Wintersport, Kultur und Ganztag in Garmisch-Partenkirchen

Das Werdenfels-Gymnasium Garmisch-Partenkirchen mit Blick auf die Zugspitze ist Partnerschule des Wintersports. Doch es glänzt auch mit Erasmus+, Theater, Musik und Kunst – nicht nur vor Weihnachten.

Zugspitzmassiv
Vom Lehrerzimmer aus zu sehen: das Zugspitzmassiv © Redaktion

Das ist mal eine Arbeitsplatzbeschreibung. „Wenn wir im Lehrerzimmer aus dem Fenster schauen, sehen wir die Zugspitze“, freut sich Christoph Hagenauer, der stellvertretende Schulleiter des Werdenfels-Gymnasiums. Es ist wohl nur folgerichtig, dass eine Schule, die in einem der Zentren des Wintersports in Deutschland liegt, auch selbst einen solchen sportlichen Schwerpunkt hat, und zu ihren prominenten Abiturienten unter anderem Eiskunstlauflegende Hans-Jürgen Bäumler zählen kann, der Ende der 1950er Jahre hier Schüler war.

Das Neujahrsskispringen auf der Großen Olympiaschanze, der Ski-Weltcup auf der Kandahar-Abfahrt Garmisch, der City-Biathlon am 30. Dezember direkt durch die Stadt oder die Hornschlittenfahrt am Dreikönigstag – Fans des Wintersports schlägt das Herz höher, wenn sie die Fernsehübertragungen aus der oberbayerischen Gemeinde sehen oder an den Strecken dabei sein können. Zu diesen Wintersportfans gehört auch Dr. Michael Pach. Zu Beginn seiner Lehrertätigkeit war er noch zur Hälfte seiner Arbeitszeit als Skitrainer im Olympiastützpunkt Garmisch-Partenkirchen tätig. Heute ist er Sportlehrer und zusammen mit Volker Bockhorni einer der beiden Leistungssportkoordinatoren des Werdenfels-Gymnasiums. Nur noch in seiner Freizeit ist er Skitrainer.

© Redaktion

Auf die Frage, wie seine Schule zur „Partnerschule des Wintersports“ wurde, muss er schmunzeln: „Wir gehörten damals vor rund 15 Jahren zu den Schulen, die das Projekt mit konzipiert haben.“ Der Wintersport spielte schon immer eine große Rolle am Werdenfels-Gymnasium. Inzwischen gehört es auch offiziell zu den herausragenden Schulen in diesem Bereich. An 32 bayerischen Schulen werden Talente des olympischen Wintersports heimatortnah gefördert, an vom Bayerischen und Deutschen Skiverband ausgewählten Standorten. Ab der Jahrgangsstufe 9 wird dann die Bündelung herausragender Nachwuchssportler an den „Eliteschulen des Wintersports“ in Berchtesgaden und Oberstdorf angestrebt.

Partnerschaft mit den Vereinen

Michael Pach und Christoph Hagenauer vor der Schule
Michael Pach (l.) und Christoph Hagenauer © Redaktion

„Als Partnerschule des Wintersports sind wir maximal flexibel, wenn es um die Anpassung der Unterrichtszeiten an die Erfordernisse der Trainings- und Wettkampfzeiten unserer rund 50 geförderten Wintersportlerinnen und Wintersportler geht“, erläutert Michael Pach. „Die Jugendlichen können Klausuren nachschreiben und bekommen Übungszeiten außerhalb der Unterrichtszeiten, auch am Wochenende.“ Er selbst habe einmal mit Felix Neureuther, dem wohl aktuell bekanntesten Absolventen des Werdenfels-Gymnasiums, samstagmorgens um sechs Uhr gelernt. Dank E-Tutoring und der Internet-Lernplattform mebis ist es einfacher geworden, Unterrichtsstoff nachzuholen.

Zwischen Weihnachten und Ostern verlassen die Sportklassen der 5. bis 8. Jahrgangsstufen einmal in der Woche geschlossen das Schulgebäude und trainieren bis 11.30 Uhr im Olympiastützpunkt am Gudiberg. Am Nachmittag haben sie dann Unterricht. Es ist nicht nur der alpine Skisport, den Schülerinnen und Schüler hier betreiben, sondern auch Ski-Langlauf, Eishockey, Eislaufen und Biathlon. Dreimal ist das Werdenfels-Gymnasium Bundessieger im Ski alpin geworden, bei der Schul-Ski-Weltmeisterschaft im französischen Grenoble holte das Team des Gymnasiums Bronze.

