganztag einführte.

Die Grundschule Bauhausplatz bietet mittlerweile als „Modellschule für die Kooperative Ganztagsbildung“ sogar Betreuungszeiten bis 18 Uhr an. „In München sind häufig einfach beide Elternteile gezwungen zu arbeiten“, begründet das die Schulleiterin. Die Grundschule ist mit der Kooperativen Ganztagsbildung für die 1. Klassen gestartet. Jährlich wird nun ein Jahrgang dazukommen. Im Modell der Kooperativen Ganztagsbildung arbeiten Schule und externer Träger auf Basis des Bayerischen Kinderbildungs- und betreuungsgesetzes (BayKiBiG) unter dem Dach der Schule zusammen. Die Schule am Bauhausplatz kooperiert mit dem Städtischen Träger „Kooperative Ganztagsbildung Bauhausplatz“. Auch in den Ferien wird eine Betreuung von 8 bis 18 Uhr angeboten.

„Es macht einfach nur Spaß!“

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© Grundschule Bauhausplatz

Unterschiedlichen Bedürfnissen der Eltern kommt die Schule mit verschiedenen Zeitmodellen entgegen. 12 Prozent der Schülerinnen und Schüler besuchen lediglich den Vormittagsunterricht bis 11.15 Uhr. Alle anderen sind für den offenen oder den gebundenen Ganztag angemeldet. In der offenen Variante können die Eltern ihre Kinder an unterschiedlichen Tagen anmelden und am Nachmittag flexibel abholen. Der gebundene Ganztag dauert von 8 bis 16 Uhr.

„Es geht uns aber natürlich nicht nur um das Betreuungsbedürfnis der Eltern, sondern wir wollen, dass unsere Schülerinnen und Schüler, von denen viele tatsächlich bis 18 Uhr bei uns sind, so viel wie möglich wie die Kinder erleben, die von ihren Eltern zum Beispiel zum Fußball oder zum Tennis gefahren werden“, erklärt die Schulleiterin. „Und deshalb öffnen wir unsere Türen ganz weit und holen so viele Aktivitäten wie möglich ins Schulgebäude.“

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Die Grundschule bietet dank ihrer vielen Kooperationspartner wie der Städtischen Sing- und Musikschule zum Beispiel Musikinstrumentenunterricht und einen Chor an. Die Schachakademie München ist dabei, ebenso wie die Sportfreunde Harteck, die die Kindersportschule KISS mit Turnen, Ballsport, Tanzen und vielem mehr anbieten. Die Trainer des Sportvereins der Studentenstadt Freimann organisieren ein Rugby-Training. Die ehrenamtlichen „Lesefüchse“ lesen den Erst- und Zweitklässlern vor, während die Freiwilligenagentur „Tatendrang“ mit dem Projekt „Lesezeichen – Lesen und Sprechen mit Schulanfängern“ die Deutschkenntnisse fördert. Die Initiative fit4future bietet eine Gesundheitsförderung, und das Projekt Kids Pro stärkt die Zivilcourage.

Den Überblick behalten das Schulleitungsteam und das Team der Tagesheims unter Leitung von Tanja Huber, die sich wöchentlich treffen. „Um die Wahrheit zu sagen: Es macht keine Arbeit, es macht einfach nur Spaß“, meint Schulleiterin Michaela Fellner. Den Kontakt untereinander zu halten, fällt dabei aufgrund der räumlichen Gegebenheiten nicht schwer. Die Grundschule Bauhausplatz ist wie alle Münchner Schulneubauten von vornherein als „Lernhaus“ konzipiert worden.

Turm
© Grundschule Bauhausplatz

Lernen in offener und transparenter Atmosphäre

„Meine frühere Schule war als klassische Flurschule konzipiert“, erinnert sich Michaela Fellner. „Da verschwanden alle hinter ihren Klassenzimmertüren und liefen sich ansonsten nicht viel über den Weg. Die Kolleginnen und Kollegen begegneten sich höchstens im Lehrerzimmer. Das ist im Lernhaus jetzt ganz anders.“ Die fünf Lernhäuser der Grundschule Bauhausplatz sind jeweils als Cluster aufgebaut: Von einer großen gemeinsamen Mitte gehen vier Klassenräume, ein Teamraum und zwei große Gruppenräume ab. Die Räume sind verglast.

In den Teamräumen treffen sich die Lehrkräfte mit den Erzieherinnen und Erziehern und den Kooperationspartnern. „Hier ist alles offen und transparent, man muss diese Atmosphäre selbst erleben“, schwärmt die Schulleiterin. „Wir wollen kooperative Lernformen und Jahrgangsmischungen, aber auch individualisieren. Und wir wollen Analoges und Digitales mischen. Wir brauchen keine Türen und keine Tische. Unser Sachaufwandsträger hat verstanden, dass wir zur Umsetzung unserer Ideen bewegliches Mobiliar benötigen. Unsere IT-Ausstattung ist bereits hervorragend. Es gibt WLAN, Hotspots und Tablets.“

© Grundschule Bauhausplatz

Eltern können sich über den Wissensstand ihrer Kinder auf einer digitalen Lernplattform informieren, auf der die Schülerinnen und Schüler und auch die Lehrkräfte Inhalte, Erklärvideos und Aufgaben hochladen und lösen. „Die Tablets sind für uns ein wichtiges Kommunikationsmittel, das waren sie auch schon vor der Schulschließung“, so Michaela Fellner.

