Ganztagsschule mit WAM im Landkreis Alzey-Worms

Die Georg-Forster-Gesamtschule macht ihrem Namen alle Ehre: als Modellschule für Partizipation und Demokratie. Jedes Jahr ist sie aber auch Gastgeberin der WAM, der Wörrstädter Ausbildungsmesse.

Doris Holland (l.) und Beate Derr© Online-Redaktion

Der Gast, der in der Mensa der Georg-Forster-Gesamtschule in Wörrstadt mit seinem Essenstablett einen Tisch ansteuerte, konnte sich der Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler gewiss sein. Unter dem Motto „Demokratie trifft Demokratie‟ besuchte Bundespräsident Frank-Walther Steinmeier 2018 bundesweit „Orte der Demokratie“, einer davon war die Ganztagsschule im Landkreis Alzey-Worms. Ministerpräsidentin Malu Dreyer begleitete ihn.

Die Schule zeigte sich auch an diesem Tag im vollen Einsatz mit allen Facetten des Schullebens: Die Schülerband begrüßte die Gäste musikalisch, der Schulsanitätsdienst half als Ordnerdienst, das Catering für die rund 150 Gäste hatten die Arbeitslehre-Kurse hergestellt. Die Streicherklasse war dabei, als der Bundespräsident sich in das Gästebuch der Schule eintrug, direkt neben der Büste des Namensgebers der Schule: Georg Forster, Naturforscher und Revolutionär, hatte in der Folge der Französischen Revolution die kurzlebige Mainzer Republik mitbegründet. Ein guter Anlass für die Diskussion der Schülerinnen und Schüler über das Thema, ob eine allgemeine Wahlpflicht der Politikverdrossenheit entgegenwirken könnte.

„Die Schule ist ein tolles Beispiel für eine demokratische Lern- und Schulkultur. Indem sie ihre eigenen Erfahrungen machen, lernen die jungen Menschen am besten, dass sich Engagement auszahlt‟, lobte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Schülerparlament und Klassenrat

Schulparlament
Schülerparlament© Georg-Forster-Gesamtschule

Partizipation und Demokratie beschränken sich in der Georg-Forster-Gesamtschule nicht auf besondere Aktionen. Sie sind ein fester Bestandteil des Schullebens. So wie damals, lädt die Georg-Forster-Gesamtschule als Modellschule für Partizipation und Demokratie in Rheinland-Pfalz häufig zu Veranstaltungen und Diskussionsrunden ein. Beim Besuch des Bundespräsidenten tagte beispielsweise das Schülerparlament, das 2016 auf Vorschlag der Schülervertretung (SV) eingeführt wurde. Die SV bietet mit einer eigenen Arbeitsgemeinschaft im Ganztag die Möglichkeit, sich für die Schulgemeinschaft einzubringen und mitzubestimmen.

Der Klassenrat ist ab Klasse 5 mit einer eigenen Stunde im Stundenplan verankert. Ältere Schülerinnen und Schüler übernehmen im Ganztag als Lerncoaches der „SamS‟-AGs (Schüler arbeiten mit Schülern) Verantwortung für Fünft- und Sechstklässler, indem sie Lerngruppen betreuen. Sie sind als Lesescouts und Medienscouts aktiv. Als Streitschlichter ausgebildete Schülerinnen und Schüler unterstützen Konfliktlösungsprozesse. Die Jugendlichen kümmern sich im Schulsanitätsdienst um verletzte oder kranke Mitschüler und organisieren den täglichen Bereitschaftsdienst.

Schüler sorgen für das Catering© Georg-Forster-Gesamtschule

„Der Zusammenhalt an unserer Schule zwischen Eltern, Lehrern und Schülern ist sehr gut‟, freut sich Schulleiterin Beate Derr. Die Schule ist als Teamschule organisiert, das heißt, die Kooperation der Lehrerinnen und Lehrer ist obligatorisch. Schülerinnen und Schüler sowie Eltern beteiligen sich bereits in Planungsphasen von Vorhaben. Auf die Unterstützung des Fördervereins und des Landkreises Alzey-Worms als Schulträger kann die Schule jederzeit rechnen.

