KMK: „Gutes Deutsch – bessere Chancen“

Die Kultus- und Bildungsminister haben zum Abschluss der hessischen Präsidentschaft Empfehlungen zur Bildungssprache Deutsch und zum sprachsensiblen Unterricht an beruflichen Schulen verabschiedet.

„Lesen, Schreiben, Zuhören, Sprechen – mit der Förderung dieser eigentlich so selbstverständlichen Kompetenzen haben wir uns im hessischen Präsidentschaftsjahr der Kultusministerkonferenz dem pädagogischen Einmaleins für eine erfolgreiche Schullaufbahn gewidmet. Diese bildungssprachlichen Kompetenzen sind für alle Schülerinnen und Schüler die wesentliche Voraussetzung zum erfolgreichen Lernen und sind von herausragender Bedeutung bei der Verbesserung der Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit. Dies belegen auch internationale Schulleistungsstudien wie PISA, IGLU und der nationale IQB-Bildungstrend“, erklärte der Präsident der Kultusministerkonferenz und Hessische Kultusminister Alexander Lorz auf der abschließenden Pressekonferenz der hessischen Präsidentschaft in Berlin.

„Daher freut es mich sehr, dass wir auf Basis einer von Hessen geleiteten Arbeitsgruppe erstmals eine gemeinsame Empfehlung mit dem Titel ‚Bildungssprachliche Kompetenzen in der deutschen Sprache stärken‘ mit konkreten Praxisempfehlungen für alle Schulen bundesweit auf den Weg gebracht haben“, erklärte der KMK-Präsident weiter. Die Länder erhalten mit dieser Empfehlung einen Orientierungsrahmen zur Stärkung der bildungssprachlichen Kompetenzen in deutscher Sprache, der ihnen individuelle Ausgestaltungsmöglichkeiten für bestehende und zukünftige Maßnahmen ermöglicht.

Dazu haben sich die Länder auf zehn Grundsätze verständigt, die die Basis für eine erfolgreiche Stärkung bildungssprachlicher Kompetenzen in der deutschen Sprache bilden. „Wir sind uns als Länder einig, dass wir jeder Schülerin und jedem Schüler von Beginn an die gleichen Möglichkeiten mit auf den Weg geben wollen. Auch wenn wir dafür schon viel erreicht haben, fordern die aktuellen Herausforderungen in der Bildungspolitik weitere Antworten und Lösungen. Und dort setzt die KMK-Empfehlung an. Es ist nun an den Ländern, die Empfehlung mit weiterem Leben zu füllen. Die Fortsetzung der Bund-Länder-Initiative 'BiSS-Tansfer' wird zudem den bundesweiten Austausch und die Implementierung wissenschaftlich erprobter Instrumente zur Deutschförderung in unseren Schulen befördern.“

Zehn Grundsätze für eine erfolgreiche Stärkung der Bildungssprache Deutsch:

1. Sprachliche Bildung und Sprachförderung erfolgen durchgängig und systematisch über alle Bildungsetappen hinweg, vom Übergang aus dem Elementar- in den Primarbereich bis in die Sekundarbereiche der allgemeinbildenden und beruflichen Schulen.

2. Sprachliche Bildung ist Querschnittsaufgabe aller an schulischer Bildung Beteiligten und durchgängiges Unterrichtsprinzip in allen Fächern, Lernbereichen und Lernfeldern; entsprechende Angebote des Ganztags bieten hier zusätzliche Potentiale.

3. Konzepte zur sprachlichen Bildung und Sprachförderung sind Teil von Unterrichts- und Schulentwicklung.

4. Sprachliche Bildung und Sprachförderung tragen zu einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung und Welt- sowie Wertorientierung bei.

5. Sprachliche Bildung und die gezielte Ausbildung bildungssprachlicher Kompetenzen tragen zur individuellen Begabungsentfaltung bei.

6. Für die sprachliche Bildung und Sprachförderung wird Mehrsprachigkeit als Ressource verstanden; entsprechende Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler werden erkannt und angemessen genutzt.

7. Sprachförderung basiert sowohl auf standardisierten als auch informellen Diagnoseverfahren.

8. Sprachliche Bildung und Sprachförderung orientieren sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen und werden nach Möglichkeit durch evidenzbasierte Maßnahmen und Verfahren unterstützt.

9. Die Digitalisierung ist zugleich Herausforderung und Chance für die sprachliche Bildung und Sprachförderung.

10. Die Vermittlung von Konzepten der sprachlichen Bildung und Sprachförderung sollte möglichst Bestandteil aller Phasen der Lehrerbildung sein und ist im Rahmen der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern zu berücksichtigen.

Quelle: Kultusministerkonferenz

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