Rosenmaarschule: Ganztägig inklusiv in der OGS

Die Rosenmaarschule in Köln-Höhenhaus steht für eine „inklusive ganztägige Bildung“, wie sie von der Qualitätsoffensive Ganztag der Montag-Stiftung unterstützt wird.

© Rosenmaarschule

Wenn Walter Heilmann und Timo Barthel die Rosenmaarschule vorstellen, dann treten sie als Team auf. Der Erzieher Timo Barthel gehört zusammen mit Ann-Laura Elsner und Anika Benson zur Pädagogischen Leitung der offenen Ganztagsgrundschule, und der ehemalige Schulleiter Walter Heilmann ist immer noch als Botschafter seiner Schule aktiv. So repräsentierten sie die Schule, in der es laut Heilmann „multiprofessionelle Teamarbeit auf allen Ebenen gibt“, auch Anfang April auf der OGS-Akademie der Montag-Stiftung in Bonn.

409 Schülerinnen und Schüler lernen in der Rosenmaarschule, darunter 78 Kinder mit Förderbedarf. Die Ganztagsgrundschule, die seit 2015 von Marietta Gawert geleitet wird, gilt seit vielen Jahre als Modellschule für den gemeinsamen Unterricht. „Wir haben uns 1981 als erste Schule dem Thema Inklusion geöffnet“, berichtet Heilmann. In jeder Klasse lernen bis zu sechs Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf. „Das kann nur funktionieren, wenn man multiprofessionell arbeitet.“

Gruppenfoto des Kollegiums
„Es geht nur multiprofessionell“ © Rosenmaarschule

Konkret heißt das, dass für zwei sogenannte Stammgruppen – zwei zusammengelegte Klassen von jeweils 25 Schülerinnen und Schülern – in einer Art „Minischule“ je zwei Grundschullehrkräfte, Sonderpädagogen, drei Erzieherinnen und Erzieher sowie zwei Ergänzungskräfte wie FSJler, Schulbegleiter, Krankengymnasten, Sprachtherapeuten und Physiotherapeuten verantwortlich sind. Teamsitzungen, Fallbesprechungen, pädagogische Konferenzen, Elternarbeit und Klassenfahrten sind fester Bestandteil der multiprofessionellen Teamarbeit.

Selbstverständlich ist die Unterrichtsbegleitung durch pädagogische Fachkräfte am Vormittag und der Einsatz von Lehrerinnen und Lehrern am Nachmittag. „Wöchentlich findet am Donnerstagnachmittag eine Teamsitzung statt, und zweimal im Schuljahr gibt es Pädagogische Tage“, berichtet Barthel. Donnerstags ist für die Lehrerinnen und Lehrer ein Präsenztag über 16 Uhr hinaus angesetzt.

Ganztägig rhythmisiertes Angebot aus einem Guss

© Rosenmaarschule

Die Übungszeiten montags und mittwochs werden gemeinsam von den Lehrerinnen und Lehrern und weiteren pädagogischen Fachkräften bestritten, ebenso wie dienstags und donnerstags die Arbeitsgemeinschaften. „Wir haben uns dagegen entschieden, die Ganztagszuschläge zu kapitalisieren und außerschulische Kooperationspartner einzukaufen, wir nutzen die Mittel für eigenes Personal“, meint Walter Heilmann.

„Die Teams haben eine große Autonomie“, erzählt Timo Barthel. „Sie entscheiden über den Stundenplan und den Personaleinsatz und regeln auch die Vertretungen, was für die Schulleitung sehr angenehm ist.“ Viele Prozesse liefen nach dem Muster „Denkanstoß, Diskussion, Ausprobieren“. So fiel beispielsweise die Entscheidung, die Mensa abzuschaffen. „Mit der Atmosphäre beim Mittagessen waren wir nicht zufrieden, und der unbeliebteste Job an der Schule war die Mensaaufsicht“, erinnert sich Barthel. „So kam aus einem Lehrer-Erzieher-Team der Vorschlag, in den Stammgruppen zu essen. Das hat sich absolut bewährt, das Essen ist nun viel ruhiger geworden.“

Blick auf den Schulhof mit Schülerinnen und Schülern
© Rosenmaarschule

Zu Beginn wurde die offene Ganztagsschule vom Förderverein getragen, doch „das nahm finanzielle Dimensionen an, die von Ehrenamtlichen nicht mehr zu verantworten waren“, berichtet Walter Heilmann. So wechselte die Trägerschaft zu „Netzwerk e.V. – Soziale Dienste und Ökologische Bildung“. Als Kooperationspartner ist Netzwerk e.V. an 25 Standorten in Köln und Rösrath Träger des Ganztags in Grundschulen und weiterführenden Schulen. An acht Kölner Grundschulen sind Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter und an vielen Schulen auch pädagogische Fachkräfte als Inklusionsbegleitung tätig.

