Ganztagsschulen in Brandenburg: "Ein bildungspolitischer Quantensprung"

Zeit für eine ermutigende Bilanz und den Blick nach vorn: Mit der Fachtagung "Lernräume gestalten: Bilanz - Reflexion - Ausblick", die am 8. Juli 2009 in Ludwigsfelde stattfand und auf große Resonanz stieß, hat Brandenburg gezeigt, wie gut die Rahmenbedingungen und die individuelle Ausgestaltung des Ganztagsangebotes zusammen passen. Dies spiegelte sich auch in der Vielfalt der angebotenen Foren und Workshops sowie in dem anregenden Austausch zwischen den Theoretikern und Praktikern. Nicht zuletzt die pädagogische Architektur, der ein eigenes Forum gewidmet wurde, genießt in Brandenburg große Wertschätzung.

"Erfolge brauchen Jahre, bis man sie ernten kann". Mit diesen Worten brachte Matthias Platzeck, Ministerpräsident des Landes Brandenburg, zum Auftakt der Tagung zum Ausdruck, worauf es ihm ankommt: Nicht auf rasche qualitativ unausgewogene Veränderungen. Vielmehr sei die Ganztagsschule "ein Reformprojekt", das im ganzen Land Wurzeln geschlagen habe.

Wenn es eines Beleges für die Aufbruchstimmung bedurfte, die das Ganztagsschulprogramm des Landes seit Jahren in Stadt und Land vermittelt, dann war es der lebendige Austausch, der auf der Fachtagung zwischen Lehrkräften, Mitgliedern der Schulleitung, Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, außerschulischen Partnern zustande kam. Besondere Wertschätzung erfuhr bei ihnen die Anwesenheit des Ministerpräsidenten und des Bildungsministers. Mit ihrem Kommen drückten die Politiker ihre Anerkennung für das Engagement der Praktiker aus, schließlich wäre ohne sie der Aufbau der Ganztagssschulen so nicht möglich gewesen. 

Matthias Platzeck

Als 2003 das Bundesprogramm zum Ausbau der Ganztagsschulen gestartet wurde, haben sich Platzeck zufolge viele Zweifler und skeptische Stimmen zu Wort gemeldet. Doch für Brandenburg sei das "Investitionsprogramm Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) von Anfang an "ein bildungspolitischer Quantensprung" gewesen. Mit einem Schlag standen aus dem IZBB 130 Mio. Euro zur Verfügung.

Ganztagsschulen ein großes Projekt des Landes

Die Mittel, ergänzt um noch einmal fast die gleiche Summe von den kommunalen Schulträgern, flossen insbesondere in Baumaßnahmen und schafften Räume zum Lernen, zur Gestaltung von Pausen oder für die Essensversorgung. Eine Besonderheit in Brandenburg sei die enge Zusammenarbeit mit der Architektenkammer. Brandenburg habe in ein Projekt investiert, dem die Zukunft gehört. Es gewährleiste die bessere individuelle Förderung von leistungsstarken und leistungsschwachen Kindern und Jugendlichen. Darüber hinaus verbessere sich die berufliche Orientierung der Schülerinnen und Schüler, während die Familien im Bereich der Betreuung entlastet würden.

Die Landesregierung lasse sich das zusätzliche pädagogische Personal rund 20 Mio. Euro jährlich kosten. Gegenwärtig haben über ein Drittel der Grundschulen und über die Hälfte der weiterführenden Schulen des Landes ein Ganztagsangebot.

"Das Ganztagsschulprogramm ist eines der großen Projekte der Landesregierung, aber es ist kein Allheilmittel", fügte Platzeck hinzu. Ganztagsschulen könnten jedoch einen Beitrag dazu leisten, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss bis zum Jahr 2015 halbiert werden. Auch in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise habe die Bildung für das Land höchste Priorität. Eine zusätzliche Finanzspritze hat Brandenburg über das Konjunkturpaket II erhalten. Hier stehen 233 Mio. Euro für die Kitas, Ganztagsschulen sowie die Sportvereine zur Verfügung: "Wir in Brandenburg hoffen, dass wir bis 2011 mit den Investitionen zügig vorankommen."

