Inklusion und Offene Ganztagsschule in Essen

Die Caritas im Bistum Essen hat ihr Projekt „Inklusive offene Ganztagsschulen“ abgeschlossen. 32 OGS-Teams aus Duisburg, Mülheim, Gelsenkirchen, Gladbeck und Bochum waren beteiligt.

Wenn Lehrer und Sozialpädagogen an Schulen mit Offener Ganztagsbetreuung eng zusammenarbeiten und gemeinsame Standards für die Abläufe zwischen Unterricht und Nachmittagsbetreuung vereinbaren, ist für die Kinder und Jugendlichen am besten gesorgt. Mit diesem Ergebnis wurde im Mai 2018 das auf drei Jahre angelegte Projekt „Inklusive offene Ganztagsschulen“ des Diözesan-Caritasverbandes Essen abgeschlossen. Ziel des Projektes war es, den Inklusionsanspruch für Kinder an der Offenen Ganztagsschule (OGS) in der Praxis zu verankern und die Qualität der Betreuung insgesamt zu verbessern.

Selbstbewusst inklusive OGS umsetzen

„Die Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe ist gesetzlich festgeschrieben, ebenso die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf inklusive Bildung für alle Kinder und Jugendlichen durch die UN-Behindertenrechtskonvention von 2010“, erklärt Martina Lorra, Kinder- und Jugendreferentin im Diözesan-Caritasverband Essen, „wir haben also allen Grund, selbstbewusst inklusive OGS umzusetzen.“

Inklusive Betreuung zielt nicht allein auf Kinder mit Behinderungen, sondern auch mit Lernschwierigkeiten, Fluchthintergrund, sozialen oder emotionalen Schwierigkeiten - kurz: Jedes Kind wird mit seinen persönlichen Voraussetzungen wahrgenommen und begleitet. Standards zu entwickeln, damit jedes Kind seinen Anlagen entsprechend in der Ganztagsbetreuung zu seinem Recht kommt, war Aufgabe des Projektes der Caritas gemeinsam mit 32 OGS-Teams aus Duisburg, Mülheim, Gelsenkirchen, Gladbeck und Bochum.

Die Abstimmung mit dem Lehrerkollegium auf kurzen Wegen ist dabei ein wichtiges Kriterium für die Qualität der OGS-Betreuung. Eine der beteiligten Schulen hatte zum Beispiel während der Projektphase statt eines Lehrerzimmers einen gemeinsamen Mitarbeiterraum eingerichtet, in dem Lehrer und Sozialpädagogen sich nun zu einzelnen Schülern auch tagesaktuell zwischen Tür und Angel abstimmen können und nicht nur nach Terminvereinbarung.

Standards der Finanzierung

Ein weiterer Schwerpunkt des Caritas-Projekts lag einerseits darin, das OGS-Personal für die eigene Haltung gegenüber Kindern und Jugendlichen mit erhöhtem Betreuungsbedarf zu sensibilisieren, andererseits Hintergrundwissen zu verschiedenen Behinderungsformen zu vermitteln, zum Beispiel, dass autistische Kinder empfindlich auf Lärm reagieren und nicht angefasst werden wollen.

OGS wird im Ruhrgebiet zu 80 Prozent von Trägern der freien Wohlfahrtspflege umgesetzt. Die Caritas ist dabei stark vertreten, sie bietet in der Region an 45 Schulen Offenen Ganztag für rund 4.400 Kinder an und kann am jeweiligen Standort nach Bedarf auch Hilfen vernetzen, etwa den Eltern Kontakt zur Erziehungsberatung vermitteln. Die Qualität der Ganztags-Betreuung hängt allerdings stark vom Standort ab. Corinna Stanioch vom Caritasverband Duisburg kritisiert: „Arme Kommunen haben viel weniger Geld, um den Offenen Ganztag gut auszustatten. Wenn die Finanzierung nicht standardisiert wird, haben wir Träger keine Chance, den Offenen Ganztag zu verbessern.“

Für Sabine Depew, Diözesan-Caritasdirektorin, hat das Projekt „Inklusive Offene Ganztagsschule“ die Betreuungsstandards erfolgreich weiterentwickelt: „Die sozialpädagogische Arbeit im Offenen Ganztag wurde von den Schulen lange nicht genug respektiert. Sozialpädagogik ist aber auch in der Lehrerausbildung nicht ausreichend enthalten. Wenn beides zusammenkommt, ist es für die Kinder am besten.“

Quelle: Caritasverband für das Bistum Essen / cs (Pressemitteilung) vom 23.5.2018

 

 


 
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