Ein Tag im Leben einer Schulleiterin: Undine Schröder

„Schulpartnerschaften haben mit Bildungsgerechtigkeit zu tun“, findet Undine Schröder. In der Reihe „Ein Tag im Leben einer Schulleiterin“ berichtet sie aus dem Schulalltag der Regelschule „Georg Kresse“ Zeulenroda-Triebes.

Schulleiterin Undine Schröder© Regionale Schule „Georg Kresse“

Online-Redaktion: Frau Schröder, wie sah Ihr gestriger Schultag aus?

Undine Schröder: Der gestrige Tag ist, wie so viele andere auch, gut gefüllt gewesen und war sehr erlebnisreich. Der Morgen begann mit einem Elterngespräch. Danach musste ich viel Post und Schriftstücke lesen und unterschreiben. Dazwischen hatte ich einen Termin mit einem ehemaligen Schüler, der ein Klassentreffen vorbereitet und bei uns in der Schule feiern möchte, 30 Jahre nach dem Schulabschluss. Dann stand am Nachmittag etwas sehr Angenehmes auf dem Programm: Wir haben mit den Kolleginnen der Grundschule, die hier bei uns im Haus ist, einen Ausflug in das schöne Weinanbaugebiet Saale-Unstrut bei Freyburg unternommen. Die Kolleginnen und Kollegen kamen miteinander ins Gespräch, und es waren auch einige ehemalige Kollegen und Kolleginnen dabei.

Online-Redaktion: Wie sind Sie Schulleiterin geworden?

Schröder: Ich habe in Jena studiert, Lehramt Deutsch und Geschichte, und kam 1985 nach Triebes, an die Polytechnische Oberschule „Theodor Neubauer“, wie sie damals hieß. 1990/1991 wurde eine neue Schule gebaut, an die ich dann zusammen mit meinem Kollegium und den Schülerinnen und Schülern wechselte. Unser 25-jähriges Bestehen liegt nun schon zwei Jahre zurück. Mein Schulleiter Peter Wild fragte mich dann, ob ich die stellvertretende Schulleitung übernehmen wolle, was ich 16 Jahre lang gemacht habe.

Eingang der Regionalen Schule "Georg Kresse"
© Regionale Schule "Georg Kresse"

Peter Wild war mein Vorbild, ich habe viel von ihm gelernt, und wir haben viele gemeinsame Projekte durchgeführt. Wir haben die Schulaustauschprojekte gestartet, den Bereich Schule-Wirtschaft gefestigt und gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen Unterrichtsprojekte angekurbelt. Als er dann 2013 in den Ruhestand ging, bat er mich, diesen Weg als Schulleiterin fortzusetzen. Nicht zuletzt, weil wir ein tolles Kollegium haben, ließ ich mich darauf ein.

Online-Redaktion: Haben Sie die Entscheidung schon einmal bereut?

Schröder: Man ärgert sich hin und wieder schon, besonders was die Personalsituation betrifft. Aber ich war immer motiviert, das fortzuführen, was wir begonnen haben. Und wie gesagt: Hinter mir weiß ich ein standhaftes und freundliches Kollegium. Das aber immer älter wird. Man bekommt hier in unserer ländlichen Region kaum junge Leute, was sehr schade ist. Denn Ostthüringen hat seine Reize.

Online-Redaktion: Sie haben Ihren Vorgänger als Vorbild genannt. Was hat Ihnen an seiner Arbeitsweise gefallen?

© Regionale Schule „Georg Kresse“

Schröder: Seine Ausgeglichenheit und seine Ruhe. Er hat immer versucht, gemeinsame Lösungswege zu finden. Und das habe ich mir abgeschaut.

Online-Redaktion: Wie haben Sie sich für die Schulleitung qualifiziert?

Schröder: Ich habe die Fortbildungen besucht, die das Thillm, unser Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien, angeboten hat. Dort werden Schulleitungen in allen organisatorischen und rechtlichen Fragen geschult.

Online-Redaktion: Welches Selbstverständnis haben Sie als Schulleiterin entwickelt?

Schröder: Mein Selbstverständnis ist: Ich bin für alle ansprechbar, egal ob Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen und Kollegen, technisches Personal oder Eltern. Wenn ein Problem da ist, möchte ich es gemeinsam lösen und auch mit anderen zusammen eine Strategie entwickeln. Das heißt dann natürlich auch, dass ich am Tag sehr viele Gespräche führe. Da managt unsere Schulsekretärin Maria Grau den übervollen Terminkalender und behält den Überblick.

Online-Redaktion: Was heißt für Sie Bildungsgerechtigkeit?

Schülerinnen und Schüler beim Hauswirtschaftsunterricht
© Regionale Schule „Georg Kresse“

Schröder: Das ist für mich Chancengleichheit im gesamten Bildungsprozess, vom Kindergarten an. Egal woher die Kinder kommen oder wie viel Geld die Eltern besitzen – es sollen alle möglichst gut gefördert werden, um ihnen gute Zukunftschancen auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen. Das geht durch Differenzierung im Unterricht, wie wir das durchführen, und durch gezielte Vorbereitung auf die verschiedenen höchstmöglichen Abschlüsse. Im vergangenen Schuljahr haben unsere Schülerinnen und Schüler die Abschlussprüfungen für den Realschulabschluss und für den qualifizierenden Hauptschulabschluss erfolgreich bestanden.

Online-Redaktion: Welchen Anteil hat der Ganztag, um Bildungsgerechtigkeit zu unterstützen?

