Koordinierungsstelle Ganztagsschule und Betreuung

Die Stadt Crailsheim hat 2015 alle Grundschulen in Ganztagsschulen umgewandelt. Welche Bedeutung die Koordinierungsstelle in der Stadtverwaltung hat, erläutert Ressortleiter Hannes Bewersdorff im Interview.

Crailsheim: Zweitgrößte Stadt des Landkreises Schwäbisch Hall© Stadtverwaltung Crailsheim

Im Schuljahr 2018/2019 startete das Land Baden-Württemberg das Pilotprojekt „Koordinierungsstelle Ganztagsschule und Betreuung“. Die Koordinierungsstellen sollen schulische Verwaltungsaufgaben, die an Ganztagsschulen anfallen, bündeln, um Schulleitungen zu entlasten. Die Stadt Crailsheim gehört zu diesen Pilotkommunen. Das Pilotprojekt wird ein Jahr lang vom Land und den Kommunen gemeinsam finanziert und von der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl wissenschaftlich begleitet.

Online-Redaktion: Herr Bewersdorff, Crailsheim gehört zu den Pilotkommunen, die eine „Koordinierungsstelle Ganztagsschule und Betreuung“ einrichten. Was hat die Stadt dafür ausgezeichnet?

Hannes Bewersdorff: Im Grunde hat es bei uns solch eine Koordinierungsstelle bereits vor dem Modellprojekt des Landes gegeben. Die Zusammenarbeit zwischen den Crailsheimer Schulen und der Stadtverwaltung war schon immer eng. Bei der Koordination von Betreuungszeiten, der Abrechnung und der Finanzierung unterstützt die Stadt die Schulen bereits, seitdem 2007 das Ganztagsangebot eingeführt wurde.

Porträtfoto Hannes Bewersdorff
Hannes Bewersdorff© Stadtverwaltung Crailsheim

Mit der Einführung der flächendeckenden Ganztagsbetreuung stieg der Verwaltungsaufwand an den Schulen und auch bei der Stadtverwaltung merklich. So haben wir uns entschlossen, diesen Verwaltungsaufwand an einer Stelle in der Schulverwaltung zu bündeln. Damit war die Koordinierungsstelle geboren. Sie verstetigt unsere städtischen Bemühungen für unsere Schulen. Auf diese Lösung sind das Land, der Städtetag und auch andere Kommunen aufmerksam geworden. Die nach Auffassung des Landes „mustergültige Lösung“ soll nun während des Pilotprojekts mit weiteren Gemeinden erprobt und weiterentwickelt werden.

Online-Redaktion: Was war Ihre Motivation, beim Landesprojekt mitzumachen?

Bewersdorff: Crailsheim hat in der Ganztagsbetreuung an Schulen eine Vorreiterrolle. Als einzige Stadt in Baden-Württemberg haben wir nach der Einführung der Ganztagsschule an Grundschulen, wie sie das neue Schulgesetz 2014 vorsah, alle unsere Grundschulen auf Ganztagsbetrieb umgestellt und darüber hinaus für das Management eine Servicestelle eingerichtet.

© Ministerium für Kultus Baden-Württemberg

Natürlich war damals Überzeugungsarbeit bei den Schulen und in der Politik notwendig, es handelte sich immerhin um eine weitreichende Veränderung der Schullandschaft. Aber die Schulleitungen waren aufgeschlossen – nicht zuletzt, weil wir sie durch die Koordinierungsstelle eben vom Verwaltungsaufwand entlastet haben. Jetzt liegt es für uns nahe, dass wir uns an einem Pilotprojekt beteiligen, das die organisatorische Unterstützung dieser Ganztagsbetreuung verstetigen soll.

Online-Redaktion: Wie haben Sie die Koordinierungsstelle in Crailsheim organisiert?

