Forschung zu wichtigen Aspekten der Ganztagsschule

Ab 2005/2006 wurden erste, die "Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen - StEG" ergänzende und vertiefende länderübergreifende Forschungsvorhaben zu wichtigen Aspekten der Ganztagsschulentwicklung gefördert. 2006 hat das BMBF nach Abstimmung mit den Ländern und den StEG-Beiräten eine neue Förderrichtlinie „Ganztägige Bildung, Erziehung und Betreuung“ konzipiert und 2007 veröffentlicht. Die Themenschwerpunkte waren die Lernkultur, Unterrichts- und Angebotsentwicklung, die Professionsentwicklung und Kooperation, das Verhältnis von Familie, Peers und Ganztagsschule sowie die sozialräumliche Vernetzung von Ganztagsschulen.

„Projektsteckbriefe“ und Veröffentlichungen finden Sie hier: http://www.ganztagsschulen.org/de/1126.php

Einen Überblick über alle Forschungsergebnisse enthält die BMBF-Broschüre „Ganztägig bilden. Eine Forschungsbilanz“ (2012).

Folgende - nicht immer zu trennende - Fragestellungen wurden im Rahmen der vom BMBF geförderten Ganztagsschulforschung untersucht:

Lernkultur, Unterrichts- und Angebotsentwicklung mit dem Ziel einer verbesserten individuellen Förderung

Eine prioritäre Frage ist, inwiefern schulische Ganztagsangebote nicht nur eine zeitliche Verlängerung der Halbtagsschule, sondern eine neue Lernkultur mit veränderten Lernarrangements und einer neuen Zeitstruktur als Voraussetzung für eine bessere individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern ermöglichen. "Lernkultur" wird dabei als eine interaktive soziale Konstruktion durch Lehrerinnen und Lehrer sowie Schüler und Schülerinnen gesehen. Dazu gehört auch die schulische Hausaufgabenpraxis, in der Lehrer wie Eltern eine zentrale Leistung der Ganztagsschule sehen.

Eines der zentralen bildungspolitischen Themen ist dabei die Förderung von Kindern und Jugendlichen, um mehr Chancengerechtigkeit zu gewährleisten. Ziel der Forschungsprojekte war es, Aufschlüsse zu gewinnen, welche Potentiale Ganztagsschulen bieten, um Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund oder Kinder in schwierigen Lebens- und Bildungssituationen optimal zu fördern, sowohl hinsichtlich der Unterrichtsquantität als auch der qualitativen Ausgestaltung des Ganztags.

Professionsentwicklung und Kooperation verschiedener Professionen und Institutionen

Eine der größten Herausforderungen bei der Ausgestaltung von Ganztagsschulen ist das Zusammenwirken von Fachkräften unterschiedlicher Institutionen, Professionen und Berufskulturen mit ihren unterschiedlichen Traditionen und jeweils zugrunde liegenden Förderkonzepten. Untersucht wurden die institutions- und professionsspezifischen Kooperationsvorstellungen der unterschiedlichen Berufsgruppen an Ganztagsschulen, Merkmale der Kooperationspraxis, Auswirkungen der ganztagsspezifischen Anforderungen auf das berufliche Selbstverständnis und Handeln der Kooperationspartner, um Rückschlüsse für die Implementierung, Umsetzung und Weiterentwicklung von Ganztagsangeboten zu ziehen.

Familie, Peers und Ganztagsschule

Die Bedeutung der Familie als Bildungsort ist unumstritten. Schulische Ganztagsangebote können die Familie nicht ersetzen. Ihr Potential liegt vielmehr in der Ergänzung durch erweiterte Bildungsangebote und vielfältige Formen des sozialen Lernens. Für einen Teil der Schülerinnen und Schüler bieten sie auch Chancen zur Kompensation von Bildungsdefiziten. Voraussetzung ist die Akzeptanz und Unterstützung der Ganztagsschule durch die Eltern. Die Forschungsvorhaben untersuchten daher die Schnittstellen zwischen (Ganztags-)Schule, außerschulischen Partnern und Familie. Von erstrangiger Bedeutung sind zudem die Auswirkungen bildungspolitischer Maßnahmen auf die Lebenswelt und die Peer-Beziehungen der Jugendlichen und damit eine "peer-gerechte" Gestaltung der Ganztagsschulen.

Ganztagsschule in regionaler und lokaler Bildungsplanung

Als eine wirksame Strategie zur Verbesserung von Bildungschancen und zur Verminderung sozialer Segregation gilt die Einbindung und Verankerung von Schulen im Sozialraum. Aufgrund des sozialen und demografischen Wandels stehen die Kommunen dabei vor unterschiedlichen Herausforderungen. Die Forschungsvorhaben untersuchten die Auswirkungen der Implementierung schulischer Ganztagsangebote zum einen in Städten (insbesondere in Stadtteilen mit Problemlagen), zum anderen in ländlichen Sozialräumen, um Steuerungswissen für eine regionale und lokale Bildungsplanung ("Local Governance") zu gewinnen.

Kulturelle Bildung, Sport und Bewegung in Ganztagsschulen

Ganztagsschulen bieten große Chancen zur Erweiterung von Bildungsangeboten über den herkömmlichen Unterricht hinaus. Die häufigsten Kooperationspartner sind dabei Sportvereine und Musikschulen. Zwei größere Forschungsvorhaben untersuchten das Zusammenspiel von Ganztagsschulen und außerschulischen Partnern sowie deren Auswirkungen auf die Schulqualität. Zu beiden gab es bis dahin keine Studien, es fehlten zum Teil grundlegende Strukturdaten.

Rekonstruktion der Gelingensbedingungen schulischer Ganztagsangebote in historischen Fallstudien

1968 empfahl die Bildungskommission des Deutschen Bildungsrates die Einrichtung von Ganztagsschulen als Versuchsschulen in allen Schulformen mit begleitender Forschung. Unter den Parteien, Verbänden, Gewerkschaften und Kirchen gab es einen breiten Konsens, das Angebot an Ganztagsschulen auszubauen. Dennoch verlief die Entwicklung komplizierter. Gelingensbedingungen und förderliche Konstellationen für den Ausbau schulischer Ganztagsangebote „vor Ort“ können historische Fallstudien zeigen.

 

 


Dokumente

  • GTS-Forschungsbilanz

    [PDF - 1,73 MB]

     (URL: https://www.ganztagsschulen.org/_media/121206_BMBF_GTS-Forschungsbilanz_bf_df.pdf)

 
(Ende der inhaltlichen Zusatzinformationen)