"Zukunftsschulen" und "Bauen als sozialer Prozess" in Deutschland, Europa und Amerika

Beteiligung oder Partizipation von Schülerinnen und Schülern und der ganzen Schulgemeinde heißt das Zauberwort der pädagogischen Architektur. Was bedeutet aber pädagogische Architektur, und welchen Einfluss hat sie auf die Schularchitekturen in Europa und Amerika? Die Architekturpsychologin Dr. Rotraut Walden und der Pionier der pädagogischen Architektur Prof. Peter Hübner geben Auskunft über das "Bauen als sozialen Prozess", Merkmale von "Schulen der Zukunft" und den Beitrag des Investitionsprogramms "Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) für zukunftsweisende Schulen.

Online-Redaktion: Woher kommt der Ansatz einer pädagogischen Architektur, der auch die aktive Partizipation der Schülerinnen und Schüler vorsieht? Gibt es europäische Einflüsse?

Hübner: Die Beteiligung der Menschen an der Planung und am Bau ihrer Häuser ist ein urmenschliches Bedürfnis und führt deshalb besonders auch bei jungen Menschen zu einer großen Identifikation mit den Häusern, die in Partizipation entstanden sind. Dies gilt gleichermaßen für die neun Jugendhäuser und 20 Schulen, welche so entstanden sind, die von ihren Nutzern geliebt, pfleglich behandelt werden und alle frei von Vandalismus sind. Es gibt für unsere Arbeitsweise wenige europäische Einflüsse, der einzige wesentliche wäre der belgische Architekt Lucien Kroll.

Eine "Zukunftsschule" von Prof. Peter Hübner: Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen© plus+bauplanung GmbH

Ich bin auf das partizipative Bauen durch meine Lehrtätigkeit an der Universität Stuttgart gekommen, an der die Studenten und Studentinnen Häuser gebaut haben, die sie selbst entworfen hatten. Bei der Beobachtung dieser Projekte wurde offensichtlich, dass Bauen nicht nur ein technischer, sondern auch ein sozialer Prozess ist. Dass die so entstandenen Bauten auch 20 Jahre später von den nachfolgenden Generationen noch genauso geliebt werden, verdeutlicht, dass es ein psychisches Bedürfnis nach einer menschengemäßen Behausung gibt.

Aus über 50 Projekten, die in den letzten 20 Jahren entstanden sind, lässt sich ableiten, dass es keine bessere Methode für das Entwerfen gerade auch von Schulen gibt als die der ernsthaften Beteiligung von Schülern, Eltern und Lehrern.

Online-Redaktion: Hängt Innovation der Schularchitektur mit Partizipation zusammen?

Hübner: Meiner Meinung nach ja, denn die Vorurteile der Architekten zu der Frage, was eine gute Schulhausarchitektur ist, können nur überwunden werden, indem gemeinsam mit den Lernenden und Lehrenden Programme und Lösungen hin zu einer jeweils maßgeschneiderten individualisierten Schule entwickelt und gebaut werden. Deutschland gilt als Land, in dem viel für die Reform des Schulhausbaus getan wurde: Vor fast einem halben Jahrhundert hat Hans Scharoun in Marl und in Unna zwei Schulen gebaut, die so innovativ sind, dass sie heute noch Vorbild sein könnten.

Viele Schulen aus dem Büro von Günter Behnisch haben in den letzten 40 Jahren positive Impulse gesetzt. In den letzten zehn Jahren wurden viele innovative Schulbauten von unserem Büro realisiert. Wir bedauern sehr, dass es nicht mehr Experimente gibt, da ohne flächendeckende Erneuerung der Schulpädagogik und der Schulbauten die Chance auf eine nachhaltige Bildung unserer Kinder vertan wird. Der Andrang an den Privatschulen zeigt dieses eindringlich.

Online-Redaktion: Wo gibt es die innovativsten Schularchitekten Europas?

Hübner: In Europa gibt es in allen Ländern vereinzelt innovative Schulgebäude: in Holland fallen die Schulen von Herman Hertzberger auf, in Schweden die Futurumschulen und in Finnland einige in Helsinki. In Belgien bemüht sich die Regierung flächendeckend um neue Wege (www.scholenbouwen.be), und in Südtirol sind Schulbauministerium, Bürgermeisterämter und Schulrektoren ernsthaft dabei, Reformen im Schulwesen einzuleiten, die andere Schulbauten durch Neu- und Umbau erforderlich machen werden. Hierzu werden derzeit die Schulbaurichtlinien neu verfasst. Das gerade erschienene Buch "Schularchitektur und neue Lernkultur, Neues Lernen - Neue Räume" von Josef Watschinger und Josef Kühebacher ist von Pädagogen und Architekten verfasst worden und kann jedem Interessierten, besonders aber auch den Politikern, nur empfohlen werden.

