Mit Charly Sunshine in der Ganztagsschule

Kajakpaddeln auf der Ruhr, Pflanzenzüchten mit der Garten-AG, Ruhrpottkick und Charly-Sunshine-Band on Tour – die Carl-Sonnenschein-Schule Iserlohn, Förderschule des Landkreises „Märkischer Kreis“ und gebundene Ganztagsschule, ist drinnen wie draußen in Bewegung.

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Let the Sunshine in! Wenn die Charly-Sunshine-Band anklopft, dann lässt man sie gerne herein. Seit 27 Jahren besteht die Schulband der Carl-Sonnenschein-Schule in Iserlohn nun schon und ist über die Stadt im nördlichen Sauerland hinaus bekannt. Wenn im Februar 2018 im Iserlohner Rathaus der Stefan-Haacke-Preis verliehen wird oder das Stadtteilfest steigt, sorgt sie für das musikalische Rahmenprogramm. Daneben tourt sie auch bei entsprechenden Anlässen durch nordrhein-westfälische Städte wie Bielefeld, Oberhausen, Dortmund, Solingen, Hagen und Essen. 2004 hatte die Band bei „Die FIFA-WM in der Schule“ einen Auftritt im Müngersdorfer Stadion in Köln, 2010 auf der Landesgartenschau im benachbarten Hemer und 2011 als Vorband von Guildo Horn in Neuenrade.

CD-Cover der Schulband
CD der Charly Sunshine Band© Carl-Sonnenschein-Schule

Die momentane Bandbesetzung besteht aus einem Schlagzeuger, einem E-Bassisten, einem E-Gitarristen, zwei Keyboardern, zwei Sängerinnen und einem Sänger. Unter der Leitung von drei Musiklehrern treffen sich einmal wöchentlich die bis zu zehn Schülerinnen und Schüler, um für ihre nächsten Auftritte zu proben. Jedes Bandmitglied erhält außerhalb dieser Zeit noch professionelle Einzelförderung für sein Instrument. Das Repertoire der Charly-Sunshine-Band umfasst Cover-Versionen von Songs von Christina Stürmer über Michael Jackson bis zu den Rolling Stones. Inzwischen liegen schon einige CDs vor.

Erfolgserlebnisse auf dem Wasser

„Raus gehen wir ständig“, verrät Claudia Fritz, seit einem Jahr Schulleiterin der Carl-Sonnenschein-Schule. Auch die Kanu-AG verlässt regelmäßig das Schulgelände im Vorort Sümmern und reist mit dem schuleigenen Bus und dem Bootsanhänger ins benachbarte Ruhrtal, um dort die Kanus und Kajaks ins Wasser zu bringen. Die Kanu-AG ist seit Jahren ein fester Bestandteil des Angebots der Schule mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ mit Primar- und Sekundarstufe I und II. „In der AG machen bis zu sieben Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen erste Erfahrungen mit den Booten und lernen die Grundtechniken in diesen Sport“, berichtet Claudia Fritz.

Paddeln auf der Ruhr© Carl-Sonnenschein-Schule

Im Sommerhalbjahr wird das Bootshaus des Kanuclubs Wickede zum Stützpunkt der Schülerinnen und Schüler und der zwei begleitenden Lehrer. Dort paddeln sie auf den ruhigen Gewässerabschnitten der Ruhr. Im Winterhalbjahr geht es ins Lehrschwimmbecken der Schule. Dort trainieren die Schülerinnen und Schüler ihre Kondition, lernen verschiedene Techniken des Kajakfahrens, wozu beispielsweise auch das sichere Aussteigen nach einer Kenterung gehört.

