Sommer im Ganztag mit den Farben des Regenbogens

„Weg vom Schulalltag, hinein ins Abenteuer“ – ob auf dem Schulgelände, im Jugendzentrum oder per Ausflug ins Grüne. Überall im Land sind Ganztagsschulen, Städte und Gemeinden bereit.

Am Strand von Warnemünde.© Lena Plesch

„Nicht allein das A-B-C bringt den Menschen in die Höh‘“ – die Wilhelm-Busch-Grundschule in Erfurt macht ihrem Namensgeber alle Ehre: Gemeinsam mit der Grundschule am Schwemmbach bildet sie bald wieder ein „Ferienzentrum“. Kreativtage und Projekttage – „Indianer in der Schule“, „Spirit of Football“ – wechseln sich ab mit Ausflügen durch das Landschaftsschutzgebiet Steigerwald, ins Museumsdorf Hohenfelden oder zur „Rumpelburg“ in Bad Langensalza.

Die Bedeutung von Ferienprogrammen im Sommer kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Zum einen geht es da um Fragen der Betreuung für Kinder berufstätiger Eltern. Doch Ferienprogramme haben einen Eigenwert. Spiel, Sport und Spaß verbinden sich mit Bildung und vielfältigen Anregungen. Alle Kinder sollen aus den Ferien gestärkt durch viele Erlebnisse, neues Selbstbewusstsein und auch neues Wissen zurück in die Schule kommen. Ganztagsschulen, Städte und Gemeinden haben viel zu bieten. Eine winzige Auswahl stellen wir wieder –stellvertretend für alle – vor.

Ferien im Li-La-Laune Land

Hund in der Schule
Seit 2016 ein interessierter Zuhörer: Lesehund Yuma© Grundschule Weißenbrunn

„Wir denken Schule über Unterrichtsschluss hinaus“ heißt es in der Grundschule Weißenbrunn im Landkreis Kronach, wo die Kinder mit Maskottchen „Stiftla“ lernen, bei der „Miniphänomenta“ forschen, Bienenpate Reiner P. die Schulimkerei unterstützt, regelmäßig die BRASSkids aufspielen und wöchentlich die Lesehunde Yuma, Fiona und Nelly die Offene Ganztagsschule (OGS) besuchen. Zur „ausgeprägten Feedbackkultur“ der Schule gehören Elternumfragen, und so weiß die Schule seit 2015, dass 80 Prozent der Eltern eine Ferienbetreuung wünschen. Seither bietet die OGS in fünf Wochen über das Jahr verteilt ein Ferienprogramm von 7.30 bis 16 Uhr an.

An der Otfried-Preußler-Schule und der Grundschule Garthestraße in Köln-Riehl sorgen die Riehl Kids mit 45 pädagogischen Fachkräften für das Ganztagsangebot – bis auf drei Wochen auch in allen Ferien. Die Kinder können sogar wochenweise ihr Ferienprogramm wählen: kreative, sportliche, forscherorientierte und naturbezogene Themen und darüber hinaus oft eine einwöchige Ferienfreizeit.

Experimentieren und Forschen im Offenen Ganztag.© Grundschule Weißenbrunn

Träger der OGS der Mohnwegschule in Bergisch Gladbach, in der die Kinder ebenfalls in den meisten Schulferien von 7 bis 15 Uhr oder 16.30 Uhr betreut und gefördert werden, ist der Elternverein Li-La-Laune Land. Er wurde 1994 von Eltern gegründet, damals mit 20 Kindern und Betreuung bis 14.30 Uhr, und ist seit 2005 Träger der OGS. Er betreut heute 108 Kinder, was die Kapazität sogar ziemlich überschreitet, aber das ist in anderes Thema.