Gestiegene Ansprüche an Schulgebäude

Trotz sinkender öffentlicher Einnahmen, so der Ministerpräsident, habe Brandenburg in der nächsten Legislatur 50 Millionen Euro an Mehrausgaben für Bildung vorgesehen. Aus Sicht von Bildungsminister Holger Rupprecht hat das IZBB das Land in die Lage versetzt, den klassischen Schulraum -  Schul- und Sportgebäude, Außenanlagen und teilweise Hortgebäude - baulich so aufzuwerten, wie es für die Umsetzung der schulischen Konzepte zur ganztägigen Betreuung erforderlich ist.

Holger Rupprecht

Dies sei schon wegen der Veränderungen von Unterrichtsorganisation und sozialer Organisation des Schullebens notwendig gewesen, "denn, je länger sich Schülerinnen und Schüler in der Schule aufhalten, umso größer sind die Anforderungen an die Architektur, die Schule als einen Lebensraum zu gestalten". Das Bundesprogramm zum Ausbau der Ganztagsschulen habe bei den Bürgerinnen und Bürgern Zustimmung hervorgerufen und eine große Vielfalt an Bildungsprozessen ermöglicht.

Die Schulträger interessieren sich für schulische Inhalte

Rupprecht hob die vielen positiven Ansätze hervor, die auch innerhalb finanzieller Grenzen realisiert würden: Gruppenräume, Leseecken und Rückzugsräume, Caféterien oder Mensen, die nicht mehr nur über Mittag geöffnet sind, sondern als Schülercafé genutzt werden. Bibliotheken, die durch Einzel- und Gruppenarbeitsplätze aufgewertet wurden. Gestaltete Außenanlagen, die für Sport, Spiel, Erholung oder Rückzug zu nutzen sind.

Neben der Förderung baulicher Maßnahmen habe Brandenburg erfolgreich eine Projektförderung aufgelegt: Kleinere Projekte konnten mit einem geringen Mittelumfang zwischen 10.000 und 20.000 Euro gefördert werden. In 763 Einzelmaßnahmen wurden so "in aktiver Selbsthilfe der Schulen" zum Beispiel Freizeitbereiche, Internetcafés, Schulbibliotheken, Mediotheken und vieles andere aufgewertet. "Kleiner Aufwand - Große Wirkung!" charakterisierte der Minister dieses Förderprogramm. Weil es so erfolgreich sei, würde ein Teil der Mittel aus dem Konjunkturpaket II genutzt, um das Programm fortzuführen.

"Lernräume gestalten" bedeute aber auch, neue "soziale Räume" zu erobern, die Schulen in das soziale Umfeld zu öffnen. Dass dies geschieht, belegen die Kooperationen mit außerschulischen Partnern, zu denen Brandenburger Ganztagsschulen seit 2004 verpflichtet sind und für die Rahmenvereinbarungen mit einer Reihe von Verbänden abgeschlossen wurden. Demnach kooperieren im Schnitt neun Partner mit jeder Ganztagsschule. Dabei sei es im ländlichen Bereich gar nicht so einfach, die Partner zu finden.

Die Schulen strahlen mit ihrem Engagement auch auf die Gemeinden ab. "Die Schulträger interessieren sich zunehmend dafür, ob die Schulen gut sind." Zustimmung bei den vielen anwesenden kommunalen Vertretern fand der Minister mit seinen Ausführungen zum Thema Schulträger. "Die traditionelle Aufgabenteilung, die da heißt: Die Schule selbst ist für Pädagogik zuständig - der Schulträger für das Gebäude, den Hausmeister und die Sekretärin, - diese klassische Aufgabenteilung wird zunehmend aufgeweicht, und ich bin der Meinung, dass sie noch weiter aufgeweicht werden sollte."

Immer mehr Schulträger interessierten sich auch mehr und mehr dafür, was inhaltlich in der Schule passiert. Das Land Brandenburg habe daher im Rahmen des sog. Standarderprobungsgesetzes fünf Städten, Gemeinden und Ämtern die Möglichkeit eröffnet, als stimmberechtigte Mitglieder an den Schulkonferenzen ihrer Schulen teilzunehmen.

