Respekt und Achtung leben

Als 51. Schule des Landes Brandenburg wurde die Albert-Schweitzer-Schule in Bad Freienwalde nun zur "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ernannt. Dass die "Ehrung" zu Recht erfolgte, weiß, wer den Geist der Schule schon bei ihrem Betreten spürt. Die Worte Albert Schweitzers "Gut ist: Leben erhalten, Leben fördern. Böse ist: Leben vernichten, Leben beschädigen" sind hier nicht nur an der Wand zu lesen. Die dahinter stehende Haltung ist greifbar.

Enthüllung eines Schildes an der Schulwand

130 Schülerinnen und Schüler besuchen die Förderschule "Lernen" des Landkreises Märkisch-Oderland, die den Namen Albert Schweitzer - übrigens von diesem persönlich in einem Brief aus Lambarene verliehen - seit nunmehr bald 50 Jahren trägt. Schulleiterin Gudrun Berntsen weiß: "Seitdem leiten uns seine Worte und Werte. Die Ehrfurcht vor dem Leben, die Achtung vor anderen und deren Lebensweise sind Leitgedanken unserer Ganztagsschule."

Diese Einstellung prägt den gesamten Schulalltag. Erklärtes Ziel ist, so miteinander umzugehen, dass jeder gern zur Schule kommt, dass sich niemand ausgegrenzt fühlt und gemeinsam Konflikte gelöst werden können. "Unsere Schülerinnen und Schüler sprechen so miteinander, dass sie sich auch mit Worten nicht verletzen. Das lernen schon die Kleinsten im Unterricht", versichert die Schulleiterin.

Titelverleihung

Dass dies gelingt und dass sie darauf auch stolz sind, verrieten die Schülerinnen und Schüler bei einer kleinen Feierstunde, in der der Koordinator des Handlungskonzeptes "Tolerantes Brandenburg" der Landesregierung, Bildungsstaatssekretär Burkhard Jungkamp, das Engagement der Schule ausdrücklich lobte. "Eure Bereitschaft, Zivilcourage zu zeigen, belegt, dass sich junge Menschen für ihr demokratisches Umfeld interessieren und das Leben in der Schule mitgestalten wollen." Er freue sich, fügte Jungkamp hinzu, dass es im Land Brandenburg schon mehr als 50 "Schulen ohne Rassismus - Schulen mit Courage" gebe und es stetig mehr würden.

Wie sie ihre Einstellung in die Tat umsetzen, schilderten die Schülerinnen und Schüler. Bezeichnend für ihren Umgang miteinander sei die jährliche Wahl der nettesten Schülerin und des nettesten Schülers. "Wir praktizieren den Respekt vor dem anderen und den achtungsvollen Umgang mit ihm nicht nur im Unterricht, sondern auch in der Pause", berichteten sie dem Staatssekretär. Auf Fairplay werde auch in den sportlichen Wettkämpfen mit der Käthe-Kollwitz Grundschule und der Theodor-Fontane-Grundschule geachtet.

Schülerinnen bei einer Aufführung

Groß geschrieben und äußerst beliebt ist die Kooperation mit polnischen Schulen, angefangen von gemeinsamen Kunst- und Theaterprojekten bis hin zur Herausgabe eines deutsch-polnischen Kochbüchleins. Nachhaltig wird die Haltung der jungen Menschen auch vom Zusammenwirken mit dem Bertolt-Brecht-Gymnasium geprägt.  Zusammen wurden "Stolpersteine" verlegt, in einer Projektwoche beschäftigte man sich mit dem Leben und Wirken jüdischer Bürger in Bad Freienwalde und gemeinsam gestaltete man eine Rahmenveranstaltung zur Einweihung des jüdischen Gebetshausplatzes.

Unterstützt wird die Förderschule auf ihrem Weg von zwei prominenten Paten. Einer ist der  weltberühmte israelische Klarinettist Giora Feidmann. Mit 75 Jahren ist er nach wie vor in der ganzen Welt unterwegs, auch um zu zeigen, dass Musik alle Menschen begeistert und verbindet. Ende 2012 wird er die Schule besuchen. In einem Grußwort hob er die Bedeutung des Engagements der Schule hervor: "Die Erziehung zu Respekt untereinander ist der wichtigste Beitrag, den die Schule zum Zusammenleben der Menschen leisten kann." Zweiter Pate ist der Fußballprofi Fabian Lustenberger von Hertha BSC. Er wird nach überstandener Verletzung den Schülerinnen und Schülern vom Fairplay auf dem grünen Rasen berichten.

Landrat Gernot Schmidt

Den Stolz der Schule teilten bei der Feierstunde auch Landrat Gernot Schmidt und Bürgermeister Ralf Lehmann. "Ich bin stolz auf euch, denn ihr habt euch auf einen nicht leichten Weg gemacht. Der beinhaltet mehr als Bekenntnisse in einer Feierstunde, der muss täglich gelebt werden", betonte Schmidt. Er ermutigte die Schüler, neugierig auf das Andere und die Anderen zu bleiben und jeden zu achten, der "anders" sei als sie. Ralf Lehmann bat: "Achtet darauf, dass ihr jeglichen Anfängen von Diskriminierung entschlossen entgegentretet." Ein besonders großes Kompliment sprach indirekt die Leiterin des befreundeten Bertolt-Brecht-Gymnasiums, Kristina Doerschel, aus: "Wir wollen der Albert-Schweitzer-Schule nacheifern und ebenfalls den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" anstreben.

Die Idee einer "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" wurde anlässlich des Erstarkens rechtsradikaler Parteien 1988 von Schülerinnen und Schülern sowie Jugendarbeitern in Belgien entwickelt und ist mittlerweile in mehreren europäischen Ländern verbreitet. Allein in Deutschland tragen inzwischen mehr als 1.000 Schulen diesen Titel und
werden dabei bundesweit vom Verein "Aktion Courage" unterstützt. Im Land Brandenburg koordinieren die Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA Brandenburg) das Projekt "Schulen ohne Rassismus - Schule mit Courage". Der Titel wird hier seit 1998 vergeben.

Die Voraussetzungen zum Erwerb des Titels sind:

  • Mindestens 70 Prozent aller Angehörigen einer Schule (Schüler, Lehrer, Sozialpädagogen, Sekretärinnen, Hausmeister etc.) verpflichten sich mit ihrer Unterschrift, sich künftig gegen jede Form von  Diskriminierung an ihrer Schule aktiv einzusetzen, bei Konflikten einzugreifen und nachhaltige Aktionen durchzuführen.
  • Mindestens ein Mal pro Jahr wird ein Projekt zum Thema "Diskriminierung" entwickelt, um langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen.
  • Schulen ohne Rassismus müssen eine Patin oder einen Paten gewinnen, die oder der das Projekt begleitet und unterstützt. 

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