Die stellvertretende Schulleiterin Barbara Hülsmann erzählt: „Das Kajakfahren bietet unseren Schülern eine Herausforderung in einer für sie meist abenteuerlichen neuen Sportart, und sie erfahren hier oft schnelle Erfolgserlebnisse. Dieser Sport schafft ein hohes Maß an Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein sowie Selbstvertrauen. Und unsere Kinder lernen in der Gemeinschaft den Erlebnis- und Naturraum Wasser und die Bewegung in freier Natur neu kennen.“

Gruppenfoto des Fußballteams
© Carl-Sonnenschein-Schule

Das Rausgehen bezieht sich für die rund 230 Schülerinnen und Schüler aber nicht nur auf musikalische und sportliche Aktivitäten. Die nach dem katholischen Theologen und Sozialreformer Dr. Carl Sonnenschein (1876-1929) benannte gebundene Ganztagsschule, an denen die Kinder und Jugendlichen montags bis donnerstags bis 15.30 Uhr lernen, bezieht ständig außerschulische Lernorte ein: Museen, Imkerei, Feuerwehr, Polizei und Krankenhäuser. Zur Berufsvorbereitung geht es für die Schülerinnen und Schüler zu Praktika in Betriebe wie das Café Bahnsteig 42, das von den Iserlohner Werkstätten betrieben wird, oder ins Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft Märkischer Kreis. Jährlich beteiligt sich die Schule am „Ruhrpottkick“, dem landesweiten Fußballturnier der Förderschulen mit dem Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“.

Schulgarten mit langer Tradition

Pflanzenbeet im Garten der Carl-Sonnenschein-Schule
Semi-professionell: Pflanzenzüchten in der Garten-AG© Redaktion

Um an der frischen Luft tätig zu sein, muss man das Schulgelände der ehemaligen Landschule aber auch nicht unbedingt verlassen. Gleich zwei Schulhöfe gibt es: einen für die Primarstufe und einen für die Sekundarstufe. Rutschen, Schaukeln, Klettergeräte und Trampolin laden zum Spielen und Toben ein. Viele der Geräte sind durch den Förderverein finanziert worden. Auch der Schulträger, der Landkreis Märkischer Kreis, hat investiert. Das Fußballkleinfeld, das laut Schulleiterin Fritz „den Kindern auch eine große Möglichkeit bietet, sich auszupowern“, konnte die Förderschule dank Spenden aufbauen.

Auf eine längere Tradition, nämlich stolze 33 Jahre, kann der Schulgarten zurückblicken. Damals wurde auf Initiative von Lehrkräften und Eltern ein Gewächshaus aufgebaut. Über die Jahre hat sich das Gelände mit vielen Beeten und der Hilfe eines „tollen Außenarchitekten“ immer mehr erweitert, wie Lehrerin Hedwig Stankiewicz meint, die für den Garten und die Garten-AG verantwortlich zeichnet.

Hedwig Stankiewicz (l.) und Schulleiterin Claudia Fritz© Carl-Sonnenschein-Schule

„Hier gibt es das ganze Jahr über etwas zu tun: gießen, jäten, zuschneiden, Laub fegen, umtopfen, Paletten und Töpfe sortieren“, zählt sie die Arbeiten der Garten-AG und der Berufspraktischen Arbeitsgruppe auf. „Die Schülerinnen und Schüler machen sich auch mit Geräten wie dem Schredder und dem Hochdruckreiniger vertraut. Manche sind schon alte Hasen, die immer wieder gerne in den Garten kommen. Bei den vielseitigen Aufgaben entdecken einige ihre Neigungen für das, was sie besonders gerne tun, wie zum Beispiel zu gießen.“

Pflanzen ziehen und verkaufen

Blumen, Kräuter, Stauden, Beeren wachsen hier, und alles wird von den Schülerinnen und Schülern in Schuss gehalten, während sich in den Ferien die Lehrerinnen und Lehrer um das grüne Wohl sorgen. Geerntet werden Birnen, Äpfel, Himbeeren, Erdbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren, Tomaten, Kräuter, Gurken und Kürbisse. Die gepflückten Blumen dienen unter anderem zur Dekoration im Speisesaal.