Die Erprobungsphase sei abgeschlossen, die Auswertung laufe. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen Schule und Schulträger überwiegend positiv bewertet werde. Nach Vorliegen der Gesamtauswertung werde man mit den kommunalen Spitzenverbänden darüber sprechen, ob und wie die erweiterte Mitarbeit der Schulträger in den Schulkonferenzen gesetzlich geregelt werden kann.

Heike Kahl

Lobend hob der Minister nicht zuletzt die Serviceagentur "Ganztägig lernen" im Projektverbund kobra.net hervor. Mit ihr sei ein geeignetes Unterstützungssystem für die pädagogische Ausgestaltung der Ganztagsschulen geschaffen worden. Zur Weiterfinanzierung durch den Bund für weitere fünf Jahre wolle Brandenburg die erforderliche Kofinanzierung durch das Land sicherstellen, versicherte der Bildungsminister.

Die Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), Dr. Heike Kahl, erinnerte daran, dass das IZBB das einzige Programm im Bildungsbereich sei, das bundesweit laufe. Brandenburg sei ein gutes Beispiel für die gute Zusammenarbeit mit der Serviceagentur.

Zufriedene Lehrkräfte und Eltern

Das Land Brandenburg nutzt auch die Gelegenheiten, sich an der empirischen Forschung zu Ganztagsschulen zu beteiligen, darunter an Studien wie "Lernkultur- und Unterrichtsentwicklung in Ganztagsschulen (LUGS)", "Musik in der Ganztagsschule - MUKUS" und "Ganztagsorganisation im Grundschulbereich - GO!".

Hauptpfeiler ist die "Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen" (StEG), an der das Land sogar mit einer erweiterten Stichprobe teilnimmt. Prof. Heinz-Günther Holtappels, Erziehungswissenschaftler am Institut für Schulentwicklungsforschung, präsentierte die für das Land Brandenburg relevanten Forschungsergebnisse. Dabei bezog er auch Daten aus weiteren Forschungsprojekten ein, etwa aus der qualitativen Studie der Universität Potsdam "Professionelle Kooperation an Ganztagsschulen - ProKoop" (Dr. Karsten Speck u. a.) sowie einer Elternbefragung des IFS aus dem Jahr 2004.

Heinz-Günther Holtappels

Eltern verbinden mit der Ganztagsschule, dass ihre Kinder mehr lernen und einen besseren Schulerfolg haben, erläuterte Holtappels. Immerhin ein Drittel der befragten Eltern zeigte sich in der bundesweiten Auswertung unzufrieden mit der individuellen Förderung und der Unterstützung bei den Hausaufgaben. Die Ergebnisse für Brandenburg rechtfertigen den Eindruck, dass die Ganztagsschulen sich dort auf dem richtigen Weg befinden.

So wurde in der Primarstufe die Angebotspalette verbreitert und die Hausaufgabenförderung verbessert. Eine Verbesserung in diesem Bereich zeigt sich auch in den Sekundarschulen. Ein anderes Ergebnis dürfte die Lehrkräfte erfreuen, denn diese werden in Brandenburg aktiv einbezogen. Das veranlasste Holtappels sich direkt an die Lehrkräfte im Publikum zu wenden: "Sie haben zufriedenere Lehrkräfte." Alles ist eine Frage der Gegenseitigkeit. So wundert es nicht, dass die befragten Lehrkräfte wiederum den Schulleitungen in Brandenburg ein gutes Zeugnis ausstellten. Ihnen werden gute Führungs- und Moderationskompetenzen bescheinigt sowie die Fähigkeit, den Ganztagsschulbetrieb unter pädagogischen Gesichtspunkten zu leiten.

Ein Zeugnis verdient seinen Namen nur, wenn es auch die neuralgischen Bereiche anspricht. Dementsprechend sah Holtappels in Brandenburg auf mehreren Gebieten klaren Handlungsbedarf. Zum einen gebe es deutliches Potential bei den Schülerteilnahmequoten und der Beurteilung der Angebotsqualität durch die Schülerinnen und Schüler. Ferner sollte darauf geachtet werden, systematische und fundierte Schulkonzepte zu entwickeln, aber auch pädagogische Ziele in den Schulen zu überdenken sowie Lern- und Förderangebote zu stärken.