"Bauen als sozialer Prozess" oder von Schülerinnen und Schülern mitgestaltete Bereiche der Evang. Gesamtschule Gelsenkirchen© plus+bauplanung GmbH

Das Bewusstsein, dass sich sowohl die Pädagogik als auch die dazu nötigen Schulgebäude ändern müssen, scheint in Europa unterschiedlich weit entwickelt zu sein. Daraus die politische Konsequenz zum Handeln abzuleiten und entsprechende Finanzmittel bereit zu stellen, ist völlig unterentwickelt und zeigt, dass die Kinder keine Lobby haben.

Walden: Wir haben in verschiedenen Gebäuden einen Zusammenhang ermittelt zwischen den Einschätzungen von Leistung, Wohlbefinden und Umweltkontrolle von Nutzern. Diese hängen unmittelbar zusammen und man kann sagen, je stärker Wohlbefinden oder Umweltkontrolle beurteilt wird desto höher ist auch die Einschätzung von Leistung. Umweltkontrolle drückt sich aus in Partizipation, in dem Mitentscheidungsrecht der Nutzerinnen und Nutzer, in Selbstgestaltungen, die sich in Aneignungen der Räume zeigen und die unter Umständen dazu führen, dass weniger Vandalismus zu beobachten ist. Wenn man Aneignungen ermöglicht, werden diese von späteren Schülergenerationen respektiert.

Des Weiteren ist die Steuerung von Stressoren wesentlich, also die Beeinflussung von Heizung, Kühlung, Lüftung, Lärm, Sanitärbereichen, Akustik sowie eine Kontrolle von "konfligierenden Nutzungsinteressen", Sozialkontakten und Rückzugmöglichkeiten. Wichtig ist also ein Mittelmaß zwischen einem Zuviel an Reizen und dem Alleinsein. Mit die innovativsten Schulen in dieser Hinsicht finden sich in den USA. So gibt es mehrere Schulen, die von dem Architekturprofessor Henry Sanoff mit einer Untersuchung nach Einzug in das Gebäude begleitet wurden, und in denen Sanoff einen hohen Grad an Partizipation verwirklicht hat (z.B. Davidson Elementary School, gelegen in dem Charlotte-Mecklenburg Gebiet von North Carolina (1994); in Berkeley, Kalifornien, die Rosa Parks Elementary School).

In Deutschland stellt ein Musterbeispiel für Partizipation insbesondere die Evangelische Gesamtschule in Gelsenkirchen, gebaut von Prof. Peter Hübner, dar. In dieser Schule sind reihenhausartig Klassen in sechs Straßenzügen angelegt, die Zugang nach draußen und innerhalb der Klassen eine Galerie haben sowie eine eigene Toilette und Möglichkeiten, die Schuhe abzulegen. Dort fehlt nur ein abschließbares Fach für jedes Kind wie man es aus den USA kennt.

Für Europa kann ich weitere Beispiele nennen, die eine andere Form der pädagogischen Architektur beinhalten, nämlich Kontrolle in Form von Informationen: "Information technology". In diesem Zusammenhang geht es darum, eine weltweite Vernetzung zum Lernen an einem gegebenen Ort zu nutzen. Ein japanischer Autor in unserem Buch "Schools für the future" und ebenfalls Architekturprofessor, Kaname Yanagisawa, analysierte Beispielschulen in Großbritannien, Holland und Skandinavien, die besonders innovativ sind. Als Lehrmethoden für die Nutzung von PC im Unterricht werden das individuelle Arbeiten und Gruppenarbeit in einer Art Lernlandschaft verwendet.

In Finnland fallen wohnliche Umgebungen mit Trainings von Eltern auf, die in die schulische Erziehung mit einbezogen werden. Es gibt in Finnland mehr freundschaftliche Beziehungen zwischen den Lehrkräften und den Schülerinnen und Schülern, die dadurch unterstützt werden, dass man möglichst kleine Klassen neben den großen Gruppen unterrichtet.

In Helsinki kann eine Gemeinde auch während der Schulzeiten die Sporteinrichtungen einer Schule nutzen. Weiterhin verwenden Gemeindemitglieder den Mehrzweckraum in der Rosa Parks Elementary School für Aufführungen und die Übungsräume für das Berkeley Symphony Orchestra. In manchen Schulen gibt es eine Agora, einen Marktplatz mit entsprechenden Räumlichkeiten für Musik, Kunst, Handwerk und Hauswirtschaften. Die Grundschullehrer werden besser bezahlt und auf ihre Ausbildung wird besser geachtet.

