Ganztag in Dahlem: naturnah und digital mit Meisen-TV

So romantisch und schön wie Bullerbü, aber auch hochmodern: Die Katholische Offene Ganztagsgrundschule Dahlem in der Eifel ermöglicht gut 200 Schülerinnen und Schülern ein Lernen fürs Leben. Die Natur beschert ihnen eine Fülle von Lernanlässen.

© Gemeinde Dahlem

Es ist durchaus nicht außergewöhnlich, an der Wand der Eingangshalle einer Schule einen Bildschirm zu entdecken. Häufig dient er als Kommunikationsinstrument („Klasse 9 – Unterrichtsentfall“ oder „Morgen Sportfest“). Für Schülerinnen und Schüler der Katholischen Grundschule Dahlem in der Eifel hält der Bildschirm Spannenderes parat.

„Meisen-TV“ hat die Schule ihn benannt. Täglich können die Mädchen und Jungen die Entwicklung im Nistkasten vor der Eingangshalle beobachten – dank einer dort platzierten Kamera. Sie sehen, wie sehnsüchtig der Vogelnachwuchs auf die Rückkehr der Eltern wartet, wie alle freudig die Schnäbel aufreißen, um etwas vom mitgebrachten Futter zu ergattern. „Und manchmal erleben sie leider auch mit, dass Natur auch brutal sein kann – wenn etwa ein Raubvogel auf Beutezug gegangen ist“, berichtet Schulleiterin Mirjam Schmitz.

Schüler sehen "Meisen-TV" auf einem Bildschirm
„Meisen-TV“ live aus dem Nest© Mirjam Schmitz

Die Natur beschert dieser Offenen Ganztagsschule nicht nur am „Meisen-TV“ mehr als ausreichend Lernanlässe. Das großflächige Gelände rund ums Schulgebäude mit Streuobstwiese und eigenem kleinen Wald, der aus Bäumen gewachsen ist, die alle Eingangsklassen traditionell pflanzen, aber auch die landwirtschaftlich geprägte Umgebung werden ganz selbstverständlich genutzt. Etwa beim regelmäßigen Besuch des Hasenberghofes, auf dem die Kinder Tiere beobachten und pflegen. „Insbesondere diese Kooperation hat uns für das Profil 'Bildung für nachhaltige Entwicklung' sensibilisiert“, weiß die Schulleiterin, die selbst aus der Landwirtschaft kommt.

Geschenkte Lernanlässe

Die Liste der naturverbundenen Aktivitäten ist lang. Diese werden gefördert von einer intensiven Kooperation mit den Ortsvereinen, die, so Mirjam Schmitz „alles für uns tun.“ Eine kleine Auswahl: Der Eifelverein lädt an Fronleichnam zum Kräutersammeln, der Förster zur Erkundung des Moorpfades. Der Vogellehrpfad wird erkundet, die Schulbienen liefern mehrere Kilo Honig, die Apfelernte beschert literweise frisch gepressten Apfelsaft.

Brigitte Baum, Mirjam Schmitz, Heike Iven vom Träger DRK Euskirchen (v.l.)© Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

„Wir würden unglaublich viele Lernanlässe verschenken, wenn wir die Natur nicht nutzen würden“, sagt Mirjam Schmitz. Gemeinsam schaut das Kollegium, in welcher Jahrgangsstufe welches Naturphänomen, sei es aus der Tier- oder Pflanzenwelt, mit dem Lehrplan in Einklang zu bringen ist. Tiere, wie die Ziege, lassen sich bestens im Sachunterricht verankern. Zum Erforschen geht es in den Hasenberghof. Hier erarbeiten die Schülerinnen und Schüler auch mit Hilfe einer Materialkiste des Forums Bildung und Nachhaltigkeit innowego, welche Produkte von Ziegen gewonnen werden können oder welche Besonderheiten und Bedürfnisse Ziegen auszeichnen. Derweil bringt in der Deutschstunde die Lektüre von Märchen und Fabeln, in denen Ziegen eine Rolle spielen, das Tier den Schülerinnen und Schülern näher. Im Kunstunterricht werden parallel Ziegenhaarpinsel hergestellt.

Ihre vielfältigen Natur-Aktivitäten bescherten der Katholischen Grundschule Ende 2015 zum zweiten Mal das offizielle Zertifikat als Naturparkschule Eifel. Bei der Preisverleihung lobte der damalige Parlamentarische Staatssekretär Horst Becker: „Viele fleißige Hände und Köpfe haben sich mit Nationalpark- und Nachhaltigkeitsthemen beschäftigt und diese auf unterschiedlichste Weise in die schulische Arbeit integriert. So stelle ich mir Bildung für nachhaltige Entwicklung vor.“

„Wir leben hier schon wie in einem Paradies“

Tablet im Schulunterricht
Auszeichnung als „MINT-freundliche Digitale Schule“ 2018 © Mirjam Schmitz

Als „naturnah und digital“ bezeichnen die Schulleiterin und die Leiterin des Offenen Ganztags Brigitte Baum ihre Schule. Denn so traditionell die Grundschule auch daher kommt, so offen ist sie für Neues. Digitale Medien sind da nicht wegzudenken. Der Einsatz von Tablets im Unterricht schlug sich in breiter Berichterstattung in den lokalen Medien nieder und auch das Interview, das Schüler der Computer-AG mit Bürgermeister Jan Lembach führten, blieb nicht unbeachtet.

