Ganztags in Monheim am Lerchenweg

Zwölf Ganztagsklassen hat die Schule am Lerchenweg in Monheim am Rhein. Als „Teamschule“ konnte sie mit Engagement und Transparenz das Vertrauen der Eltern erwerben. Das trägt sie in der Zeit des „Zu-Hause-Lernens“.

Collage
© Schule am Lerchenweg

Das Foto auf der Schulhomepage der Schule am Lerchenweg in Monheim am Rhein zeigt 72 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Das sind nicht mal alle“, erläutert Schulleiter Achim Nöhles, „aber es bildet alle Professionen an unserer Schule ab. Es ist schwierig, einen Termin zu finden, an dem alle Lehrkräfte und das pädagogische Fachpersonal gemeinsam vor die Kamera geholt werden können – wir schaffen es eigentlich nur zu einem Termin, dem letzten Tag der Sommerferien. Aber es ist uns wichtig zu zeigen, dass wir alle zusammengehören, dass wir ein Team sind.“

Die Lehrerinnen und Lehrer seien an der Ganztagsgrundschule im Übrigen sogar schon in der Minderheit. „Die klassische Lehrerschule ist passé“, stellt der Schulleiter fest. Eine echte Schulgemeinschaft zu sein, ist dem Leiter der Ganztagsgrundschule wichtig. So ist es auch das „Lerchenweg“-Team, das mit einem Video derzeit „alle zu Hause“ grüßt. Denn von den 327 sind derzeit nur sechs Schülerinnen und Schülern in der sogenannten „Notbetreuung“ der Schule angemeldet. Alle anderen lernen daheim und sind via Schulserver IServ mit ihrer Ganztagsgrundschule verbunden.

„... was die Plattform hergibt“

„Damit lässt sich wirklich sehr gut lernen“, ist Achim Nöhles zufrieden. „Wir arbeiten schon länger damit, und alle Schülerinnen und Schüler haben hier ihre eigene E-Mail-Adresse und ihr eigenes Passwort. Bisher haben wir die Plattform aber natürlich eher innerhalb des Schulgebäudes mit unseren 40 Tablets genutzt. In der ersten Woche nach der Schulschließung sind wir deshalb hauptsächlich damit beschäftigt gewesen, die Zugänge der Elternhäuser freizuschalten.“ 97 Prozent der Eltern sind nun über IServ erreichbar.

Schülerin Pia in ihrem „Homeoffice“© Schule am Lerchenweg

Über den Schulserver startete der Schulleiter auch seine Umfrage für die Schülerinnen und Schüler: mit Fragen zum Lern- und Beschäftigungsangebot, das die Lehrkräfte bereitstellen, zum Schwierigkeitsgrad der technischen Nutzung und zur Belastungssituation in den Familien. 140 Eltern aus allen vier Jahrgangsstufen gaben eine Rückmeldung, die Nöhles dann transparent auf der Homepage der Schule veröffentlichte. Die Resonanz fällt positiv aus. Der Mehrheit der Schülerinnen und Schüler gefallen die Aufgaben, deren Menge und Schwierigkeitsgrad, und auch die Eltern empfinden die Aufgaben mehrheitlich als Entlastung. Nur ein Viertel der Kinder stufen ihre Schulwoche zu Hause als „langweilig“ ein.

Für den Schulleiter sind diese Ergebnisse eine doppelte Bestätigung: „Offensichtlich haben wir ordentlich gearbeitet“, konstatiert er. Und sie widersprächen der teilweise alarmistischen Berichterstattung, die Nöhles mit seiner eigenen Wahrnehmung nicht übereinbringen konnte, was ihn zusätzlich reizte, seine Umfrage zu starten. An der „Lerche“ ist Achim Nöhles zufolge „mit einer Anfangseuphorie ein Digitalisierungsschub entstanden“. Zum einen probierten Lehrerinnen und Lehrer alles aus, „was die Plattform hergibt“, während „die Eltern offenbar mit großer Freude einsteigen“.

