Stark im Ganztag: Dein Engagement ist eine Bereicherung

Ein Zertifikat, das ihnen die Kompetenz zur Durchführung eines Ganztagsangebots bestätigt, erhielten Schülerinnen und Schülern im Wettbewerb „siGn“ – stark im Ganztag“ der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Sachsen-Anhalt.

© DKJS/Gunnar Marquardt

Öfter mal was Neues. Die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Sachsen-Anhalt mit Sitz in der Landeshauptstadt Magdeburg legte dieses Jahr zwar wieder den Wettbewerb „siGn – stark im Ganztag“ auf. Aber anders als im vergangenen Jahr, als es um die Schulen insgesamt ging, standen diesmal die Schülerinnen und Schüler im Vordergrund. Das Motto: „Du bist stark im Ganztag! – Engagement anerkennen und Kompetenzen zertifizieren“.

Höhepunkt der Wettbewerbsrunde war am 20. Juni 2019 die Zertifikatsverleihung an 38 Schülerinnen und Schüler aus Ganztagsschulen aus allen Teilen Sachsen-Anhalts. Zertifiziert wurde ihr eigenverantwortlicher Einsatz in der Gestaltung des Schultags.

Ein Zertifikat für den späteren Berufsweg

Gruppenfoto bei der PReisverleihung von "Du bist stark im Ganztag"
© DKJS/Gunnar Marquardt

„Wir haben bei unseren Besuchen in den Schulen festgestellt, dass es gar nicht so selbstverständlich ist, dass Schülerinnen und Schüler eigenverantwortlich Ganztagsangebote umsetzen“, berichtet Michael Stage, Programmleiter in der Serviceagentur. „Aber in einigen Schulen erzählte man uns, dass es dort gelingt und auch sehr gut von den Mitschülerinnen und Mitschülern angenommen wird.“

In der Serviceagentur entstand so die Idee, dieses Engagement zum Schwerpunkt des diesjährigen „siGn“-Wettbewerbs zu machen und ganz offiziell und per Zertifikat zu würdigen. „Die Schülerinnen und Schüler sollten auch etwas Schriftliches in die Hand bekommen, das ihnen attestiert, dass sie sich engagiert haben und organisieren können. Dies kann für den späteren Bewerbungsprozess von Interesse sein, denn in der Arbeitswelt zählen Engagement und Organisationsfähigkeit“, ist der Programmleiter überzeugt.

„In jeder Schule gibt es Talente“© DKJS/Gunnar Marquardt

Das Engagement der Schülerinnen und Schüler sorgt für eine Bereicherung des Schullebens, die sonst schwerlich möglich ist. Denn Ganztagsschulen in den ländlichen Regionen Sachsen-Anhalts sehen sich wie überall in Deutschland mit der Schwierigkeit konfrontiert, annähernd so viele Kooperationspartner zu gewinnen, wie das Schulen in Städten mühelos gelingt.

Vielfältige Ganztagsschulen mit vielfältigen AGs

Dass es auch mit der Expertise aus der Schülerschaft ohne Externe gehen kann, beweisen mindestens die zehn Ganztagsschulen, die ihre Schülerinnen und Schüler zur Auszeichnung vorgeschlagen haben: das Dr.-Frank-Gymnasium Staßfurt, das Stephaneum und die Ganztagsschule „Albert Schweitzer“ in Aschersleben, die Gemeinschaftsschule „Oskar Linke“, die Integrierte Gesamtschule „Willy Brandt“ und das Internationale Stiftungsgymnasium in Magdeburg, das Gymnasium Landsberg, die Ökowegschule Kugelberg Weißenfels, die Sankt Mauritius-Sekundarschule Halle (Saale) und die Sekundarschule „Fritz Heicke“ Gommern.

Teilnehmende stehen im Kreis und unterhalten sich
„Stellt klärende Fragen“ © DKJS/Gunnar Marquardt

Genauso vielfältig wie die Schulen sind die ausgezeichneten Ganztagsangebote der 38 Schülerinnen und Schüler: Sie reichen von der Leseförderung und der Hausaufgabenbetreuung über „Jugend debattiert“, eine Umwelt-AG und den Schulsanitätsdienst bis zu einem Bastelangebot, der Schülerzeitung, einem Kreativkurs, einer Tanz-AG und einer Schach-AG.

„Wir haben uns gefreut, dass alle Schulformen aus dem Sekundarbereich und dabei auch alle Klassenstufen von der 5 bis zur 12 vertreten gewesen sind“, meint Michael Stage. „In jeder Schule gibt es Schülerinnen und Schüler, die musikalische, sportliche, kreative oder künstlerische Talente und Interessen besitzen und auch Lust haben, das anderen zu vermitteln“, ist der Programmleiter überzeugt.

„Dein Engagement ist für die gesamte Schule eine Bereicherung“

38 Schülerinnen und Schüler erhielten das Zertifikat © DKJS

Der Wettbewerb sollte nicht nur den Scheinwerfer auf diese engagierten Jugendlichen richten, um ihnen Wertschätzung zuteilwerden zu lassen. Sondern es ging auch wesentlich darum, der Öffentlichkeit und insbesondere anderen Ganztagsschulen, an denen es solche Angebote von Schülerinnen und Schülern (noch) nicht gibt, die Spielarten und das Potenzial dieser Partizipation aufzeigen.