Ein Ferien-Regenbogen von Profi-Pädagoginnen

In der Samtgemeinde Brome haben ganz klar Profi-Pädagoginnen das Ferienprogramm –  täglich von 8 bis 16 Uhr – für die Kinder der Ganztagsgrundschulen Brome, Rühen und Parsau erstellt. Motto der Ferienzeit: „Die Farben des Regenbogens“. Deshalb hat jeder Tag eine Farbe als Überschrift und beginnt mit dem Impuls: „Wir suchen in der Natur die Farbe. Bedeutung der Farbe.“

Freibadbesuch als fester Bestandteil des Sommerferienprogramms.© Vanellus via Wikimedia, CC BY-SA 3.0

Dann kommt der „praktische Teil“: „Rot: Wir kochen Rote Grütze.“ „Grün: Waldtag“. „Blau: Freibad Brome“. „Violett: Wir fertigen Duftsäckchen aus Lavendel.“ „Bunt: Wir fahren in den bunten Bromer Burggarten“. „Gelb: Wir suchen den Blumenladen in Rühen.“ Kein Tag wiederholt sich, denn eine Woche später steht unter „Grün: Besuch beim VfL Wolfsburg“, unter „Blau: Trainingseinheit beim SV Blau-Weiß Rühen“ und unter „Rot: Wir besuchen das Pflegeheim und verteilen unsere Herzen. Tag der netten Worte, verfasst in einem Brief.“

Am ersten Tag hat jedes Kind ein Tagebuch erhalten – und an jedem Nachmittag ist auch „Zeit fürs Tagebuch“ eingeplant. Das Ferienprogramm endet mit dem „Rückblick: Wie waren die Ferientage?“ Und hier kommt natürlich das „Tagebuch“ ins Spiel. Präsentation, Aufführung, Kaffee-Teezeit mit den Eltern inbegriffen. Prädikat: Besonders eindrucksvoll!

Kiekemal: „Weg vom Schulalltag, hinein ins Abenteuer“

Außenasicht des Bootes "Kiekemal"
Brandenburg vom Wasser aus erkunden: Ferienfreizeit auf der MS Kiekemal.© Erik Dähn/DeDrait

Dass sich eine Kiekemal-Grundschule eigentlich nur in Berlin befinden kann, konnte sich der Berliner Teil der Redaktion denken. Die offene Ganztagsschule in Berlin-Mahlsdorf mit Öffnungszeiten von 6 bis 18 Uhr kooperiert mit der Technischen Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft. „Weg vom Schulalltag, hinein ins Abenteuer“, heißt es nun. Ein seit Jahren erfolgreiches Angebot des Erzieherteams sind Ferienfahrten, z. B. mit der “MS Kiekemal“, einer „15-Meter-Motoryacht für 8 Leichtmatrosen“, um Brandenburg von der Wasserseite aus kennenzulernen.

Doch nicht nur in Grundschulen, auch in weiterführenden Schulen „kommt Vorfreude auf“, wie in der Wümmeschule Ottersberg. Denn das Ferienprogramm, zu dem Vereine, Institutionen und Parteien beigetragen haben, verspricht ganze 38 Mal „Abenteuer, Action, Natur pur, Sport oder Spaß“. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Bau eines Insektenhotels? Oder „Minigolf im Dunkeln“? Oder dem Nachmittagseinsatz bei der Feuerwehr? „Mal anders fortbewegen“ können sich alle beim TSV Ottersberg oder beim SV Posthausen die Sportart Bogenschießen kennenlernen, natürlich unter Beachtung aller Sicherheitsregeln. Und dann gibt es da noch die JUKUs, die Jugendkulturhäuser, wo eine „Schrauberwerkstatt“ für Mofas, Motorroller und Mopeds lockt.

© Anni Spratt via Unsplash, CC0

Im Gymnasium am Schloss in Saarbrücken hat die Freiwillige Ganztagsschule mit dem Jugendhilfeverbund des Diakonischen Werks an der Saar ein Programm auf die Beine gestellt. Mit Filmworkshops in der ersten Woche, Sport in der zweiten und künstlerischen Aktivitäten in der dritten Woche. Die Regionale Schule Lüdersdorf freut sich auf das Sommerferienprogramm „Komma7&Kirche“ des Kinder- und Jugendhauses Komma7 und der Kirchengemeinde. Auf dem Programm stehen „Wasserski, Poolen und Chillen“, ein Besuch der Karl-May-Festspiele, ein Kino-Ausflug nach Lübeck und vieles mehr.

