OGS Rühme: „Wir bringen die Schule zum Leben“

Das Kollegium der Offenen Ganztagsgrundschule Rühme in Braunschweig ist vom Ganztag überzeugt. Förderangebote, Lernzeit und freies Spiel, außerschulische Lernorte und Bewegung im Park gehören dazu.

© Offene Ganztagsgrundschule Rühme

Wer Sima von Lacroix zuhört, wenn sie über ihre Schule spricht, besser: ins echte Schwärmen kommt, möchte die eigenen Kinder glatt an der Grundschule Rühme in Braunschweig anmelden. Die Freude der Kommissarischen Schulleiterin der offenen Ganztagsgrundschule, das Schulleben zusammen mit dem Kollegium, der Stadt Braunschweig als Schulträger, den Eltern und den Kooperationspartnern zu gestalten, ist offenkundig.

Das Engagement für die Ganztagsschule hat Sima von Lacroix von ihrem Vorgänger Michael Kraj geerbt: Kraj war vom Ganztag überzeugt und die treibende Kraft, als die Grundschule 2007 als eine der ersten Ganztagsschulen in Braunschweig startete. Im Zusammenspiel mit Jürgen Neubert vom Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Stadt Braunschweig entwickelte er die Schule über die Jahre weiter. „Die beiden haben für die Idee wirklich gebrannt“, erinnert sich die Schulleiterin.

„Es kommt auf die Qualität der Angebote an“

Schülerin mit Hund
© Offene Ganztagsgrundschule Rühme

„Die Elternwahlfreiheit beim offenen Ganztag finde ich gut. Aber irgendwann wird die Ganztagsschule in ganz Deutschland die Regel sein. Im Westen Deutschlands befinden wir uns da in einer Übergangsphase“, meint Sima von Lacroix. Es gehe nicht um Betreuung im Sinne von Aufbewahrung, sondern es komme ganz klar auf die Qualität der Angebote an. „Die Eltern müssen diese gute Qualität sehen, und wir müssen ihnen signalisieren, dass wir zusammen mit ihnen für ihre Kinder sorgen. Die Chance einer positiven Erziehung auch in der Schule wird noch gar nicht so gesehen und thematisiert.“

Die Ganztagsschule hält für die Schulleiterin nicht allein wegen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für wichtig, sondern auch, weil sie gerade den vielen Einzelkindern ein anderes soziales Miteinander in der Schule ermöglicht: „Kinder sozialisieren sich anders, wenn sie mit anderen Kindern zusammen sind. Wir sehen uns da in einer gesellschaftlichen Verantwortung. Bei manchen Kindern geht es auch darum, ein Stück Normalität herzustellen. Und ich finde, unserer kleinen Schule gelingt das gut.“

Lernzeit und Nachmittagsangebote

© Offene Ganztagsgrundschule Rühme

Derzeit besuchen 113 Schülerinnen und Schüler die sieben Klassen der offenen Ganztagsgrundschule. Sie werden von neun Lehrerinnen, einem Lehrer, einer Türkischlehrerin und zwei Förderlehrerinnen unterrichtet. Das Nachmittagsangebot an fünf Wochentagen endet je nach Elternwahl um 15 Uhr, 16 Uhr oder 17 Uhr. Der Nachmittag beginnt mit der Lernzeit, die von einer Lehrkraft und einer Erzieherin des Kooperationspartners – dem Kinder und Jugendzentrum Rühme – begleitet wird. Hier erledigen die Schülerinnen und Schüler ihre Hausaufgaben, es gibt aber auch Förderangebote in den Bereichen Lese-/Rechtschreibschwäche, Sprache und Rechenschwäche.

„Die Eltern schätzen dieses Angebot ganz besonders“, betont Sima von Lacroix. „Und für uns ist diese Zeit auch wertvoll. Die Kolleginnen am Nachmittag schreiben für die Lehrkräfte im Vormittag auf, welches Kind an welchen Stellen noch Probleme gehabt hat. Und wir können uns sicher sein, dass wir keine Hausaufgaben bekommen, die zu Hause von der Mama erledigt worden sind.“

Schülerinnen und Schüler am See
© Offene Ganztagsgrundschule Rühme

Darüber hinaus gibt es unterrichtsergänzende Angebote, zum Beispiel „Lesen in der Bücherei“, ein Musikangebot oder „Interkultureller Austausch“. Von 15 bis 16 Uhr können die Schülerinnen und Schüler entweder Projekte wählen, die über einen abgegrenzten Zeitraum laufen, wie beispielsweise Experimente, Kunst, die „Kinder für Kinder“-AG oder Cheerleading. Sie besuchen Arbeitsgemeinschaften oder wählen offene Angebote, die teilweise auch in den Räumen des Kinder- und Jugendzentrums stattfinden, wie Bewegung, Ballspiele, Tanzen und Spaß, Armbänder gestalten, Zocken oder Basteln.