Bewersdorff: Die Koordinierungsstelle ist im städtischen Ressort „Bildung & Wirtschaft“ und darin wiederum im Sachgebiet „Schulverwaltung“ angesiedelt. In ihrer täglichen Begleitung der Schulen arbeitet die Koordinierungsstelle allerdings weitgehend frei von hierarchischen Kommunikationswegen und damit verbundenen Abstimmungsstrukturen, um den Schulen eine direkte und zügige Betreuung zu bieten. Für die Koordinierungsstelle haben wir eine Vollzeitstelle eingerichtet, und auch eine Vertretung ist gewährleistet.

Online-Redaktion: Welche Erfahrungen konnten Sie bisher sammeln?

Bewersdorff: Durchweg positive. Die Schulleitungen werden entlastet und die Kräfte gebündelt. Insbesondere bei der Abrechnung der Fördermittel mit dem Land und in arbeitsrechtlichen Fragen ist die Entlastung besonders kostbar. Aber auch in ganz praktischen Fällen ist es ein großer Vorteil, dass die Koordinierungsstelle den Überblick und die Steuerungsmöglichkeit besitzt. Weil die Koordinierungsstelle bei der Stadt Crailsheim schon länger arbeitet als andernorts, verfügen wir hier über viel praktische Erfahrung. Auf die greifen auch andere Städte gerne zurück und informieren sich bei uns über unser System. Erst jüngst durften wir die Delegation einer großen Kreisstadt aus dem Stuttgarter Raum begrüßen und ihr den „Crailsheimer Weg“ mit seinen vielen kleinen Schritten vorstellen.

Schüler mit Essenstablett
„600 Essen – ein organisatorischer Kraftakt“© Stadtverwaltung Crailsheim

Online-Redaktion: Wie würden Sie den „Crailsheimer Weg“ kurz beschreiben?

Bewersdorff: Der Ausbau der Ganztagsangebote an Schulen war für uns, wie gesagt, schon früh eine klare politische Zielsetzung, sowohl im Gemeinderat als auch an der Spitze der Stadtverwaltung waren wir uns einig. Und 2007 haben wir im Gemeinderat auf breiter Basis den „Crailsheimer Weg“ beschlossen. Das Konzept sah vor, die Ganztagsbetreuung auszubauen und zu fördern, sowohl in den Kindergärten als auch in den Schulen. So haben wir nicht zuletzt auf die elterliche Nachfrage reagiert und einen fließenden Betreuungsübergang vom Kindergarten in die Schule geschaffen. Wichtig ist uns aber auch: Wir steigern damit die Bildungschancen von Kindern. Und wir treten dem demografischen Wandel entgegen. Eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert schließlich jungen Paaren die Entscheidung zur Familiengründung.

Online-Redaktion: Wie viele Ganztagsschulen gibt es aktuell in Crailsheim?

Bewersdorff: Zehn von elf städtischen Schulen sind Ganztagsschulen. Alle Grundschulen sind Ganztagsgrundschulen nach §4a Schulgesetz. 407 Schülerinnen und Schüler nehmen in diesem Schuljahr die Ganztagsbetreuung in Crailsheim in Anspruch. Die Nachfrage ist steigend. Die Stadt beschäftigt im Rahmen der Ganztagsbetreuung schon 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wobei einige dieser Personen an mehreren Schulen tätig sind. Und weil schon immer gilt, dass „leerer Bauch nicht gern studiert“, liefert die städtische Schulküche Crailsheim GmbH täglich etwa 600 Essen in die Schulen aus. Auch dies ist ein organisatorischer Kraftakt, der in der Koordinierungsstelle geschultert wird.

Online-Redaktion: Vielen Dank für das Interview!

 

Zur Person:

Hannes Bewersdorff, Jg. 1987, ist seit dem 1. Februar 2019 Ressortleiter „Bildung & Wirtschaft“ der Stadtverwaltung Crailsheim. Nach dem Studium an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg war er im Landkreis Freudenstadt als persönlicher Referent des Landrats und in der „Kommunikation und Kreisentwicklung“ tätig. Von 2015 bis Januar 2019 war er hauptamtlicher Ortsvorsteher des Böblinger Stadtteils Dagersheim und leitete dort das Bezirksrathaus.

 

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