Ganztagsschule mit Internetz-Kunde und NaturLabor

Lernen in der Multimedia-AG und draußen im Wald – so präsentierte sich die Kopernikus-Grundschule beim Kongress des Ganztagsschulverbandes. Forschen und Entdecken ist das Motto der Ganztagsschule.

Schulleitung
Gina Kropp (l.) und Stellvertreterin Julia Coppes mit Schulhund Mala© Kopernikus Schule

Klein, aber fein – das umschreibt die Kopernikus-Grundschule im Stadtteil St. Georgen von Freiburg schon recht gut. Nur 38 Schülerinnen und Schüler lernen bisher an der Ganztagsgrundschule, einer „Reformpädagogischen Grundschule“ in freier Trägerschaft. Zehn Lehrerinnen und Lehrer und Pädagogische Fachkräfte arbeiten in Räumlichkeiten, die sich noch über mehrere Etagen in einem Bürogebäude verteilen. So schmucklos das Außen, so schillernd ist das Innen. Der Name der erst seit dem Schuljahr 2011/2012 bestehenden Grundschule signalisiert es: Naturwissenschaften und Technik sind ein Schwerpunkt. Die Grundschule will „Weltentdeckung und Forscherdrang“ Raum zur Entfaltung geben.

„Eine naturwissenschaftlich-technische Elementarbildung ist für uns die Basis für ganzheitliches Entdecken und Lernen“, erklärt Schulleiterin Gina Kropp. Gisela Weidemann, die Gründerin der Schule, ergänzt: „Wir wollen dem ganz natürlichen Forscherdrang jedes Kindes gerecht werden und dabei natürlich nicht den Umgang mit modernen Medien ausklammern.“ In das Schuljahr 2018/2019 ist die Schule daher mit einem neuen Mediencurriculum gestartet.

„Mediennutzung der Kinder aktiv unterstützen“

Die Inhaltsbereiche der Medienbildung© Kopernikus Schule

Interaktive Flachbildschirme, Tablet-PCs und Lernsoftware bereichern jetzt den Unterricht – für Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Lehrerinnen und Lehrer. So weckte die Schule auch die Aufmerksamkeit des Ganztagsschulverbandes. Die Kopernikus-Grundschule war einer der rund 20 Besuchsschulen auf dem letzten Bundeskongress des Ganztagsschulverbandes in Rust und Ettenheim, der die Digitalisierung zum Schwerpunktthema hatte.

„Nicht nur die reine Nutzung diverser Medienangebote, sondern das aktive Gestalten von Medienbeiträgen ist uns ein großes Anliegen“, betont erklärt Schulleiterin Gina Kropp. Die Schule hat sich nicht nur mit der „rein technischen Aufrüstung“ sondern vor allem mit den Bildungszielen der Medienpädagogik für Grundschülerinnen und -schüler intensiv beschäftigt. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, die digitalen Medien fächerübergreifend zu nutzen, digitale Einflüsse zu verarbeiten und unter Anleitung zu reflektieren.

Schüler arbeitet am ActivePanel
Unterricht mit ActivPanel: „Vernetzte Lernumgebung“© Kopernikus Schule

„In unserer sich rasant entwickelnden Welt ist es uns wichtig, die Schülerinnen und Schüler auf die modernen Gegebenheiten des digitalen Alltags vorzubereiten. Sie sollen ihre Medienkompetenzen erweitern, im Rahmen klar definierter Kompetenzfelder und kindgerecht“, so die Schulleiterin. Medienpädagogik müsse die Mediennutzung der Kinder aktiv unterstützen. Von Verboten hält Gina Kropp nicht viel.

„Internetz-Kunde“ mit den Minimonster-Medienguides

Die Multimedia-AG ist einer der Orte, an denen diese Auseinandersetzung stattfindet. Lehrer und AG-Leiter Jeffrey Zainer kommt aus Kalifornien. Er ist auch der Computer- und Internet-Beauftragte der Schule, das heißt, er ist ebenso für die Einrichtung und Wartung der Geräte verantwortlich.

Zainer ist ein lebensnaher Umgang mit den Medien wichtig: „Die Schülerinnen und Schüler dokumentieren hier ihren Schulalltag und die Lehrthemen digital. Zusammen entwickeln wir beispielsweise kleine Filmprojekte, in denen die Kinder den Videoschnitt, die Vertonung und die Bildanimation selbst durchführen. Dabei thematisieren wir auch kindgerecht den sicheren Umgang mit Daten und den Einsatz von Programmiersprachen.“

© Kopernikus Schule

Die AG orientiert sich an den Kompetenzfeldern des Medienpasses, durch die die Schülerinnen und Schüler spielerisch von fünf „Minimonster-Medienguides“ geleitet werden: Im Bereich Start-IT lernen sie allgemein das Bedienen und Anwenden von PC und Tablet. Im „Surflabor“ dürfen sie im Internet surfen und lernen dabei, sich sinnvoll Informationen zu beschaffen, beispielsweise beim Recherchieren zwischen Werbung und Information zu unterscheiden.

Die „Internetz-Kunde“ leitet zum Analysieren und Reflektieren des eigenen Medienverhaltens an, die Kindern lernen, was „gut oder schlecht“ an Medien ist und wie Medien auf sie wirken. „ABCchat.de“ thematisiert schließlich die Möglichkeiten, mit anderen zu kommunizieren und zu kooperieren und gleichzeitig, worauf beim medialen Austausch zu achten ist. In der „Media-Werkstatt“ erstellen die Kinder dann eigene Medienbeiträge, lernen Präsentationsformen vom Plakat bis zum Video mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen kennen und stellen sie in der Klasse vor.

