Bayern: „Sport, Musik und Kunst gehören in den Ganztag“

Vom gebundenen Ganztag mit qualitativ hochwertiger Zusatzförderung bis zu bedarfsgerechten Betreuungsangeboten reicht das Spektrum im Freistaat Bayern. Über aktuelle Entwicklungen spricht Kultusminister Prof. Michael Piazolo im Interview.

Prof. Michael Piazolo© StMUK

Online-Redaktion: Herr Minister, der Koalitionsvertrag für Bayern sieht „ein flächendeckend gut ausgebautes Ganztagsangebot“ im Freistaat vor. Wie beurteilen Sie den derzeitigen Stand?

Michael Piazolo: In Bayern gibt es an etwa 80 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen ein Ganztagsangebot. Wenn die Schule keinen Ganztag anbietet, liegt es in der Regel daran, dass die Kinder- und Jugendhilfe vor Ort ein Hortangebot bereithält. Zunehmend benötigen die Familien aber auch ein Angebot zu den Tagesrandzeiten und in den Ferien. Hier sehe ich noch einzelne Bedarfslücken, die wir gemeinsam mit den Kommunen schließen müssen. Insgesamt sind wir auf einem sehr guten Weg.

Gruppenarbeit
© Hildegardis-Gymnasium Kempten

Online-Redaktion: Die Koalition versteht sich ausdrücklich als „Familienkoalition“. Welche Erwartungen haben bayerische Eltern an Ganztagsschulen oder Ganztagsangebote?

Piazolo: Die Erwartungen der Eltern sind unterschiedlich. Für Freistaat und Kommunen gilt es, bedarfsgerechte Angebote vorzuhalten. Viele Eltern wünschen vor allem ein flexibles Betreuungsangebot. Andere möchten ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot mit zusätzlichen Fördermöglichkeiten. Wir reagieren darauf mit einer breiten Palette unterschiedlicher Angebotsformen. Die Akteure vor Ort haben hier Gestaltungsspielräume, um auf die jeweiligen Bedarfe eingehen zu können.

Online-Redaktion: Sie haben schon vor der Landtagswahl die bessere Berücksichtigung regionaler Unterschiede eingefordert. Inwiefern ist das für Ganztagsangebote von Bedeutung?

Michael Piazolo in der Grundschule am Agilolfingerplatz in München© StMUK

Piazolo: Großstädte und ländliche Räume stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen. In den Ballungsräumen geht es häufig darum, die Betreuungszeiten auszuweiten. Wer bis in den späten Nachmittag arbeitet, braucht für sein Kind möglicherweise einen Platz bis 18 Uhr. Ganz anders in den ländlichen Räumen: An kleinen Grundschulen benötigen oft nur wenige Kinder ein Angebot. Hier besteht die Herausforderung oft darin, überhaupt eine Gruppe bilden zu können. Auch die Abstimmung mit dem Öffentlichen Personennahverkehr ist nicht immer einfach. Unsere Ganztagsangebote müssen darum so gestrickt sein, dass sie in städtischen und ländlichen Räumen funktionieren.

Online-Redaktion: Die Diskussion dreht sich in allen Ländern um Verlässlichkeit pädagogisch hochwertiger Angebote einerseits und Flexibilität für Eltern andererseits. Welche Rolle spielen für Sie die Organisationsformen – offener oder gebundener Ganztag?

Schulkantine
© Britta Hüning

Piazolo: Im gebundenen Ganztag streben wir eine qualitativ hochwertige Zusatzförderung an. Darum stellen wir pro Klasse bis zu zwölf zusätzliche Lehrerwochenstunden zur Verfügung. Mit dieser Personalausstattung liegen wir bundesweit in der Spitzengruppe. Dieser intensive Personaleinsatz führt aber nur zu Ergebnissen, wenn sich die Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern konsequent auf den gebundenen Ganztag einlassen.

Darum sehen wir eine Mindestteilnahme von vier Unterrichtstagen bis 16 Uhr vor; in diesem Zeitraum bleibt der Klassenverband fest zusammen. Unsere Erfahrungen mit dieser Angebotsform sind sehr gut. Aber natürlich gibt es auch Eltern, die mehr Flexibilität wünschen. Für sie gibt es zum Beispiel Horte, offene Ganztagsangebote oder Mittagsbetreuungen.

Online-Redaktion: Mit welcher Unterstützung können die Schulen rechnen?

© Grund- und Mittelschule Mittenwald

Piazolo: Wir haben in den letzten Jahren jeden Antrag auf Einrichtung eines Ganztagsangebots genehmigt, wenn die Genehmigungsvoraussetzungen erfüllt waren. Und natürlich haben wir die entsprechenden Fördermittel und Personal zur Verfügung gestellt. Schulen und Kommunen können sich darauf verlassen, dass wir diesen Weg weitergehen. Stetig steigende Betreuungsbedarfe müssen wir auch bei den Haushaltsplanungen berücksichtigen.

Rund um die Ganztagsangebote haben wir ein dichtes Netz von Unterstützungsstrukturen geschaffen: Die Ganztagskoordinatoren in der Schulaufsicht beraten intensiv. Am Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung stehen den Schulen ein Ganztagsreferat und eine Serviceagentur zur Verfügung. Eine intensive Kooperation pflegen wir mit den Verbänden der außerschulischen Bildung. Es ist mir wichtig, dass Sport, Musik und Kunst zum Ganztag gehören. Diese Vernetzung möchten wir noch weiter ausbauen.

Online-Redaktion: Vielen Dank für das Interview!

 

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