Online-Redaktion: Welchen Anteil haben Sie bei der Entwicklung einer pädagogischen Architektur? Können Sie Beispiele aus dem Inland und Europa oder Amerika nennen?

Hübner: Bedingt durch den vertrauensvollen Partizipationsprozess und die enge Einbindung der Pädagogen entsteht eine dichte und intensive Projektentwicklung, so dass das gemeinsame Schulgebäude viele Väter hat. Trotzdem glaube ich, dass alle unsere Schulen ohne mich als Architekten so nicht entstanden wären. Meine Vorurteilsfreiheit und Offenheit sowie der ernsthafte Wille, nicht mich als Architekten zu verwirklichen, sondern gemeinsam mit unseren Baufamilien etwas spezifisch Individuelles, also die maßgeschneiderte Lösung zu finden, zeichnet unsere Schulen als Beitrag zu einer neuen pädagogischen Architektur aus.

Der emeritierte Erziehungswissenschaftler Prof. Christian Rittelmeyer hat in seinem Buch " Pädagogische Anthropologie des Leibes, Biologische Voraussetzungen der Erziehung und Bildung" aufgezeigt, wie sehr der Raum besonders auch bei Schulen die Entwicklung und das Wohlbefinden, das Lernverhalten und die sozialen Interaktionen beeinflusst. Es gibt sie also tatsächlich, die pädagogische Architektur, und das schwedische Sprichwort, dass der Schulraum der dritte Lehrer sei, ist wahr.

Online-Redaktion: Was bringen denn die Schülerinnen und Schüler, die Sie als Subjekte der pädagogischen Architektur vorsehen, in den Planungs- und Umsetzungsprozess mit ein?

Hübner: Die jungen Menschen bringen sich selber mit Kopf, Herz und Hand ein und sind besonders, wenn sie erst zehn bis zwölf Jahre alt sind, völlig offen und aktiv und lassen sich in der Projektarbeit so begeistern, dass sie alles um sich herum vergessen und unglaublich kreativ sind. Aus dem so entstandenen Innovationspotenzial filtern wir unsere Anregungen und kommen auf Grund unseres Fachwissens zu Schulhausentwürfen, die anders sind als der Mainstream der so genannten guten Architektur.

Die Gelsenkirchener "Zukunftsschule" bei Nacht© plus+bauplanung GmbH

In meinem Buch "Kinder bauen ihre Schule" ist dieser Prozess detailliert dargestellt, er ist so komplex, dass er nicht in eine kurze Antwort zu pressen wäre. Peter Blundell-Jones, der an der University of Sheffield lehrt, hat ein Buch über mein Oeuvre geschrieben: "Building as a social Process, Bauen als sozialer Prozess" wird im Juli dieses Jahres in der Edition Axel Menges erscheinen. Hier wird auf circa 300 Seiten an über 60 Projekten aufgezeigt, wie ein solcher Planungs- und Umsetzungsprozess geschehen ist.

Online-Redaktion: Was zeichnet die innovativen Schularchitekturen - als Lehr- und Lebensräume - unter ganzheitlichen Gesichtspunkten aus?

Walden: Einer Antwort auf diese Frage kann man sich nähern, indem man von den schlimmsten Fehlern ausgeht. Was sind die schlimmsten Fehler, die man beim Schulbau machen kann? Ich liste einige Fehler auf:

  • Zu große Gebäude, die zur Anonymität führen.
  • Fehlender Schutz vor Kriminalität, Unfällen, Gewalt durch mangelnde Übersichtlichkeit für Aufsichtspersonal und unsichere Wege, Treppen oder Spielgeräte.
  • Zu kleine Gebäude, die wenig Vorkehrungen für AGs und Aktivitäten ermöglichen, weil es in ihnen an Fachräumen mangelt.
  • Eine zu geringe Verbindung zwischen Eingang und Klassenräumen.
  • Energieverschwendung aufgrund von Zugluft und schlechter Heizungsisolierung.
  • Dunkle Flure und Räume, die ständig künstliche Beleuchtung notwendig machen.
  • Niedrige Deckenhöhen.
  • Zu kleine Klassenräume oder zu wenig Lernmaterialien für eine Schüleranzahl.
  • Zu wenige und schlechte Gemeinschaftseinrichtungen für die Lehrer und die Schüler (technische Ausstattung, ergonomische Möbel, Lärm), zu wenige und zu kleine Räume für die Verwaltung.
  • Unzureichende Lärmisolierung.
  • Keine behindertengerechten Einrichtungen (fehlende Aufzüge, Rampen, Handläufe, elektrische Türöffner, etc.).
  • Schlechte Möglichkeiten zur Instandhaltung und Wartung, die zu einem Anstieg des Vandalismus führen.
  • Fehlende Sauberkeit aufgrund von schwierig zu pflegenden Materialien und unzureichenden Möglichkeiten zur Müllsammlung.

