Ganztag in Schleswig-Holstein: Bewährte Qualität mit Partnern

Qualität, Chancengerechtigkeit und Verlässlichkeit stehen im Fokus des Ausbaus der Ganztagsschulen in Schleswig-Holstein, auch in bewährten Kooperationen. Bildungsministerin Karin Prien spricht im Interview über aktuelle Entwicklungen.

Bildungsministerin Karin Prien© Frank Peter

Online-Redaktion: Frau Ministerin, wie entwickelt sich der Ausbau der Ganztagsschulen in Schleswig-Holstein?

Karin Prien: Ich bin mit der Entwicklung sehr zufrieden und kann feststellen, dass die Ganztagsschulen mittlerweile in der schleswig-holsteinischen Bildungslandschaft fest verankert sind. Die Nachfrage nach ergänzenden Ganztags- und Betreuungsangeboten steigt kontinuierlich. Inzwischen verfügen rund 65 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen – das sind 550 Schulen – über ein unterrichtsergänzendes schulisches Angebot am Nachmittag im Rahmen einer Ganztagsschule. Im Durchschnitt nehmen schätzungsweise rund 30 Prozent aller Schülerinnen und Schüler diese Möglichkeiten wahr. Die Betreuungsangebote konnten zudem ergänzt werden.

Schüler unterhalten sich auf dem Schulhof
Klaus-Groth-Schule Tornesch© Britta Hüning

Online-Redaktion: Die Diskussion dreht sich in allen Bundesländern um Verlässlichkeit und Flexibilität der Angebote. Ist die Organisationsform – offene oder gebundene Ganztagsschulen – ein Thema in Schleswig-Holstein?

Prien: Schleswig-Holstein hat sich schwerpunktmäßig für den Ausbau des Formats der offenen Ganztagsschule entschieden, also für ein Modell, das auf Wahlmöglichkeiten und Freiwilligkeit setzt und das durch vielfältige Kooperationen mit außerschulischen Partnern die Öffnung von Schule ermöglicht.

Domschule Schleswig© Domschule Schleswig
Diese offene Ganztagsschule steht nicht in Konkurrenz zu Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe im Sozialraum, sondern bietet ihnen eine Plattform. Die Zusammenarbeit in einem multiprofessionellen Team in der offenen Ganztagsschule stellt eine Herausforderung für die handelnden Akteure dar, sie stärkt jedoch auch ganzheitliches Lernen.

Online-Redaktion: Welche Rolle spielt in Schleswig-Holstein die Qualität der Ganztagsangebote, und mit welcher Unterstützung können die Schulen rechnen?

Blick in die Mensa der Klaus-Groth-Schule Tornesch
© Britta Hüning

Prien: Die Qualität der Ganztagsangebote ist für mich ein zentrales Anliegen, weil ein Gewinn für die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern nur entstehen kann, wenn diese Form der Schule durch Qualitätsstandards überzeugt. Dies wird durch die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Schleswig-Holstein unterstützt. Sie berät sowohl bereits bestehende Ganztagsschulen und Schulen, die Interesse an dem Aufbau eines Ganztagsangebots haben, als auch alle Statusgruppen, die an Ganztagsschule beteiligt sind. Und sie fördert Qualitätsnetzwerke wie das Referenzschulsystem. So ist eine individuelle Beratung und Hilfestellung an den jeweiligen Schulen möglich, die auch die lokalen Besonderheiten der beratenden Schulen fokussiert.

Grundschule Barkelsby© Grundschule Barkelsby

Online-Redaktion: Das Thema „Ländliche Räume“ ist wieder mehr in der öffentlichen Diskussion, auch in Schleswig-Holstein. Welche Herausforderungen für den Ganztag sehen Sie?

Prien: Für mich ist entscheidend, dass der Ausbau von Ganztagsschulen sich in den ländlichen Räumen ebenso entwickelt wie in städtischen Gebieten. Hierbei wollen wir auch örtliche Partner wie beispielsweise ehrenamtliche Vereine in die Gestaltung des Ganztagsprogramms einbeziehen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir im Bereich des Ausbaus des Ganztagsschulangebotes – auch in den ländlichen Räumen – weiterhin deutliche Fortschritte erzielen werden und somit auch die Attraktivität des ländlichen Raumes in Schleswig-Holstein nachhaltig stärken können. Ganztagsschulen bieten zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler, sie sollen deshalb in allen Regionen des Landes bedarfsgerecht vorgehalten werden. Das verlangt gemeinsame Anstrengungen von Land und Kommunen.

Schüler schauen aus dem Fenster
© Britta Hüning

Online-Redaktion: Sie haben angekündigt, bis 2022 den Ausbau möglichst flächendeckend zu sichern. Wo liegen besondere inhaltliche Schwerpunkte?

Prien: Es ist ein wichtiges Anliegen der Landesregierung, die Ganztagsschule so weiterzuentwickeln, dass die bereits bewährte Kooperation mit der Jugendhilfe erhalten bleibt und gut gestaltet wird. Zudem ist es wichtig, den Kindern im Ganztagsunterricht möglichst viele unterschiedliche Angebote zu machen, um den individuellen Interessen der Kinder gerecht zu werden. Hierbei stehen für mich die Themen Qualität, Chancengerechtigkeit und Verlässlichkeit im Fokus.

Online-Redaktion: Vielen Dank für das Interview!

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