Michael Pach (l.) und Volker Bockhorni mit den Siegern des Bundesfinales im Ski alpin und Langlauf © Werdenfels-Gymnasium

Michael Pachs und Volker Bockhornis Aufgabe als Leistungssportkoordinatoren ist es, als Scharnier zwischen Sportlerinnen und Sportlern, Lehrkräften und Vereinstrainern zu fungieren. Da freut es den stellvertretenden Schulleiter Christoph Hagenauer, dass er mit Michael Pach und Volker Bockhorni Fachmänner auf diesen Posten weiß. „Die Trainer haben ihre Ziele, aber wir müssen schauen, ob jede Trainingsmaßnahme denn jetzt wirklich sein muss, und Michael Pach kann das gut einschätzen.“ Die Kooperation mit den Trainern laufe sehr gut, 95 Prozent der Anträge auf Unterrichtsbefreiung bewillige das Gymnasium. „Wenn es zwischen Lehrern, Schülern und Trainern partnerschaftlich läuft, ist es gut“, meint auch Michael Pach.

Kultur und Sport gleich stark

Keine Frage, es ist Mehrarbeit für viele Kolleginnen und Kollegen – Pach schätzt sie pro Lehrkraft auf 20 Stunden pro Schuljahr –, aber es schweißt die Schule zusammen, wenn alle mit ihren Athletinnen und Athleten mitfiebern und sich über deren Siege freuen. Das verleiht dem Gymnasium natürlich auch ein Profil, das viele Eltern ihre Kinder gezielt an der Schule anmelden lässt. Ein 16-jähriger Biathlet ist schon alleine aus München nach Garmisch-Partenkirchen gezogen, um die Schule besuchen zu können.

Olympiaschanze Garmisch
Weltberühmt: Olympiaschanze Garmisch© Redaktion

„Bereits das Niveau in unserem Sportunterricht ist sehr hoch“, betont der stellvertretende Schulleiter. Und das nicht nur in den Wintersportarten, sondern auch im Fußball, Basketball, Volleyball, Klettern, Golf, Turnen, Synchronschwimmen oder in der Leichtathletik. Gerade der alpine Wintersport ist aber keine ganz ungefährliche Sportart, und Christoph Hagenauer „zittert auch immer ein bisschen mit“, wenn die Schülerinnen und Schüler die Pisten hinunterschießen. „Gerade deshalb macht das Training eine professionelle Herangehensweise nötig.“

Für Christoph Hagenauer ist wichtig, dass der Wintersport ein wesentlicher und öffentlichkeitswirksamer Pfeiler des Schullebens ist. Doch er soll andere Stärken der Schule, besonders der kulturellen Bildung, auch nicht überschatten. „Wir sind im Bereich Kunst, Musik und Theater sehr stark. Wir haben mehrere Chöre, eine Big Band, ein Orchester und Solo-Instrumentalunterricht. Dazu arbeiten wir eng mit der Musikschule zusammen. Im Jahr veranstalten wir drei große Konzerte im Frühling, im Sommer und zu Weihnachten. Und zu festlichen Gelegenheiten wie den Einschulungsfeiern spielt unsere Big Band auf, oder unsere Schüler singen in Seniorenheimen.“ Ein besonderer Höhepunkt seien auch stets die Kunstausstellungen der Schule, die in Kooperation mit dem benachbarten Mädchengymnasium gestaltet werden.