Die Schulen der Zukunft sollten viele Erfahrungen in der Gestaltung des Gebäudes und Außenraumes, auch bereits in der Planungsphase, unter Berücksichtigung der Schüler- und Lehrerwünsche und ihrer Erfahrungen bieten. Ebenso sollten sie lebendig gestaltet sein sowie eine freundliche Atmosphäre ausstrahlen. Um ein Gefühl von "Zuhause-Sein" in einer solchen Schule zu vermitteln, insbesondere in einer Ganztagsschule, in der die Schülerinnen und Schüler ebenso wie ihre Lehrerinnen und Lehrer viel Zeit verbringen, ist es äußerst wichtig, dass Lehrer, Schüler und Eltern an ihrer Gestaltung teilhaben können. Eine weitere Auswirkung gut gestalteter Schulen ist die erhöhte Bereitschaft, Verantwortung für die eigene Entwicklung zu übernehmen, eine Steigerung der Kreativität und Umweltintelligenz, einhergehend mit einem Absinken des Vandalismus.

Online-Redaktion: Welche Aspekte sollten zukunftsweisende Schulen berücksichtigen?

Walden: Die für den Bau und den Betrieb der Schule Verantwortlichen sollten das Recht aller Nutzer einlösen, an Entscheidungen teilzunehmen und die teilweise Nutzung der Schulgebäude auch außerhalb der Unterrichtszeiten für alle Gemeindemitglieder ermöglichen. Von Bedeutung ist auch die Anpassung der Räumlichkeiten an verschiedenartige Lehr- und Lernmethoden wie zum Beispiel team teaching oder Klein-Gruppenunterricht. Wichtig ist auch die Verwendung von umweltfreundlichen, nachhaltigen, pflegeleichten und beständigen Baumaterialien.

Für die innovative Architekten steht Partizipation durch Schüler, Lehrer, Eltern, Nutzer und die Öffentlichkeit nicht als Fremdwort "neben" dem Geschehen, sondern als spezifischer Auftrag im planerischen Tagewerk (Sanoff, 2002). Folgerichtig bemerken wir das auch an der Wortwahl der Architekten. Sie sprechen vom Kind als "Adressaten", vom Unterricht als "Seele" des Hauses, von Lernfreude und Leistungsbereitschaft, vom Zuhause-Gefühl auf Seiten der Nutzer.

Die Architekten lassen erkennen, dass etliche Eckpfeiler ihrer Arbeit an der Gestaltung von Schulen auch in Zukunft unverzichtbar sind. Sie listen auf:

  • Flexibilität im räumlichen Angebot,
  • entkrampftes Sozialgefüge und Integration,
  • unterrichtliche Gestaltungsvariablen,
  • Schülerpersönlichkeit und erlebbare Gemeinschaft,
  • anregungsreiche Umgebung;

hierzu zählen übersichtliche Gebäude, einladende Räume, angenehm wirkende Treffpunkte wie Nischen, Ausweichräume, Sitzecken, Aulen, Fachräume, Hallen, Eingangsbereiche, Pausenhöfe mit gleitenden Übergängen zu Freiflächen, Spielzonen, zu Rasen, Hecken, Sträuchern, Bäumen, Pflanzen, Bäche und zum Schulweiher.

Online-Redaktion: Wie beeinflussen Netzwerke innovativer Schulen in Europa die pädagogische Architektur?

Walden: In Österreich gibt es ein Netzwerk innovativer europäischer Schulen ENIS, in denen Informationstechnologien eine bedeutende Rolle spielen. In den zertifizierten Schulen muss die Infrastruktur dafür sehr ausgereift sein, und es müssen didaktische und methodische Konzepte erprobt und umgesetzt werden. Der Austausch von Erfahrungen und Informationen auf schulischer Ebene ist eines der Hauptziele dieses europäischen Netzwerks.

Online-Redaktion: Welche Wertigkeiten haben die Schulbauten in anderen europäischen Ländern und wie unterscheiden sie sich je nach Region und Land?