Der Draht ins Elternhaus

Er leite gerade eine Online-Schule, sitze vor dem Bildschirm, auf dem parallel verschiedene Vorgänge zu sehen sind. „Ich leite Videokonferenzen und chatte mit Einzelnen“, berichtet der Schulleiter. „Wir haben sogar Konferenzen, die wir angesetzt hatten, auf diese Weise durchführen können. Das ist wahnsinnig anstrengend, aber es funktioniert.“ Auch die Kinder sehe man über Videokonferenzen. Für die Osterferien hat die Schule ein freiwilliges Lernangebot auf die Homepage gesetzt.

Klassenzimmer draußen
© Schule am Lerchenweg

Der gute Draht zu den Eltern ist die Fortsetzung einer Entwicklung, welche die 2005/2006 gegründete Ganztagsgrundschule insgesamt genommen hat. Die Nachfrage der Eltern nach Plätzen in der dreizügigen Grundschule hat inzwischen so zugenommen, dass Nöhles „in Klassenstärke“ Absagen erteilen muss: „Die Anmeldezahlen gehen seit Jahren durch die Decke.“ In Monheim genießt die Schule am Lerchenweg inzwischen einen guten Ruf als die Ganztagsschule. Aus anfangs drei Gruppen in der offenen Ganztagsschule sind inzwischen elf „echte Ganztagsklassen“ – von zwölf Klassen insgesamt – geworden. Zum kommenden Schuljahr sollen sämtliche 13 Klassen als gebundene Ganztagsklassen geführt werden – in Nordrhein-Westfalen, das stärker auf die offene Ganztagsschule im Primarbereich setzt, ungewöhnlich.

Ein Motor dieser Entwicklung ist Achim Nöhles selbst. Er ist vom Ganztag überzeugt. „Ich war als Gymnasiast selbst Ganztagsschüler. Und in den 1990er Jahren habe ich in einer Monheimer Schule ganztägiges Lernen mit einem Teil der Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Versuchsschule erprobt.“

Qualität vor Geschwindigkeit

An der Schule am Lerchenweg hat er sich 2005 mit seinem Team überlegt, wie Schülerinnen und Schülern aus bildungsbenachteiligten Elternhäusern ein besseres Bildungsangebot erhalten könnten. Die Schule sollte ein Ort werden, an dem sich die Kinder wohlfühlten und einen klar strukturierten Tagesablauf vorfinden. Das Konzept der Ganztagsklasse überzeugte Schulleitung und Kollegium am meisten. Sukzessive wurde über die Jahre eine Klasse nach der anderen umgewandelt. „Wir hätten das auch schneller haben können, haben aber gesagt, dass Qualität vor Geschwindigkeit geht“, stellt der Schulleiter fest.

© Schule am Lerchenweg

Nur wenn alle Schülerinnen und Schüler von 8 bis 16 Uhr gemeinsam lernen, kommt man Achim Nöhles zufolge von Hausaufgaben weg und kann den Tag anders strukturieren. An der „Lerche“ gehen die Kinder zum Beispiel schon nach der vierten Stunde zum Mittagessen. Nur dann könnten Teams aus Lehrkräften und Erzieherinnen und Erziehern arbeiten und gemeinsam Förderangebote gestalten. „All das haben wir immer wieder an die Eltern vermittelt und sie mit unserer Arbeit wohl auch überzeugt. Sie haben sich auf das strikte Zeitgebot von acht Stunden eingelassen, weil sie gemerkt haben, dass es ihren Kindern und auch ihnen selbst etwas bringt.“

Über die Jahre hat die Schule natürlich nachjustieren müssen. Die verschiedenen Professionen mussten lernen sich abzustimmen, „damit die Kinder nicht von dem einen 'hü' und von dem anderen 'hott' hörten“, wie es Achim Nöhles formuliert. Am Anfang sei es auch notwendig gewesen, immer mal wieder klarzumachen, dass „die Erzieherinnen und Erzieher nicht diejenigen sind, die uns Lehrkräften zuarbeiten“, und wie wichtig Augenhöhe in der Kooperation ist.