Die Vielfalt und Qualität der Foren und Workshops

Nach dem Programm am Vormittag bestach die Veranstaltung durch die Vielfalt der Themen und die Qualität der Fachreferenten, die in den Foren und Workshops zum Zuge kamen. So war das Forum "Pädagogik und Architektur" mit Dr. Herrmann Budde vom MBJS und der renommierten Schulleiterin Schulleiterin der Montessori-Oberschule Potsdam hervorragend besetzt. Einen deutlichen Akzent stellte auch die Besetzung des Forums "Kommunaler Bildungsraum" mit Dr. Jürgen Stolz vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) dar.

Auch ein Blick auf die Bandbreite der Workshops verdeutlicht das gewachsene Potenzial der Ganztagsschulen in Brandenburg. Jeder Workshop war einem Oberthema wie Kooperation, Schulkultur, Lernkultur sowie Professionalität und Schulmanagement zugeordnet. Darüberhinaus gab es in jedem Workshop einen qualifizierten Vortrag sowie ein interessantes Praxisbeispiel, das die Qualität der Ganztagsschulentwicklung in der Breite des Landes spiegelte.

Die Themen der Workshops lauteten: Kulturelle Bildung, Berufsorientierung - Fit für den Beruf?, Sport im Ganztag, Grundschule - Hort, Schule - Jugendhilfe, Gestaltung der Schule als Lebensraum, Individuelle Förderung sozialer und personaler Kompetenzen mit System, Lernplanung und Beratung als Basis individueller Förderung, Förderung von Interessen und Begabungen, Arbeits- und Kommunikationskultur, Führung und Schulmanagement, Ryhthmisierung. Die Themen an sich stellten - unabhängig von ihrer inhaltlichen Gestaltung - ein Panoptikum der Möglichkeiten des Ganztags in Brandenburg dar.

Das Prinzip "Löwenzahn"

Das Beispiel der Löwenzahn-Grundschule in Velten-Süd (Forum Pädagogik und Architektur), offenbarte, dass die Modernisierung bzw. der Aufbau einer Ganztagsschule am besten gelingen, wenn sie in ein sozialräumliches Konzept eingebettet sind. Die Mittel in Höhe von 370.000 Euro, die aus dem IZBB zum Umbau des Werkraumes und zur Umgestaltung der Klassenräume bewilligt wurden, hätten zum "Aufpeppen" der Schule gereicht, so die Schulleiterin Christiane Schulze. Während der Impuls zum Aufbau einer Ganztagsschule - wie zum Beleg der eben genannten Forschungsbefunde - von den Lehrkräften ausging, gab die Bereitschaft der Stadt, den Sozialraum zu gestalten, den Ausschlag.

Velten-Süd besteht aus drei größeren Wohnvierteln: einer Siedlung aus den 30er Jahren, einem in den 80er Jahren in industrieller Bauweise errichteten Gebiet und der in den 90er entstandenen Stadtvillensiedlung Kuschelhain, die sich stark unterscheiden. Einwohnerrückgang, soziale Probleme der überwiegend jungen Bevölkerung, Wohnungsleerstand, Vandalismus sind die gravierendsten Probleme der Teilgebiete Süd und Ernst-Thälmann-Siedlung. Wohnungsleerstand gibt es jedoch auch im Gebiet Kuschelhain. Die Ausstattung mit Einkaufs- und Dienstleistungsunternehmen im gesamten Programmgebiet ist unzureichend, ebenso fehlen zielgruppenorientierte Freizeitangebote. Velten-Süd ist einer der Schwerpunkte des Stadtumbaus.

"Unsere Kinder lernen sich überall zu behaupten"

Widerstände gab es zu Beginn zwar seitens der Abgeordneten, doch ein paar Jahre später zeigten sich alle zufrieden. Plötzlich standen viele Mittel zur Verschönerung und Aufwertung des Quartiers zur Verfügung und aus einem "architektonischen Niemandsland" wurde eine "blühende Bildungslandschaft" mit moderner Kita, Bürgerhaus und einer Ganztagsschule, die über Fachräume für Kunst/ Musik, Physik/ Biologie, Geschichte/ Geografie, Englisch sowie ein "Grünes Klassenzimmer" verfügte.