Langer Tag braucht Rückzugsräume

Im gebundenen Ganztag erhalten die Schülerinnen und Schüler keine Hausaufgaben. Üben und Festigen des Wissens sind täglich in einer Intensivierungs- und Differenzierungsstunde integriert. Die Kinder, die den offenen Ganztag nutzen, können an einer Hausaufgabenbetreuung teilnehmen.

Mensa
© Grundschule Bauhausplatz

Eine Erkenntnis, die das Team der Ganztagsgrundschule schnell gewann: Die Schülerinnen und Schüler brauchen gerade an sehr langen Tagen, erst recht, wenn sie bis teilweise 18 Uhr dauern, Phasen des Rückzugs und der Ruhe. Dafür sind entsprechende Räumlichkeiten notwendig. „Wir haben ‚Bauis Höhle’, einen Ruheraum, eingerichtet und Faltwände aus Filz angeschafft, die die Kinder schnell selbst aufklappen können“, erzählt Michaela Fellner. „Einige Schülerinnen und Schüler nutzen diese in der Freizeitstunde nach dem Mittagessen.“ Auch die Bibliothek lädt mit ihren Sitzecken zum Ausruhen ein.

Das Essen wird von einem Caterer im „Cook & Chill“-Verfahren angeliefert, aber in einer eigenen Küche werden Salate, Suppen und Nachtisch auch frisch zubereitet. Jede Klasse, die zum Essen in die Mensa geht, wird jeweils von einer Lehrkraft begleitet. Die Schülerinnen und Schüler bestimmen im Verpflegungsgremium über die Speisen mit.

Kooperationsschule für Lehramtsstudierende

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In den jeden Freitag stattfindenden Klassenräten und in der monatlichen Schulvollversammlung diskutieren die Schülerinnen und Schüler alle Themen der Schulgemeinschaft und haben auch ein Mitspracherecht beim Aussuchen der Kooperationspartner. Einmal im Monat treffen sich die Klassensprecherinnen und Klassensprecher mit der Schulleiterin.

Als Seminarschule unter Leitung von Seminarrektorin Tina Jöller hat die Grundschule Bauhausplatz derzeit zweimal in der Woche zwölf Lehramtsstudierende zur Hospitation. Zugleich ist die Schule UNI-Lernhaus, das heißt Kooperationsschule der Ludwig-Maximilians-Universität. Im UNI-Lernhaus lernen Studierende Potenziale und Herausforderungen des Unterrichtens im Lernhaus bereits im Rahmen Ihrer Ausbildung kennen. Unter Leitung von Prof. Uta Hauck-Thum finden in jedem Semester bis zu acht Seminare für Studierende in den Schulräumen statt.

„Zusammen mit den Lehrkräften erarbeiten die Studierenden Unterrichtskonzepte“, berichtet die Schulleiterin. „Das ist ein Gewinn für beide Seiten: Die Studierenden schnuppern in die Praxis des offenen Lernens in den Lernhäusern, und wir profitieren von dem neuen Medienkonzept 'Hotspot', das Frau Prof. Hauck-Thum bei uns umsetzt. Es ermöglicht uns, digitale Räume in die Lernprozesse zu integrieren. In diesem Bereich möchten wir noch richtig viel dazulernen.“

Lernhaus D
© Grundschule Bauhausplatz

Die Grundschule Bauhausplatz ist mit ihrem Lernhausprinzip ein „Publikumsmagnet“. In den knapp drei Jahren ihres Bestehens hat das Team rund 400 Besuchergruppen begrüßt. „Jede dieser Gruppen hat unisono festgestellt, wie leise es bei uns ist. Das haben wir auch durch den rhythmisierten Tagesablauf erreicht, der für alle Klassen gleich ist. Die Schülerinnen und Schüler lernen kooperativ in den Wir-Räumen und still für sich in den Ich-Räumen“, erläutert die Schulleiterin.

„Alle Kinder freuen sich auf die Schule, und wir haben zuletzt gesehen, wie sehr sie die Schule vermisst haben“, erzählt Michaela Fellner. „Die Schülerinnen und Schüler der gebundenen Ganztagsklassen sind besonders fest in der Schule verwurzelt.“ Und während im Premierenjahr die Ganztagsklasse nur mit Mühe zusammenkam, fehlte im aktuellen Schuljahr nicht viel an einer dritten – „ein besseres Kompliment kann man doch gar nicht bekommen“, findet die Schulleiterin.

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