„Highlights setzen“ in der Ganztagsgrundschule

In der Seebachschule Osthofen im Landkreis Alzey-Worms ist der Ganztag mit AGs und Lernzeit ebenso populär wie der differenzierte Unterricht und die vielen Projekte. Nun ist ein Neubau in Planung.

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Einen großen Fan hat diese Ganztagsgrundschule auf jeden Fall: „Danika geht am frühen Nachmittag zum Gitarrenunterricht, kommt dann aber wieder zu uns in die Schule, weil es ihr so viel Spaß macht“, erzählt Lehrerin Nora Fröhlich. Und illustriert dabei auch eine Besonderheit der Seebachschule Osthofen im Landkreis Alzey-Worms. Wenn eine oder einer der rund 120 Schülerinnen und Schüler für die Ganztagsschule angemeldet ist, aber auch in einem Verein oder einer Musikschule aktiv ist, kann sie oder er sich zeitweise aus der Ganztagsschule abmelden. „Wir befreien im Einzelfall“, betont Schulleiterin Mechtild Eiden-Neesen. „Wir wollen die Kinder nicht von Aktivitäten abhalten, die wir selbst nicht anbieten.“

Die Flexibilität kommt bei den Eltern gut an. Bei dem reichhaltigen AG-Angebot bleibt an den vier Wochentagen aber gar nicht so viel übrig, was nur außerhalb der Schule geboten werden kann. Da gibt es Yoga, Physikalische Experimente, Tanzen, Basteln, Backen für Jungen und Backen für Mädchen, PC, Sticken, Konstruieren mit Metallbaukästen, die Schülerzeitung, den Chor, die Schmuckwerkstatt, Handarbeiten, Französisch und vieles mehr. Die Streitschlichter-AG und Deeskalationstrainings haben schon für eine Verbesserung des Sozialverhaltens gesorgt. „Die Schülerinnen und Schüler belegen jeden Tag eine AG“, so Nora Fröhlich.

Kleines Gebäude mit Charme

Nicht nur der Ganztag ist populär, die Seebachschule insgesamt ist sehr nachgefragt – so sehr, „dass wir hier aus allen Nähten platzen“, wie Mechtild Eiden-Neesen meint. Das Schulgebäude aus den 1960er Jahren war einst dreizügig geplant, jetzt werden es im kommenden Schuljahr 2019/2020 bis zu sechs Klassen pro Jahrgang werden. Container mit Klassenzimmern auf dem Schulhof zeugen davon, und diese werden noch aufgestockt. „Wir müssen jeden verfügbaren Raum als Klassenzimmer nutzen und haben daher keine spezifischen Ganztagsräume“, verweist die Schulleiterin auf einen weiteren Effekt.

Luftballons
Die Verbandsgemeinde hat einen Neubau beschlossen.© Gemeinde Osthofen

Derzeit lernen rund 360 Schülerinnen und Schüler an der Seebachschule. Das Kollegium zählt 28 Lehrerinnen und Lehrer, einen Lehramtsanwärter, zwei Lehrkräfte für den Intensivsprachkurs „Deutsch als Zweitsprache“, zwei FSJler, eine Erzieherin im Berufspraktikum, zwei Fachkräfte für die Herkunftssprachen Russisch und Türkisch, eine weitere pädagogische Fachkraft und 18 Honorarkräfte. Sie alle müssen sich noch bis mindestens 2022 mit den räumlichen Gegebenheiten arrangieren.

