Ganztagsschulen im Saarland, Teil 1

Im Saarland wurde am 28. 06. 2002 das Förderprogramm "Freiwillige Ganztagsschulen" verabschiedet. Damit hat das Saarland einen Schritt in Richtung flächendeckender Ausbau eines Betreuungs- und Bildungsangebotes getan. Der Übersichtsbeitrag veranschaulicht die grundlegenden Förderrichtlinien zur Umsetzung des Investitionsprogramms "Zukunft Bildung und Betreuung" und die Impulse zur Verbesserung des Ganztagsschulangebotes.

Eine "bildungspolitische Qualitätsoffensive" möchte das Saarland schaffen, um die "besten Schulen für unsere Kinder" starten, ist auf der Homepage des Landes zu lesen. Das Saarland gilt als europäisch, weltoffen. Mit seinem Ganztagsschulangebot hat es eine vergleichsweise lange Tradition. Kein Wunder, liegt Frankreich, das Land, in dem Schule schon immer synonym mit Ganztagsschule verstanden wurde, gleich um die Ecke.

Lehrerin mit Schülerinnen und Schülern im Computerraum.

"Im Französischen gibt es keinen Ausdruck für Ganztagsschule. Schule und Ganztagsschule bilden eine sprachliche Einheit. Zudem verläuft die Zeitstruktur der französischen Schule parallel zur Zeitstruktur der Arbeitswelt", so Christian Alix; Mitarbeiter am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in einem Beitrag für Bildung Plus. In Frankreich bedeutet Ganztagsschule Unterricht und gemeinsam verbrachte Zeit von 8.30 Uhr bis 16.30 Uhr. Ganztagsschulen sind explizit republikanische Einrichtungen, die der Erziehung mündiger, staatsbürgerlich aktiver Menschen dienen. So sind die Bildungs- und Betreuungsangebote eng miteinander verzahnt.

Die erste Förderrichtlinie im Saarland für die traditionellen bzw. "alten" Ganztagsschulen stammt bereits vom 18. 07. 1988. Die Verordnung des Landes regelte Ganztagsbetrieb- und konzept, pädagogische Angebote, Personalangelegenheiten sowie die Raum- und Sachausstattung. Am 28.06. 2002 hat die Landesregierung das Förderprogramm "Freiwillige Ganztagsschulen" beschlossen.
Dieses ermöglicht ein flächendeckendes Betreuungs- und Bildungsangebot an allgemeinbildenden Schulen bis Klassenstufe 10. Gefördert werden Bildungs- und Betreuungsangebote, die außerhalb des Schulunterrichts stattfinden. Am 10. September 2003 hat das Saarland eine entsprechende Richtlinie verabschiedet, um das Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung (IZBB) umzusetzen.

Saarland - Ganztagsschulland

"Die Freiwillige Ganztagsschule im Saarland ist ein Erfolgsmodell", betonte Kultusminister Jürgen Schreier in einer Pressemitteilung vom 30. 04.2004. Inzwischen haben laut Schreier 229 von 266 Grundschulen und zehn von 15 Gesamtschulen ein solches Bildungs- und Betreuungsangebot. Ein gutes Bild zeichnete der Minister auch bei den Erweiterten Realschulen und den Gymnasien: Hier sei ein Versorgungsgrad von 50 Prozent erreicht. Damit gäbe es in allen Schulformen an 111 Standorten ein Angebot bis 16 Uhr, das mehr als 2.400 Schülern wahrnehmen. Die an die an 173 Schulen eingerichteten Angebote bis 14 Uhr nutzten 2.800 Schüler. Schreier verzeichnete eine hervorragende Akzeptanz für das saarländische Konzept. Die Landesregierung will das Angebot nun weiter ausbauen: "Das damit eingerichtete Förderprogramm ,Freiwillige Ganztagsschule' hat in nur zwei Jahren einen sehr hohen Ausbaustand erreicht. Diese große Akzeptanz ist die Basis, auf der das Investitionsprogramm IZBB jetzt Verbesserungen im Raumangebot und der Ausstattung ermöglicht."