In der letzten Stunde bis 17 Uhr können die Kinder ihre Zeit dann frei gestalten und dafür die Fachräume nutzen, sei es den Kreativraum, den Bauraum, den Spieleraum, den Bewegungsraum, den Ruheraum oder den Schulhof. Für alle im Ganztag angemeldeten Schülerinnen und Schüler gibt es auch eine Ferienbetreuung – bis auf den Jahreswechsel und die letzten drei Wochen der Sommerferien in allen Ferien.

Lernen und Spielen unter 300-jährigen Eichen

© Offene Ganztagsgrundschule Rühme

Ein großer Trumpf der offenen Ganztagsgrundschule Rühme sind die Räumlichkeiten. Seit die Astrid-Lindgren-Schule, eine Förderschule, aus dem Gebäude ausgezogen ist, kann die OGS alle Räume nutzen. Besonders augenfällig ist das weitläufige Außengelände, eine Parkanlage mit einem reichen Baumbestand, darunter 300 Jahre alte Eichen. „Einzigartig für eine Stadtschule“ findet die Schulleiterin das zu Recht.

„Die Kinder nutzen besonders gern die Gebüsche, um sich zurückzuziehen“, sagt Sima von Lacroix lachend. Nicht nur die Spiel- und Klettergeräte werden von den Kindern gut angenommen, auch alte Spiele wie „Verstecken mit Freischlagen“ haben hier ihren Platz. Die Schulleiterin weiß, dass diese Raumsituation gar nicht hoch genug einzuschätzen ist: „Meine erste Station als Lehrerin hatte ich an einer Grundschule im Berliner Wedding. Ich weiß, was ein zu enger Raum mit Kindern machen kann.“

Insektenhotel
© Offene Ganztagsgrundschule Rühme

Neue Planungen für die Umgestaltung des Schulhofes sind gerade angelaufen. Dabei haben die Schülerinnen und Schüler viele eigene Ideen eingebracht, die nun umgesetzt werden sollen. Ein Insektenhotel entstand bereits vor zwei Jahren in einem Projekt. Als nächstes sind Nistkästen für Fledermäuse geplant, die man bereits jetzt zwischen den hohen Bäumen beobachten kann. Auch Hochbeete werden angelegt. Viele Vorschläge kommen laut Sima von Lacroix aus dem Kollegium. „Ich kann noch so tolle Ideen als Schulleiterin haben – wenn keiner mitzieht, nutzt es nichts.“

Städtische Musikschule kommt ins Klassenzimmer

Das Schulleben bereichern auch einige Kooperationspartner. „Die Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendzentrum ist klasse. Wir mögen uns und machen auch die schulinternen Fortbildungen gemeinsam. Vertrauen ist wichtig, und für die Kinder ist es gut, wenn sie nicht ständig wechselnde Gesichter sehen.“ Die Ortsfeuerwehr Rühme ermöglicht unter anderem regelmäßige Besuche des Feuerwehrhauses mit der Besichtigung aller Fahrzeuge und Geräte. Der Kultur- und Förderverein Rühme e.V. ist ebenfalls ein großer Unterstützer. Die Schülerinnen und Schüler besuchen regelmäßig das vom Verein gestaltete kleine Biotop zu den Themen Insekten oder Bienen. Ein Imkerpaar lädt alle Kinder ein, die Bienenstöcke zu begutachten und den entstandenen Honig zu probieren. Eine weitere Kooperation besteht mit dem Staatstheater Braunschweig, das Angebote zu verschiedenen Inszenierungen anbietet.

© Offene Ganztagsgrundschule Rühme

Im sportlichen Bereich organisiert das Projekt „Fit4future“ des Kindernetzwerks United Kids Foundations Sportveranstaltungen, bietet dem Kollegium Fortbildungen an und spendet auch Sport- und Spielgeräte. Die Sportvereinigung Rühme hält ihre Sportkurse in der Turnhalle der Schule ab, und im Gegenzug nutzt die Schule deren Sportplatz für den Sportunterricht und Veranstaltungen. Eintracht Braunschweig lädt regelmäßig interessierte Schülerinnen und Schüler zu Fußballspielen ein.

Und nicht zuletzt bietet die Städtische Musikschule ihr Kursangebot während des Schultags in den Räumlichkeiten der Schule an. Das gefällt der Schulleiterin besonders gut: „Statt dass Fahrmuttis ihre Kinder am Nachmittag zu den Angeboten kutschieren müssen, kommen die Angebote in die Schule, und die Schülerinnen und Schüler können mal eben für 30 Minuten in den Musikraum gehen.“

„Wir alle bringen diese Schule zum Leben“, freut sich Sima von Lacroix. „Nur da, wo ich mich wohlfühle, kann ich gut lernen. Es gibt eine Redewendung ‚Wo ein Kind seine Schuhe auszieht und etwas isst, da fühlt es sich wohl.’ Das versuchen wir!“

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