© Carl-Sonnenschein-Schule

Schon als semi-professionell kann man das Pflanzenzüchten der Garten-AG beschreiben. Seit Jahren ziehen die Schülerinnen und Schüler selbst die Blumen aus Mutterpflanzen und Ablegern, die sie dann am „Grünen Tag“ im Frühling verkaufen. „Ich decke mich da auch ein“, erzählt die Schulleiterin. „Es gibt Kunden aus der Stadt, die immer wiederkommen, und Ehemalige, die vorbeischauen.“

Der „Grüne Tag“ ist über die Jahre immer größer geworden – inzwischen ist aus der kleinen Verkaufsaktion selbstgezogener Pflanzen ein richtiges Frühlingsfest geworden, auf dem die Schülerinnen und Schüler neben den Balkonpflanzen, Sommerblumen, Kräutern und Stauden auch selbstgefertigte Dekoartikel verkaufen. An verschiedenen Ständen werden Speisen und Getränke angeboten, die Tanz-AG unterhält die Gäste ebenso wie – natürlich – die Charly-Sunshine-Band. An Präsentationswänden können die Besucher sehen, was die Carl-Sonnenschein-Schule ausmacht.

„Die CSS hilft Dir, wo sie kann“

Gruppenfoto des Kollegiums der Carl-Sonnenschein-Schule
Zum Kollegium gehören Lehrkräfte, Integrationshelfer und Schulsozialarbeiter.© Carl-Sonnenschein-Schule

Da ist zum Beispiel der klar strukturierte Tag mit 90-Minuten-Unterrichtseinheiten und langen Phasen für Erholung und Ruhe. „Die Schülerinnen und Schüler gerade der unteren Jahrgangsstufen benötigen verbindliche Zeiten, Ansprechpartner und Räume“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Barbara Hülsmann. „Jede Veränderung bringt Unruhe.“

62 Lehrkräfte und 25 Integrationshelfer sowie der Schulsozialarbeiter Ulrich Klaus arbeiten eng zusammen, um jeder Schülerin und jedem Schüler gerecht zu werden. „Die Klassenteams sprechen sich ab und bereiten den differenzierten Unterricht vor. Teilweise sind die Klassen mit zwei Lehrkräften und einem Integrationshelfer doppelt besetzt“, erklärt Barbara Hülsmann. „Unterricht heißt bei uns soziales und handlungsorientiertes Lernen. Vieles ist darauf angelegt, von den Schülerinnen und Schülern in Partnerarbeit oder in Teams erarbeitet zu werden, und wir dosieren die Inhalte und Methoden unterschiedlich.“

Technikprojekt der Berufspraxisstufe© Carl-Sonnenschein-Schule

Ein Schwerpunkt ist die „digitale Teilhabe“: In der Carl-Sonnenschein Schule stehen den Schülerinnen und Schülern iPads, Notebooks, Beamer, Camcorder und Digitalkameras zur Verfügung, denn selbständige Lebensführung ist aus Sicht der Schule eng mit der sinnvollen Nutzung von Medien verknüpft. Medien schaffen Handlungskompetenz, zum Beispiel mittels Visualisierung und Vertonung. Seit 2016 gibt es das Pilotprojekt iPads zur Kommunikationsförderung, kognitiven Förderung und Kreativitätsförderung. UK – Unterstützende Kommunikation – gibt es einmal pro Woche in der „Talker-Gruppe“.

Das Besprechen, Reflektieren und bildliche Darstellen des eigenen Lernprozesses gehört für die Schülerinnen und Schüler immer dazu. „Sie können sich auch selbst kritisch sehen“, so Claudia Fritz. „Am Ende des Tages und der Woche mit dem Klassenrat besprechen wir alle zusammen, was sie erreicht haben. Wenn die Schülerinnen und Schüler das Ergebnis ihrer Arbeit sehen, sind sie zufrieden und stolz. Und wir ermuntern sie, weiterzulernen.“ Ganz gemäß dem Lied der Charly-Sunshine-Band: „Die CSS hilft Dir, wo sie kann“.

 

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