Safari in Afrika-Hahnheim und Hollywood in Otterberg

„School is out for summer! – wenn das kein Grund zum Jubeln ist …“ Das sagen nicht wir, sondern der Jugendclub “Vatta Morgana“ in Oranienburg, wo Bürgermeister Alexander Laesicke kürzlich den „Sommerspaß für alle in Oranienburg und den Ortsteilen“  vorstellte, nicht ohne Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeitern, die das „überhaupt erst möglich machen“, zu danken. Nun ist alles bereit für „Sommer, Sonne, Badesee“, für Fahrradtouren, den KreaDienstag im Kreativ-Café, das „Jugendrotkreuz der Superlative“ oder das Interkulturelle Tanztheater „Alles steht Kopf“.

Cover der Ferieprogramm-Broschüre
Cover Sommerferienprogramm der Jugendpflege Nörten-Hardenberg© Flecken Nörten-Hardenberg

In der Verbandsgemeinde Rhein-Selz soll „Kein Ferientag ohne Betreuung“ sein. Also geht es in „Harry Potters magische Welt“, auf „Safari in Afrika“ in Hahnheim, ins Fußball-Sportcamp des JFV Rhein-Selz 2016, zum Erlebnistag mit dem Angelsportverein 1972 Undenheim oder zum Fliegen mit dem MIG Hillesheim. Mit „Universal Otterberg Entertainment“ und Regisseur „Steven Spielfilm“ winkt sogar „Hollywood in Otterberg“. Ein Höhepunkt dürfte dennoch die Fackelwanderung mit VG-Bürgermeister Klaus Penzer sein.

In Nörten-Hardenberg nimmt der NABU „Kobolde der Nacht“ mit auf Expedition zu den Fledermäusen, warten Workshops wie „Propellerauto löten“ und „Knatterboot bauen“, Ukulele- und Trommelbeat-Kurs, Kochen mit den Landfrauen, Waldabenteuer und ein „Matschbrötchenkino“. Und was ist „Quidditch“? Ganz einfach: „Die bekannteste Sportart in der Zauberwelt“, mit Besen gespielt, „völlig verrückt und macht total viel Spaß!“ In Nörten-Hardenberg wird übrigens die Johann-Wolf-Grundschule ab dem 1. August als offene Ganztagsschule geführt!

© Redaktion

Die Liste der Mitwirkenden am Ferienprogramm der Gemeinde Scharbeutz ist lang. Sehr lang. Nicht nur der FC Scharbeutz, der NTSV Strand 08, der LuftSportClub Condor, der Schachverein Strand und zahlreiche weitere Sportvereine, auch der Verein für Regionalgeschichte, der Hanseatic Tanzclub Lübeck, die DLRG oder die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten beteiligen sich, nicht zuletzt Geschäfte und Privatpersonen. Sechs Monate Vorbereitungszeit stecken in dem Programm, das nun aus 172 Veranstaltungen besteht.

„Mein eigener Grill“

Weinstadt hat schon seit 1981 (!) ein Sommerferienprogramm. Ob bei den „Ferienmachern“ im Haus der Jugendarbeit oder der STARA, der Stadtranderholung für den „Urlaub vor der eigenen Haustür“ mit Angeboten von 8 bis 18 Uhr bei kompletter Vollverpflegung, zu dem der STARA-Bus die Kinder morgens in den Stadtteilen abholt und sie abends wieder heimbringt – jedes Kind und jeder Jugendliche findet Spaß. Auch Ferienkurse in Mathe, Deutsch oder Englisch gehören dazu. Und Oberbürgermeister Michael Scharmann wird persönlich zum „Freibadsturm“ dabei sein. „Nix wie hin“ zum Sommerferienspaß!

Strand von Travemünde
Am Strand von Travemünde.© Redaktion

Wir können uns sofort vorstellen, welchen Anklang in der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn – neben „Schnuppertauchen“, „Radgeschicklichkeit“ und „Einhorn-Girls-Day“ – die Ferienwerkstätten der Handwerkskammer Pfalz finden werden, ob „Designer-Vogelhäuschen bauen“, „Smartphone-Verstärker mit Lautsprechern und Bluetooth-Funktion“, „3D-Drucker bauen“ oder „Mein eigener Grill“.