Die Serviceagentur machte den Schulen nicht viele Vorgaben für die Teilnahme an „stark im Ganztag“, legte aber Wert auf die Regelmäßigkeit der Angebote über mindestens ein halbes Jahr. „Es sollte nicht nur um einmalige Projekte gehen“, erläutert Michael Stage. Die Lehrkräfte konnten aus 25 von der Serviceagentur aufgeführten Kompetenzen fünf auswählen, um die Stärken ihrer Schülerinnen und Schüler zu beschreiben. „Stellt klärende Fragen“, „Zeigt Kreativität und Einfallsreichtum“, „Informiert, leitet an, motiviert und überzeugt“, „Kann Verantwortung in die Gruppe abgeben“ und „Ist offen für kritisches Feedback“, heißt es da zum Beispiel.

Dazu kamen Freitexte, mit denen die Lehrerinnen und Lehrer die Tätigkeiten beschreiben sollten. So lobte eine Lehrerin beispielsweise: „Du übernimmst wöchentlich die Verantwortung für die Leitung und Umsetzung der 'Leseförderung von Schülerinnen und Schülern' aus den 6. Klassen. Übungen zur Förderung der Lesekompetenz bereitest du selbstständig vor und führst sie kompetent durch. Im Anschluss wertest du die eineinhalbstündige Förderzeit reflexionsstark mit einer Lehrkraft aus. Dein eigenverantwortliches und hochmotiviertes Engagement ist für die gesamte Schule eine Bereicherung!“

Trommel-AG bringt Veranstaltung zum Beben

Poetry-Slammer „Yo-Pa“ hält einen Vortrag
Poetry-Slam-Workshop mit Yo-Pa© DKJS/Gunnar Marquardt

Die schülerverantwortete Trommel-AG der IGS „Willy Brandt“ in Magdeburg bereichert nicht nur alltäglich das eigene Schulleben, sondern begeisterte auf der Zertifikatsfeier in Magdeburg auch das Publikum. „Die haben den Veranstaltungsort zum Beben gebracht“, fand Michael Stage. Ebenso wie der ehemalige Breakdance-Weltmeister Nico Hilger von der Magdeburger Breakdance-Gruppe „Da Rookies“, die an zahlreichen Schulen ihre Tanzprojekte anbietet.

Nach dessen schwungvollem Auftakt ging es in Workshops. Die Schülerinnen und Schüler konnten dort ihre Fähigkeiten, die sie zum Leiten von AGs benötigen, dort weiterentwickeln konnten. So gab es den Workshop „Sprache und Kommunikation“ des Berliner Slammers Yo-Pa, der mit den Schülerinnen und Schülern Auftreten vor einer Gruppe, das Reden vor anderen, Körperhaltung und Stimme spielerisch thematisierte. Ein anderer Workshop drehte sich um „Kreativität und Ideenfindung“. Ein dritter befasste sich mit „Kollaboration“: Worauf muss man in der Arbeit mit Gruppen und Gruppendynamiken achten? Wie wird aus einem „zusammengewürfelten Haufen“ ein Team?

Trommel-AG der IGS „Willy Brandt“© DKJS/Gunnar Marquardt

Die die Schülerinnen und Schüler begleitenden Lehrerinnen und Lehrer tauschten sich derweil untereinander aus und lernten dann Actionbound, eine Art digitale Schnitzeljagd, kennen. Mit Handys geht eine Gruppe eine Route ab und beantwortet an bestimmten Punkten per QR-Code aufzurufende Fragen, die dann zur nächsten Station weisen. „Einige Lehrer fanden das sehr gut und haben angekündigt, es auch mal bei sich im Unterricht auszuprobieren“, berichtet Michael Stage.

Schülerlob: Glücklich trotz Hitzefrei

„Die Angebote kamen supergut an, wie haben ein sehr gutes Feedback erhalten“, freut sich der Programmleiter. Viel mehr Lob als das eines Schülers konnte es eigentlich nicht geben: „Die Veranstaltung heute war cool, ich habe etwas dazu- und interessante Menschen kennengelernt. Auch wenn die anderen in der Schule heute hitzefrei hatten, bereue ich es nicht, dass ich hier war!“

Michael Stage, Dirk Moede und Stefanie List auf der Bühne
Michael Stage, Dirk Moede und Stefanie List (v.l.)© DKJS/Gunnar Marquardt

Erst recht nicht, als er und die anderen Schülerinnen und Schüler zusammen mit dem Zertifikat ein Schülerferienticket überreicht bekamen. Für Michael Stage und das Team der Serviceagentur war das der kongeniale Preis: „Engagement lebt auch davon, Neues kennenzulernen, und das kann man am besten, wenn man mobil ist und auf Reisen geht. Die Schüler sind alle mit einem breiten Grinsen nach Hause gefahren, was uns natürlich freut, weil wir genau das erhofft haben: dass die Jugendlichen sich wertgeschätzt fühlen. Und nun hoffen wir, dass sie andere mit ihrem Engagement anstecken. Und dass weitere Ganztagsschulen das Vertrauen haben, ihren Schülerinnen und Schülern auch Verantwortung zu übertragen.“

Die zehn Schulen sind nun Referenzschulen und die Schülerinnen und Schüler kompetente Ansprechpartner, an die sich andere vertrauensvoll wenden können.

 

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