"Bildung sichert die Zukunft Frankfurts"

Schon früh hat sich die Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main für den Ausbau der Ganztagsschulen engagiert. In einem Interview mit der Online-Redaktion erläutert Petra Roth die zentrale Bedeutung der Bildung für die Zukunft ihrer Stadt. Dabei sind die Ganztagsschulen angesichts des gesellschaftlichen Wandels für die hessische Politikerin ein Baustein, um die Herausforderung der Bildungsgerechtigkeit zu meistern. Ein neues IZBB - Programm des Bundes wäre ihrer Meinung nach eine gute Antwort.

Porträtfoto Petra Roth

Online-Redaktion: Frau Oberbürgermeisterin, warum ist Bildung für Sie von ausschlaggebender Bedeutung? Was hängt von ihr für die Kommune ab?

Petra Roth: Bildung sichert die Zukunft Frankfurts als Kultur- und Finanzmetropole ebenso wie die gesellschaftliche Teilhabe der Frankfurter und insbesondere der Jugend.

Online-Redaktion: Zum Auftakt ihrer Bildungsreise hat Dr. Angela Merkel eine Kindertagesstätte in Frankfurt am Main besucht. Warum hat es sich für die Bundeskanzlerin gelohnt?

Roth: Die Bundeskanzlerin informiert sich in vielen großen Kommunen über die Vielfalt der Betreuungs- und Bildungssysteme. Es ist ein gutes Zeichen, wenn Bildung "Chefsache" wird.

Frankfurt nimmt das Thema der frühen Bildung und Betreuung ernst und betreibt einen erheblichen Platzausbau in der Altersgruppe des ersten bis sechsten Lebensjahres.

Diese Anstrengungen sind nur in einer wirtschaftlich günstigen Situation zu bewältigen. Die Bundeskanzlerin konnte auch das differenzierte Angebot der Kommune und der freien Träger kennenlernen, welches im Rahmen des Subsidaritätsprinzip entstanden ist.

Online-Redaktion: Sie gelten als Befürworterin und Streiterin für die Ganztagsschulen. Wie ist es dazu gekommen?

Roth: Der gesellschaftliche Wandel, die gleichberechtigte Berufstätigkeit von Mann und Frau, sprechen für die Ganztagsschule, die für Kinder- und Jugendliche einen Sozial- und Lebensraum bietet, die Bildungsangebote intensiviert und die Eltern entlastet.

Online-Redaktion: Zum 50jährigen Jubiläum des Ganztagsschulverbandes GGT e.V. haben Sie über die Relevanz der Ganztagsschulen gesagt: "Wir sind ein Stück weiter, aber ich hoffe, wir kommen in den nächsten Jahren schneller voran". Sind Sie aus heutiger Sicht mit dem Erreichten zufrieden?

Roth: Im Vergleich zu anderen Kommunen sind wir bereits jetzt gut aufgestellt; ich wünsche mir noch mehr Ganztagsschulen, die am Nachmittag mit den regionalen Vereinen und Verbänden zusammenarbeiten.

Online-Redaktion: Wie kann eine Kommune ihrer besonderen Verantwortung beim Ausbau von Ganztagsschulen gerecht werden?

Roth: Neben der notwendigen konzeptionellen Planung müssen die Mittel entsprechend sein, sonst kann hier kein Ausbau vorgenommen werden.

Online-Redaktion: Haben die Mittel aus dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) dem Ausbau der Ganztagsschulen in Frankfurt am Main zusätzlichen Schwung verliehen?

Roth: Das IZBB hat einen wichtigen Beitrag geleistet und war ein Schritt in die richtige Richtung. Sonderprogramme, die finanzielle Ressourcen beinhalten, beschleunigen natürlich unsere Vorhaben positiv.

Online-Redaktion: Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Ausbau, welche Schwerpunkte haben Sie gebildet?

Roth: Ein äußerst wichtiges Modul zur Realisierung der Ganztagsschule war der Bau von 20 Cafeterien für die Sekundarstufe I und II, hier haben wir unseren Schwerpunkt gesetzt.

Online-Redaktion: Leisten die Ganztagsschulen aus Ihrer Sicht einen Beitrag dazu, die Koppelung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu überwinden, und sehen Sie die Stadt auf dem Weg zur Chancengerechtigkeit? 

Roth:  Die Ganztagsschulen leisten einen wichtigen Beitrag, sind aber nur ein Baustein in der Gestaltung einer Bildungs- und Betreuungslandschaft, die Chancengerechtigkeit herstellen soll.

Online-Redaktion: Welche Anstöße geben Sie für die lokale Bildungslandschaft und inwiefern sind sie ein Beitrag zum "Lebenslangen Lernen"?

Roth: Neben dem Ausbau der Ganztagsschulen, weiterer differenzierter schulischer und außerschulischer Betreuungsmodelle ist der Bereich der frühen Familienbildung ebenso wichtig wie die Sicherstellung des Überganges von der Schule in den Beruf.

Lebenslanges Lernen ist im Rahmen der gesellschaftlichen Partizipation in der Aus- und Weiterbildung wichtig. Hier kann das Projekt Hessen Campus in Frankfurt wichtige Impulse setzen.

Online-Redaktion: Ein Blick in die Zukunft: über welche Zeiträume sprechen wir, wenn wir über den Erfolg von Ganztagsschulen nachdenken? Was halten Sie bis wann für realistisch?

Roth: Ein neues IZBB - Programm des Bundes wäre eine gute Antwort auf diese große  Herausforderung. Gute Bildungspolitik ist die Vorraussetzung für erfolgreiche Wirtschaftspolitik.

Wenn dann noch die Länder, die originär für die Bildung zuständig sind, zusammen mit den Kommunen ihre Anstrengungen erhöhen, sollte ein flächendeckender Ausbau in einem erträglichen Zeitraum möglich sein.

Petra Roth geboren am 9. Mai 1944 in Bremen. Sie hat das Gymnasium mit der Mittleren Reife abgeschlossen und die Höhere Handelsschule besucht. Vorsitzende der Frankfurter Frauenunion (1989-1992). Dreimal in Direktwahl Mitglied des Hessischen Landtags. Seit 25. Juni 1995 in der ersten Direktwahl und als erste Frau zur Oberbürgermeistern Frankfurt am Mains gewählt. 2005 zur Vizepräsidentin des Deutschen Städtetags gewählt. Seit dem Juni 1997 wirkte sie turnusgemäß insgesamt vier Jahre als Präsidentin, drei Jahre als Vizepräsidentin und darüber hinaus ein Jahr als Amtierende Präsidentin.

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