Der „Ferienexpress“  rast durch Herne, organisiert von Kinder- und Jugendeinrichtungen, Volkshochschule, Bibliotheken, Schulsozialarbeit und anderen. „Auf der Spur des Höhlenbären“ können Forscherinnen und Forscher ab 6 Jahren die Dechenhöhle Iserlohn erkunden. „Glück auf“ heißt es für 10- bis 14-Jährige im Trainingsbergwerk Recklinghausen – und: „Festes Schuhwerk tragen!“ Nur leichtes Schuhwerk benötigen dagegen kleine Tänzerinnen für den Kurs „Prima-Ballerina – ein Traum wird wahr“ der VHS Wanne-Eickel.

© Britta Hüning

Kinder und Jugendliche gehen im „Explorado“ Duisburg auf Forscherreise (Motto: „So schlau macht Spaß“), erleben Strandfeeling beim Beachball Castrop-Rauxel oder erfahren bei der „Iglo“-Werkbesichtigung, wie der Spinat ins Tiefkühlfach kommt (und der „Blubb“ entsteht). Und wer sich schon immer gefragt hat, wo die Busse sind, wenn sie nicht durch die Stadt fahren, erfährt es in der „HCR Busschule“, einem verkehrspädagogischen Projekt der „Straßenbahn Herne-Castrop-Rauxel“. Mit dem Bus geht’s sogar durch die Waschanlage!

„Jetzt kommt Bewegung ins Spiel“

Flaggen der WM-Teilnehmer im Schulhaus
Flaggen der WM-Teilnehmer im Schulhaus der JFMS.© Johann-Friedrich-Mayer-Schule

Alle vier Jahre bekommt der Sommer dieses Kribbeln. Klein und Groß sitzt vor dem Fernseher oder vor Großleinwänden, um die Fußball-Weltmeisterschaft zu verfolgen. Noch Jahrzehnte später erinnern sich damals junge Fans, wo sie welches Spiel gesehen haben. Und bestimmt wird niemand ein Seherlebnis vergessen, das „Live vorm Deich“. „Nach dem Zeugnis ins Achtelfinale“ ist das Motto des SV Aschwarden in Schwanewede (Landkreis Osterholz), auch wenn die DFB-Elf dieses nicht erreichte. Die Gemeinde, 15 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, denkt aber noch weiter: „Projekt WM 2034“ heißt ihr Tag des Mädchenfußballs am 1. Juli im Heidestadion. Denn: „Echte Mädchen spielen Fußball“.

WM-Tattoos auf den Schultoiletten.© Johann-Friedrich-Mayer-Schule

In der Erich-Kästner-Schule Füssen haben die Schülerinnen und Schüler schon „Flaggen wie die Weltmeister“ gemalt, die teilnehmenden Länder kennengelernt und 32 Flaggen auf Fußballtrikots gebracht. Die kleinen Trikots kleben nun auf einem Spielfeld und werden nun nach und nach reduziert. Nicht nur das argentinische Trikot wackelte schon bedenklich...

Richtig weltmeisterlich sieht auch die Johann-Friedrich-Mayer-Schule Kupferzell aus. Neben einem organisierten Tippspiel aller Klassen haben Schülerinnen und Schüler das Schulhaus mit den Flaggen der WM-Mannschaften dekoriert. Sogar auf dem stillen Örtchen herrscht WM-Stimmung: Die Klassensprecher der Schülermitverantwortung (SMV) haben die Wände der Schultoiletten mit Wand-Tattoos aus Fußbällen und Fußballern verschönert – und für Fußballmuffel mit Pusteblumen und Schmetterlingen.

Schülerinnen auf einem Klettergerüst
© Britta Hüning

„Jetzt kommt Bewegung ins Spiel“ heißt es für die Grundschulen Glan-Münchweiler und Nanzdietschweiler. Das Sommerprogramm hält, was es verspricht: Es gibt Bewegungs- und Sportspiele, eine Kinderolympiade und Wasserspiele. Auch eine Wanderung zum Kneipp-Fußtretbecken ist geplant, mit einem gemütlichen Picknick unterwegs.

Bewegte und bewegende, kreative und erholsame Sommerferien wünscht
Ihre Redaktion www.ganztagsschulen.org

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