Dann steht der Umzug in einen kompletten Neubau an anderem Standort an, für den die Verbandsgemeinde als Schulträger insgesamt 18 Millionen Euro bereitstellt. In diesen Tagen sind der Schulleitung die Pläne des Architekten vorgestellt worden. Trotz der Notwendigkeit des Ortswechsels sieht Mechtild Eiden-Neesen den Umzug schon jetzt mit etwas Wehmut: „Wir gehen hier ungern raus, der Bau hat einen besonderen Charme.“

Leer stehen wird das eingeschossige Gebäude nicht – auch die fünf Kindergärten der Umgebung, mit denen die Schule für den Übergang Kita – Grundschule kooperiert, sind übervoll, sodass hier ein Teil des ganz jungen Nachwuchses einziehen wird. „Osthofen liegt verkehrsgünstig zwischen Worms und dem Rhein-Main-Gebiet um Frankfurt und Mainz“, erklärt die Schulleiterin. „Viele junge Familien zieht es hierhin, und es gibt viele Neubaugebiete.“

Lernzeit mit Ampel-System

Die Viertklässler nehmen Abschied.© Seebachschule

Eltern können für ihre Kinder in der Seebachschule zum Beispiel mit einem leistungsdifferenzierten Unterricht rechnen. Lesepaten, ein Lesetraining und die durch Elternmitarbeit stets geöffnete Schulbücherei sorgen ebenso wie die Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei Osthofen für die Förderung der Lesekompetenz. Es gibt fachbezogenen Gruppenunterricht, aber auch Förder- und Sportförderunterricht, Schulprojektwochen und Projekttage in den Klassen. Im Ganztagsschulprojekt „Interkulturelles Lernen“ sind die Kinder in diesem Schuljahr „Heimatländer-Forscher“ gewesen und haben sich gegenseitig verschiedene Länder vorgestellt.

Besonders bedeutsam und immer wieder Diskussionsanlass – insbesondere mit Eltern – sind die Hausaufgaben. „Der Anspruch der Eltern ist, dass die Hausaufgaben in der Schule erledigt werden“, berichtet Marita Gruber, die seit 2009 als pädagogische Fachkraft an der Seebachschule arbeitet. Seit 2010 war sie mit der Einführung der „Ganztagsschule in Angebotsform“ betraut und ist als Ganztagskoordinatorin tätig. Sie betreut mit Lehrkräften die Hausaufgaben in kleinen Lerngruppen von bis zu zwölf Schülerinnen und Schülern in der Lernzeit, unterstützt durch die FSJler und Berufspraktikanten.

Heimatforscher
Das Projekt „Interkulturelles Lernen": Heimatländer-Forscher.© Seebachschule

Die Schule hat ein ausführliches Hausaufgabenkonzept aufgestellt, das für Transparenz nach allen Seiten sorgen soll. Klassen- und Fachlehrkräfte geben die Aufgaben nach einem Punktesystem auf: Aufgaben mit einem roten Punkt werden von allen Schülerinnen und Schülern erledigt. Ein gelber Punkt zeigt an, dass Aufgaben gemacht werden sollten, wenn noch Zeit übrig ist, während der grüne Punkt freiwillige Extraleistungen signalisiert, zum Beispiel die Aufgabe, zusätzlich Informationen zu sammeln oder ein Buch zu präsentieren. Dazu sind in den Lernzeiten auch Aufgabenhefte mit „Angeboten für schnelle Arbeiter“ vorhanden, die von den Stufenteams zusammengestellt worden sind.

Anerkennung und Unterstützung im Kollegium

Um die Übersicht zu behalten, gibt es „Lernbegleiter-Mappen“, die einen Austausch zwischen den Lehrerinnen und Lehrern, die die Aufgaben erteilt haben, und Fachkräften, die in den Lernzeiten eingesetzt sind, ermöglichen. Für Lehrerin Nadine Meder, die auch in den Lernzeiten tätig ist, sind die Lernbegleiter-Mappen „ein ganz wichtiges Kommunikationsmittel“. Sie sehe so, wenn etwas nicht funktioniert. Auch ihre Kollegin Anja Schulz hat die Lernzeit als „sehr wertvoll“ empfunden. Die Lehrerin sitzt jetzt sozusagen an der anderen Seite des Tisches und sieht, wie die Schülerinnen und Schüler tatsächlich mit dem klarkommen, was sie aufgegeben hat – auch, ob es eventuell zu viel ist.