Ein Runder Tisch, an dem auch Vertreter des Landkreises teilnehmen, tauscht sich beispielsweise regelmäßig mit dem Caterer über das Mittagessen aus. Per Befragung der Jugendlichen gibt es dazu Evaluationen. Schulleitung, Eltern und Schülerinnen und Schüler haben eine Mensaterrasse geplant und gestaltet. Die Terrasse ist mit großen Sonnenschirmen und Möbeln ausgestattet, sodass sie am Nachmittag auch von den Ganztagsklassen, den AGs oder zur Freiarbeit genutzt werden kann. „Wenn man da sitzt, fühlt man sich wie im Urlaub‟, lobt eine Schülerin.

Ganztagsschule erweitert die Lernmöglichkeiten

Seit dem Schuljahr 2005/2006 arbeitet die 1993 gegründete Gesamtschule, die sich das Gebäude und weitläufige Gelände mit der Erich-Kästner-Realschule plus teilt, als Ganztagsschule in Angebotsform, also mit einem offenen Angebot. Rund 850 Schülerinnen und Schüler besuchen die Gesamtschule, begleitet von 92 Lehrkräften, fünf pädagogischen Fachkräften einer Schulsozialarbeiterin und derzeit auch vier FSJlern – allesamt ehemalige Schülerinnen und Schüler.

Einweihung der Mensaterrasse
Einweihung der Mensaterrasse© Georg-Forster-Gesamtschule

Inzwischen sind in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 jeweils zwei von vier Klassen als gebundene Ganztagsklassen organisiert. Für immer mehr Eltern steht bei der Wahl der Ganztagsschule für ihre Kinder inzwischen das gute pädagogische Angebot im Vordergrund, nicht mehr nur eine Betreuung, um Familie und Beruf vereinbaren zu können. Schulleiterin Beate Derr und ihre Stellvertreterin Doris Holland haben schon oft von Eltern gehört, dass die Informationsabende zum Ganztag überzeugt hätten.

Das Ganztagsteam um Koordinatorin Katharina Brandt wirkt in einem eigenen, separaten Ganztagsgebäude. In dem befinden sich die Mensa, ein Teamraum, ein Ruheraum, ein Aufenthaltsraum mit Kicker-Tischen und Leseecken und eine Metallwerkstatt. Zum Ganztagsteam gehören auch die FSJler. „Wir möchten die Schülerinnen und Schüler stärker fördern und ihnen mehr Zeit geben, um eigene Interessen und Neigungen zu entdecken und zu entwickeln‟, begründet Beate Derr die Entscheidung für den Ganztag. „Ohne die Ganztagsschule könnten wir viele der erweiterten, anderen Lernmöglichkeiten nicht anbieten.‟

„Stärker werden‟-AG und „Fit für die Oberstufe‟

Forscherwerkstatt© Georg-Forster-Gesamtschule

Dazu gehören zum Beispiel die Forscherwerkstatt am Nachmittag, in der die Schülerinnen und Schüler Experimente durchführen, „für die im Unterricht weder Zeit noch Raum bleiben‟, wie die Schulleiterin bemerkt. Die SamS-AG, die Sozial-AG oder das Musikprojekt mit Bläsern und Streichern wären ohne Ganztag nicht möglich. Da gilt auch für die „Stärker werden‟-AG, die Schulsozialarbeiterin Melanie Roth anbietet: Jugendliche engagieren sich im benachbarten Seniorenheim, wo sie zum Beispiel aus der Zeitung vorlesen oder Seniorinnen und Senioren im Rollstuhl auf Spaziergängen begleiten. So stärken sie ihre Persönlichkeit.

Zum vielfältigen AG-Angebot gehören außerdem die Russisch-AG, die Tanz-AG und verschiedene Förder-AGs für die Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik, die inzwischen auch in der 8. bis 10. Klasse eingeführt worden sind, im 10. Jahrgang unter dem Motto „Fit für die Oberstufe‟. Sie werden hauptsächlich von Lehrkräften angeboten, um eine professionelle fachliche Förderung zu gewährleisten.