Bildungs- und Betreuungsangebot flächendeckend

Für den Ausbau der Ganztagschulen kann das Land 2004 rund 15 Mio. Euro abrufen. Insgesamt stehen dem Saarland von 2003 bis 2007 für den Ausbau der Ganztagsschulen 49.036.422 Euro aus IZBB-Mitteln zu. Förderfähige Betreuungsangebote müssen entsprechend den Förderrichtlinien des Saarlandes folgende Voraussetzungen erfüllen: Mindestens zehn Kinder benötigt man für eine Betreuungsgruppe, die an fünf Tagen und in einem festen zeitlichen Rahmen zusammenkommen soll. Das Angebot gilt für ein Schuljahr. Der Kostenzuschuss für die pädagogischen Angebote beläuft sich auf 2.500 € Euro, wenn das Betreuungsangebot bis 14 Uhr dauert und 5.000 € Euro bei einer Betreuung bis 16 Uhr pro Gruppe. Alle zusätzlichen Kosten tragen die Eltern. Hausaufgabenbetreuung,  musische, sportliche und technische Angebote machen die Schwerpunkte des  pädagogischen Angebots im Saarland aus.

Schüler an Kletterseilen in der Turnhalle

Aus Sicht des Vorsitzenden der saarländischen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Klaus Kessler, verfolgt das Förderprogramm "Freiwillige Ganztagsschulen" allerdings einen rein additiven Ansatz der Ganztagsbetreuung: "Die Nachmittagsangebote sind mit dem Vormittag nicht konzeptionell verzahnt." Weitere Nachteile sieht Kessler darin, dass im Saarland auch Schulen, die lediglich bis 14 Uhr betreuen, als vollwertige Ganztagsschulen gewertet würden. Die freien Träger, die das Land als Kooperationspartner vorsieht, würden zudem ihr Personal unter Kostengesichtspunkten auswählen und häufig billiges, nicht qualifiziertes Personal einsetzen. Diesem Trend versucht die Landesregierung entgegen zu arbeiten.

Schulpersonal und Außerschulische gemeinsam fortbilden

Sozialpädagogische Fachkräfte, Schullehrkräfte mit bis zu fünf Lehrerstunden je Gruppe und das ergänzende Erziehungspersonal tragen zusammen die pädagogischen Angebote bis 14 Uhr bzw. 16 Uhr. Um die Zusammenarbeit zwischen den schulischen und außerschulischen Mitarbeitern zu verbessern, hat das Saarland außerdem das Fortbildungsprogramm "Fortbildung tut gut" ins Leben gerufen. Das Landesprogramm ist kostenlos, hat einen Gesamtumfang von ca. 100 Stunden und findet dezentral an sechs verschiedenen Orten statt. "Das neue Fortbildungsprogramm für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ein zentraler Baustein für die Betreuungsqualität. Viele der mehr als 400 Kräfte haben als Sozialpädagogen oder Erzieherinnen eine hohe Qualifikation", so Kultusminister Schreier in der Pressemitteilung.

Betreuungs- und Bildungsangebote, wie sie das Förderprogramm "Freiwillige Ganztagsschulen" vorsieht, sind ein erster Schritt. Weitergehende Forderungen stellt die GEW Saarland. Wünschenswert wären laut Kessler Ganztagsschulen, die Unterricht und Förderangebote auch am Nachmittag anbieten. Wichtig außerdem: ein ordentliches Mittagsessen, das die Eltern zwar bezahlen sollen. Doch die Kosten für die zusätzlichen Betreuungsangebote sollten laut Kessler den Eltern auf jeden Fall erlassen bleiben. Das Saarland - wünscht sich der GEW Vorsitzende - soll vielschichtig angelegte Ganztagsschulen aufbauen, die genügend Freizeitangebote erlauben. Anzustreben sind also rhythmisierte Ganztagsschulen, die den Bedürfnissen der Kinder und Eltern entgegenkommen, mit angemessenen Räumen sowie Unterricht und Projektangeboten vormittags und nachmittags.

Lesen Sie hier den 2. Teil unseres Berichts über Ganztagsschulen im Saarland.

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