Die Kommunikation im Kollegium ist nicht nur in der Lernzeit gegeben, sondern kennzeichnet die Seebachschule als Ganzes. Das Kollegium versteht sich zusammen mit den GTS-Kräften als ein Team. Ganztagskoordinatorin Marita Gruber nimmt an den Lehrer- und Gesamtkonferenzen teil und freut sich über die „Anerkennung und Unterstützung im Lehrerkollegium“. Begeistert ist sie auch über die Zusammenarbeit mit Studierenden und den FSJlern: „Es ist erstaunlich, was die jungen Leute schon können – da lernen wir selbst noch viel.“ Lehrerin Nora Fröhlich stimmt zu: „Die jungen Leute finden einen anderen Draht zu den Kindern, das ist eine große Hilfe.“

Die Wanduhr „Zeit für mehr" aus dem Ganztagsschulprogramm© Online-Redaktion

Die Ganztagskoordinatorin ist Mitglied der Steuergruppe, in der sich Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte alle zwei Monate treffen. Dafür wie auch für die Gesamtkonferenzen und die Jahrgangsteambesprechungen, an denen jeweils auch ein Mitglied der Steuergruppe teilnimmt, ist der Mittwochnachmittag geblockt. „Wir haben in den Teambesprechungen auch schon zu bestimmten Themen gearbeitet“, erzählt Marita Gruber. Die Steuergruppe besucht schließlich auch die Arbeitsgemeinschaften und gibt dort Hinweise oder holt Feedback ein.

Der Bürgermeister zu Besuch

„Wir versuchen für alle Fächer Highlights zu setzen“, erläutert Schulleiterin Mechtild Eiden-Neesen das Konzept der Schule. So erklärt sich auch die Teilnahme an zahlreichen Wettbewerben und Projekten. Im Landesschülerwettbewerb „Gestalten mit textilen Materialien“ haben die Zweitklässler gerade mit ihren „Secret Bags“, kleinen Täschchen für persönliche Dinge und Schätze aus der Näh-AG, den zweiten Platz erreicht. Beim Kreis-Grundschulleichtathletikfest gewannen die zehn Schülerinnen und Schüler im Mai den schon in den Vorjahren mehrfach errungenen Pokal erneut. Bereits seit 2003 ist die Seebachschule „Früh in Form“. Das gleichnamige Modellprojekt des Landkreises Alzey-Worms für Grundschulen führt durch eine kontinuierliche Ernährungs- und Bewegungserziehung die Schülerinnen und Schüler an eine gesunde Lebensweise heran.

Pokal
Kreis-Leichtathletikfest: So sehen Siegerinnen und Sieger aus.© Seebachschule

Im Projekt „Du bist dran!“ der Naturschutzjugend Rheinland-Pfalz (NAJU) setzten sich die Schülerinnen und Schüler in diesem Schuljahr intensiv mit dem Umwelt- und Naturschutz auseinander. In einem Schreiben an Bürgermeister Thomas Goller machten sie Vorschläge, was getan werden müsste, um auf die Müllproblematik in Osthofen aufmerksam zu machen und ein Umdenken bei den Bewohnern zu bewirken. Der Bürgermeister besuchte die Schülerinnen und Schüler daraufhin in der Schule, um über die Lösungsvorschläge zu diskutieren.

Vor drei Jahren beteiligte sich die Seebachschule als Pilotschule am iPad-Projekt „Medienkompetenz macht Schule“ des Bildungsministeriums Rheinland-Pfalz und erhielt einen iPad-Koffer mit 16 iPads. Seitdem ist der Pool sukzessive erweitert worden, um einerseits die Medienerziehung der Schülerinnen und Schüler zu unterstützen und andererseits die Differenzierung im Unterricht voranzutreiben. „Wir sind eine unglaublich toll ausgestattete Schule“, betont Lehrerin Marijana Coric. Die jetzt nur noch mehr Platz benötigt.

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