Augenhöhe durch Rollenklarheit

Gruppenraum
Zu jedem Klassenzimmer gehört ein Gruppenraum© Schule am Lerchenweg

Das geht für den Schulleiter am besten mit „Rollenklarheit“. Es müsse klar sein, wer welche Aufgabe innerhalb des Klassenteams hat. „Manchmal sind drei bis vier Erwachsene im Raum – da muss jeder wissen, was sie oder er zu tun hat, statt sich gegenseitig in die Quere zu kommen. Es muss da auch geklärt werden, wer in einem Team den Hut aufhat.“ Der größte Teil der Arbeitszeit von Achim Nöhles besteht inzwischen darin, mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gespräch zu bleiben.

Auch die optimale Abwechslung von Phasen der „Anspannung“ und der „Entspannung“ musste gefunden werden. Das gilt gerade für die jüngsten Schülerinnen und Schüler, für die der Tag in der Tat sehr lang sei, was manche Eltern besorgt habe. Das Kollegium musste lernen, die Zeit nicht mit zu viel Unterricht zu überfrachten oder auch mit zu vielen Arbeitsgemeinschaften, was letztendlich zu einer Durchplanung des ganzen Tages für die Kinder geführt habe. „Wir mussten immer wieder überlegen, wie wir Freiräume und Ruhezeiten schaffen“, erinnert sich der Schulleiter.

Auf dem Abenteuerspielplatz Monheim© Schule am Lerchenweg

Eine Riesenherausforderung sei zudem – bei engem Raum und knapper Zeit –, die immens gewachsene Zahl von Schülerinnen und Schüler angemessen mit dem Mittagessen zu versorgen. Durch Umbaumaßnahmen stehen den Klassen jeweils ein Klassen- und ein direkt anschließender Gruppenraum von insgesamt 100 Quadratmetern zur Verfügung, die parallel den ganzen Tag über genutzt werden. Aber es geht auch raus auf den Abenteuerspielplatz und in ein nahegelegenes Waldgebiet.

Was bleibt nach dem Zu-Hause-Lernen?

Lernorchester
Das Lerchenorchester© Schule am Lerchenweg

Dazu kommen enge Kooperationen mit der Kunstschule und der Musikschule. Zusammen mit der Musikschule Monheim hat die Schule am Lerchenweg das Pilotprojekt „Musikschule für alle“ etabliert. Etwa 120 Leihinstrumente stehen den Schülerinnen und Schülern kostenlos zur Verfügung, sodass ausnahmslos alle Kinder im Rahmen des Ganztagsangebotes am Projekt teilnehmen können.

Die Ganztagsgrundschule ist gut in der Stadt Monheim vernetzt. Für die AG-Angebote kooperiert sie mit einer Schmuckwerkstatt, mit dem „Ulla-Hahn-Haus oder auch mit ortsansässigen Logopädinnen und Ergotherapeutinnen sowie der „Tiergestützten Therapie & Pädagogik“. Träger des Ganztags ist die AWO Niederrhein, „ohne die die Ganztagsentwicklung an unserer Schule so nicht möglich gewesen wäre“, wie Achim Nöhles betont. Und normalerweise ist die Schule „fast das gesamte Jahr offen“, ihr Sommerferienprogramm ist weithin bekannt.

© Schule am Lerchenweg

Wenn die Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule am Lerchenweg kommen können, was bleibt von den Erfahrungen mit der „digitalen Schule“? Zum einen denkt Achim Nöhles, dass es der direkte und gute Kontakt in die Elternhäuser ist, der bestehen bleiben wird. Mit dem Nebeneffekt: „Evaluationen unserer Arbeit mit Hilfe onlinebasierter Umfragen könnten wir sicherlich zukünftig flott und unkompliziert durchführen.“ Zum anderen ist der Schulleiter sich sicher, dass die Schülerinnen und Schüler mit ihren zusätzlich erworbenen digitalen Fähigkeiten in der mit Tablets und PCs gut ausgestatteten Schule gern auch weiterhin neue Lernwege beschreiten werden.

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