Schröder: Wir sind eine teilgebundene Ganztagsschule. Im 5. und 6. Jahrgang nehmen alle Schülerinnen und Schüler an den Ganztagsangeboten teil. Wir fördern sie nicht nur im Unterricht, sondern auch durch eine breite Palette von Interessengemeinschaften, die von Lehrerinnen und Lehrern, aber auch von Externen über das Landesprogramm Schulbezogene Jugendsozialarbeit durchgeführt werden. Dort können die Schülerinnen und Schüler ihre Interessen entwickeln – von der Computer-AG bis zur LEGO Education im MINT-Bereich, aber wir haben auch „Kochen und Backen“ im Programm. Auf unser großes Angebot bin ich sehr stolz.

© Erasmus+

Online-Redaktion: Ihre Schule engagiert sich als UNESCO-Projektschule für Europa. Wie erhalten Sie die Schulpartnerschaften?

Schröder: Da ist eine ständige Pflege nötig. Wir organisieren einen jährlichen Schulaustausch und halten den Kontakt über die Sozialen Netzwerke. Die längste Schulpartnerschaft verbindet uns seit 1992 mit der Schule in Balatonlelle in Ungarn. Im Mai haben wir den 24. Schüleraustausch durchgeführt, nächstes Jahr haben wir also „Silberhochzeit“. Wir haben Besuch von zwölf ungarischen Schülerinnen und Schülern, zwei Kolleginnen und zwei Busfahrern bekommen. Dazu musste ich im Dezember Anträge schreiben, um eine Förderung des Thüringer Bildungsministeriums zu erhalten.

Auch Kooperationspartner wie Firmen in der Umgebung haben uns finanziell unterstützt, sodass wir ein schönes Programm gestalten können. Wir haben diesmal eine Fahrt nach Erfurt ermöglichen können, um dort das MDR-Fernsehstudio zu besuchen. Das hat unsere Schülerinnen und Schüler begeistert. Ebenso wie die Fahrt in den Freizeitpark Plohn im Vogtland. Eine wichtige Unterstützerin war für uns auch Martina Slansky, die Vorsitzende des Freundeskreises Europäische Partnerschaften e. V. Zeulenroda-Triebes. Wir haben zusammen Pizza gebacken und das Winkelmannsche Haus, das älteste Haus in Triebes aus der Zeit des 30-jährigen Krieges, besucht, das von einem Verein zum kulturellen Zentrum ausgebaut wird.

Gruppenfoto bei einer Jugendbegegnung in Zeulenroda-Triebes
© Freundeskreis Europäische Partnerschaften e.V.

Auch solche Schulpartnerschaften haben etwas mit Bildungsgerechtigkeit zu tun. Nicht jede Familie kann sich einen Urlaub im Ausland erlauben. Unsere Schülerinnen und Schüler lernen, über den Tellerrand zu schauen, füllen den Europa-Gedanken mit Begegnungen und Besuchen und erfahren, wie nützlich es ist, eine Fremdsprache zu lernen. Europa wächst hier ganz konkret zusammen, wenn die Schülerinnen und Schüler bei ihren Gastfamilien wohnen. Wenn es an die Heimfahrt geht, fließen oft Tränen.

Online-Redaktion: Was war für Sie als Schulleiterin die größte Herausforderung in den letzten Jahren?

© Regionale Schule „Georg Kresse“

Schröder: Das war die Schulnetzplanung. Unsere Regelschule stand auf der Kippe. Aber momentan ist unser Standort bis 2022 gesichert. Unser Schulträger ist die Stadt Zeulenroda-Triebes. Die Finanzen sind knapp. Da müssen wir beständig um Mittel kämpfen, um zum Beispiel Sanierungsarbeiten in unserem Gebäude durchführen zu können. Wir möchten doch alle, dass unsere Kinder und Jugendlichen in einer angenehmen Atmosphäre lernen können.

Online-Redaktion: Und worüber freuen Sie sich am meisten?

Schröder: Dass man die Ergebnisse unserer gemeinsamen Bemühungen sehen kann. Ich freue mich zum Beispiel, dass alle Zehntklässler im Sommer ihren Realschulabschluss und die Neuntklässler den qualifizierenden Hauptschulabschluss, der ihnen das Weiterlernen in der 10. Klasse ermöglicht, geschafft haben. Und ich freue mich, dass unser Kollegium unermüdlich die verschiedenen Projekte durchführt, wie etwa das Mittelalter-Projekt mit dem Winkelmannschen Haus oder das Projekt Ägypten der Ganztagsklasse über die Kultur der alten Ägypter.

Gruppenfoto des Kollegiums der Regelschule „Georg Kresse“
Das Kollegium mit Schulleiterin Undine Schröder (rechts)© Regionale Schule „Georg Kresse“

Ich freue mich auch über das Engagement der Wirtschaft. Unsere Schule hat zwölf Kooperationsverträge mit Betrieben in der Region, in denen unsere Schülerinnen und Schüler ihre Praktika absolvieren können. Die Firmen suchen händeringend Lehrlinge, und unsere Jugendlichen haben gute Chancen, dort unterzukommen. Ich frage meine Schülerinnen und Schüler nach der mündlichen Prüfung immer, wie es denn jetzt weitergeht. Und im Sommer konnte ich feststellen, dass alle einen Ausbildungsplatz bekommen haben oder eine weiterführende Schule besuchen werden.

Online-Redaktion: Vielen Dank für das Interview!

 

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