Experimentieren und forschen im NaturLabor

Forschen und Entdecken beschränken sich nicht auf die digitale Welt, sondern werden auch ganz handfest erlebbar. Jeden Mittwoch ist Waldtag. Bei Ausflügen wird die Natur zum außerschulischen Lernort, der auch dem Bewegungsdrang der Schülerinnen und Schüler entgegenkommt. Aber vor allem lassen sich naturwissenschaftliche Aspekte verknüpfen. Im Unterricht Gelerntes kann hier ganz unmittelbar erlebt werden, Buchstabenwissen wird lebendig. Aus dem Lehrbuch oder der Lernsoftware bekannte Bäume und ihre Blätter werden angefasst, Experimente mit Wasser durchgeführt.

Schulbeet
Reiche Ernte im Hochbeet© Kopernikus Schule

„Die Schüler erleben Naturwissenschaften im Alltag und entwickeln in der Natur außerdem ein tolles Gemeinschaftsgefühl“, freut sich Gina Kropp. Das gilt auch für die Natur im Schulgarten mit seinen Hochbeeten, in denen die Schülerinnen und Schüler unter anderem Gurken, Zucchini, Himbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren und Tomaten anbauen.

Seit diesem Schuljahr steht neben dem Schulgarten noch ein kleines Gartenhaus, das das „NaturLabor“ beherbergt. Die Kopernikus-Grundschule und der benachbarte Kindergarten „Große Tiger“ teilen sich das Labor, in dem die Kinder als junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Experimente durchführen, messen und dokumentieren. Themen wie Wasser, Umwelt, Naturkunde oder physikalische und chemische Konzepte haben ihren inhaltlichen Platz im NaturLabor bekommen.

Vielfältiges Ganztagsangebot

Forschen im NaturLabor© Kopernikus Schule

Gina Kropp ist begeistert: „Mit den kindgerechten Arbeitsplatten, den Mikroskopen, dem Exponaten-Schrank und den Werkzeugen haben wir hier eine Alternative zum Klassenraum. Das NaturLabor gibt den Schülerinnen und Schülern das Gefühl, irgendwie 'draußen' zu sein und dennoch mitten in einer spannenden Forschungsstation.“

Praktisches Erleben steht auch auf dem Stundenplan der Holzwerkstatt, in der die Kinder in Kleingruppen unter Anleitung von Handwerkern handwerkliche Grundlagen lernen. Sie können sägen, bohren, hämmern und leimen, eigene Ideen für Kunstwerke oder Gebrauchsgegenstände verwirklichen. So ist beispielsweise ein Bienenhotel entstanden.

Ein Tag an der Kopernikus-Grundschule beginnt um 7.30 Uhr mit der Frühbetreuung. Der Unterricht in den zwei altersgemischten Klassen der Jahrgänge 1 bis 4 startet um 8.30 Uhr mit dem Morgenkreis, gefolgt von zwei 90-minütigen Unterrichtsblöcken bis 12.15 Uhr, einschließlich halbstündiger Frühstückspause. Von 12.15 bis 13 Uhr gibt es das Mittagessen in der kleinen Mensa, in der die Küche ihren Platz hat.

SchülerInnen an der Werkbank
Holzwerkstatt© Kopernikus Schule

Es folgt die halbstündige „Was ihr wollt“-Zeit bis 14 Uhr, in der die Schülerinnen und Schüler spielen, basteln, malen, ausruhen oder sich bewegen können. Im dritten Block bis zum Unterrichtsende um 15.30 Uhr stehen vielfältige Angebote auf dem Programm, darunter Englisch, wiederum mit Native Speaker Jeffrey Zainer, Spanisch, die Holzwerkstatt, die Multimedia-AG sowie Musik-und Sport-AGs. An jedem Freitag findet der Klassenrat statt, in dem es auch Buchpräsentationen der Kinder gibt.

Englisch im Alltagseinsatz

Jeffrey Zainer begleitet die Schülerinnen und Schüler übrigens auch den Tag über in englischer Sprache, sozusagen im „Alltagseinsatz“. Der Lehrer berichtet: „Die Kinder lernen Englisch, ohne ständige Erinnerung daran, dass sie sich eine Fremdsprache erarbeiten. Im Laufe der Zeit entwickelt sich so ein Gerüst von Grundbegriffen, und sie können auch Arbeitsanweisungen immer besser verstehen. Schon am Ende der 2. Klasse können sie relativ komplexe englische Texte vortragen.“

© Kopernikus Schule

Die Lehrerinnen und Lehrer sind an der Kopernikus-Grundschule jeden Tag bis 17 Uhr anwesend. Auch die Schülerinnen und Schüler können täglich bis 17 Uhr in der Schule bleiben, wenn die Eltern die Betreuung wünschen. Sechs Wochen im Jahr findet zudem eine Ferienbetreuung statt. Ebenfalls immer im Schulalltag dabei ist Schulhund Mala. Laut Schulleiterin Gina Kropp ist Mala „Seelentröster, Stressfresser und Mutmacher“ zugleich – und ein Freund, mit dem die Schülerinnen und Schüler auch Rücksichtnahme lernen.

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