Die Stadt Velten lobte eigens einen Wettbewerb aus, um den Namen für die Schule und das Bürgerhaus zu bestimmen. So heißt die Schule heute "Löwenzahn-Grundschule", weil diese bei Kindern bekannte Pflanzenart sich auch gegen Beton behauptet, so Schulze. Sie fügte hinzu: "Unsere Schülerinnen und Schüler sollen wie der Löwenzahn lernen, sich überall zu behaupten."

Zum Lohn der Mühen besuchen heute 300 Kinder die Grundschule, statt wie noch vor einigen Jahren 170. Darüber hinaus haben auch viele Familien aus der Mittelschicht erkannt, dass es sich auch für sie lohnt, in das Viertel zu ziehen. Ohne die Zusammenarbeit mit dem Architektenbüro, die von der Schule aktiv betrieben wurde, wäre man laut Christiane Schulze gar nicht so weit gekommen.

Pädagogische Architektur in Kooperation mit der Architektenkammer

Ein Workshop, der an der Lise-Meitner-Gesamtschule Strausberg angeboten wurde, schulte den Blick der Lehrkräfte für die Möglichkeiten eines Schulbaus unter pädagogischen Gesichtspunkten. Der Architekt Carl Schagemann erklärte dazu: "Die Wahrnehmung für Architektur ist in der Gesellschaft nicht sehr ausgeprägt." Der Workshop ist ein Angebot der Brandenburgischen Architektenkammer, der das Ziel verfolgt, die Ganztagsschulen als Partner zu unterstützen und mit ihnen gemeinsam Raumkonzepte zu entwickeln.

Angenommen, eine Schule wie die Lise-Meitner-Gesamtschule Strausberg bekommt den Bewilligungsbescheid von 375.000 Euro aus Mitteln des IZBB und zusätzlich 3.000 Euro aus Mitteln der Brandenburger Projektförderung. Was macht sie damit? Der Lise-Meitner-Gesamtschule blieb nicht mehr als eine Woche Zeit, um die Eltern und Schüler zu informieren.

Zunächst wurden die Ziele formuliert. Ein großer Mehrzweckraum sollte entstehen, der sowohl das Mittagessen erlaubt wie auch die Einbindung der Schule in die Gemeinde. Außerdem wurde auf die Gestaltung der Außen- und Innenräume geachtet: "Die Außenräume sind ganz wichtig für die Kinder. Manche kommen nachmittags ja nur wegen des Fußballs zur Schule", so die Schulleiterin. Für das Gelingen des Workshops spielt die Beteiligung von Lehrkräften, Schülern und Eltern eine zentrale Rolle.

Ein Plattenbau - was nun?

Im Zuge der Projektanalyse wurden Kriterien erarbeitet, die die Schule erfüllen sollte: Die Plattenbauweise bot keine guten Voraussetzungen für das Ganztagsangebot. Dennoch stellte sich heraus, dass die Schule mehr positive als negative Aspekte erfüllt. Ferner erkannte man, dass das Raumprogramm, das während des Workshops erarbeitet wurde, nicht weit entfernt war von dem Musterraumprogramm des Brandenburger Bildungsministeriums.

Fünf Tage nach dem Workshop musste bereits ein Gesamtkonzept entwickelt werden, und dabei stellte sich heraus: "Die 375.000 Euro reichen aus", so der Schulleiter Carsten Noltenius. Danach wurde das Raumkonzept dem Bauausschuss der Stadt vorgestellt. Da sich in Strausberg die Schulleiter regelmäßig mit der Stadtverwaltung treffen, verlief die Gestaltung des Schulbaus für alle Seiten geradezu vorbildlich.

Zwar ist jedes Ganztagsschulprojekt in Brandenburg, so Hermann Budde, Referatsleiter für Schulentwicklungsplanung im MBJS, "ein Unikat", doch die Rahmenvereinbarung des Bildungsministeriums gewährleistet, dass die pädagogische Architektur ein Topthema bleibt. Wen wundert das, denn: "Mit der Gestaltung der Räume ändern sich die Beziehungen nach innen und nach außen."

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