Turn-AG
© Georg-Forster-Gesamtschule

„Die Kolleginnen und Kollegen sind gerne in diesen AGs, und auch die Schülerinnen und Schüler nehmen die Angebote gut an‟, kann die stellvertretende Schulleiterin Doris Holland bilanzieren. „In den Arbeitsgemeinschaften können sich auch leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler nochmal extra fördern lassen.‟

Zum richtigen Zeitpunkt digital

Momentan beschäftigt alle die Digitalisierung. „Der Digitalpakt ist für uns genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen‟, freut sich Doris Holland. „Der Kreis Alzey-Worms hat sich hier schon sehr frühzeitig engagiert, uns toll unterstützt und ein unglaubliches Fortbildungsprogramm zum digitalen Lernen aufgelegt, an dem alle Kolleginnen und Kollegen inzwischen teilgenommen haben.‟

Die Schule setzt auf iPads© Georg-Forster-Gesamtschule

Auch diesen Prozess begleitet eine wöchentlich tagende Steuergruppe aus Schulelternbeirat, Schulleitung und Schülervertretung. In den 12. und 13. Klassen arbeiten die Schülerinnen und Schüler bereits flächendeckend mit Tablets. Im kommenden Schuljahr soll der 11. Jahrgang hinzukommen. In den Jahrgangsstufen darunter leihen sich die Klassen die Tablets aus, wie die stellvertretende Schulleiterin erläutert. „Die Abstimmung über die Einführung der Tablets fiel damals knapp aus. Ich bin sicher, dass heute eine große Mehrheit dafür stimmen würde, denn inzwischen erkennen wir die vielfältigen Möglichkeiten zur individuellen Förderung.‟

„Bei uns ist die Schulentwicklung ständig im Gange‟, betont Schulleiterin Beate Derr. Fächerverbindende Unterrichtsprojekte, Methodenlernen, selbstständiges Arbeiten und Teamlernen gehören zum Schulalltag. Jeweils zwei Lehrkräfte begleiten ihre Klassen als Tutoren von der 5. bis zur 9. Jahrgangsstufe und eine von ihnen bis zur 10. Klasse. So behalten sie die Entwicklung ihrer Schülerinnen und Schüler im Blick.

Kein Schüler ohne Abschluss

Schüler stellen Berufe vor
Schüler stellen Berufe vor© Georg-Forster-Gesamtschule

Stolz ist die Georg-Forster-Gesamtschule auch auf ihre „ausgeklügelte Berufsorientierung‟, mit der sie schon einmal Landessieger im Wettbewerb „Starke Schule‟ wurde. Die Lehrerinnen Claudia Kremmelbein und Diana Weber haben die Berufsorientierung über die Jahre beeindruckend ausgebaut. „So etwas steht und fällt mit dem Engagement der Kolleginnen und Kollegen‟, ist sich die Schulleiterin bewusst. Von der 7. Klasse, in der der Berufswahlpass eingeführt wird, werden bis zur 12. Klasse eine Vielzahl von Praktika, Praxistagen, Methodenwochen und Bewerbertrainings mit Betrieben durchgeführt. Ein Mitarbeiter der Agentur für Arbeit ist regelmäßig im Haus.

Ein Höhepunkt ist die jährliche Wörrstädter Ausbildungsmesse (WAM) an der Georg-Forster-Gesamtschule, die gemeinsam mit der Erich-Kästner-Realschule plus und der Rheingrafen-Realschule plus organisiert wird. Rund 60 regionale und sogar einige internationale Unternehmen stellen sich dann vor. Die Schülerinnen und Schüler kommen mit ihnen ins Gespräch und können auch gleich Praktikumsstellen erfragen. „Im Laufe der Zeit ist die Veranstaltung so gewachsen, dass wir aus Platzgründen schon Betrieben absagen mussten‟, berichtet Beate Derr. Der Lohn der Bemühungen: Zuletzt hat kein Schüler und keine Schülerin die Georg-Forster-Gesamtschule ohne Abschluss verlassen.

 

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