„Das Tablet hilft uns bei der Differenzierung und bei Recherchen. Doch sie werden in jedem unserer Klassenräume auch die gute alte Tafel finden“, verspricht Mirjam Schmitz. Da überrascht es nicht, dass die Auszeichnung als „MINT-freundliche Digitale Schule“ 2018 gewonnen wurde. Träger des Offenen Ganztags ist das Deutsche Rote Kreuz, genauer: der DRK-Kreisverband Euskirchen, der mit vier weiteren Grundschulen in der Region kooperiert.

Mit der Bienen-AG in der Natur...© Mirjam Schmitz

„Wir leben hier schon wie in einem Paradies“, strahlen Mirjam Schmitz und Brigitte Baum, wenn sie über das Schulgelände, zu dem auch ein Schwimmbad mit höhenverstellbarem Boden zählt, blicken. Ihr Dank richtet sich an die Gemeinde: „Meistens genügt ein Anruf…“, berichten sie. Sie wissen, für den kleinen Ort ist diese Ganztagsschule längst ein Alleinstellungsmerkmal geworden. Das lässt sich die Gemeinde einiges kosten. So auch die nagelneue, hochmoderne Küche.

In ihr treffen wir Silke Manderfeld. Seit Jahren bereitet sie hier täglich für die Kinder der OGS das Mittagessen frisch zu. Heute gibt es Kartoffelpüree, Erbsen, Möhren und Bratwurst. Und natürlich Rohkost. „Ich bin immer wieder überrascht und sehr erfreut, dass die Rohkostplatte so ankommt“, erzählt sie, die als Mutter ihre Freude am Kochen entdeckt hat. Maximal dreimal pro Woche kommt Fleisch auf den Tisch, dann bevorzugt Pute oder Rind. Silke Manderfeld hat festgestellt: „Besonders gerne essen die Kinder Produkte, die sie selbst gepflanzt und gepflegt haben. Das macht sie stolz.“

Moderne Küche und Schulmöbel

Schüler im Imkeranzug in der Klasse
... und die Bienen-AG im Unterricht© Mirjam Schmitz

Die Köchin aus Leidenschaft gehört wie Hausmeister Norbert Jenniches und Sekretärin Andrea Zorn zu den besonders „guten Geistern“ dieser Grundschule. Mirjam Schmitz: „Norbert Jenniches sorgt für die Schule wie für sein eigenes Zuhause.“ Kreativ geht er jede Lösung an, die den Kindern zugutekommt. Dank der von ihm unter den Möbeln in den Klassenzimmern angebrachten Räder sind diese auch für Grundschüler leicht bewegbar.

Apropos Möbel: Dreieckige Tische erleichtern das Zusammenstellen zu unterschiedlichen Lernkonstellationen, „mitwachsende“ Stühle schonen die Körper der Schülerinnen und Schüler. Zu deren Fitness trägt auch der Verzicht von Ablagefächern unter den Tischen bei. Benötigt jemand etwas, muss er es sich aus dem Regal an der Wand holen – Bewegungsfreude clever gedacht.

© Mirjam Schmitz

Die Freude an der Bewegung fördert die Schule, wann und wo es nur geht. „Wenn eben möglich, geht es zum Spielen nach draußen“, garantiert Brigitte Baum. Schwimmen lernt jedes Kind, seine Motorik wird auf Klettergerüsten und durch die schuleigenen Kettcars und Roller gefördert. Ein Höchstmaß an Freiheit und Freizeit bietet der Ganztag – wenn die Hausaufgaben erledigt sind. Deren Begleitung teilen sich die OGS-Kräfte mit Lehrerinnen und Lehrern sowie dem Sonderpädagogen Michael Heeg. Er hängt an seine vorgeschriebene Stundenzahl am Vormittag dafür zusätzlich gerne nachmittags Förderstunden dran.

Gemeinsam Lernen fürs Leben ermöglichen

„Ich glaube, das unterstreicht den Geist dieser Schule und dieser Gemeinde“, meint Mirjam Schmitz. Alle ziehen an einem Strang, ermöglichen gemeinsam das Lernen fürs Leben. Seien es die ehemaligen, pensionierten Kollegen, die Arbeitsgemeinschaften anbieten oder Flüchtlingskinder fördern, seien es die Eltern, die eigenständig die Bücherei organisieren. Oder sei es der engagierte Förderverein, der 2017 für den Preis „Vereint für gute Schule“ nominiert und auch mit ihm ausgezeichnet worden war. Für sie alle ist eine enge und vertrauensvolle Kommunikation untereinander charakteristisch.

„Was war heute?“, lautet die tägliche Frage. Antworten finden die kooperierenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedlicher Professionen immer schriftlich im „gelben Ablagekasten“. Sagt Mirjam Schmitz, während ihr strahlend eine Zweitklässlerin „entgegenfliegt“.

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