Am Werdenfels-Gymnasium gibt es vier Theatergruppen, darunter eine englischsprachige. „Die werden durch das Riesenengagement von Kolleginnen und Kollegen und von Schülerinnen und Schülern, die auch die Technik in unserer tollen Aula übernehmen, getragen. Da kommen mehr als semi-professionelle Aufführungen heraus!“

„Talente entdecken und fördern“

Theaterstück „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ © Werdenfels-Gymnasium

Ein anderer Höhepunkt war die über das Erasmus+-Programm ermöglichte Zusammenarbeit mit dem Lycée Ozanam im französischen Lille und der Bay House School im englischen Gosport: Schülerinnen und Schüler erarbeiteten gemeinsam über zwei Jahre das Theaterstück „Sag mir, wo die Blumen sind“ über die Jugend im Ersten Weltkrieg. Im April 2018 wurde es im Münchner Residenztheater uraufgeführt und dann noch zweimal im Werdenfels-Gymnasium gespielt.

Christoph Hagenauer sieht das Werdenfels-Gymnasium „als kulturelles Zentrum“. Eine so „starke Identifikation mit einer Schule“ habe er noch nie erlebt. „Eine Schule lebt von den handelnden Personen, das fängt bei unseren tollen Hausmeistern an, geht über das hervorragende Sekretariat weiter bis zu den engagierten Schülerinnen und Schülern und natürlich den Kolleginnen und Kollegen.“

Schüler auf der Theaterbühne
Theaterstück „Sag mir, wo die Blumen sind“© Werdenfels-Gymnasium

Letztere bringen ihre Interessen auch in AGs ein. „Unsere Lehrerinnen und Lehrer sind Spezialisten in ihren Bereichen. Das Gymnasium hatte schon immer ein abwechslungsreiches AG-Angebot, von dem jetzt seit sieben Jahren unsere Schülerinnen und Schüler im offenen Ganztag profitieren.“ Das Ganztagsangebot findet an vier Tagen der Woche statt: mit AGs und Projekten, einer von der Caritas organisierten Mittagspause und der Hausaufgabenzeit.

„Die Schülerinnen und Schüler können mitbestimmen, welche Projekte sie im Angebot des offenen Ganztags wahrnehmen wollen. Interessant ist, dass die Jugendlichen viele handwerkliche Angebote wählen – die im Unterrichtsalltag zu kurz kommen“, erzählt Christoph Hagenauer. „Hier Talente entdecken und fördern zu können, ist einer der Vorzüge des Ganztags. Und wegen der gesellschaftlichen Veränderungen lässt sich das Rad Richtung Ganztag sowieso nicht mehr zurückdrehen.“

Weihnachtskonzert mit dem „Nussknacker“

Schülerinnen und Schüler am Fuße der Kandahar-Abfahrt© Werdenfels-Gymnasium

Die Schülerinnen und Schüler der Schülermitverantwortung (SMV) engagieren sich nicht nur als Tutorinnen und Tutoren für die 5. Klassen und in der Hausaufgabenzeit, sondern organisieren auch den alljährlichen Weihnachtsmarkt am letzten Schultag vor Weihnachten. Jede Klasse leistet ihren Beitrag mit musikalischen Beiträgen, Theateraufführungen, kunsthandwerklichen Produkten und kulinarischen Spezialitäten. Der Erlös wird gespendet. Im vergangenen Jahr gingen so 4.700 Euro an soziale und kirchliche Organisationen. In diesem Jahr werden „Ärzte ohne Grenzen“ und der Diakonieverein Garmisch-Partenkirchen, der pflegebedürftige Menschen vor Ort unterstützt, die Spendenempfänger sein.

Beim Gang durch das Gebäude des Werdenfels-Gymnasiums dringt aus einem Probenraum weihnachtliche Musik. Bereits zu Schuljahresbeginn starten die Schülerinnen und Schüler mit der Vorbereitung auf das Weihnachtskonzert – in dieser Woche hat die heiße Phase der Proben bis zum traditionellen Termin am Donnerstagabend in der Aula begonnen. Solisten, kammermusikalische Besetzungen und das große Ensemble werden in diesem Jahr unter anderem den „Nussknacker“ von Pjotr Tschaikowski und den „Abendsegen“ aus der Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck zu Gehör bringen.

„Jedes Jahr, gerade nach der stressigen Vorweihnachtszeit, wenn ich beim Weihnachtskonzert sitze, dann beginnt für mich eigentlich erst so richtig die Weihnachtszeit. Dann merke ich, wie der Stress abfällt und die adventlichen Gefühle wirklich aufkommen“, freut sich Schulleiter Tobias Schürmer.

 

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