Das integrative Arbeiten wird in der Rosenmaarschule dadurch erleichtert, dass die offene Ganztagsschule de facto eine gebundene ist, weil alle Schülerinnen und Schüler für den Ganztag angemeldet sind. Das Team kann so ein ganztägig rhythmisiertes Angebot aus einem Guss für alle Kinder organisieren. Hausaufgaben gibt es nicht mehr. „Die Qualität des Angebots hat die Eltern überzeugt“, freut sich Walter Heilmann, „keiner meldet seine Kinder ab.“ Und die Schülerinnen und Schüler sind sowieso für die Ganztagsschule, wie der ehemalige Schulleiter weiß: „Ich will dahin, da sind meine Freunde“, lautet das Argument.

Mitwirkung ist Qualitätsentwicklung

Das Eichenwäldchen© Rosenmaarschule

Montags und mittwochs gibt es von 13 bis 14 Uhr ein Zeitfenster, in dem die Schülerinnen und Schüler ganz frei entscheiden, wo sie sich aufhalten wollen: auf dem großen Außengelände mit dem Eichenwäldchen, den Hühnern und den Schafen, im Schulgarten, in dem die Garten-AG stattfindet, oder im Kreativraum, im Toberaum, im Holzraum oder in der Fahrradwerkstatt.

Auch die Arbeitsgemeinschaften können teilweise flexibel besucht werden. Wöchentlich können die Schülerinnen und Schüler neu entscheiden. „Für die Wahl der festen Arbeitsgemeinschaften sprechen wir direkt die Kinder an, damit wirklich sie und nicht ihre Eltern die AGs wählen“, erläutert Walter Heilmann. Dazu kommen im Ganztagsbereich gezielte Fördermaßnahmen und Angebote in den Stammgruppen.

Hühner vor dem Hühnerstall auf dem Schulgelände
© Rosenmaarschule

„Unsere enge Vernetzung und die breit gefächerte Mitwirkung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trägt zu einer stetigen Qualitätsentwicklung bei“, beschreibt Timo Barthel. Die interne Zusammenarbeit ermögliche Bildung und Persönlichkeitsförderung, sie unterstütze den gesamten Sozialisationsprozess. Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin ist zu unterschiedlichen Anteilen „an der ganzheitlichen Entwicklung der Kinder“ beteiligt.

Kooperationsvertrag mit der Gesamtschule

Auch über das Schulgelände hinaus ist die Rosenmaarschule vernetzt. Sie kooperiert mit Kindergärten und weiterführenden Schulen und ist Mitglied im Schulverbund „Blick über den Zaun“. Mit der Gesamtschule Holweide im gleichnamigen Kölner Stadtteil besteht schon seit Jahrzehnten ein Kooperationsvertrag. Im intensiven Austausch und in der Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen mit Fachkonferenzen und Info-Abenden wird die Kooperation stetig erweitert. Auch die Gesamtschule Holweide arbeitet inklusiv, und so ist für die Rosenmaar-Kinder bei ihrer Anmeldung dort gewährleistet, dass Kinder auch in der Sekundarstufe weiter zusammen lernen.

Präsentation der Schule auf der OGS-Akademie© Montag Stiftung

Kürzlich, am 16. Mai 2019, hieß es „Welkom“: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern der Partnerschule aus Boesdal in den Niederlanden kamen zu Besuch, nachdem die Kölner im April die Partnerschule besucht hatten. Die Rosenmaar-Schüler nahmen ihre Freunde aus den Niederlanden mit in die Stammgruppen. Dort wurde gezeichnet, geforscht, experimentiert, gerechnet, geschrieben, gebaut und gebastelt.

„Unsere wichtigsten pädagogischen Ziele sind die Selbstständigkeit unserer Schülerinnen und Schüler, ihre kreative Entfaltung und das soziale Lernen. Dabei sind wir eine ganz normale Schule“, betont Walter Heilmann, „für uns gibt es keine Extramittel oder Extraausstattung. Wir haben auch keine zusätzlichen Räumlichkeiten, sondern arbeiten mit dem, was wir haben.“

Collie-Husky-Mischlingshündin Linda
Schulhündin Linda© Rosenmaarschule

Um zu vermeiden, dass der Schultag mit dem Abholen durch die Eltern einfach nur aufhört, hat die Rosenmaarschule übrigens den „Drei-Uhr-Tee“ eingeführt. Hier kommen alle zum Tagesausklang noch einmal alle zusammen. „Die Schülerinnen und Schüler müssen sich immer bei der Gruppenleitung abmelden, auch wenn die Eltern auf die Tube drücken“, betont Timo Barthel. „Es ist wichtig, den Eltern von Anfang an darzustellen, wie wir hier arbeiten, und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.“

Wie sehr die Schülerinnen und Schüler sich in der Ganztagsschule wohlfühlen, kann man laut Timo Barthel des Öfteren nachmittags beobachten: Wenn die Eltern am Schulzaun auftauchen, schallt es schon mal „Ihr seid zu früh!“ von der Schaukel.

 

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