Sachsen: Fakt oder Fake? 6 Regeln der Nachrichtenkompetenz

Das Sächsische Kultusministerium empfiehlt auf der Basis des Online-Portals Medienbildung sechs Regeln, um Fakten von Fake zu unterscheiden, nicht nur für Schülerinnen und Schüler.

Falschmeldungen und Verschwörungstheorien gewinnen durch das Internet ein demokratiegefährdendes Ausmaß. Die Vermittlung von Medienkompetenz bekommt damit zunehmende Bedeutung – auch in der Demokratiebildung.  Was sich früher auf Stammtische beschränkte, findet heute rasante Verbreitung im Internet. Grübler gleichen Schlages treffen sich in Echokammern, finden soziale Bestätigung, pushen sich gegenseitig hoch und posaunen dank YouTube, Facebook und Co. ihre Weltbilder ins Netz. Beispiel Chemtrails: Obwohl vom Umweltbundesamt wissenschaftlich widerlegt, hält sich hartnäckig die Theorie, dass es sich bei Kondensstreifen nicht um Wasserdampf und Abgase von Flugzeugen handelt, sondern Regierungen damit giftige Chemikalien in der Luft verteilen, um Menschen unter Kontrolle zu halten. Sei es zum neuen Mobilfunkstandard 5G, der Menschen „innerlich grillen“ würde oder zu den Vereinten Nationen, die eigentlich ein kommunistisches Regime seien, das den Klimawandel nutzt, um Armut herbeizuführen – das Netz ist reich an eingebildeten Verschwörungen und Panikmache.

Medienbildung kann helfen

Was also bleibt zu tun? Kann Medienbildung in der Schule helfen? Ja, aber nicht nur. Wie immer gilt auch hier, Schule allein kann nicht reparieren, was in der Gesellschaft falsch läuft. In einer Situation, in der eine Vielzahl von Kommunikatoren einseitige Meinungen oder Desinformation in den Diskurs einbringen, kommt es mehr denn je darauf an, dass Mediennutzer über Nachrichtenkompetenz und teilweise journalistische Kompetenzen verfügen. Schülerinnen und Schüler müssen heutzutage ein Stück weit lernen, was angehende Journalisten erst in ihrer Berufsausbildung vermittelt bekommen.

Daran erinnern die gerade überarbeiteten Lehrpläne für allgemeinbildende Schulen in Sachsen. So heißt es in den Lernzielen: „Schüler lernen, sich souverän und kritisch mit herkömmlichen und digitalen Medien auseinanderzusetzen. Sie erwerben Kompetenzen, wie Quellen kritisch zu bewerten sind, sich mehrerer Quellen zu bedienen, andere Meinungen anzuhören und Fakten zu kontrollieren.“

Was ist Fakt und was ist Fake? 

Um eine Antwort darauf zu finden, können Schülerinnen und Schülern sechs einfache Regeln helfen.

1. Gesunder Menschenverstand
Halte ich die Meldung wirklich für realistisch bzw. wissenschaftlich haltbar? Wenn man diese Frage nicht mit einem klaren ‚Ja‘ beantworten kann, sollte man misstrauisch werden.

2. Wie seriös ist das Medium?
Steht hinter der Meldung eine Redaktion mit mehreren Menschen, die sich gegenseitig kontrollieren? Weiß ich aus eigener Erfahrung, dass das Medium in der Vergangenheit seriöse Meldung gebracht hat?

3. Ist die Quelle transparent?
Eine seriöse Quellenangabe beantwortet alle W-Fragen. Also: Wer hat was wann wo wie gesagt? Fehlt diese Angabe komplett, sollte die Meldung mit Vorsicht genossen werden.

4. Qualität der Quelle
Quelle ist nicht gleich Quelle. Stammt eine Meldung von staatlichen Institutionen, Ministerien oder Behörden, ist die Glaubhaftigkeit generell höher. In Deutschland sind Behörden gesetzlich verpflichtet, gegenüber der Presse wahrheitsgemäß Auskunft zu geben.

5. Ziel des Absenders?
Welche Intention haben die Artikel? Tendieren sie stark in eine bestimmte (politische) Richtung? Auch ein Warnsignal: Die Seite behauptet, die »echte Wahrheit« zu verbreiten.

6. Wer berichtet noch?
Wer Falschmeldungen nicht auf den Leim gehen will, sollte immer das Zwei-Quellen-Prinzip beachten. Gibt es noch andere Nachrichtenseiten, die die Meldung aufgreifen? Wenn ja: Beziehen sich alle Meldungen auf die gleiche Quelle oder wird sie von zwei unabhängigen Quellen bestätigt?

Quelle (vollständige Pressemitteilung): Sächsisches Staatsministerium für Kultus / Dirk Reelfs

 

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