Walden: Unsere Erkenntnisse zu dem Buch "Schools for the Future" stammen aus 26 Beispielschulen aus 14 Ländern und allen fünf Kontinenten. Wir haben also Schul-Beispiele aus den U.S.A, Europa, Afrika, Australien und Asien erläutert. Anhand der zahlreichen Beispiele kann man wohl Trends im Bau von Schulen ermitteln und den Einfluss der unterschiedlichen Kulturen und des Klimas feststellen.

Wir haben selbst ein Schema zur Beurteilung der Qualität von Schulen generell aufgestellt, in dem funktionale, ästhetisch-gestalterische, sozial-physische, ökologische, organisatorische und finanzielle Kriterien mit ca. 250 Designmerkmalen verknüpft werden. Die einzelnen Aspekte werden für verschiedene Bereiche entlang eines vorgestellten Rundgangs durch Schulgebäude benannt. Uns interessieren weniger die Besonderheiten eines einzelnen Landes, sondern die Frage, wie innovative Schulen weltweit gestaltet werden können.

Online-Redaktion: Sind die Zukunftsschulen auch finanzierbar? Ermöglichen die Mittel aus dem IZBB auch eine Modernisierung der deutschen Schulgebäude nach europäischem Vorbild?

Hübner: Die Mittel müssten in größerer, ausreichender Höhe bereitgestellt werden, um die Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen an bestehenden Schulgebäuden sowie Neubauten zu realisieren. Nur die Investition in die Bildung kann nachhaltig die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft sichern. Eine seriöse Kosten-Nutzenanalyse würde zeigen, dass die Investitionen sich im Laufe der Jahre vielfach auszahlen würden.

Die schwedischen Staatsschulen sind hier als Vorbilder zu nennen, weil es dort selbstverständlich ist, dass jede Schule sich autonom und verantwortlich sowohl um den Bau und Betrieb von Schulen, als auch um die Auswahl der Pädagogen kümmern muss. Die Ergebnisse der Pisa Studie zeigen, wie erfolgreich eine solche Delegation von Aufgaben an die Betroffenen sein kann.

Walden: Peter Hübner errechnete für seine sehr wohnlichen, kreatives Arbeiten anregenden Schulen, dass sie im Durchschnitt 10 bis 20 Prozent weniger als übliche Schulen kosten. Schulen mit moderner Kommunikations- und Gebäudetechnik erfordern ständig Erneuerung und sind dadurch schon kostenintensiv. Doch sind Investitionen in die Kinder, Investitionen in die Zukunft eines Landes.

Prof. Peter Hübner ist Architekt und Pionier der pädagogischen Architektur in Deutschland. Er hat dem "Bauen als sozialen Prozess" auch international Bahn gebrochen. Seinem Credo entsprechend hat er die Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern geplant und umgesetzt. Sie zählt weltweit zu den "Zukunftsschulen" der pädagogischen Architektur.

Dr. Rotraut Walden ist Expertin für innovative Gebäude und dabei insbesondere für den "Schulbau". Sie gehört zu den rund 20 Architekturpsychologen in Deutschland und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität in Koblenz. Dr. Walden ist Herausgeberin des Buches "Schools for the Future", das pädagogische Architekturen in Europa, Amerika, Asien, Australien und Afrika vorstellt.

Literatur zum Thema:

Rotraut Walden &  Simone Borrelbach (2006). "Schulen der Zukunft. Gestaltungswege der Architekturpsychologie" (3. Aufl.). Heidelberg: Asanger.
Peter Hübner: "Kinder bauen ihre Schule" (ISDN 3-932565-52-5)
Walden, Rotraut (Ed.) (Forthcoming): Schools for the Future. Design proposals from Architectural Psychology. Hogrefe & Huber Publishers, Göttingen. With contributions by Simone Borrelbach, Jeffery A. Lackney, Henry Sanoff, Rotraut Walden, Kaname Yanagisawa. Translation: Thorbjoern Mann.
Peter Blundell-Jones: "Building as a social Process, Bauen als sozialer Prozess"
Josef Watschinger/ Josef Kühebacher "Schularchitektur und neue Lernkultur, Neues Lernen - Neue Räume" von (ISBN978-3-03905-278-3)

Die Übernahme von Artikeln und Interviews - auch auszugsweise und/oder bei Nennung der Quelle - ist nur nach Zustimmung der Online-Redaktion erlaubt.
Wir bitten um folgende Zitierweise: Autor/in: Artikelüberschrift. Datum. In: https://www.ganztagsschulen.org/xxx. Datum des Zugriffs: 00.00.0000

 

 


 
(Ende der inhaltlichen Zusatzinformationen)